Donnerstag, 29. August 2019

New Kid on the Blog

 +++11.08.2018+++

Der rote Bahnbus schaukelt der Stadt entgegen. Neben mir liegen die Lederjacke und der Helm. Vor ein paar Wochen war ich schon mal Bus gefahren. Allerdings ohne Lederjacke. Ich hatte nur ein paar Erinnerungen und ein paar Teile, die ich behalten wollte beim letzten Mal dabei. Ich hatte mich getrennt. Getrennt von meinem alten Leben, getrennt von meinen alten Träumen und Hoffnungen, getrennt von meinem alten Beruf. Diese letzte Fahrt war ein echter Einschnitt gewesen. Sie war aber auch der Aufbruch zu etwas Neuem gewesen. Dieses Neue wartete nun in Dreieich, unterhalb von Frankfurt, auf mich.
Von der Bushaltestelle bis zu Tom sind es nur ein paar Meter, die sind mit der neuen Motorradjeans und den etwas leichteren Stiefeln gut zu bewältigen. Nur mit meiner dicken Lederjacke und dem Helm falle ich ewas auf. Dicke Jacke ist heute reichlich overdressed. Tom wartet schon mit Kaffee auf mich, viel Zeit haben wir nicht, denn es ist Sonnabend und da machen die interessanten Läden früh zu. Also gieße ich den heißen Balsam in mich hinein und bald schon rumpelt der Aufzug mit uns in den Keller, wo Toms Auto steht.
In rund einer Dreiviertelstunde Fahrt haben wir uns durch das halbe Rhein - Main - Gebiet katapultiert und stehen in Dreieich vor der BMW Niederlassung. Hier hatte ich meinen Firmenbus neulich abgegeben, hier werde ich heute etwas Neues in Empfang nehmen. Mit Herzklopfen betreten wir den Verkaufsraum. Ich blicke mich um. Mein forschender Blick geht über die Reihen an Motorrädern, die dort versammelt sind. Dort, am Fenster steht sie!
Ich nicke dem Verkäufer zu, der gerade noch anderweitig engagiert ist und wir pirschen uns an. Neu, unberührt, mit Nummernschild, kein Zweifel, das ist sie.
Wir werden noch auf einen Kaffee vertröstet und ziehen ein paar Runden durch den Raum. Die Minuten werden zu Stunden. Dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, kommt der Verkäufer zu uns. Er begrüßt uns, entschuldigt sich für die Verzögerung und bittet uns an die Maschine.
Die wesentlichen Dinge sind rasch erklärt, viel hat sie nicht, keinen großartigen elektronischen Klimbim, reduziert auf das, was man wirklich braucht. Ich bekomme noch eine Tasche mit Waschlotion für Mensch und Maschine mit und wird sie auch schon raus auf die Straße geschoben. Noch einen Hinweis zu den Reifen, und daß sich schon Mancher mit der funkelnagelneuen Maschine auf den ersten Metern auf den Appel gelegt hätte, dann werden Hände geschüttelt und ich stehe mit ihr da. Tom holt bereits das Auto, ich fummele mich in die Jacke hinein, setze den Helm auf und stopfe die Hände in die Handschuhe. Der Schlüssel steckt, also Bein über die Sitzbank, Schlüssel gedreht und Startknopf gedrückt: "Wrommm!" startet der Motor. Die Maschine schüttelt sich und brabbelt im Standgas. Ich schubse mich zurück, stelle die Spiegel ein, entdecke Tom hinter mir und lasse den ersten Gang einrasten. Klick. Langsam das Gas aufgedreht, die Kupplung kommen gelassen, wir fahren.
Ich bin eine solche Maschine schon gefahren, auch schon die Schwestern, aber mit der eigenen ist das doch noch was anderes. Ich biege an der Ampel rechts ab und wir fahren ein kurzes Stück Autobahn, bevor wir wieder auf die Landstrasse zurückkehren werden. Ich möchte eigentlich nicht gleich als erstes ein schnelleres Stück fahren, also belasse ich es bei 80 Km/h. Die nächste Ausfahrt, nach ein paar Kilometern, ist bereits wieder unsere. Danach geht es sehr behutsam durch den südlichen Speckgürtel von Frankfurt, bis wir bei Rüsselsheim wieder die Autobahn zu fassen bekommen. Durch Rüsselsheim durch, das möchte ich Tom nicht antun, also fahren wir gemütlich auf der Autobahn. In Mainz Hechtsheim, noch vor dem Tunnel fahren wir wieder ab und nehmen den Weg durch die Stadt. Bei Tom angelangt, lässt er mich in die Tiefgarage fahren und mich auf seinen Platz stellen. Er selbst parkt draußen irgendwo. Der Motor dröhnt in der Tiefgarage. Ich drehe den Schlüssel, Brapp, aus.
Den Nachmittag verbringen wir in der Mainzer Neustadt, ohne Motorrad, bei den Hofflohmärkten, gegen Abend, kurz bevor es dunkel wird, mache ich mich dann auf den Weg nach Hause. Unterwegs geht die Tankleuchte an, wie versprochen hält die Tankfüllung nicht allzulange.
Am nächsten Tag bin ich früh auf den Beinen und stehe drüben in der Garage. Gesa schaut etwas neidisch auf die Neue im Stall. Ich drehe eine Runde über Laubenheim und Rheinhessen und bin am frühen Nachmittag wieder da. Ein seltsames Gefühl. Die letzten Wochen waren voll von Wechselbädern der Gefühle, dies ist eines davon. Unter anderen Umständen würde ich mich vermutlich noch viel mehr freuen können. So ist es ein sehr seltsames Gefühl, das ich habe. Ich kann es schwer beschreiben. Es ist toll, aber auch traurig, ich bin etwas leer, aber dennoch stolz und auch ein wenig glücklich.
Am Sonntag drauf drehe ich auch wieder eine kleine Runde, diesmal mit einer "richtigen" Kamera ausgestattet. Ich suche mir eine schöne Location und platziere die Maschine. Das Fotografieren fällt mir schwer, ich kann auf der Mattscheibe der Kamera kaum sehen, ob die Bilder scharf sind, oder nicht. Auch auf dem Monitor kann ich es mehr ahnen, als daß ich es genau sehen kann.









Eigentlich ist es Wahnsinn, mit diesen Augen noch Motorrad zu fahren. Aber andere habe ich in diesem Moment nicht. Ich bin noch hin und hergeworfen in meinen Gefühlen. Da ist Angst, ja auch etwas Panik, da ist Ungewissheit und ein großes schwarzes Loch vor mir. Dennoch spule ich bis zum Winter knapp tausend Kilometer mit der Neuen, noch Namenlosen ab. Bis ich im späten Winter endgültig beschließe es zu lassen, bis sich durch die nun endlich anstehenden Operationen Klarheit über die Zukunft zeigen wird.
Über den Winter habe ich auch Zeit, mich an die Neue etwas anzunähern. Und ihr einen Namen zu geben.
Ladies and Gentlemen, darf ich vorstellen? Paula. Von ihrem Charakter ist sie so, wie man sich eine berliner Göre vorstellt. Und die muss eigentlich Paula heißen. Und sie kommt ja auch aus Berlin.
Ein paar Tage später klingelt des Sonnabends der Paketbote. Es ist Post von BMW.


Eine Broschüre...

...und ein Halstuch. Beim letzten Mal gab es einen USB Stick.

Freitag, 19. Juli 2019

Rund um Erlensee. Honda Presse Tag 2018

Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Ich habe zwei Tage frei. Daß das mein Jahresurlaub ist, kann ich jetzt noch nicht wissen.
Morgen ist der Honda Pressetag 2018, da bin ich in Erlensee eingeladen. Dort wird auf Hondaeigenem Gelände präsentiert werden, was das Flügelimperium der schnellen Welt in diesem Jahr bieten kann. Erlensee liegt irgendwo hinter Hanau. Hanau liegt hinter Frankfurt. Nicht gut. Ich müsste also morgens früh an Frankfurt vorbei. Kein schöner Gedanke. Das kann die Nachtruhe enorm verkürzen, wenn man denn pünktlich sein will. Ich will. Also werde ich heute schon anreisen. Ich mach mich also am frühen Nachmittag mit Gesa auf den Weg. Vielleicht hätte ich vorher noch mal genau überlegen sollen, ob das eine wirklich so gute Idee ist, denn ich merke bald, daß es auch zu dieser Stunde einen nicht zu vernachlässigenden Berufsverkehr gibt. Mein Plan geht also nur bedingt auf. Ich zockele durch Rüsselsheim und verpenne die entscheidende Abzweigung. Das merke ich aber erst, als ich das Ortsgebiet verlasse und in einem Stau auf eine andere Ortschaft zurdümple. Ich enstschließe mich also bei der nächsten Gelegenheit abzubiegen. Die Idee war nicht schlecht, ich kann wieder fahren, aber ich tuckere durch ein nicht enden wollendes Wohngebiet. Und ich habe keine Ahnung, wo ich bin und wo ich rauskommen werde. Irgendwann lande ich auf einer Straße, die ich kenne. So was passiert immer mal wieder. Man denkt, man hat sich nun endgültig verfranzt und wird als Zeichen der Niederlage nun das Händi zücken müssen, um untertänigst Gugel Maps zu fragen, da landet man im letzten Augenblick wieder auf einer Straße, die man kennt. Ich weiß auf einmal wieder wo ich bin und beschließe bei der nächsten Möglichkeit in Richtung Flughafen abzubiegen. Das funktioniert auch und ich finde mich bald auf der Flughafenrandstraße. Ich will aber am Ende nicht in Richtung Rüsselsheim, denn da komme ich her, sondern in die andere Richtung. Ich beschließe, wieder eine "Abkürzung" auszuprobieren. Das müsste klappen. Zunächst komme ich wieder durch unbekanntes Terrain, aber dann plötzlich, als ich schon zweifeln will, komme ich an einen Kreisel, an dem ich mit Tom schon mal gewesen bin. Ich weiß wieder genau wo ich bin und kann ohne Probleme meinen Weg finden. Nun ist es erst einmal einfach. Als Teil der Feierabendschlange brumme ich an Langen vorbei und immer weiter unterhalb von Frankfurt entlang. Ich weiß, daß ich irgendwann links abbiegen muss und beginne langsam danach zu suchen. Eh ich mich wieder irgendwo festfahre, biege ich lieber auf die Tanke ab und lasse die Luft aus Gesas Tank. Hier habe ich nun wieder Gelegenheit die Karte genauer zu studieren und stelle fest, daß ich im Prinzip völlig richtig bin und mein Gefühl mich nicht im Stich gelassen hat. Jetzt ist es nur noch Minutensache, bis ich auf der direkten Linie nach Hanau bin. Mein Hotel befindet sich in der Nähe der Bundesstraße und ich muss nur einmal abfahren und dann abbiegen. Das Hotel macht von außen schon mal einen ganz vernüftigen Eindruck.
Allerdings kann ich nicht vorfahren. Es dürfen keine Motorräder in den Hof. Was hat der Reisedienst denn da gebucht. Ich muss Gesa also auf einem Parkplatz vor dem Gelände abstellen. Da steht schon eine Duke 690 und ich weiß schon ziemlich sicher, wem die gehört. Ich binde also Gesa an und nehme meine Sachen. Das ist nicht viel, denn ich bleibe ja nur eine Nacht. Zudem wird es keine großen gesellschaftlichen Ereignisse geben, also habe ich nur das kleine Besteck mit.
Mein Zimmer ist geräumig, so wie ich es mir schon gedacht hatte, mit begehbarem Kleiderschrank, für den ich gar nicht genügend Klamotten mit habe. Also mache ich mich kurz frisch und gehe dann runter zum Essen. Das fängt nämlich gleich an. Beim Essen finde ich auch schon gleich bekannte Gesichter. Auch Leute, die ich bislang noch nicht live erlebt hatte. So ist es ein wunderbarer Abend und wir unterhalten und blendend. Daß es in der Zwischenzeit draußen wie aus Eimern schüttet, bekommen wir fast gar nicht mit. Das fällt mir erst auf, als ich zurück ins Zimmer gehe und dabei die Außentreppe nehmen will.
Am Morgen trifft sich wieder alles zum Frühstück. Ich habe meinen Tankrucksack schon gepackt und bin im Prinzip danach gleich reisefertig. Das Frühstück ist reichhaltig und abwechslungsreich und entspricht dem Standard des Hotels.
Der Weg nach Erlensee führt mich ein kurzes Stück auf die Autobahn. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wir fahren von Frankfurt weg. In die Richtung will morgens keiner.
Das Gelände von Honda ist in der Nähe der Autobahn, mitten in einem Industriegebiet. Die Nachbarn sind nur Speditionen und Lagerhallen. Das sind Nachbarn, die nicht meckern, wenn es mal ein wenig lauter wird. Hier könnte man auch Sonntagsmorgens Trompete üben.
Von außen sieht das Gelände harmlos aus. Es gibt einen kleinen Rundkurs und eine Kurvenstrecke, einen Hügel mit Rasen und ein L- förmiges Gebäude. Ich rolle auf den Hof. Rechts sind Parkplätze und ich stelle Gesa zwischen ein paar Autos. Der Bus vom Gasgriffsalat steht auch schon da.
Vorm Gebäude ist so ziemlich alles aufgebaut, was Honda im laufenden Jahr irgendwie erneuert, oder überhaupt neu an den Start geschoben hat. Es fehlen also die 250er und die Crossrunner und Tourer. Dafür ist von dem meisten was da ist gleich mehrfach was da. Wir werden also zu tun bekommen. Eben noch zur Anmeldung und dann geht es los.

Es ist angerichtet.




Ich greife als erstes zur neuen CB1000R. Den Vorgänger davon bin ich 2016 gefahren, das war das letzte Jahr, in dem sie angeboten wurde, und ich war seinerzeit sehr begeistert von dieser tollen Maschine. Nun steht das vor mir, was Honda sich als Nachfolger ausgedacht hat. Der Motor stammt von der 2006er Fireblade. Das flößt auf der einen Seite Respekt ein, auf der anderen bleibt das gute Gefühl, nicht gleich mit einer 200PS Rakete anzufangen. Die Maschine wird von ihren Schöpfern als "Neo Sports Café" bezeichnet. Damit ist nicht nur die CB1000R gemeint, sondern auch die CB300 und die CB125. Die sehen auch alle wie Geschwister aus. Nur daß die große schon eingeschult wird und die Kleine erst in die Kita kommt. Ich schiebe die 1000er ein Stück vor. Noch mal schauen, ob das auch wirklich die richtige ist und nicht etwa die 300er, die sehen sich wirklich sehr ähnlich und dann los. Der Motor läuft - typisch Vierzylinder - sehr kultiviert. Die Anzeige im Cockpit wirkt futuristisch. Gang rein, am Gas gedreht und los.
Ich fahre zunächst einmal vor bis zur Ampel und biege links ab. Die Strecke, die ich hier fahre, gefällt mir aber nicht und so drehe ich irgendwann um. Ich versuche es in die andere Richtung. Das sieht besser aus. Hier finde ich, was ich suche. Kurven, schnelle Stücke, langsame Stücke. Kurz alles, was man so an einem Fahrtag auch vorfindet. Die Maschine macht schon ordentlich Druck. Sie klingt nicht unangenehm und lässt sich auch bei meiner Größe locker handhaben. Das war bei der alten CB 1000 auch schon so, allerdings kam sie mir agiler von der Lenkung vor. Die Neue ist da etwas konservativer vom Lenkverhalten. Nach einigen Kilometern mache ich einen Stop und schaue mir este einmal in Ruhe an, was ich da mitgebracht habe.
Klassisch und doch modern.



Alles macht einen gut verarbeiteten Eindruck. Das ist man von Honda nicht anders gewöhnt. Hier klappert und wackelt nichts. Die Crossrunner vor drei Jahren muss ein Ausrutscher gewesen sein.
Das Design der Maschine gefällt mir ausgesprochen gut. Das taugt mir sehr. Der Motor passt mit seiner kühlen Anmutung gut zum Gesamtkonzept.Der Motor gefällt mir überhaupt sehr gut. Er ist sehr präsent und dennoch nicht aufdringlich. Ich hatte die Fahrmodi durchgeklickt und festgestellt, daß sie sich schon im Sportmodus befand. Ich habe die anderen auch noch mal ausprobiert und muss sagen, daß mir der Sportmodus am meisten getaugt hat. Dann macht die Maschine was man von ihr erwartet. Nicht, daß sie sonst schlecht liefe. Aber es gibt hier eben dieses Quentchen mehr. Das Sahnehäubchen sozusagen. Das macht es aus.


Auch auf dem Scheinwerfer, Flagge zeigen.










Schöne Details.










Voll einstellbar. Die Gabel.

Das kann man bei anderen Anbietern suchen.


LED vorne -

- und hinten.

Platz für das Nötigste.

Ich schwinge mich wieder in den Sattel und sehe zu, daß ich zur Basis zurückkehre. Da wartet noch das ein odere andere, was ich testen möchte. Es geht durch nette kleine Ortschaften und vorbei an einem selbstgebauten Blitzerdouble und dann bin ich in wenigen Minuten wieder am Hondagelände in Erlensee.
Jetzt als nächstes greife ich mir eine Africa Twin. Wieder mit DCT und diesmal im Jubiläumsoutfit. Kurz die Nummer notieren lassen und dann geht es los. Die Africa Twin ist überarbeitet, sie hat ein neues Cockpit erhalten und hier und da ein paar Kleinigkeiten korrigiert bekommen. Außerdem hat man an der Sitzposition etwas gefeilt. Das merke ich auch gleich, als ich losfahre, sie fühlt sich anders an, als ich das von ihr kenne. Das DCT ist wohl auch noch mal überarbeitet worden, es schaltet ein wenig dynamischer als der Vorgänger. Das kommt einem richtigen Motorradfeeling schon sehr nahe. Ich nehme die gleiche Route wie eben und mache auch an dem Feldweg halt. Erst mal schauen, was wir da haben.
Der Geruch nach Abenteuer weht um die Nase.



Auf den ersten Blick ist das das, was ich schon kenne. Aber auf den zweiten und dritten, da fallen mir Details auf. Die Sitzposition lässt einen tiefer in der Maschine sitzen. Das kann sehr angenehm sein, aber wenn man noch größer als ich ist, dann wird das auf die Dauer keine gute Beziehung, könnte ich mir vorstellen. Nun sind aber durchschnittlich nur wenige Leute viel größer als ich und fahren Motorrad.









Aufgeräumt, sinnvoll, gut.





Einfach. Deaktivierung des hinteren ABS und der Gravel - Mode.











Nach meiner Runde um die Maschine geht es dann auch wieder auf den Rückweg. Ich komme gut mir ihr zureche, sie ist eine tolle Maschine und ich schwinge locker durch die Radien. Sie überfordert nicht und zeigt sich als gutmütig.


                                                                                   Fahrbilder: Buenos Dias
Als ich am Gelände wieder ankomme, schaue ich mir mal den Rundkurs, den es dort gibt, genauer an. Es gibt einen großen Kreisel und eine kurze Strecke mit einer S- Kurve. Der Asphalt ist gut und so brumme ich locker und entspannt dort ein paar Runden entlang.
Die Zeit bis zur Mittagspause vertreibe ich mir mit einem Roller. Es ist ein netter kleiner Roller aus der SH Reihe, mit rund 300 Kubik.
Chic, unaufdringlich, nett gemacht.



Ich sitze auf und frage mich zunächst, wie bekommt man den denn an? Ich drücke einfach mal alle Knöpfchen und drehe alle Schalter und auf einmal tuckert er los. Okeh... Fahrerisch bereitet er keine Probleme, er ist das, was man sich von einem Roller erwartet. Klein, handlich und wendig. Ich bleibe auf dem Gelände und fahre nur ein paar Runden um den Kurs. Das macht er auch alles gutmütig mit. Auch mit meiner Größe habe ich nicht zu große Probleme.



Das Aktivieren stellt einen erst mal vor Rätsel.

Einfach ist es nur, wenn man weiß wie es geht.

Tank und Stauraum. Nicht zweiter Tank, wie damals im Hunsrück.







Keyless Go.
Dann ist es aber Zeit für eine kleine Führung durch die Gebäude und danach das Mittagessen. Wir werden durch die Bereiche geführt, die hier in der Akademie für Werkstattpersonal und Händler zur Schulung sind und bekommen verschiedenes gezeigt. Motorenprüfstände für alles, was Honda so herstellt, Werkstatteinrichtungen und so weiter.


In den Hallen wird dem Servicepersonal alles beigebracht,
was es zu den einzelnen Motorgeräten zu wissen gibt.


Nach dem Mittagessen schaue ich mir die neue Fireblade an und sitze mal Probe, aber fahren werde ich sie nicht. Das merke ich gleich, als ich mich in den Sattel schwinge. Das passt nicht mit mir zusammen. Dann lasse ich es lieber.
Dann doch lieber etwas handfestes. Die neue Goldwing steht auf dem Hof und lacht mich an. Goldwing bin ich auch schon ein paar Mal gefahren und dieses riesige Schiff hat mir immer sehr getaugt. Äußerlich scheint sich nicht viel verändert zu haben. Aber wenn man dann im Sattel sitzt, merkt man schon, daß die Leute bei Honda nicht einfach nur die neue Euro 4 Technik in den alten Body gepflanzt haben. Ich werfe den Motor an und die Stereoanlage schmettert los. Vom Motor ist fast nichts zu hören. Ich tippe etwas am eingebauten Navi herum und los geht es. Sie fährt sich sehr gut, wie die Vorgängerin auch, von den ganzen Kilos, die man da bewegt, merkt man nichts.
Ich nehme wieder die bewährte Runde und stelle mal wieder fest, wie agil sie doch ist. Ich mache an einer geeigneten Stelle Halt und schaue mir an, was ich da habe.
Wie immer, stattliche Erscheinung.



Da ist zum Einen mal roter Lack, den hatte die erste Goldwing, die ich gefahren bin, auch. Dann sind da eine Vielzahl an Knöpfen und Schaltern. Die hat es an der alten auch schon gegeben, aber nun sind sie etwas anders angeordnet und belegt.










Die Gangway ist noch ausgefahren...





Duoleveraufhängung am Bugfahrwerk.

Turbulator







Navi sagt "Da lang!"

Trotz der Fülle der Möglichkeiten, die sie bietet, wirkt sie nicht überladen und man findet sich leicht zurecht. Was mir beim Fahren wieder auffällt, das Windschild ist auch hier nicht wirklich was für mich, funktioniert aber gefühlt etwas besser, als bei der alten.
Elektrische Verstellung des Windschildes.

Runter

Und Rauf.
Wieder zurück am Honda Gelände, kommt jetzt das Kontrastprogramm, nämlich die CB125 R. Das ist auch wieder "Neo Sports Café", aber mit dem kleinsten Motor. Wenn man die ganze Serie vor sich hat, dann sind sie nicht leicht auseinanderzuhalten. Schön, die 1000er erkennt man gleich, aber danach wird es schwierig. Im Sattel wird einem klar, das ist jetzt zwar etwas kleineres, aber es verdient die selbe Achtung, wie die Großen. Der Motor ist kein Soundwunder, aber der Spruch geht in Ordnung. Trotz meiner Körpergröße kann ich gut sitzen und fühle mich nicht wie auf einem Clownsmotorrad. Wie das nun von außen aussehen mag, ist erst mal zweitrangig.
Ich fahre auch wieder die Runde von eben und merke dabei, daß der kleine Motor mit meiner Größe und meinem Gewicht zu kämpfen hat. Ich bin eigentlich zu viel für das Motorrad. Ich bin noch nicht weit gefahren, da gesellt sich leichter Regen dazu. Unter dem Blätterdach im Wald ist es trocken, so stark ist der Regen nicht, also mache ich erst mal Halt und schaue mich an der Maschine um.
Fast wie die Große. Auf jeden Fall sieht sie nach mehr als 125ccm aus.



Was ich da vor mir habe, ist absolut liebevoll gemacht, es ist mit Freude am Detail konstruiert und macht einfach Spaß. Alles hinterlässt einen sehr wertigen Eindruck und sieht nicht so aus, wie das, was man unter einem Einsteigermodell verstehen würde.



ABS








LED


Nachdem es kurzzeitig ganz mit dem Regen aufgehört hatte, fängt es nun wieder an und ich sehe zu, daß ich nach Erlensee zurückkomme. In Erlensee nehme ich erst mal einen Kaffee und warte darauf, daß der Regen verschwindet. Ich habe Glück, und es trocknet bald wieder ab. Nun nehme ich - quasi als Sahnehäubchen - zum Schluß mir meine ewige Favoritin vor. Die CB 1100 RS. Immer wieder bin ich von der Schönheit dieser Maschine begeistert. Wenn ich Geld genug hätte, oder die gute Fee bei mir anklopfte, oder auch der Lottobote, dann wäre das mein Wunsch. Ich mag dieses Ding einfach. Die EX steht dem in nichts nach, aber es wäre, glaube ich, die RS.
Ich fahre die Route, die ich heute als meine auserkoren habe und mache auch wieder an der üblichen Stelle Rast.
Klassisch schön.



Die Fahrt war bisher wunderbar, allerdings nicht ganz so toll, wie bei unserem letzten Zusammentreffen. Die Federung kam mir jetzt irgendwie härter vor. Das kann auch an der Einstellung liegen. Oder an der Tagesform. Optisch ist sie wie immer ein Traum. Mit so vielen Details, daß man sich kaum satt sehen kann.
Goldene Ware.










Komplett mit Hauptständer.





LED

Da mir die Uhr im Nacken sitzt, sehe ich zu, daß ich den kleinen Rundgang nicht zu lang werden lasse. Außerdem bemerke ich einen Defekt an einem Taschenreißverschluß meiner Jacke. Ich fahre also zurück nach Erlensee. Dort will man schon mit dem Zusammenräumen beginnen, aber ich kann ihnen noch eine kurze Runde mit der CB 1100 EX aus den Rippen leiern. Allerdings keine große. Ich fahre also nur bis zum Nachbardorf und drehe dort um. Nach keinen zehn Minuten bin ich wieder am Hof. Die EX hat mir heute besser gefallen.
Boah, ist das eine echte Alte, oder eine Neue, fragte Martina mich gestern.






LED.





Vielleicht sollte die gute Fee zweimal kommen.
Ich helfe noch eben, die Maschinen zur Garage zu fahren und danach wird dann das Fazit gezogen, es werden Adressen ausgetauscht und Bilder auf Sticks geladen. Damit ist dieser tolle Tag auch schon wieder vorbei.
Gesa hat, wie immer, brav auf dem Parkplatz gewartet, ich wische die letzten Regentropfen vom Sattel und sehe zu, daß ich nach Hause komme. Jetzt, um die Uhrzeit, ist Feierabendverkehr. Nun flutet halb Frankfurt wieder ins Umland zurück. Ich fahre also ein Stück Autobahn, an Hanau vorbei, und halte mich Richtung A661. Dort geht es dann ein Stück südwärts und danach über die Dörfer. In Rüsselsheim bekomme ich nun den richtigen Weg zu fassen und bin bald schon in Mainz. Von dort ist es nicht mehr weit.

Was kann ich zusammenfassend sagen? Es war wie immer eine tolle Veranstaltung. Ich bin sehr begeistert, was das für eine großartige Location ist. Dort hat man nicht nur schöne Strecken in Griffweite, sondern auch das Testgelände mit dem Rundkurs. Der ist zwar nicht riesig, aber für eine flotte Runde gut geeignet.

Der Beitrag kommt jetzt erst, ein Jahr nach der Veranstaltung, weil ich unglaublich viel anderes um die Ohren hatte. Neuer Arbeitgeber, viel zu tun, Lernen für Prüfungen und dann noch die Sache mit den Augen. Ich konnte nicht mehr am PC schreiben, weil ich es nicht mehr lesen konnte. Doppelbilder, kein Kontrast. Grauer Star. Das hätte das Ende sein können von Motorradfahren und Beruf. Jetzt ist das überstanden und es geht wieder bergauf. Ich kann wieder sehen und schreiben und und und.