Dienstag, 15. Juli 2014

Erste Male

"Duuu?" fragt mich Tom am Freitag Abend beim Essen bei Ikea langgezogen. "Duuu, wenn ich so einen Helm habe, dann kann ich doch auch mitfahren?" Mir fällt fast mein Stück Schnitzel von der Gabel. Da habe ich mich doch verhört eben? Hat er nicht im Vorfeld immer wieder betont, daß ihm das gar nicht so recht ist, die Sache mit dem Motorrad? Und nun fragt er mich, ob ich ihn mitnehmen kann? "Öhm, ja, dann könnte ich Dich mitnehmen..." Ich versuche lässig zu bleiben. "Wir können ja die Tage mal schauen, wo wir einen bekommen."
Sonnabend Mittag treffen wir uns in der Stadt. Ich bin mit Gesa wunderbar durch Rheinhessen geschaukelt, war in Biebelnheim beim Reifenhändler und habe mir das schon mal angesehen und bin dann weiter Richtung Rhein gefahren. Durch die ganzen kleinen Dörfer und über die schönen Hügel. Doof nur, daß nach dem Regen der letzten Tage auf den Strassen Lehm verteilt ist, von den Reifen der Traktoren. So muss ich ganz gut aufpassen, denn das Zeug ist jetzt am Vormittag noch feucht und glibschig. In Guntersblum führt mich der Strassenverlauf auf einmal auf die B9. Da will ich doch gar nicht hin. Nach Ludwigshöhe kam man doch anders. Aber egal, jetzt stehe ich hier. Umdrehen ist blöd. Weiterfahren auch. Die Kreuzung ist selten dämlich gemacht. Egal mit was man da unterwegs ist. Sie ist ein einer langen Kurve auf deren Innenseite angeordnet. Dazu geht es von meiner Einfahrt auch etwas bergauf um auf die Strasse zu kommen. Nach links schaue ich gegen ein Verkehrschild und kann ohne Verrenkungen nichts sehen und nach rechts verdeckt der Radius die Sicht. Man sticht also praktisch in den Nebel rein. Ich bin die Strecke von Worms kommend oft genug gefahren um zu wissen, daß hier recht forsch gefahren wird und die 70 auf den Schildern ringsum eigentlich nur zur Zierde dort hängen. Ich fasse Mut und fahre zu.
In Oppenheim schließlich mache ich einen Schlenker zur Burg Landskron hinauf und stelle fest, daß ich in meiner Vorstellung den Parkplatz dort oben völlig vergessen hatte. Aus dem Bild "Gesa vor der Landskron" wird somit erst mal nichts. Denn um jetzt den richtigen Weg zu suchen, fehlt etwas die Zeit. Das wird aber nachgeholt. In Oppenheim gibt es Kopfsteinpflaster und enge und engste Gassen. Das war ein Grund um hier her zu kommen. Das muss auch geübt werden. Es gelingt soweit ganz gut, ist aber verbesserungswürdig. Vor allem, wie ich dann auf die Strasse Richtung Marktplatz abbiege, das bedarf dringend der Überarbeitung. Aber schön, es ist der dritte Tag mit dem eigenen Motorrad, da erwartet man besser erst mal keine Wunder.
In Mainz parke ich Gesa an der Quintinskirche und mache mich auf den Weg zu unserem vereinbarten Treffpunkt. Als Tom dann eintrifft, bestaunt er erst mal meinen Helm. So eine Sonnenblende, das möchte er auch unbedingt haben, denn er ist recht blendempfindlich. Ich schlage vor, erst einmal zu Polo zu fahren. Tom kommt mit zum Motorrad und bestaunt Gesa erst einmal, die in der Sonne blitzt. Wir verabreden uns bei ihm und ich kann dann die Maschine in die Tiefgarage bei ihm stellen und wir fahren mit seinem Auto weiter.
"Womit kann ich Euch denn helfen?" fragt der nette Verkäufer bei Polo in Hechtsheim, als wir bei den Helmen stehen. "Der junge Mann hier braucht einen Helm..." gebe ich zurück.
Schließlich verlassen wir den Laden mit Helm, Handschuhen, einer Jacke und einem Nierengurt. Feste Schuhe hat er (da werde ich aber auch noch Überredungsarbeit leisten müssen) und eine Hose wird es das nächste Mal geben. Dazu habe ich ein Set an Reinigungsmitteln für Gesa mitgenommen und einen Rangierwagen.

                           Das Moto - Minya Racing Team ist angetreten. Wie lautet der Auftrag?

Wir rollen also langsam auf das Tiefgaragentor zu. Gesas Motor macht einen ordentlichen Lärm in der großen Garage. Das Tor öffnet sich und ich fahre langsam die Auffahrt hoch. Blinker links. Abstoppen, schauen und los. Mit Toms Gewicht hinten drauf wird das Fahrverhalten gleich ganz anders. Ich habe ganz gut zu tun, die Fuhre im Gewicht zu halten.
Wir haben den ersten Teil der Strecke besprochen, so daß er nicht vor unliebsame Überraschungen gestellt wird beim ersten Mal. Also fahren wir die Koblenzer Strasse in Richtung Lerchenberg, dort ist es auf sechzig begrenzt und so kann er sich schon mal etwas daran gewöhnen. Und ich auch. An der Auffahrt Lerchenberg fahren wir auf die Autobahn in Richtung Frankfurt auf. Daß dort jetzt eine Baustelle am Autobahnkreuz ist, kommt uns zu Gute. So muss ich nicht so sehr Gas geben und es geht erst mal gemütlich. In Laubenheim fahren wir wieder runter und dann durch Laubenheim durch. Die Abfahrt bin ich ja jetzt schon ein paar Mal mit der Fahrschulmaschine gefahren, aber mit der eigenen und dann noch mit jemandem hinten drauf - das ist eine andere Nummer. Ich fahre wie ein Megaeierbär. Erst als wir den Kreisverkehr hinter uns haben und in Richtung Bodenheim beschleunigen, bekomme ich meine Lockerheit zurück. Wir fahren dann durch Bodenheim nach Gau Bischofsheim (die Strecke kenne ich doch, woher kenne ich die denn...?), dort biege ich aber nicht nach Ebersheim ab, sondern wir fahren weiter nach Lörzweiler. Da von Tom keine Anzeichen kommen daß es ihm nicht gut gehen könnte, erweitere ich die Runde. So fahren wir schließlich weiter in einem schönen Bogen durch die Dörfer und zum Abschluss noch die Strecke von Saulheim nach Partenheim. Dort war ich am Morgen schon gefahren, aber da war noch viel Matsch auf der Strasse gewesen, der ist mittlerweile trocken und so können wir schön fahren. Etwas störend ist lediglich der Autofahrer, der die ganze Strecke von Saulheim an unserem Rücklicht schnuppern muss. Was die Leute von so etwas haben, das werde ich nie ergründen, ich habe aber festgestellt, daß es weit verbreitet ist.
Als wir bei mir zu Hause sind, bin ich erst einmal heilfroh, daß alles geklappt hat und wir gut angekommen sind. Zwar ging das Fahren wunderbar, aber trotzdem habe ich mich manchmal etwas unsicher gefühlt, weil ich zum einen das Fahren als Solches noch nicht so gewöhnt bin und ich zum anderen vorher noch nie mit jemand hinten drauf gefahren bin. Das ist nicht zu unterschätzen.
Tom hat die Fahrt gefallen und er hat auch gut sehen können und ist rundum zufrieden. Daß wir nicht zum Fotografieren angehalten haben, das stört ihn nicht weiter und so machen wir bei mir vor der Haustür ein paar Bilder.

                                                      Fast wie aus dem Katalog...
                                                        Danke an Tom!
Am Montag bin ich wieder alleine unterwegs. Zunächst einmal geht es langsam in Richtung Ingelheim. Ich fahre Gesa vorsichtig warm und bin somit froh, daß nicht so viel auf der Strasse los ist. Als wir gerade aus dem Dorf raus sind, geht die Tankanzeige an und im Display wird nun der seit dem Umschalten auf Reserve zurückgelegte Weg angezeigt. Bis Mombach schaffe ich es aber locker. An der Tankstelle ziehe ich das Futter aus der Jacke und verpacke es in meinem Rucksack. Das war wohl etwas voreilig, wie ich bei der Weiterfahrt feststelle, denn nun weht es reichlich kalt hinein. Ich bin schon geschwitzt und so wird das richtig unangenehm. Bei meinem BMW Händler mache ich Station um noch etwas zu besprechen und um mir einen Termin für die Einfahruntersuchung geben zu lassen und baue schleunigst das Futter wieder ein. Ich werde es einmal probieren ohne Futter, wenn es etwas wärmer ist und ich noch nicht geschwitzt bin.
Da ich den Nachmittag Zeit habe, fahre ich in Richtung Taunus. Es geht erst einmal nach Bad Schwalbach. Die Strecke von hier nach Idstein ist wegen Baustellen gesperrt, also biege ich in die andere Richtung ab, nach Limburg. Es folgt eine wunderbare Kurvenstrecke auf der ich praktisch alleine unterwegs bin. Nur hin und wieder kommt mal ein Auto, oder ein anderer Motorradfahrer mir entgegen, der natürlich freundlich gegrüßt wird. Gesa und ich gleiten höchst zufrieden durch den Wald. Kilometer um Kilometer windet sich die Strasse durch das Tal. In Aarbergen biege ich schließlich ab und mache mich auf den Rückweg. Hier hangele ich mich an der Beschilderung durch einige kleine Dörfer und komme schließlich in Taunusstein wieder heraus. Von hier ab kenne ich den Weg wieder und ich fahre in Richtung Wiesbaden. Es geht nur bergab, über die Eiserne Hand und an der Fasanerie biege ich dann ab und fahre nach Dotzheim. Über einen kleinen Schlenker am Rhein entlang komme ich schließlich nach Mainz. Dort lande ich erst mal im Stau auf der Theodor Heuss Brücke. Als ich das schließlich hinter mir gelassen habe, ist es nur noch ein kurzer Weg bis nach Hause.
Das war also meine erste richtige Kurvenstrecke gewesen. Toll! Ich habe mich heute schon wieder etwas mehr getraut, ich habe an Schräglage zugelegt und ich bin durch nur bedingt bekanntes Gebiet gefahren.






Kommentare:

  1. Respekt an Dich. Ich hatte noch nie jemand mitgenommen, und werde ich auch nie tun. Mir ist das einfach zu gefährlich, die Verantwortung für jemanden mitzutragen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Im Auto kein Problem, habe ich auf dem Motorrad mit MEINEM Gleichgewicht schon genug zu tun und kann da keine unliebsamen Körperreaktionen anderer abfedern. Deshalb: Hut ab vor Deiner Tour!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön!
      Das war auch nicht ohne gewesen. Mir war das jeden Moment bewusst, daß da noch ein zweiter zur Hölle fährt, wenn jetzt was schief geht. (Schön, so schlimm muss es ja nicht immer gleich kommen, aber es ist immer besser die argere Version zu bedenken.) Ich bin deshalb auch ganz besonders vorsichtig gefahren. Dazu kam ja, daß ich nun wirklich nicht über viel Fahrerfahrung verfüge.
      Was mir entgegen kommt dabei ist, daß Tom relativ leicht ist und wir so gewichtsmäßig etwas günstiger verteilt sind. Wäre es umgekehrt, dann würde ich unter keinen Umständen jemanden mitnehmen. Das würde ich mir auch nicht zutrauen.
      Wir hatten auch erst einmal besprochen, daß er möglichst ruhig hinten drauf sitzt und möglichst nicht in den Kurven versucht mitzugehen. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Ich habe zu ihm gesagt, er solle sich am Besten wie ein Sack Zement hinten drauf setzen. Das hat er auch gemacht und das hat fürs erste gut geklappt. Dennoch übe ich erst einmal jetzt das alleine fahren, bevor ich mich wieder daran heran traue ihn mitzunehmen.

      Löschen