Dienstag, 12. Mai 2015

Rain, I don't mind...

+++01.05.2015+++

Na prima. Eines ist sicher, bereits zu diesem Zeitpunkt: Gesa zu putzen hätte ich mir gestern sparen können. Ich bin noch keine halbe Stunde unterwegs, gerade erst über Alzey hinaus, da fallen erste Tropfen auf mein Visier. Den Wolken sehe ich an, daß sie das ernst meinen. Beeindruckend, wie die Wettervorhersage mittlerweile stimmen kann. Ich hasse es, wenn die Wetterapps in solchen Fällen Recht haben.
Ich biege in einem Dorf ab und suche mir einen trockenen Platz um die Regenkombi anzuziehen. Es ist nicht besonders warm heute und so hoffe ich auf etwas zusätzliche Wärme durch die PVC Hülle um mich herum. Und ich hoffe, daß sie nicht wieder irgendwo Wasser durchlässt.

Kurze Zeit später rolle ich im mittlerweile strömenden Regen der Weinstrasse entgegen. Heute am Feiertag ist nicht viel los auf der Strasse, nur vereinzelte Autos und wenn, dann sind es Bus - chen, die stets vor mir auf die Strasse einbiegen. Leute ohne Auto sind fast gar keine unterwegs, nur hinter Wörrstadt habe ich einen Wiesbadener bei seinem, neben der Landstrasse geparkten, Auto stehen und die Windschutzscheibe liebevoll und mit Hingabe putzen sehen. Merkwürdiger Fetisch. "Und was hast Du am Feiertag gemacht?" "Ich habe bei Wörrstadt an der Landstrasse gestanden und die Windschutzscheibe geputzt. War schön." - Nicht mein Ding.

In Monsheim dammelt einer vor mir auf der Strasse rum, der anscheindend nicht weiß, wo er lang möchte. Zum Feuerwehrfest? Nein, doch lieber nach Hause. Er bremst erst und wirft dann doch noch gnädig den Blinker an. Bei solchen Leuten bekomme ich lange Zähne.
Kurz hinter Grünstadt stoppt ein Bahnübergang meinen Lauf.

Es hat sich in der Zwischenzeit richtig eingeregnet. Ich komme nach Bad Dürkheim. In einem der Dörfer habe ich wieder einen dieser Feiertagshelden aufgegabelt, die sonst nie ein Automobil bewegen und die einen Feiertag dazu auserkoren haben, den Rest der Welt an ihren Künsten teilhaben zu lassen. Der Offenbacher vom Bahnübergang ist in diesem Fall jedoch unschuldig. Ich entscheide mich für folgenden Plan. Ich werde in die Richtung fahren, in die der vor mir nicht fährt. Das ist bewährt, das funktioniert. So auch hier. Durch diese Taktik gelange ich auf eine Strasse in Richtung Deidesheim. Die führt mich aber geradewegs auf die Autobahn. Da will ich nun ganz und gar nicht hin. Ich habe aber Glück und es findet sich in letzter Minute noch eine Strasse, die mich woanders hinbringt. So gelange ich schließlich nach Neustadt an der Weinstrasse. Da wenig los ist, komme ich gut durch, nur die Ampeln lassen den Fluß etwas stocken. Ich habe den Eindruck, an den Strassen ist etwas gemacht worden, ich hatte an einigen Stellen Pflasterung in Erinnerung. Aber, mag sein und ich habe es in verkehrter Erinnerung. Wenn man am eigentlichen Zentrum von Neustadt vorbeigeleitet wird, käme man nie und nimmer auf die Idee, daß Neustadt eine wirklich hübsche alte Stadt ist. Bei dem Wetter habe ich jedoch keine Lust auf Sightseeing und ziehe ungerührt von dannen.

Am Rande des Pfälzer Waldes gehen die Wolken zu Fuß. Tief hängen sie bis hinunter zum Hambacher Schloß.

Als ich aus Edenkoben wieder raus will, verstopft ein Bus die Strasse. Es sieht einen Moment so aus, als würde es nicht weitergehen können, weil ein entgegenkommender Autofahrer sich nicht als solcher zeigt und nur vorwärts fahren möchte. 
In Landau orientiere ich mich an Schildern, die mich zur Festhalle führen. Ich kann ihr Dach sogar schon sehen. Doch auf einmal ist sie verschwunden. Einfach weg. Ich lande vorm Bahnhof und entscheide mich für links, das ist aber verkehrt wie sich bald drauf herausstellt. Ich komme ich einen Stadtbezirk, in dem alles mit "Horst" heißt. Bis hin zum "Horstsportverein". Der einzige Ausweg scheint auch hier wieder die Autobahn  zu sein. Zu der will ich aber immer noch nicht. Da komme ich noch früh genug hin. Also wende ich und fahre zurück zum Bahnhof. Und siehe da: Karlsruhe ist ausgeschildert. Warum nicht gleich so!
Vor Bad Bergzabern biege ich auf eine schöne kleine Strasse ab und hinter Steinweiler halte ich auf Kandel zu.

Schnurgerade führt die Strasse durch die klatschnasse Landschaft. Der Regen ist kein bisschen schwächer geworden. Aber wenigstens bin ich immer noch trocken in meiner Pelle.
Schnurgerade nach vorne und nach hinten. Dazwischen nur Gesa, ich und der Regen.
Kurz vor Kandel sehe ich tatsächlich mal wieder ein paar Motorradfahrer. Eine ganze Gruppe, die einen schönen Erste Mai Ausflug machen. Fröhliches Winken von mir, etwas zähe Erwiderung von ihnen. Vielleicht doch nicht so schön. Hm.
In Kandel ist es mal wieder typisch. Es stehen sonst was für Ortschaften angeschrieben, Wissembourg, Lauterbourg - aber Wörth? Ich habe mich für die richtige Richtung entschieden, als ich einen Wegweiser nach Jockgrim finde. Das kenne ich und da fahre ich jetzt hin. Es ist zwar ein kleiner Umweg, aber das habe ich nun halt davon, daß ich heute nicht mit Karte und auch nicht mit Navi gefahren bin. In Wörth biege ich auf die Autobahn ab und überquere den Rhein. Bei einem Schild, das das Zentrum von Karlsruhe verspricht, fahre ich ab. Ich biege zwar in die richtige Richtung auf die Kriegsstrasse ab, finde aber mein Hotel dennoch nicht. Die Nummerierung ist nicht ohne. Nach den Nummern müsste ich ganz in der Nähe sein. Irgendwas stimmt hier nicht. Na gut, suche ich also eine Tanke. Denn, morgen früh soll ich mit vollem Tank antreten. Was ich suche finde ich aber nicht. Auch das Händi gibt da keine wirkliche Hilfestellung. Blöd ist, daß ich im Kopf die Stadtmitte immer auf der falschen Seite der Kriegsstrasse vermute. Das bekomme ich auch nicht raus. So ergibt das alles keinen Sinn für mich. Nachdem ich mehrfach gewendet habe und in der Zwischenzeit auch den Hauptbahnhof schon mal vorm Lenker hatte, beschließe ich eines nach dem anderen zu suchen. Guter Plan. So fasse ich auch Mut, noch ein Stück weiter zu fahren als meine Orientierung mir sagt und sehe tatsächlich mein Hotel auf der anderen Strassenseite. Der Sinn dieser Nummerierung erschließt sich mir nicht. Oder ich bin einfach zu doof...

Ich parke Gesa auf der Strasse vor dem Hotel und lade meine Gepäckrolle ab. Gesa und ich sehen aus... Ich klemme mir meine Sachen unter den Arm und öffne die Tür. Mist, den Plastik - Seetang habe ich wieder vergessen. Die Frau hinterm Tresen grinst und reicht mir erst einmal ein Tuch für die nassen Hände, damit ich mich in die Anmeldung eintragen kann. Von ihr erfahre ich auch, wo es eine Tankstelle gibt und bringe erst einmal  meine Taschen aufs Zimmer. Die Tankstelle zu finden wird eine wirklich lustige Sache, weil listige Baustelleneinrichter einen auf verschlungenen Pfaden durch die Häuserschlucht leiten. Als ich sie auf der anderen Seite der Kreuzung liegen sehe, bin ich mir zunächst nicht sicher, ob sie überhaupt geöffnet hat, denn es sieht aus, als hätte man den Zuweg abgeklemmt. Das ist jedoch nicht der Fall und Gesas Tank bald voll.
Am Hotel stelle ich sie in eine Garage auf dem Hof und verziehe mich erst einmal ins Zimmer.
Gleich im Eingangsbereich des Zimmers entledige ich mich meiner Regenpelle und hänge sie zum Trocknen auf. Morgen soll es schön werden. Hoffentlich behalten die Wetterberichte da Recht. Heute hat es ja auch geklappt. Ich lege mich trocken und ziehe mir etwas vernünftiges an. Ich muss mich auch schon sputen, denn in der Mail von Frauke sehe ich, daß sie schon ab halb fünf in der Jugendherberge sein wollen. Ich schaue mir den Weg auf dem kleinen Plan, den ich von der Rezeption bekommen habe, an und mache mich mit dem Regenschirm auf den Weg.
Kunstvolle Großbaustelle
Als ich an der Jugendherberge ankomme, sind schon einige da und schicken mich nach oben. Frauke begrüßt mich und ich werde den anderen vom Karlsruher Frauen Motorrad Stammtisch vorgestellt, sowie den anderen, die bislang auch schon angereist sind.
Denn: Morgen ist "International Femal Ride Day"!
Das der Abend wirklich sehr lustig wird und wir noch lange sitzen und uns unterhalten ist klar. Es gibt in der Jugendherberge etwas zu essen und wir haben im ersten Stock einen Raum, in dem wir alle um einen Tisch sitzen können. Wir werden drei Gruppen sein, das war mir schon klar. Daß ich in der sportlichen Gruppe starte, bislang noch nicht... Wir werden sehen!



Karlsruhe im Mairegen




Kommentare:

  1. Wie - schon zuende?
    Och männo - grad so schön eingelesen!
    Das ist ein schöner Bericht, der Lust macht auf mehr! Ich bin sehr gespannt!

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  2. Hmmmpfff ... da schließe ich mich mal in allen Punkten Heike an :-)

    Aber gut, ich neige ja nun auch zu scheibchenweisiger Berichterstattung, also, was mecker ich rum. :-DDD

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    1. Das ganze Wochenende in einem Bericht, das würde dem nicht gerecht werden... Entweder zu kurz oder zu lang.
      Wie heißt es: "Fortsetzung folgt" - immer wenn es spannend wird.
      :)

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  3. Hast Du Deinen Helm nicht mit "Anti-Rain" behandelt? Dann gibbets keinen Droppen uffm Wisier...;-)

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    1. Nein, bislang habe ich das noch nicht. Bisher muss dann immer der Wischfinger ran. Oder mal kurz den Kopf schütteln. Fliegen waren den ja keine unterwegs...

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  4. Hach da kann man so neidisch werden...ich will auch endlich wieder losfahren....
    Schöner Bericht, hab heute schon den ganzen Tag hier verbracht...mehr als lesen kann ich ja derzeit nicht...

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    1. Oh je! Ich habe es gerade gelesen! Da wünsche ich Dir aber ganz schnell eine besonders gute Besserung! Schon alleine wenn man nichts ernstes hat, bekommt man ja wehmütige Gedanken bei jedem Motorrad das draußen vorbeifährt und man nicht mit kann.

      Viele liebe Grüße,
      Minya

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  5. Wieder ein schöner Tripp-Report. Nettes Bananen-Outfit übrigens ;-) Den Regen hatten wir wohl alle irgendwie irgendwo abgekommen... Pässe fahren bei Nasswetter ist ja auch nicht wirklich lustig gewesen, aber wir haben's überlebt und wurden dann in Südfrankreich mit schönstem Wetter belohnt.

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    1. Dankeschön! Es schwankt bei mir immer etwas zwischen Banane und Zitrone. Wenn doch wieder irgendwo Nässe hineingekommen ist, dann tendiert die Stimmung im Inneren in Richtung Zitrone.

      Ich glaube, beim Gedanken an Südfrankreich kann man sich schlechtes Wetter eigentlich gar nicht vorstellen. Das wäre echt zu schade gewesen!

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