Freitag, 6. August 2021

Endlich wieder raus!


 *27.06.2021*

Ich muss verrückt sein. Um 05:45 hat mich mein Wecker herausgejagt. An einem Sonntag! Gestern abend hatten wir noch bis spät abends auf meiner Dauerbaustelle gearbeitet und jetzt geht es schon wieder los. 

Um  viertel vor acht brummt Gesas Motor unter mir als ich mich mit ihr durch den Mainzer Vorort schlängele und dann auf die Koblenzer Straße einbiege. Nichts los. Der Weg führt vorbei an der Feuerwehr, am Realmarkt und dann geht es auf die Autobahn.


Ich mag eigentlich keine Autobahn mit dem Motorrad, aber heute wird es wohl nicht zu umgehen sein. Ich würde einfach zu viel Zeit verlieren. Also ziehe ich stoisch auf der A60 meine Bahn, durch den Hechtsheimer Tunnel, der die Bezeichnung eigentlich nicht verdient und dann weiter in Richtung Rüsselsheimer Dreieck. Hier ist auch nicht viel los um diese Uhrzeit. Das kann auch ganz anders aussehen, wochentags zum Beispiel.

So ist es heute morgen ein Leichtes für mich, das kurze Stück A67 zu nehmen und dann auf die A3 überzuwechseln in Richtung Flughafen. Auch auf der sonst viel befahrenen Autobahn hier ist es noch recht ruhig und besinnlich.

So ziehe ich mit rund 120 Km/h dahin. Offenbach zieht an mir vorbei und dann kommt nach einer Weile Hanau auf die Schilder. Hier muss ich abfahren. Ich wechsele auf die Bundesstraße und dann fädele ich mich weiter in Richtung Hanau ein. Unter der Woche ist hier die Hölle los. Nicht nur drei Autos. Wie ich über die lange Brücke über den Main und die Bahnanlangen fahre, überhole ich drei weitere Motorradfahrer, die anscheinend nicht zusammengehören, aber einträchtig gemütlich vor sich hintrödeln.

Danach biege ich dann in Richtung A66 ab und in Richtung Fulda. Bis dort wird mich diese Autobahn noch begleiten. Ich komme vorbei an Gründau, und Aufenau, hier bin ich mit Gesa schon gewesen und fahre weiter in für Gesa unbekannte Gebiete. 

Bisher ist es nicht gar zu warm, aber immerhin sonnig. Die Temperatur schwankt zwischen 18,5 und 20° Celsius. Ich hatte ja lange mit mir gerungen, ob ich die schwarze Lederjacke und den grauen Helm nehmen soll, oder ob das Wetter sich hierfür nicht eignen würde. Gestern abend habe ich mich dann final für diese Kombi entschieden. Allerdings nicht mit der Motorradjeans und den legeren Schuhen, sondern mit der Lederhose und den Stiefeln. Wer weiß. 

Der graue Helm ist auf Gesa nicht so sehr angenehm, weil er ordentliche Windgeräusche verursacht. Woran das liegt, keine Ahnung. Er hat eine herrlich glatte, runde Form und liegt toll im Fahrtwind. Es gibt keine Tendenzen zu steigen bei höheren Geschwindigkeiten und er ist dennoch gut belüftet. Also hilft es nichts, Ohrenstöpsel müssen sein. Dadurch entsteht ein merkwürdig entkoppeltes Gefühl. Überhaupt wirkt die ganze Szenerie unwirklich auf mich. Es ist das erste Mal seit 2019, seit ich mit Paula in Mönchengladbach war, daß ich richtig was mit dem Motorrad unternehme. Letztes Jahr war außer während des ersten Lockdowns ein paar kurze Runden um den Kirchturm und Tüv für die beiden Damen nichts drin gewesen. Im Jahr davor war die Sache mit meinen Augen, und danach hatte ich keine Zeit mehr, erst die eine Baustelle, dann kurz drauf die andere Baustelle. Die beschäftigt mich immer noch. Dabei wohne ich zur Miete und müsste mich eigentlich um den ganzen Mist nicht kümmern.  

Und vor 2019? 2017 hatte ich unverhofft den Beruf gewechselt, dann 2018 noch mal den Arbeitgeber und dann kam die Sache mit den Augen, die sich ständig verschlechterten. 

Jetzt liegt das alles hinter mir und ich habe tatsächlich den ersten Urlaub in dieser Firma. Moment. Den hätte ich eigentlich vor zwei Wochen gehabt. Da war dann aber betrieblich was dazwischen gekommen, so daß ich ihn verschieben musste. Die beiden Tage diese Woche habe ich mir stattdessen ausbedungen. 

Vor Fulda gibt es einen recht ansehnlichen Tunnel und danach geht es bald rüber auf die A7 in Richtung Norden.


Nun ist die Autobahnetappe bald geschafft. In Fulda Nord fahre ich ab und biege auf die Bundesstraße in Richtung Hühnfeld. Dort wechsle ich die Bundesstraße, und es geht in Richtung Osten.


Hier in der Gegend sind Gesa und ich schon mal gewesen. In meinem letzten richtigen Urlaub, 2015, sind wir hier entlang gefahren. Nach ein paar Kilometern taucht in der Ferne ein Wachturm auf. Letztes Mal bin ich einfach vorbeigefahren, diesmal setze ich den Blinker und biege ab. Ein kleiner Schotterparkplatz empfängt mich. Ich fahre einen Bogen und stelle Gesa ab. Kein Mensch zu sehen, nur deren Hinterlassenschaften. In mehrerlei Hinsicht. Zum einen ist hier dieser alte Wachturm der ehemaligen DDR Grenzanlagen und zum anderen ist hier der Müll der Leute, die entweder ihn besucht haben, oder einfach ein stilles Plätzchen für allerlei Verrichtungen gesucht haben. Können die ihren Mist nicht wieder mitnehmen?

Der Turm ist mäßig spannend, zu viel ist schon zerstört. Eng, klein, nicht besonders hoch ist er, genauso wie viele andere an dem einstmals braunen, jetzt grünen Band längs durch Deutschland. Eine Tafel in der Nähe informiert über die Grenze und den Turm, die Öffnung 1989 und über ein Todesopfer, für das nicht weit entfernt ein Gedenkstein zu finden sein soll. Leider habe ich ihn nicht gesehen. Ich sehe mich noch etwas um und schwinge dann mein Bein wieder über Gesas Sattel und starte den Motor. Den Helm hatte ich gar nicht abgezogen. Expedition auf einem anderen Stern.




Wieder auf der Bundesstraße ist es nicht weit, bis ich nach Vacha komme.


Da ich heute nicht viel Zeit habe, verfolge ich einfach meinen Weg. Aber bei einem Gebäude kann ich eine Veränderung zu 2015 sehen. Dann bin ich auch bald wieder draußen. Dieses Mal werde ich auch nach Eisenach weiterfahren, allerdings nehme ich nicht den langen Weg, sondern den direkten. Die Bundesstraße lässt sich hervorragend fahren und ich komme durch wunderschöne Dörfer und Städtchen.


An einer Baustellenampel am Ortsausgang läuft, während ich warte, ein weiterer Motorradfahrer mit dicker Tourenmaschine, Sozia und hochgeklapptem Klapphelm auf. Er bleibt nun für die weiteren Kilometer mein Schatten. Obwohl er Gelegenheit hätte, überholt er nicht. Na schön, dann bleibst Du eben hinter mir.

Es geht unter einem Bahnviadukt durch und dann beginnen auch schon die Ausläufer von Eisenach. An der ersten Tankstelle biegt er dann ab. Ich biege nach links, unter der Eisenbahn durch und dann gleich wieder nach rechts, auf die Rennbahn. Hier müsste eine von diesen blauen Tankstellen sein, deren Benzin Gesa so gerne mag. Hier werden wir wohl mal Halt machen. Vorher komme ich noch an der Abbiegung zum Automuseum vorbei und an der Sparkassenfiliale, in der das Automuseum zwischendrin mal eine Bleibe gefunden hatte, wobei, das ist eigentlich zu viel gesagt. Ein Auto stand da und ein paar Tafeln. Den Rest hatte man in der ehemaligen Fabrikhalle unter grauen Tüchern verborgen. Dort warteten sie auf eine bessere Zeit, die mittlerweile ja tatsächlich gekommen ist. Zumindest für das Museum. Wie es mit dem noch im Betrieb befindlichen ehemaligen Werkteil vor der Stadt weitergeht, weiß man im Moment wohl nicht so recht. 

Ich setze den Blinker und fahre auf die Tankstelle. Erst mal die Luft aus Gesas Tank lassen. Als ich fertig bin, stiefele ich einfach so los, um an die Kasse zu gehen. Kurz vor der Tür fällt mir ein, ich habe ja noch was vergessen. Die Maske. Einfach das Tuch vor den Mund ziehen, das geht ja nicht mehr. Ich hatte das Ding wirklich komplett vergessen. Es war einfach alles so normal und so anders als im Alltag gewesen, wo ich den ganzen lieben langen Tag von früh bis spät mit dieser Maske rumrennen muss. Aber ich habe ja eine im Tankrucksack, inklusive Ersatz, es kann also nichts passieren.
Bezahlt ist schnell, aber bevor ich losfahre, mache ich noch kurz das Visier vom Helm sauber und Gesas Scheinwerfer. Hier hat sich einiges angesammelt an lokaler Fauna. Zwei dicke Brummer waren gleich zu Beginn der Fahrt in meinem Sichtfeld aufgeschlagen und behinderten seitdem die Sicht etwas. 

Als ich das erledigt habe, mache ich mich wieder startklar und rolle weiter. Aus Eisenach heraus nehme ich auch eine andere Straße, als beim letzten Mal vor sechs Jahren. Dennoch geht es in die gleiche Richtung, Richtung Sondershausen. Auch wieder auf dem direkten Weg. Bis jetzt bin ich gute zwei Stunden unterwegs gewesen, ich liege gut in der Zeit. Vor Sondershausen habe ich wieder das selbe Phänomen, wie damals, ein Auto hängt mir dicht auf der Pelle, überholt mich aber nicht. Es biegt auch mit mir an der ersten Abfahrt ab und verschwindet dann bald drauf. Nicht ganz so spurlos, aber ähnlich. Ich schlängele mich durch die Stadt, bemerke jetzt erst, daß es eigentlich eine ganz schöne Stadt ist und suche mir meinen Weg in Richtung Kelbra. Den hatte ich damals ja nicht so wirklich gefunden. Stattdessen war ich den Kyffhäuser gefahren. Diesmal habe ich mehr Glück. 





Auf einer langgezogenen Straße durch die Stadt springt in der Gegenrichtung ein Polizist auf die Straße und schaut sich um. Vermutlich hatte er wohl Gesa gehört und hoffte auf einen Fang. Ich sehe zwei Polizeibusse stehen und eine Radarfalle. Als er sieht, daß ich alleine unterwegs bin, dreht er sich um, und starrt angestrengt in die andere Richtung. Ich schnurre im fünften Gang an ihm vorbei und wundere mich darüber. 

Die Straße nach Kelbra ist dieses Mal leicht gefunden und ich verlasse Sondershausen auf durch die Randgebiete. Die ärmsten der Armen wohnen hier nicht. Alles schnieke rausgeputzte Einfamilienhäuser. Dann kommt ein endloses Militärobjekt, das offenbar noch bespielt wird und danach bin ich dann im Wald alleine unterwegs. Irgendwann taucht zu meiner linken der Stausee auf, dann kommt die Einfahrt zum Campingplatz, es wird für die dortige Gastronomie geworben. Als ob nichts gewesen wär. 

Ich zackere mich durch Kelbra und dann weiter in Richtung Berga. Bahngleise, ein Übergang und ich bin dort. Hier suche ich nun die Straße in Richtung Stolberg. Eine eingleisige Bahnstrecke begleitet mich, als ich das Städtchen wieder verlasse. Zuvor bremst mich noch eine etwas überraschende Ampel, die doch funktioniert, obwohl eine Bauampel ausgeschaltet davorsteht und sie fast verdeckt. Während der ewig erscheinenden Rotphase habe ich Zeit eine hübsche Siedlung auf der anderen Seite der Kreuzung zu betrachten. 


Die Bahnanlagen werden ausgedehnter, Güterwagen stehen rum, Langholzverladung, auf der linken Seite ein großes Industriegebäude. Hier muss ich rechts abbiegen. Ich stelle gerade Gesas Blinker ab, da entscheide ich mich um. Ich fahre auf den Parkplatz des Holzbetriebes und drehe um. Ich bin bisher besser durchgekommen, als ich dachte und beschließe, jetzt weiter nach Stolberg zu fahren. Es ist eine wunderhübsche Strecke, auch hier ist alles erfüllt vom Duft des Holunder, der dieses Jahr besonders reich blüht und ich gelange also in eine pittoreske Fachwerkstadt. Am Bahnhof mache ich eine kurze Rast, drehe die Landkarte um und trinke etwas. Diesmal nicht aus der leckgeschlagenen Aluflasche, sondern aus einer Plasteflasche, aber auch sie scheint ein Dichtheitsproblem zu haben. Ich werde mich also mal nach einer anderen Flasche umsehen müssen, wenn das so weitergeht. Dann geht es weiter durch Stolberg, das noch viel hübscher ist, als ich dachte, aber auch ein Touristenmagnet erster Klasse. Es tummeln sich nach eineinhalb Jahren Abstand und Verzicht auf so vieles wirklich ungewohnt viele Leute hier.


Ich beschließe weiter zu fahren. Als ich Stolberg verlasse, kommt mir ein selbstfahrender Bus entgegen. Er passt nun so gar nicht in dieses Bild. 

Ich verlasse also Stolberg und tauche in den Harz ein. Vorbei am Parkplatz Josephskreuz und dann biege ich links ab, nach Straßberg.


Ein kleines Dorf, ein paar Leute, die vor einer Kneipe sitzen, ein kleiner Bahnhaltepunkt und dann bin ich auch schon wieder draußen. Ich folge einer kleinen Straße in Richtung Silberhütte und bin entsetzt über die riesigen Waldschäden. Als ich vor fast zwanzig Jahren das letzte Mal hier im Harz gewesen war, das war das alles noch Wald. Ich biege ab nach Alexisbad und mache am kleinen Bahnhof Halt. Hier vertrete ich mir etwas die Füße. Das Empfangsgebäude ist in einem Jammervollen Zustand. Hier spielt sich nichts mehr ab.


Ein Zug fährt wohl noch, aber nicht mehr oft. Ein Goldwingfahrer mit pendelnd gelagertem Kaffeebecher am Lenker macht sich gerade wieder fertig zur Weiterfahrt. Ein Einheimischer, auf seiner Hausrunde. Ich mache mich auch kurz darauf wieder auf meinen weiteren Weg. Ein paar Kilometer habe ich noch und auch ein Zwischenziel.

Ich fahre weiter nach Gernrode und laufe irgendwo im Wald auf eine Gruppe Radfahrer auf, die zwei und zwei nebeneinander fahren und nicht zu überholen sind. Der Transporter, der hinter ihnen hinterherschleicht scheint zu ihnen zu gehören. Schließlich gelingt es mir doch noch, sie hinter mir zu lassen, nachdem ich einige Kilometer hinter ihnen hergezuckelt bin. 

Aus Gernrode kam Detlef, mein letzter Assistent, aber ich habe heute keine Zeit, mich lange in der Stadt umzusehen. Es geht weiter in Richtung Quedlinburg, aber auch hier das Bild, wie in Stolberg, jede Menge Touristen. Ich fahre direkt weiter.


In der Ferne wird Halberstadt sichtbar. Gesa und ich fahren einen weiten Bogen darum. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Die Abfahrt ist gesperrt, ich muss weiterfahren. Blöd. Irgendwann ergibt sich doch noch die Möglichkeit und ich setze den Blinker. Durch ein sonntäglich verschlafenes Industriegebiet komme ich hinter dem Bahnhof über die Brücke über die Gleise. Erst mal drehe ich eine Runde durch die Stadt. Sie wirkt seltsam ausgestorben und ruhig. Ich mache einen Abstecher zum Bahnhof, er ist in der Zwischenzeit von seinem merkwürdigen Wellblechvorbau befreit worden und es zeigt sich nun, daß es ein ganz wunderhübsches Gebäude ist.


Ich beschließe zurück in die Stadt zu fahren. Mein Großvater kam von hier. Mit Elke bin ich 2002 schon mal hier gewesen, wir waren mit der Straßenbahn gefahren und hatten in der Gastwirtschaft, die zur Wurstfabrik gehört zu Mittag gegessen. Die reizende Kontrolleurin aus der Straßenbahn hatte den Busfahrer noch instruiert, wo er uns raussetzen sollte. Es war alles sehr nett gewesen. Letztes Jahr erzählte mir mein Fahrschüler Mokhles, er sei in Halberstadt untergebracht gewesen, und sei zwei Mal von Nazis durch die Stadt gejagt worden. Wenn man also nicht ganz so deutsch aussieht, dann wird man hier auch nicht mehr so freundlich empfangen. Das wirkt bei mir nach. Ich fühle mich mitschuldig, obwohl ich mit den Leuten, die das gemacht haben, überhaupt nichts zu tun habe. Ein Stückweit komme ich ja auch von hier und irgendwie identifiziere ich mich ein klein Wenig mit dieser Stadt. Sie gehört zu meiner Geschichte. Oder zumindest zu der meiner Familie. Ich parke Gesa auf einem holperig gepflasterten Parkplatz hinter der Martinikirche. Von hier ist es nicht weit bis zu der Stelle, wo mein Großvater geboren wurde.

Das Haus gibt es nicht mehr, so wie es die ganze Gegend eigentlich nicht mehr gibt. Im April 1945 haben alliierte Bomber hier ganze Arbeit geleistet und die bislang noch ziemlich unbeschädigte Innenstadt in Schutt und Asche gelegt. Wenig ist geblieben. Hier ist außer St. Martini alles weg gewesen.


Das Rathaus ist in der Zwischenzeit wieder aufgebaut worden, es ist auch eine Seitenlaube aus den Trümmern gerettet worden und wieder aufgebaut worden. Ansonsten sind das alles Bauten aus der Zeit nach der Wende. Glatt, sauber, austauschbar. Nichts mehr von der Fachwerkromantik.
Nach dem Krieg




Vor dem Krieg hatte es so ausgesehen


Ein wenig stiefele ich hier noch rum und dann sehe ich zu, daß ich zurück zu Gesa komme um die letzte Etappe des Tages anzugehen. 

Erst mal muss ich Gesa auf dem holprigen Parkplatz ein Stück Bergauf zurückschieben, denn ich habe ungünstig geparkt. Ich könnte zwar auch im Enduromodus über die Böschung fahren, aber ich möchte keinen allzuschlechten Eindruck hinterlassen. 


Von Halberstadt ist es nun nicht mehr weit. Ich fahre durch die flacher werdende Landschaft nach Norden und biege nach ein paar Kilometern Bundesstraße links ab. Es dauert nicht lange, bis ich auf eine Baustelle treffe. Hier sehe ich gleich, es hat keinen Sinn, wie sonst im Osten noch weiterzufahren wollen. Also füge ich mich und folge der Umleitung. Die geht durch ein paar kleine Dörfchen und führt auch über eine überraschende Baustellenampel, die unmittelbar hinter einer Abbiegung steht und quasi aus dem Nichts sich vor einem materialisiert. Inklusive Rückstau. Da geht man, große Augen machend, in die Bremse. Es geht noch ein paar Kilometer durch grünes Ackerland und dann bin ich in Oschersleben.


Ich fahre durch die kleine Stadt und bin nach kurzer Zeit auch schon wieder auf der Ausfallstraße. Eine große Kartoffelfirma auf der linken Seite und dann kommt meine Abbiegung. Zur Motorsportarena. Hier ist das Hotel, hier bin ich angemeldet. Auf dem Parkplatz fummele ich noch meinen Coronatest aus dem Koffer und bereite ihn vor und dann schließlich stelle ich Gesa auf einen Parkplatz unmittelbar vor dem Hotel. Der Empfang ist herzlich, ich zeige meinen negativen Test vor und bekomme meinen Schlüssel. Erst mal mit dem kleinen Gepäck ins Zimmer. Es ist ein ganz eigentümliches Gefühl, nach so langer Zeit mal wieder in ein Hotel zu kommen. Das Zimmer ist schön, wie Hotelzimmer halt so sind, geräumig und mit Blick auf den Parkplatz. Ich kann vom Fenster aus Gesa sehen.


Dann hole ich noch die Koffer und mache erst mal Pause. Bis Zeit zum Essen ist, ist noch etwas hin und ich mache mich erst mal etwas frisch. Normale Klamotten an, meine Erlebnisse in mein kleines Buch geschrieben und dann nach einer Weile, als ich schon gesehen habe, das auch schon andere angekommen sind, mache ich mich auf den Weg zur Terrasse.

Dort treffe ich den alten Griesgram und wir suchen uns einen Tisch, an dem wir sitzen können. Wir haben uns schon eine Weile nicht mehr gesehen und haben einiges zu erzählen. Der Abend ist milde und nach dem Essen, als es langsam dunkel wird, verziehen wir uns in unsere Zimmer, denn morgen wird ein aufregender Tag.


Donnerstag, 16. Januar 2020

Kleiner Rettungskasten

Man merkt es gleich, hier sind die Dinge immer noch nicht recht up to date. 
Es ist mittlerweile schon wieder etwas her, da hatte Louis ein Jubiläumsjahr. Aus diesem Grunde gab es einige Produkte im Sortiment, die es sonst nicht gibt. Auch nicht bei anderen. Also Sonderauflagen. So auch das folgende Gimmik.
Um etwas Werkzeug dabei zu haben, das den Umfang des normalen Bordwerkzeuges übertrifft, aber gleichzeitig nicht den Umfang des Gepäcks, das man eh schon immer mit sich herumschleppt, heraufsetzt, habe ich mir ein Werkzeug gekauft, das diesen Anforderungen gerecht wird. Der Wuppertaler Werkzeughersteller Wera hat extra zum 80. Louis Jubiläum ein Set mit der Zyklop Mini Ratsche herausgebracht. Dieses Set entspricht im wesentlichen dem Set Tool Check 1 SB, unterscheidet sich aber durch eine andere Farbgebung und eine etwas andere Sortierung.
Alles klein, übersichtlich und auf engstem Raum.
Wenn man sich dieses winzige Dingelchen von Ratsche ansieht, dann glaubt man zunächst nicht, daß man davon irgendetwas erwarten kann. Dem ist nicht so.
Das Ding ist von Wera und entspricht der gewohnten Qualität. Das bedeutet, es ist komplett aus Metall, es läuft sauber, hat einen rechts/ links Lauf und man kann damit wirklich arbeiten. Man denkt, daß es natürlich Einschränkungen gibt, die bei "groß ist des Meisters Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft" anfangen  und bei dem größten sinnvollen Bit oder der größten sinnvollen Nuss aufhören.
Zyklop Mini und Rapidator - Bithalter, Verlängerung und Führungswerkzeug.

Allerdings kann die kleine Ratsche mehr, als man ihr zutrauen würde. Über Adapter wird sie richtig groß und sie ist so stabil, daß sie, wenn man ein Verlängerungsrohr als Hebel nutzt, 100Nm aushält. Das ist nicht ohne. Dafür hat man ein Werkzeug, das auch in kleinen engen Winkeln eingesetzt werden kann. Und das zudem auch noch recht klein und handlich ist und im Zweifel in der Jackentasche Platz finden kann.
Ich habe das Set an Gesa eingesetzt, als die Batterie letztes Jahr ausgetauscht werden musste und habe alle Arbeiten damit durchgeführt. Alles ist so konstruiert, daß es schnell und effizient eingesetzt werden kann. Von mir gibt es eine klare Empfehlung - sollte in keinem Haushalt fehlen.

Donnerstag, 2. Januar 2020

Neue Mütze. Neu gekauft: Arai Profile V

Ja ja, das Alter. Wir sind alle nicht davon verschont. So auch Motorradhelme. Meine bisherigen Helme kommen so langsam in die Jahre. Mittlerweile sind sie beide fünf Jahre alt und fangen, zumindest im Falle des weißen Schuberts, an, seltsam zu knarzen. Deswegen ist die Idee eines Ersatzes nicht so ohne Weiteres vom Tisch zu fegen.
"Alles Neu macht der Mai." sagt ja der Volksmund, der so oft ja schon seinen Senf dazu gegeben hat. Also stehe ich im Mai, kurz nach der letzten OP, nach meinem Augenarzttermin, bei einem Händler im Norden Frankfurts und schaue mir die Auslage an. Ich suche etwas ganz bestimmtes. Einen neuen Helm. Nun kann man Helme auch bei den einschlägigen anderen Adressen kaufen, aber Arai ist etwas dünn gestreut in der Verbreitung.
Warum denn unbedingt Arai? Ich hatte mich in der motorradlosen Zeit im Netz und in Katalogen umgesehen, war Anfang des Jahres in Wiesbaden auf einer Messe gewesen und hatte dort auch was aufprobiert, aber das war alles nicht das, was ich wollte. Ich wollte einerseits mal ausprobieren, wie die Welt ohne Klapphelm aussieht und ich wollte etwas haben, was gut aussieht und einigermaßen sicher ist. So landet man bei Arai. Dann sah ich, daß es mit dem Profile V einen neuen Helm von denen gibt, der sozusagen das Einstiegsmodell ist und daraufhin stand der auf der Liste. Als ich dann noch eines Sonntagnachmittags in der Gasgriffsalat - Redaktion die Chance bekam, einen aufzuprobieren, wurde er der Favorit.

Bei dem Händler in Frankfurt bin ich schon mal vor zwei Wochen gewesen und habe geschaut, aber da war er noch nicht lieferbar. Jetzt sieht die Situation anders aus. Er ist auch in der Farbe vorrätig, die ich mir vorstelle und so dauert es nicht allzulange, bis die EC - Karte über den Tresen gereicht wird.
Der Helm ist sehr bequem, sieht ur - fesch aus und er passt praktisch wie angegossen. Das ist bei mir nichtg selbstverständlich, wenn ich an frührere Versuche denke, mir einen anderen Helm anzusehen. Ich erinnere mich daran, daß ich bei Louis in Mainz einen Helm probiert hatte, und bei der größten verfügbaren Größe gab es noch Probleme, den Helm über den Kopf zu bekommen. Als er dann saß, meinte der Verkäufer, der müsste aber noch tiefer sitzen. Das ging aber nicht. Was auch nicht ging, war den Helm wieder abnehmen. Der Verkäufer zog und ich drückte. Ich dachte schon, der reißt mir gleich die Nase ab. Kurz bevor die Flex die letzte Lösung gewesen wäre, haben wir ihn dann noch vom Kopf bekommen. 
Zurück zum Provile V. Wenn ich mit Paula unterwegs bin, dann ist er sehr leise, leiser als alles, was ich bis dato gefahren bin. Das sieht auf Gesa anders aus. Da ist er einiges lauter als der Schubert, oder der BMW - Helm. 
Wenn man das Portemonnaie in der Tasche und noch eine Jacke darunter hat, trägt das freilich etwas auf...
Er liegt auf beiden Motorrädern perfekt im Wind, auch wenn ich den Kopf drehe, gibt es keinen unangenehmen Druck. Die Belüftung ist sehr gut. Ich hatte zunächst Bedenken gehabt, da im oberen Teil des Visiers zwei Lüftungsklappen eingelassen sind, daß es an den Augen ziehen könnte. Diese Sorge ist unbegründet, denn hinter diesen Öffnungen befinden sich Lüftungskanäle.
Lufteinlass an der Visieroberkante.

Es gibt im oberen Helmbereich noch mal zwei kleine Öffnungen,
und unten vorm Kinn eine Klappe.
Nein, das ist kein Münzeinwurf.
Allerdings, die meiste Luft saugt er von unter dem Kinnteil an. Das kann an einem kühlen Herbstmorgen schon mal sehr frisch werden, es ist allerdings im Sommer höchst angenehm.
Da der Helm keine eingebaute Sonnenblende hat, Arai verzichtet aus Stabilitätsgründen auf so etwas, kommt hier die Sonnenbrille häufig zum Einsatz. Es gibt allerdings noch ein interessantes System mit einer aussenliegenden Sonnenblende, das habe ich aber noch nicht ausprobiert.
Arai, ein japanisches Traditionsunternehmen, macht manche Dinge anders, als die anderen Hersteller. Das fängt mit der Sonnenblende an und geht mit der runden Schalenform weiter, die eine möglichst ideale Kugelform hat. Dies hat den Sinn, daß der Helm bei einem Unfall gut gleiten soll. Es soll möglichst keine Teile geben, die irgendwo hängenbleiben können. Die Abdeckung des Luftauslasses an der Helmrückseite ist nur draufgeklipst und schert ab, sobald etwas dagegen schlägt. Auch die Art des Öffnungsmechanismus für das Visier ist anders als bei anderen Herstellern. Arai hat sich hier an der Formel Eins orientiert.

Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, man muss sich insbesondere daran gewöhnen, daß man ihn nur mit der linken Hand öffnen kann. Am Rennsport hat man sich auch mit dem Verschluss gehalten, das ist nämlich ein Doppel - D - Verschluss.

Wie sich der Arai bei Nässe schlägt, das habe ich noch nicht ausprobieren können, ich hatte dieses Jahr nicht das Glück, oder Pech, bei Regen gefahren zu sein. Für die nächsten Jahre wird er aber mein bevorzugter Begleiter sein. Demnächst werde ich auch mal das Pro - Shade System ausprobieren, mal sehen, wie sich das macht. Denn die fehlende Sonnenblende ist das einzige Manko. Klar, ich könnte auch ein getöntes Visier nehmen, aber da habe ich dann halt immer nur die Sonnenscheinlösung. Ich werde am Ball bleiben.
Wenn man die Seitenklappen abnimmt, sie hängen unverlierbar am Helm, kommt man an den Visiermechanismus
Der Arai Profile V ist ein moderner Helm, der quasi die Einsteigerklasse bei Arai darstellt. Es gibt ihn in einer Reihe an Farben, nicht nur in Modern Grey, wie ich ihn habe, sowie in diversen bunten Dekors. Die Verarbeitung ist top, einziges Manko ist, daß sich bei jedem Absetzen das Kinnpad löst und ich es wieder reindrücken muss. Das ist mit dem Fingernagel aber rasch erledigt.
Damit kann ich aber leben. Nichts desto trotz gibt es von mir ein klares Daumen hoch für diesen Helm.