Freitag, 7. April 2017

Freiübungen

+++02.04.2017+++


Sonntagsmorgens ist es bekanntlich ruhig auf den Straßen. Da kann man auch gerne mal auf der Autobahn fahren. - So, oder ähnlich habe ich wohl auch gedacht. Auf jeden Fall brumme ich mit Gesa auf das Autobahnkreuz Mainz Süd zu. (Seit Jahren frage ich mich, wo wohl ein Kreuz Mainz Nord sein mag) Auf der Autobahn kann man sonntagmorgens mal ein paar Kilometer gut machen, da muss man nicht so früh losfahren, wenn man verabredet ist. Und ich bin verabredet. Es ist kurz nach neun und um zehn soll ich dort sein. Freitag habe ich schon mal Vorbesichtigung gemacht, damit ich nicht lange suchen muss. Alles soweit unter Kontrolle. Mein Blick bleibt auf einem großen Schild hängen. "Sonntag 02.04.2017 - A60 Richtung Darmstadt ab AK Mainz Süd voll gesperrt."
HAAAALT! WAS WAR DAS?? Oh Noo! Ich plane blitzschnell um, denn das Kreuz kommt gleich schon. Ich beschließe durch die Stadt zu fahren und hoffe, daß da nicht zu viele andere auch auf diese Idee kommen.
Als ich am Pariser Tor an der Ampel stehe, sehe ich, daß meine Ängste unbegründet waren. Hier ist praktisch nichts los. So geht es an den nächsten Ampeln auch weiter. Freitagmorgen um sechs, als ich hier durchgekommen war, war es ähnlich ruhig. Nur ist es nun heller.
Ohne große Schwierigkeiten komme ich über die Brücke nach Hessen und fahre in Richtung Hochheim. Hier gibt es ein paar Ampeln, die die Autobahnauffahrten regeln. Die erste wird und wird aber nicht grün. Die anderen haben alle schon ein zweites Mal freie Fahrt gehabt. Als ich gerade überlege, was ich machen soll, kommt von hinten ein Auto und erlöst mich. Das mit diesen Kontaktschleifen ist mir mit Gesa erst ein einziges Mal passiert. Ich gebe Gas und biege auf die Autobahn ab. Allerdings bleibe ich hier nur für eine Ausfahrt. Ich komme durch lauter verschlafene Ortschaften, höchstens vor dem Bäcker ist Verkehrsaufkommen zu verzeichnen. Ich nutze die erste Gelegenheit, um auf die A66 zu kommen, denn ich bin mittlerweile spät dran. Rund um Hattersheim ist eine Baustelle, aber die Geschwindigkeitsbegrenzung dort interessiert niemandem Sonntags scheint es keine Polizei zu geben.
In Höchst fahre ich schon wieder ab. Ich habe es nicht mehr weit. Vorbei am Main - Taunus - Zentrum, einer Einkaufsstadt auf der ehemals grünen Wiese, komme ich an die Abfahrt Kelkheim am Taunus. Hier fahre ich ab. Durch Liederbach, das echt hübsch ist, ich bin überrascht, komme ich in das Industriegebiet von Kelkheim. Eine Ampel habe ich noch vor mir. Ich stehe und warte- und warte- und warte. Schon wieder hat die Kontaktschleife mich nicht erkannt. Das zweite Mal an einem Tag! Ich beginne erste Zweifel zu haben, ob ich denn tatsächlich dort bin, und nicht etwa noch im Bett liege und träume. Dann kommt aber eine rote A- Klasse von hinten und es wird augenblicklich grün. Ich gebe Gas, hoppele über den Bahnübergang, biege zwei mal ab und bin da. Auf dem Parkplatz eines Baumarktes steht Andrea mit ihrer Gruppe und wartet. Ich bin allerdings nicht zu spät, ich bin mit dem Glockenschlag zehn dort. Auf den Punkt.
Nach und nach tröpfeln noch ein paar Teilnehmer ein und es kann losgehen.
Andrea hat in Kelkheim eine eigene Fahrschule. Seit einigen Jahren bietet sie zum Beginn der Motorradsaison, immer am ersten Sonntag im April, ein Fahrtraining für Motorradfahrer und Fahrerinnen an. Da werde ich heute mit dabei sein.
Als aller erstes macht Andrea mit uns eine Entspannungsübung. Wir setzen uns alle auf unsere Motorräder und sie sagt an, was wir machen sollen. Erst einmal die Augen zu. Danach werden verschiedene Körperregionen angespannt und wieder entspannt. So erfrischt machen wir uns also ans Werk.
Andrea erklärt kurz um was es geht, was wir machen werden und teilt uns, weil wir so viele sind, in drei Gruppen ein. Dabei bietet es sich an, die Gruppen nach dem selbst geschätzten Leistungsstand zu bilden.
Ich lande in der mittleren Gruppe und werde mich mit einem ihrer Fahrlehrer gleich ins Gewerbegebiet aufmachen  und wir werden unsere Übungen dort machen. Diese Übungen, die wir da fahren werden, werden in erster Linie aus den aus der Fahrschulzeit bekannten Grundfahraufgaben bestehen. Also im Einzelnen aus einem Slalom mit ca 30, einem Slalom mit Schrittgeschwindigkeit, Ausweichen vor einem Hindernis aus 50 km/h und Ausweichen vor einem Hindernis mit vorherigem Abbremsen auf 30 km/h. Und zum guten Schluss noch eine Gefahrenbremsung aus 50 km/h. Hat man alles schon mal gemacht, habe ich mit meinen eigenen Hütchen auch verschiedentlich mal wieder geübt, aber unter Aufsicht sieht das alles schon wieder ganz anders aus.
Im Hintergrund...  locker wie ein Stück Brennholz

Nachdem wir den "schnellen" Slalom absolviert haben, suchen wir uns eine andere Stelle, denn unser Plätzchen ist alles andere als ruhig. Dauernd brummen irgendwelche Autos rum. Wie wir feststellen, wollen die alle zu einer Waschanlage, die in dem Gewerbegebiet liegt. In Hessen sind Waschanlagen auch sonntags geöffnet und an so einem Tag, zudem wenn die Sonne scheint, haben die Leute Zeit und Muße.
Wir bauen unseren Parcours also vor der Feuerwehr auf. Hier ist es ruhiger. Vor dem Schrittgeschwindigkeitsslalom haben die meisten etwas Angst. "Muss das so langsam sein?" "Ja klar! Das ist gut um eine tolle Fahrzeugbeherrschung zu lernen!" Mir bereitet das keinen großen Kummer, auch die beiden Ausweichübungen gelingen ganz gut. Bei der Bremsübung merke ich, wie der Blick unwillkürlich nach unten fällt. Das soll nicht sein. Das hatte ich auch schon einmal anders drauf gehabt. Nach einer weiteren Runde klappt es schließlich gut.
Wir kehren gegen Mittag wieder zu den anderen zurück und fahren auf dem Hof vom Baumarkt noch ein paar Übungen. Zum Beispiel ein kleines Rennen.
What?! Ein Rennen auf dem Parkplatz vom Baumarkt? Seid ihr nicht mehr bei Trost? Und wo ist da die Sicherheit? - Langsam. Ganz langsam. Bei dem "Rennen" geht es nicht darum als erster im Ziel zu sein, sondern als letzter. Schrittgeschwindigkeit! Auch hier wieder. Man muss sehr aufpassen, daß man die Maschine senkrecht hält und daß man nicht mit einem der anderen kollidiert.
Zum Schluss fahren wir noch ein paar kleine Kurvenübungen und dann ist es auch schon 14 Uhr. Wir werden alle zusammengetrommelt für ein Gruppenfoto und dann wird die Spende eingesammelt.
Spende? Ja, Andrea und ihre beiden Fahrlehrer haben heute ohne Bezahlung für uns gearbeitet. Nur eine Mindestspende von 20 Euro für den Tierschutz wollte sie haben. Die haben Gesa und ich natürlich gerne gegeben!

Hey, das war total cool und hat richtig Spaß gemacht!
So ein Fahrtrainig zu Saisonbeginn ist echt eine feine Sache. Den Winter über hat nicht nur der gefürchtete Lederschrumpf sein Unwesen getrieben. Auch der im Sommer noch so elastische Body ist ein wenig eingerostet. Und ähnlich sieht es mit den Fähigkeiten auf dem Motorrad aus. Wie diese ganzen Übungen gehen, das wissen wir eigentlich alle noch - so etwa zumindest. Aber wann haben wir das alles das letzte Mal angewendet? Und ist das alles noch parat, wenn es mal ernst werden sollte?
Vielleicht habt Ihr ja auch in Eurer Nähe beispielsweise eine Fahrschule, die so ein Fahrtrainig anbietet? Oder vielleicht könnt Ihr bei Eurer alten Fahrschule mal ein wenig Werbung für so etwas machen. Das wäre doch eine tolle Idee. 

Vielen Dank auch an die Fahrschule T8 und an Marion Richter für die tollen Bilder!

Mittwoch, 25. Januar 2017

Gegen die Entzugserscheinungen

Wenn das Jahr noch jung ist, die Bäume kahl und die Straßen voller Salz, dann ist die Zeit der Motorradausstellungen. Häppchenweise kann man sich an sein Hobby wieder gewöhnen, mit anderen Gleichgesinnten klönen und nebenbei die neuesten Segnungen der Motorradindustrie wohlwollend begutachten. Eine dieser Ausstellungen findet regelmäßig im nahen Nieder Olm statt und zieht Motorradinteressierte aus der ganzen Region an. So auch mich.
Ich stehe also am Sonntagmittag vor der Ludwig Eckes Festhalle in Nieder Olm in einer Schlange Menschen und warte geduldig, bis zur Kasse vorgelassen zu werden. Dort bezahle ich drei Euro, bekomme, anders als im vergangenen Jahr, ein rosa Bändchen ums Handgelenk und bin drinnen. Die Halle ist nicht besonders riesig und bereits jetzt gut gefüllt. Anscheindend haben alle das Mittagessen ausfallen lassen und sind zum Moppedgucken aufgebrochen. So schiebe ich mich mit den anderen in den Saal und schaue mich um. Viel sehen kann ich nicht, es ist dazu fast schon zu voll.
Solche Ausstellungen sind keine Messen, auf denen die Hersteller selbst auftreten. Zumindest nicht die einschlägigen Motorrad- und Zubehörhersteller. Hier findet man die Händler aus der Region, die einiges interessantes aus ihren Showrooms eingepackt haben, aber auch schon erste neue Modelle mit dabei haben. Und seien es auch bloß ein paar Farbvarianten. Was mir in dem Zusammenhang auffällt, die Motorräder scheinen wieder etwas bunter zu werden. "Candyapple - red" ist eine Farbe, die ich bei vielen Herstellern entdecken kann. Honda lackiert die Africa Twin in so einem Rot, Triumph die Tiger und von Harley weiß ich, daß es das auch heuer gibt. Es heißt nur überall anders.


Honda bringt die CB500F in einem Neongelb und Yamaha die MT07 in weiß, mit oceanblauem Dekor.

Nur KTM ist weiter traditionell orange und Kawasaki weitestgehend grün.




Mitunter findet man auf solchen Ausstellungen auch recht besondere Bikes.
Euro 4? Klar, die neue Norm ist an allen Ständen vertreten. Aber auch noch eine Reihe an Maschinen, die noch nach Euro 3 abgestimmt sind. Das sind die Maschinen, die entweder schon zugelassen sind, oder für die es eine Ausnahmegenehmigung gibt.


Moto Guzzi V9. Galluzzis großer Wurf.



Zu verkaufen. Zwei Schätzchen aus vergangenen Tagen

Große Überraschungen entdecke ich allerdings nicht. Im großen und ganzen ist das zu sehen, was ich erwartet habe. So schiebe ich mich zwei, drei mal durch die Menschenmenge und unterhalte mich im Keller noch mit Mark Gundlach von Motorradtrainig Süd und bin dann, da ich niemanden treffe, den ich kenne und sowieso noch einen Anschlusstermin habe, bald wieder verschwunden.

Was kann ich als Fazit dazu sagen? Ich mag diese kleinen Ausstellungen, wobei die in Nieder Olm in meiner Gegend schon zu den größeren gehört. Es geht dort, wenn es nicht gerade so voll ist, wie an diesem Sonntag, recht familiär zu, man trifft sich, beguckt die Maschinen, teilt sich mit, was man davon hält und hat einfach eine schöne Zeit. Im nächsten Jahr bin ich mit Sicherheit wieder hier!

Dienstag, 15. November 2016

Einladung zum 4x4 Challenge

Hmmm - Oh... Was soll ich da sagen... SonjaM hat eine Aufforderung zu einem kleinen Bloggerspiel gepostet. Und ich bin bei den vier Nominierten dabei, die nun auch etwas schreiben sollen. 
Es geht um die "4x4 Challenge", oder das "Game of 4s". Geht es um Offroadfahren? Mit dem SUV, oder dem Geländemotorrad? Nein, es ist etwas ganz ohne Gelände und Motorräder. Es sollen also vier Fragen beantwortet werden. Das kann doch nicht so schwer sein. Aber, da ist noch was. Bei diesen vier Fragen gibt es noch mal vier Unterfragen. Was soll ich denn dazu sagen? Am Schluss soll ich das Hölzchen weiterreichen. Also, schauen wir mal.



Zunächst die Fragen:

1. Was ist Dein Lieblingsessen?
2. Was ist Dein Lieblingsgetränk?
3. An welchen Orten bist Du gewesen?
4. Unter welchen Spitznamen kennt man Dich?

... Uff.

Ähm, beim Lieblingsessen schließe ich mich zunächst einmal Sonja an, sie hatte Grünkohl als Lieblingsessen Nr. 1 gekürt. Das geht mir genau so. Nur mag ich es lieber in der Bremer Variante, mit Kohlwurst und Pinkel, einer sehr fetten Angelegenheit aus Flomen und Grütze. Kasseler und gestreifter Speck gehören auch noch mit dazu.
Symbolbild...
Das war aber erst das erste Lieblingsessen von mir, es fehlen noch drei. 
Ich liebe gebratenes Rindfleisch. Es gibt Situationen, da braucht es eben frisches Rind. Kurz gebraten, nett gewürzt. Um Beilagen mache ich mir dabei keine großen Sorgen, da reicht mir manchmal einfach nur ein Brötchen. 
Dann esse ich liebend gerne Coq au Vin. Darüber brauche ich eigentlich keine großen Worte zu verlieren, es ist einfach lecker. Leider habe ich es lange schon nicht mehr gegessen, da ich alleine nie gegen die Menge, die ich kochen muss, damit es anständig wird, ankomme. 
Als viertes liebe ich thailändisches Essen. Aber auch portugisisches Essen. Also auch Fisch. 
Hach ja...

Beim liebsten Getränk wird es schon schwierig. Was trinke ich gerne? In den ersten vierzig Jahren meines Lebens habe ich unheimlich viel Tee getrunken, danach kaum noch. Das hängt damit zusammen, daß es das Getränk war, das ich mit meinen Eltern oft trank. Seit sie nicht mehr leben, hatte ich erst mal keine Lust mehr darauf. Dafür habe ich Kaffee für mich entdeckt. Den habe ich in den besagten ersten vierzig Jahren kaum zu mir genommen. Am liebsten mag ich ihn auf die altdeutsche Art, also einfach das Kaffeepulver in eine große Tasse und kochend Wasser drauf. Später noch etwas Milch rein und gut ist. Der Vorteil ist, dieser Kaffee ist nie bitter.
Als zweites Lieblingsgetränk kann ich Wasser nennen. Den ganzen Süßkram schätze ich nicht so sehr. Orangensaft darf ich nicht. Wasser schmeckt mir aber auch. Kann ich ein Glas Wasser haben, bin ich meist schon zufrieden.
Das dritte Lieblingsgetränk habe ich etwa vor einem Jahr für mich entdeckt. Es ist alkoholfreies Hefeweizen. Ich mag keinen Alkohol, schätze die Wirkung nicht und trinke im Großen und Ganzen nur zu Sylvester mal ein kleines Glas Sekt. Weil man das halt so macht. Das alkoholfreie Hefe ist aber toll. Zum einen ist kein Alkohol drin, es erfrischt und es kommt mit einer Reihe an Elektrolyten, Vitaminen und Mineralien. Dazu auch noch mit Bierhefe. Ich habe früher Bierhefetabletten geschluckt, für Haut und Haare, es gibt kaum etwas ekligeres als eine sich im Rachen auflösende Bierhefetablette, hiermit kann ich das ohne blöden Geschmack, einfach so. Und es kostet nicht viel. Und ich erreiche meine tägliche Flüssigkeitsmenge leichter.
Manchmal sehe ich auch Katzen in meinem Bier. Ganz ohne Alkohol...
Beim vierten Lieblingsgetränk wird es schon schwer.
Da fällt mir wirklich nicht viel mehr ein, als daß ich morgens ohne meinen Becher kalten Kakao nicht überleben kann. - Klar, kann ich schon, aber es ist nicht so schön und es fehlt was.

An was für Orten bin ich gewesen. Das sollen doch sicher auch Orte sein, an die man sich gerne erinnert? Oder gehen da auch Orte, an die ich nicht wieder möchte? Ich probier`s mal.
Als erstes und ganz oben steht: HAMBURG! Möglichst fett geschrieben. Das ist meine Heimat, da bin ich zu Hause, da weiß ich woran ich bin. Auch wenn ich dort nicht wohne, es gibt immer dieses unsichtbare Band, es ist meine Sehnsuchtsstadt, der Ort meiner Träume.
Ein anderer Ort, an dem ich gewesen bin, ist der Bodensee. Dort war ich als Schulkind mit meinen Eltern oft in den Sommerferien. Wie wunderbar war es dort. Ich hatte mir zunächst einen kleinen Teich vorgestellt, wie den Delmenhorster Dreieckssee. Aber nein, der Bodensee hörte gar nicht wieder auf, als wir ihn endlich erreichten. Da war ich schwer wieder von fort zu bekommen.
Der nächste Ort, an dem ich gewesen bin, der mich fasziniert hat, ist die Höhle von Lascaux gewesen. Und zwar die Originalhöhle. Vor vielen Jahren bin ich dienstlich mal dort gewesen. Es ist, auch wenn die Faksimile - Höhle ganz toll gemacht ist, etwas anderes, ob man das Original zu sehen bekommt, oder nur einen Nachbau. Dieser Ort hat eine besondere Ausstrahlung, eine Aura. Klingt blöd, es ist ja nur eine ganz normale Höhle mit ein paar Bildern an der Wand, das kannst Du doch auch an jeder S- Bahn Unterführung haben, Minya... Nö, das ist wirklich was anderes. Schade, daß dort nicht jeder hin kann.
Das ist zwar nicht die Höhle von Lascaux, aber es ist ganz in der Nähe. In der Höhle konnte ich nicht fotografieren.
Als vierten Ort nehme ich einen Ort, an den ich nicht wieder möchte. Das ist Sarajevo. Schon der Anflug war nicht lustig. Ich mag dieser arg gebeutelten Stadt damit sehr Unrecht tun, aber als ich dienstlich dort gewesen bin, war der Krieg noch nicht ganz aus und an jeder zweiten oder dritten Ecke wurden wir von schwer bewaffneten Männern angehalten, es wurde mit der Kalaschnikoff herumgefuchtelt, Anweisungen gegeben, rumkommandiert und kontrolliert. Man wusste nie, zu wem diese Leute tatsächlich gehörten. Und wenn ich die Dolmetscherin hinter mir auf dem Autositz nervös herumrutschen hörte, wurde mir auch nicht wohler. 
Ich werde auch nie den Anblick der endlosen Gräberfelder vergessen. Weiße Kreuze, soweit das Auge reicht.

Mit der vierten Frage nach den Spitznamen tu ich mich wirklich schwer. Welche Spitznamen habe ich? Oh je. Bestenfalls wurde und werde ich Minni genannt, oder Mini. Das passt auch von der Körpergröße her.
Die ganzen Fälle, wo der Name falsch geschrieben, oder falsch ausgesprochen wird, oder ich irgendwie anders genannt werde, kann man ja nicht als Spitznamen bezeichnen. Da war schon alles dabei, von Mia, über Mirnja, Mirna, Monja, Manja, Minka, Mina...
Eine gute, liebe, mittlerweile verstorbene Freundin hat mich "Meine Minga" genannt. Das kann ich durchgehen lassen. Bei Google Plus heiße ich "D'eau Venus". Hinter die Bedeutung müsst Ihr aber selbst kommen. 
Wenn ich jetzt zähle, dann komme ich bei diesem Punkt nicht auf vier. Hm, heißt das jetzt, ich bin durchgefallen? Ich hoffe nicht!

Nun muss ich nur noch vier neue Blogger benennen, die mal ein wenig über sich erzählen dürfen.
Da nehme ich 
1. HeikeK64
2. Die Gschichtenerzählerin
3. Den alten Griesgram
4. Marcus Berndt 

Ich bin mal gespannt, was wir zu lesen bekommen!

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Hooray, Hooray, It's A Harley- Harley Day...

Es gibt da in Wisconsin eine Stadt, deren Name bedeutet so viel wie "Versammlungsort am Wasser", Milwaukee. Einen Ort mit einem besseren Namen hätten Mr. Harley und die Davidson Brüder sich nicht aussuchen können, als sie ihre Eisenproduktion aufnahmen. Denn, sind wir ehrlich, haben wir beim Nennen eines Motorradmarkennamens je mehr gestandene Männer mit feuchtem Blick niederbrechen sehen, als beim Aussprechen der Worte "Harley - Davidson"? Freilich, die Motorräder der Marke gelten als nicht besonders modern, insbesondere in motorradfahrenden Kreisen, die noch nie auf einer Harley gesessen haben und der Name polarisiert, ähnlich wie die Begriffe "BMW" und "Klapphelm". Unter Harley stellt man sich eben etwas bestimmtes vor. Und man stellt sich auch einen bestimmten Kundenkreis vor, der sich so ein Gerät in den Schuppen schiebt. Dennoch, es gibt mehr Leute, die Harley kennen, als es Leute gibt, die den Bundespräsidenten beim Namen nennen können.
Wie dem auch sei, ich habe also Gesa am Parkplatz beim Wiesbadener Ostbahnhof abgestellt und betrete das Ladenlokal. Ich finde mich unter mehr Leuten wieder, als ich es jemals bei einem Händler einer anderen Marke erlebt habe. Und dabei ist heute ein ganz normaler Freitagmittag. Wenn ich mich umschaue, dann kann ich das feuchte Glitzern in den Augen aller Kunden erkennen, die mich umgeben. Ein bisschen ist es wie beim Süßigkeitenstand am Weihnachtsmarkt.
Ich bin telefonisch angemeldet und so dauert es nicht lange, da stehe ich bereits neben einer recht niedrigen, grüngelb lackierten Maschine und lausche den Ausführungen zu den Besonderheiten.
Im Großen und Ganzen ist da nichts, was besonders aus der Reihe fiele, aber es gibt Feinheiten im Detail. So besitzt die Maschine eine Keyless Go Anlage. Und Blinkerknöpfe, wie es sie bei BMW früher gab. Also für jede Richtung einen. Aber nun genug gestanden, Bein über die Sitzbank und los. Die Sportster Iron 883 erwacht zum Leben. Der Klang ist, wie man ihn sich von einem Harley - Davidson Motorrad vorstellt. Kernig, tief, bestimmt. Allerdings ist da noch Luft. Da ginge noch mehr. Etwas haben sie beim Händler schon gemacht, sie haben "Screamin' Eagle Street Cannon Slip - On Mufflers" angebracht. Also, die Endtöpfe ausgetauscht. Zudem haben sie wohl auch schon in der Abstimmung der Maschine etwas nach PS gesucht und haben wohl auch welche gefunden. Man muss also vielleicht nicht unbedingt zum Dr. Mot. Bogoly nach Bruck an der Leitha fahren, um die wahre Seele seines Motors kennenzulernen.
Zuerst ist es für mich ungewohnt, auf einem solch niedrigen Motorrad zu sitzen. Ich tu mich im ersten Augenblick ein wenig schwer, meine Füße auf die Rasten zu bekommen. Was mir bei den Rasten gleich auffällt, sie federn nicht in Ausgangslage zurück, wie man es vielleicht von anderen Motorrädern gewohnt ist. Man muss also bisweilen mit dem Fuß etwas angeln, um die Fußraste wieder in Position zu bringen, wenn man sie mit dem Hosenbein etwa beim Anfahren gelupft hat.
Als ich in Richtung Amöneburger Kreisel abbiege, sind die Irritationen schon vergessen, ich sitze auf ihr, als hätte ich nie etwas anders getan.
Ich biege ab in Richtung Wiesbaden und komme nach einer Baustelle auf die Mainzer Strasse. Die Vibrationen der Maschine sind sehr angenehm, der Spruch nicht zu laut, aber markig. So gefällt mir das. Was mir auch gefällt, ich habe das Gefühl, den Motor förmlich in der Hand zu halten. Denn, wenn ich am Griff drehe, tut sich sofort etwas. Die Maschine schüttelt sich und es gibt Vortrieb. Da ist richtig Leben drin.
Dabei lesen sich die technischen Daten eher nüchtern. 
Am ESWE - Bad biege ich auf den Ring ab und erklimme die Steigung am Südfriedhof vorbei. Als ich geradeaus nach Bierstadt weiterfahren will, stecke ich unvermittelt in einem Baustellenampelstau. Misto. Ich habe ja nicht so allzuviel Zeit mitbekommen. Also, Blinker rein und rumgedreht. Das geht genauso einfach und flink, wie Du es hier liest. Wow! Das hätte ich nicht gedacht. Mit Gesa hätte ich mich dieses Manöver nicht so ohne Weiteres getraut. Eh ich es mich versehe, bin ich auch schon wieder unterwegs in Richtung Frankfurter Strasse und dem Stau entronnen. Wenn man eines nicht mit einer Harley verbindet, dann ist es solch eine Agilität. Ich beschließe, weiter in Richtung Sonnenberg zu fahren und komme bald drauf durch zwei enge Kreisverkehre. Auch da gibt es keine Unsicherheiten. Eine coole Sache ist, daß die Blinker sich nach einer Kurve in der Regel über einen Schräglagensensor selbst abschalten. Man muss also nicht immer nach dem Knopf fummeln, sondern kann sich auf die Strecke konzentrieren. So habe ich bald die Wiesbadener Stadtgrenzen hinter mir gelassen und böllere durch den Wald bei Niedernhausen.
Ich habe auf der 883 eine aufrechte, aktive Sitzposition, ein wenig wie auf einem Stuhl, also Unterschenkel gerade runter. Ich bin recht erstaunt, wie gut ich sitze. Das hätte ich im ersten Moment nicht erwartet.
Da sie ein klassisches Naked Bike ist, habe ich auch keine störenden Verwirbelungen am Helm. Ich genieße jeden Meter der Fahrt. Zwischen Niedernhausen und Idstein beschließe ich dann Halt zu machen und mir die Maschine genauer anzusehen.
Was sofort auffällt, die Iron 883 ist ausgenommen schmal. Von vorne wirkt sie beinahe schmächtig. Dagegen ist der Eindruck von der Seite so bullig, wie man es von einer Harley erwartet. In der Mitte dominiert, wie sollte es auch anders sein, der V 2 Motor mit seinen markanten Kühlrippen und auf der rechten Seite das runde Luftfiltergehäuse.
Schön integriert und "versteckt"

Antrieb: Zahnriemen

reicht für 12,5l Sprudel

gibt's auch irgendwo in den Tiefen des Zubehörs...
Einen Beifahrersitz gibt es nicht, wenn man zu zweit fahren will, dann muss man sich einen Soziussitz aus dem Zubehör montieren. Es sind auch keine Fußrasten für eine zweite Person vorgesehen. Auch die müssen aus dem Zubehörregal kommen. Aber auf einer Harley genießt man die Freiheit eh am liebsten alleine.
Am Lenker dominiert ein zentrales Rundinstrument, dort wird alles wesentliche angezeigt. Das ist zunächst einmal die gefahrene Geschwindigkeit, dann gibt es in dem kleinen LCD Display unter der Geschwindigkeitesanzeige noch die Möglichkeit, Uhrzeit, Kilometerstand, zwei Tageskilometerzähler, den eingelegten Gang und die Drehzahl anzeigen zu lassen. Mehr braucht man nicht. Die üblichen Warnleuchten, die es sonst noch geben muss, verstehen sich von selbst.
An den Schaltereinheiten an den Griffen finden sich keine versteckten Menüs, oder unklare Schalter, alles was man braucht, hat man sofort im Griff. Lediglich die Leute, die vorher noch nie mit zwei Blinkerknöpfen gefahren sind, könnten sich am Anfang ein wenig schwerer tun.

Die Gabel kann, so wie sie aus dem Werk kommt, nicht eingestellt werden, wer das möchte, braucht eine andere Gabel, die allerdings angeboten wird, die beiden Heckfederbeine kann man hingegen mittels eines unter der Sitzbank befindlichen Werkzeuges einstellen.



Hübsch gelöst sind die Heckleuchten, die Kombileuchten sind, sie zeigen neben dem normalen Rücklicht auch das Bremsen und Blinken an. Wem der Scheinwerfer zu mau sein sollte, der wird beim Griff ins Zubehör auch glücklich werden, dort findet sich ein moderner LED Scheinwerfer.
Nur der normale Scheinwerfer.
Nun aber zurück, die Zeit drängt! Ich fahre wieder ein Stück zurück, in Richtung Niedernhausen und biege dann ab, in Richtung Niederseelbach. Dort gibt es eine etwas tückische Kreuzung in einer Steigung. Dort kommt eigentlich immer etwas. Zudem kann man sie schlecht überblicken. Ich muss kurz halten, das Anfahren bereitet mir keine Schwierigkeiten. Es ist echt ein wenig wie Fahrradfahren. Ich schwinge fröhlich durch den Wald und bin nach ein paar Kilometern in Taunusstein Neuhof angelangt. Ich wechsele auf die Straße nach Wiesbaden, die mich über die Platte führt. Kurz vor der Senke, wo die Einfahrt nach Wehen liegt, laufe ich auf zwei PKW auf. Hier ist 60, was wir auch brav fahren, aber nach der Senke, da geht es mit 100 den Berg rauf. Ich spanne den Hahn und rausche mit grollendem Motor davon. Das ist beeindruckend, das hätte ich so von den 52 PS und ihren fast 70 NM nicht erwartet. Doch, das gefällt mir. Ich lasse mich entspannt zu Tal rollen und komme in die Stadt zurück. Eine kurze Baustelle vor der Schwalbacher Straße und dann bin ich auch schon voll im Berufsverkehr. In der Oranienstraße kann ich die Vorteile der wendigen Maschine voll auskosten. Ich teile die Massen wie weiland Moses das Rote Meer und bin schon bald am Hauptbahnhof. Das geht wirklich einfach und souverän.
Auf der Mainzer Straße tanke ich zum guten Schluß noch mal voll. Dabei fällt mir auf, daß der Tankdeckel bei der Harley offenbar überhaupt nicht gesichert ist. Ich kann ihn einfach so herausdrehen.
Dafür schaltet sich die Alarmanlage sofort scharf, sobald ich das Motorrad verlasse. Auf den letzten Metern bis zum Händler ist es echt schade, daß die Zeit mit der Maschine schon vorbei ist. Ich rangiere sie auf den Hof, stelle sie rückwärts wieder in Parkposition, so wie ich sie übernommen habe und gebe den Schlüssel ab. Cooles Motorrad. Das ist echtes Motorradfahren, kein Mackertum oder Gepose. Dafür sollte man einen Platz in der Garage haben.
Gesa merkt gleich, daß etwas anders ist, als wir über den kleinen Weg am Bahnübergang das Gelände verlassen und ich mit ihr durch die Stadt bürste, wie eben noch mit der kleinen Amerikanerin. Das hat was in mir angerichtet. Es bleibt spannend.

Die Spiegel sind alledings bloß bessere Schminkspiegel. Mehr als meine Ärmel habe ich nicht gesehen.