Donnerstag, 16. April 2015

Abentheuer mit Griesgram

Am frühen Nachmittag grabble ich das Händi hervor und tippe ein paar Sätze in eine Kurznachrichtenapp. Nach nur wenigen Minuten steht fest: ABFAAAHRT!
Ich suche mir den kürzesten Weg auf die B 41 und gebe Gas. Die neuen Reifen singen unter mir, Gesa läuft unbeeindruckt geradeaus. An Bad Kreuznach vorbei geht es weiter in Richtung Hunsrück. An Bad Sobernheim und Kirn vorbei erreiche ich Idar Oberstein praktisch pünktlich. Wir haben uns am Bahnhof verabredet, den kenne ich, da weiß ich wo der ist. Idar Oberstein hat es vor ein paar Jahrzehnten zum Höhepunkt des Betonrausches geschafft, den Fluß Nahe, der durch Oberstein sich schlängelt, mit einer vierspurigen Strasse zu überbauen. Das Stadtbild hat ein bisserl gelitten unter der Maßnahme, ich aber schöpfe den Vorteil für mich voll aus und gleite ungehemmt bis zur Abfahrt zum Bahnhof.
Dort wartet schon Griesgram999 mit seiner #Hippe auf mich und Gesa.
Griesie ist noch nicht lange da und schaut sich auch noch um, wo er da gelandet ist. Nach einer kurzen Begrüßung ("Ein Klapphelm, wie süß!") stellen wir fest, daß wir anscheinend in einer Parkhausausfahrt stehen und suchen uns in Idar ein Café, in dem man draußen sitzen kann und klönen. Wir kennen uns beide nicht so recht aus, aber finden anscheinend zielstrebig das einzige Café, das es dort gibt, in der romanitschen Umgebung eines sechziger/siebziger Jahre Hochhauses. Hinter dem Kreisel davor lauert die Kieberei, aber von uns wollen sie nichts und so schlängeln wir uns hinter ihnen durch auf einen Parkplatz.
Eine gute Stunde sitzen wir bei Kaffee und Kuchen (ich) und klönen und lachen. Dann hält es uns aber nicht mehr am Sitz: "lass uns doch ne Runde fahren!". Und bald schon meandern wir uns aus Idar heraus ins freie Umland. Es gibt viele herrliche kleine Strassen hier und wir schwingen fröhlich durchs Grüne. Irgendwann überholt Griesie mich und bedeutet mir anzuhalten. Was ist los? "Da hinten war ein schnurgerader Schotterweg! Und da stand nichts von wegen Verboten! Hast Lust?" - Na, klar! Also reißen wir die Maschinen rum und sprinten das kurze Stück zurück. Griesie fährt voran. "Bist Du schon mal Schotter gefahren?" - Nö... "OK, ist wie Strasse, nur beim Bremsen und in der Kurve musst etwas vorsichtig sein!" Kein Ding! Machen wir!
 Schotterweg? Lust? Klar!
Also los! Mit kleiner Staubfahne wehen wir den Weg empor und biegen tiefer in den Wald hinein. Die neuen Reifen bekommen gleich ihre erste Probe in dem für sie vorgesehenen Terrain. An einer Wegkreuzung stoppen wir. "Bist Du schon im Stehen gefahren?" Na, ja, ein bisschen versucht... ööh. Er erklärt mir kurz die wesentlichen Dinge und schon geht es weiter, immer weiter, in den Tann. Teils im Stehen, teils im Sitzen fahren wir herrliche trockene Wege und genießen die schöne Sonne und die herrliche Luft. Wieder bleiben wir an einer Kreuzung stehen. Er zeigt auf einen Weg, der rechts abgeht und ziemlich grün aussieht. Es wird bergan gehen. "Und, wie sieht es damit aus?" Na, ja, ich weiß nicht. Aber lass es uns probieren. "Gut, fahr vor!" Mach ich. Und so geht es im Stehen über den grasigen Weg bergauf bis zu einem Plateau. Dort erblicke ich einen Menschen und stoppe. Der Wanderer scheint sich gar nicht um uns zu kümmern und verschwindet im Grün. Wir fahren noch ein paar Meter, bis eine Bank erscheint und stellen die Motorräder ab.
Ein paar Schritte weiter ist ein Aussichtspunkt, wir setzen uns auf die Bank und üben Manöverkritik.
"Fahr nur da hin, wo Du auch wieder zurück kommst!" mahnt er mich. Das sehe ich genau so, denn auch ich möchte abends gerne wieder heil nach Hause kommen.
Die Maschinen warten, als wir wiederkommen, noch brav auf uns und wir machen uns daran, sie umzudrehen. Seine #Hippe ist auf dem Ständer leicht zu wenden, aber mit meiner Gesa tun wir uns etwas schwer.
Auf dem Rückweg fährt er den Grasweg vor. Ich also hinterher. Im Stehen geht es den Hügel hinunter, ich habe mich etwas nach hinten gelehnt um das Vorderrad nicht zu sehr zu belasten und so komme ich gut unten an der Kreuzung an. Der Atem geht schwer, ich schwitze. Das kleine Stück hat es in sich gehabt. Adrinalin. Hammer!
Als wir nach einer Biegung Waldarbeiter erblicken, mit Traktor und Auto, sehen wir zu, daß wir wieder auf "normale" Strassen kommen. Nach ein paar Kilometern ist Hermeskeil erreicht und wir legen noch mal eine Pause ein.
Ein Milchshake später, als es langsam dunkel wird, beschließen wir nach Hause aufzubrechen.

Größenvergleich. 800ccm links, 250ccm rechts

Heey! Was ein klasse Tag! Was habe ich heute schon wieder alles gelernt! Ein Geländemotorrad ist nicht nur für die Strasse da und Stollenreifen machen nicht nur einen schlanken Fuß! Und: die Leute auf der anderen Seite der Tastatur sind echt! Dankeschön dafür!
to be continued

Dienstag, 14. April 2015

Klein - Stark - Schwarz! Ausprobiert: BMW G650GS

Der freundliche Tullius hat sich echt bemüht. Nachdem ich eifrig genickt hatte auf seine Frage, ob er mir "die da" als Ersatzmaschine anbieten könne, hat er sie vor die Tür geschoben und mir die Feinheiten erklärt. Im Prinzip nichts, was ich jetzt in meiner, bislang kurzen, Motorradfahrerinnenkarriere nicht schon gehört hätte.
Wie er fast fertig ist, fährt ein Wagen vor, aus dem eine blonde Frau, etwa meines Alters, steigt und erschrocken fragt, ob er sie verkauft hätte. Nein, nein, beschwichtigt er, sie macht nur eine Probefahrt! Die Frau ist erleichtert. 
Als die Beiden rein gegangen sind und mich meinem Schicksal überlassen haben, schaue ich die Maschine mir noch einmal aus der Nähe an. Hübsch, schwarz, glänzender Lack und - 56 Kilometer auf der Uhr. Ups, die ist neu.
Ich schwinge mich auf den Sattel. Ein Gefühl von Mokick. Die Maschine ist niedrig, schmal und in Allem etwas schmächtig. Etwa so, wie seinerzeit in der Fahrschule die 500er Honda.
  Ein Gefühl von Mokick?
Man muss sich das mal vor Augen führen. Ich sitze auf einer 650ccm Maschine und denke "Huch, ist die klein!" Vor nicht allzulanger Zeit wäre so etwas ein Wahnsinnshammer gewesen. Für mich ohnehin.
Ich habe ja schon einmal auf so einer Maschine gesessen, als ich nach einem geeigneten Motorrad für mich gesucht habe. Damals schon war sie viel zu klein für mich. Ich war zum freundlichen Tullius gefahren und hatte nach einer G650GS Sertao gefragt. Die war aber nicht da, nur die etwas niedrigere Schwester. Jetzt habe ich Gelegenheit diese niedrigere Schwester mal im Betrieb zu erleben. Gespannt drehe ich am Schlüssel. Die Instrumente vor mir beginnen zu leben. Dann der Druck auf den Startknopf. 48 PS erwachen. Das Geräusch ist angenehm, allerdings nicht markig und es gibt erwartungsgemäß etwas mehr für's Gefühl. Das stampft ganz schön. Ich drehe am Griff, die Fahrt beginnt.
Was mir sofort auffällt, die lenkt sich ganz anders. Darauf muss ich mich noch einstellen. An der Ampel biege ich in Richtung Innenstadt ab. Noch weiß ich nicht, daß dieser Nachmittag es in sich hat und Stau auf mich wartet, wohin ich auch ausweiche.
Im Stadtverkehr stelle ich fest, daß ich mit der Maschine - und vermutlich dazu noch mit meiner gelben Jacke - von den Autofahrern und anderen Zweiradlern nicht so recht ernst genommen werde. Die Silhouette wird es wohl sein.
Zuerst denke ich auch, da kommt nicht viel wenn ich am Griff drehe. Der Eindruck ist aber sehr verkehrt. Es hört sich lediglich anders an und es schiebt aus den 48 PS jetzt auch nicht so mächtig, das ist richtig, aber als ich auf den Tacho blicke, fahre ich schon etwas schneller als die verlangten 50. Ich habe mich von dem Tucktucktuck des Motors einlullen lassen. Mit ein paar Umdrehungen ist man da schon weiter als man meint.
  Nach dem Chaos wird es leicht
Als ich mich aus dem ganzen Chaos rund um die Mainzer Brücken befreit habe, und auf der Bundesstrasse Bodenheim entgegenstrebe, bemerke ich etwas Unruhe im Fahrwerk. Die Front scheint leicht zu werden. Ich beuge mich weit nach vorne. Zudem werden die Vibrationen stärker. Dafür kann ich aber, als ich wenig später zwischen den Rheinhessischen Dörfern auf der Landstrasse unterwegs bin, beinahe mit dem Hintern lenken. Etwas Gewicht verlagert und schon biegt das ab.
Durch die fünf Gänge, die sie bietet, schaltet man sich sehr exakt und man vermisst die Ganganzeige keinen Moment.
So erreichen wir dann letztlich nach dem ganzen Stau gestehe doch noch die Garage. Das stehen im Stau hat geschlaucht. Erst einmal ist Feierabend nun. Am anderen Morgen schaue ich mir die Maschine genauer an.
Schwarz, neu und relativ komplett
Die Gußfelgen sehen recht hübsch aus und die Bodenfreiheit ist ganz ordentlich
Die Maschine verfügt über einen Hauptständer, das Aufbocken geht damit auch recht einfach. Für mich war der Seitenständer etwas gewöhungsbedürftig angebracht, das liegt aber daran, daß ich es einfach anders kenne. Das Cockpit überfordert nicht mit Informationen in der Anzeige, oder vielen kleinen Schalterchen. Es gibt die Kilometerzähler, die Uhr und fertig. Keine Ganganzeige, keine Anzeige für Temperaturen, keine permanente Tankanzeige. Dafür gibt es zwei Tageskilometerzähler. Der Drehzahlmesser hat ein Balkendesign, ist aber echt nicht gut ablesbar. Am besten fährt man da nach Gehör.
An der Verkleidung, neben dem Kombiinstrument, sind die Schalter für die Warnblinkanlage und die Griffheizung angebracht. Für letztere gibt es keine Anzeige, die Schalterstellung verrät, auf welcher Stufe die Finger gegart werden.
Das Ganze ist zwar recht spartanisch, aber nicht unangenehm.
Der Griff für die Kupplung kann im Gegensatz zu dem für die Handbremse eingestellt werden.

Die Bremsen greifen ordentlich und man hat die Fuhre jederzeit unter Kontrolle. Was mir etwas klein erscheint, das sind die Fußrasten für den Fahrer.

Etwas überrascht war ich über die Lage des Ölstabes. Ihn hatte ich zuerst mal am Motor gesucht und dort natürlich nicht gefunden. Als ich dann die Öffnung finde, überlege ich mir erst einmal, was da wohl für ein Stab drinnenstecken mag und ob er sich für Auseinandersetzungen mit anderen Verkehrsteilnehmern eignen könnte. Als ich den Deckel abschraube folgt die Ernüchterung. Er ist eher ein Stummel, keine Handbreit lang.

Was echt einfach geht, das ist das Einstellen der Vorspannung des Federbeines. Der Griff ist ideal angebracht und lässt sich kindereinfach bedienen. Für die Dämpfung muss man allerdings einen Schraubenzieher zücken und nach dem Schraubenschlitz suchen.

Unter dem Sitz finden sich zwei Auspuffrohre. Eigentlich eines zu viel für einen Einzylinder. Aber: Gesa hat zwei Zylinder und nur einen Abgasauslass, warum soll das anders herum nicht auch gehen. Der Topf auf der linken Seite entpuppt sich allerdings als reiner Resonanztopf, aus seiner hinteren Öffnung kommen keine Gase. Diese Aufgabe hat der rechte Topf alleine zu tragen.

Was begeistert, das ist der serienmäßige Gepäckträger und das Staufach unter ihm. Von letzterem sollte man sich aber nicht zu viel erwarten. Dort drinnen befindet sich nämlich auch der Griff, mit dem man die Sitzbank entriegeln kann.
Ein Verbandspackerl (in Österreich zum Beispiel Pflicht) passt auf jeden Fall hinein. Die Sitzbank ist leicht ent- und verriegelt, darunter findet man das Bordwerkzeug.
Nach meiner Runde ums Motorrad mache ich mich auf den Weg zurück, über den Rhein. Vorher stelle ich allerdings die Vorspannung des Federbeines noch richtig ein. Es zeigt sich, daß ich jetzt ein ganz anderes Motorrad habe. Das Lenken läuft nun wieder etwas mehr so ab, wie ich es gewohnt bin. Dennoch bleibt die Leichtigkeit beim Fahren erhalten. Von Partenheim geht es in Richtung Saulheim, Kurven und wenig Verkehr, und schlechte Wegstrecke. Das macht wirklich Spaß, die Maschine überfordert nicht und besonders laut ist sie auch nicht. Von Saulheim fahre ich am Postzentrum hinab nach Nieder Olm. Als die 80 fallen, gebe ich Gas. Ich bin irritiert. Kann ich nicht mehr richtig sehen? Die Verkehrszeichen verschwimmen in der Ferne. Das sind die Vibrationen! Habedehre! Das geht durch Mark und Bein. Das haben also Tester der "Sertao" gemeint mit "etwas störenden Vibrationen" ab soundoviel Touren. Ich lasse es wieder langsamer angehen und schlängele mich auf die andere Rheinseite. Jetzt, wo ich die Vorspannung angepasst habe, ist die Front nicht mehr ganz so leicht. Aber die Tendenz spüre ich immer noch. Ich schiebe das mal auf mein Eigengewicht. Die Kilo siebzig, die sie können soll, möchte ich allerdings mit ihr nicht fahren.

Bald 140 Kilometer habe ich am Ende mit der G650GS zurückgelegt. Sie ist ein freundliches, kompaktes Motorrad, mit Ambitionen zum Ausritt ins Gelände. Sie überfordert zu keinem Zeitpunkt und lenkt sehr schön zielgenau. Sollte man allerdings ein Adjektiv für sie zu finden haben, das sie am Besten charakterisiert, dann wäre es "spektakulär" vermutlich nicht. Ich möchte sie nicht als "Einsteigermotorrad" abqualifizieren. Denn das ist sie durchaus nicht. Sie ist ein Motorrad auf dem man jeden Tag seine Freude haben kann und die einen treu durch den Alltag begleiten wird. Ein Alltagsmotorrad im besten Sinne.


Update 23.12.2015
Wenn ich das richtig sehe, dann wird es die G650GS im kommenden Jahr, also 2016, zumindest in Deutschland nicht mehr geben. Auf der Webeseite ist sie zwar noch verzeichnet, aber im neuen MOTORRAD Katalog ist sie nicht mehr enthalten. Das war schon bei der Sertao ein untrügliches Zeichen. Sollte also der letzte große Einbaum von BMW nun Geschichte sein? Es wäre Schade drum. Wer noch eine haben möchte, der sollte sich beeilen, vielleicht kann er ja noch ein Schnäppchen machen.

Dienstag, 7. April 2015

Einmal Schierstein und zurück

 - Ich lasse den Hörer sinken. So schnell hatte ich nicht damit gerechnet. Ich pack's ganz normal nicht. Die haben mir doch tatsächlich einen Termin für nächste Woche gegeben...! Schon! Dabei hatten die gesagt, je näher Du an den März kommst, desto schwerer wird es mit einem Termin. -

Moment! Mal langsam und mal der Reihe nach! Am Telefon hatte ich eben den freundlichen Tullius und habe zu ihm rübergeraunt, ich bräuchte einen Termin für Gesa für die 10.000er Inspektion. Ich hatte noch gesagt, soo eilig wäre es nicht, ich hätte noch knap 700 Kilometer. Und jetzt: am 18.3. um neun. Na Bumm.
Einen Haken hat die Geschichte allerdings: Die große Spielleitung hat sich einen besonderen Schwierigkeitsgrad einfallen lassen. Die Schiersteiner Brücke gibts nicht mehr. Die ist gesperrt seit Februar und es ist kurzfristige Wunderheilung nicht in Sicht.

+++17.03.2015+++
Wie es aussieht, ist aus der Wunderheilung der Brücke nichts geworden. War absehbar. Arbeitsmäßig ist es ruhig im Moment, also wage ich es. Ich bringe Gesa heute Nachmittag schon hin. Ich hatte mich schon angekündigt für den Abend und bereits eine Ersatzmaschine bestellt. Also nutze ich den Tag dazu, eine möglichst weite Runde zu drehen und mich quasi von hinten anzuschleichen.
So biege ich hinter Gau Weinheim auf die Bundesstrasse in Richtung Gau Bickelheim. Dort lasse ich mir nicht viel Zeit, denn Jack the Ripper soll angeblich von hier gewesen sein. Weiter geht es über Wöllstein, dort biege ich ab und gelange nach Eckelsheim.
Kurz hinter Eckelsheim erscheint die Ruine der Beller Kirche im Blickfeld. Ich halte an..
Unten steht schon Gesa und winkt, also beeile ich mich zurück zu gelangen. Vorher begutachte ich noch ein Insektenhotel, das dort oben zu finden ist.

Weiter geht es also! In Wendelsheim biege ich in Richtung Mörsfeld ab. Sofort bin ich wieder ganz alleine auf der Strasse. Die Sonne scheint, es ist wirklich schon warm, das Thermometer zeigt Temperaturen von bald 15 Grad und ich genieße die Fahrt vollkommen. In Mörsfeld blicken zwei alte Damen so erstaunt und entgeistert zu mir rüber, daß ich ihnen winke. Die Reaktion bekomme ich schon nicht mehr mit, da bin ich bereists fast aus dem Ort wieder draußen. Auf der folgenden, schnurgeraden Strasse überholt mich ein schwarzer Golf und wird auch rasch am Horizont kleiner. Der hat es mir jetzt richtig gezeigt! Vor Kriegsfeld muss ich abbremsen. Ein silberner Kleinwagen eiert gottvergessen auf der Strasse rum. Doch bald ist auch für mich die Gelegenheit da, dieses Hindernis Geschichte werden zu lassen.
Ab Kriegsfeld habe ich dann allerdings ein sehr langsames Müllauto vor mir. Durch den Ort quält es sich im Schrittempo und danach erreicht es auch nur bald 50. Aber der freundliche Fahrer winkt mich vorbei. Ich bedanke mich winkend und sehe im Rückspiegel noch mal seine Scheinwerfer. Dankeschön!
So schwinge ich fröhlich durch den sonnendurchfluteten Wald in Richtung Kirchheimbolanden. Die Sonne steht zu dieser Jahreszeit noch recht tief, obwohl es schon Mittag durch ist, und gibt es ein tolles Licht und Schattenspiel auf der Strasse.
Von Kirchheimbolanden fahre ich weiter in Richtung Süden und biege schließlich ab ins Zellertal. Ich habe Zeit und fahre ich über Zell und die nette kleine Strasse durch die anderen Ortschaften. Wirklich Herrlich! In Monsheim angekommen beschließe ich, der Tag ist schließlich noch jung, ein Stück noch nach Süden zu fahren und erst die nächste Möglichkeit Richtung Worms zu nutzen. So gelange ich über Offstein und Horchheim schließlich in die Nibelungenstadt. Worms selbst ist nicht so sehr der Brüller, im Krieg ist hier viel zerstört worden, aber hier gibt es hinter der Weisenauer Brücke in Mainz die nächste feste Flußquerung. Die nutze ich. Hinter der Brücke biege ich ab, in Richtung Bobstadt, aber bald darauf schon auf die kleine Landstrasse über Wattenheim. Was mir sofort wieder auffällt ist, daß an den Ortseingängen hier gerne und ausgiebig fotografiert wird. Von mir gibts aber kein Bild, ich biege stattdessen in Biblis auf einen Parkplatz bei einem Rewe ab. Üblicherweise haben die doch bei Rewe eine heiße Theke. Auf die bin ich scharf, also parke ich Gesa und gehe hinein. Drinnen muss ich feststellen, daß es wohl hier etwas anders ist. Bei Rewe direkt gibt es nichts, dafür aber beim Bäcker am Eingang. Also ordere ich dort ein Fleischkäsebrötchen und setze mich damit draußen in die Sonne. Wie ich dann von Gesa und mir ein Foto machen will, stelle ich fest, daß meine Kamera nun endgültig nicht mehr zu benutzen ist. Ich hatte mich schon über die dunkle Stelle oben im Bild gewundert... Deshalb gibt es nun also vom Rest des Tages keine Bilder. Grmpf!
   Keine Bilder - keine Offenbarung - weiter!
Das Fleischkäsebrötchen war auch nicht die oberste Offenbarung und so tüddel ich mich wieder an und verlasse Biblis auf der B44. In Gernsheim biege ich von der Bundesstrasse ab und fahre lieber über die Dörfer. So komme ich auch nach Biebesheim und Stockstadt. Doch scheinbar sind die Ortschaften hier darauf erpicht daß man als motorisierter Reisender nicht gerne bleibt und so füge ich mich, als ich hinter Stockstadt wieder auf die B44 geleitet werde. Bis ich in Mainz Bischofsheim dann auf die B43 komme, passiert nichts spannendes. Dort treffe ich auf einen anderen Motorradfahrer, mit einer alten Honda und zusammen rollen wir in Mainz Gustavsburg ein. An der Ampel sind wir dann schon zu dritt, ein Harleyfahrer mit einer Streetfighter gesellt sich dazu. Er trägt einen weißen Streetfighterhelm und nickt uns kurz zu, bevor er sich an die Spitze setzt. So donnern wir zu dritt über den Main und durch Kostheim. Das Donnern kommt allerdings fast ausschließlich aus dem Endrohr der Harley. Das ist ein echt vergewegenes Gerät. Mit Kettenantrieb und kurzem Heck. Mit so einem Geräusch muss der Antrieb der Titanic auch eingerastet sein, als die in Queenstown losgesteamt ist... denke ich mir, als er an einer Ampel vorm Start den Ganghebel hinuntertritt. Ehrfurcht.
Der Weg zum Brückenkopf ist verstopft und so fahren wir geradeaus weiter um hintenrum zu entkommen. Das gelingt noch ganz gut, aber als ich dann von der Boelckestrasse abbiege, um weiter zum Rhein zu gelangen, da ist dann Schluss mit Lustig. Stau ab der Eisenbahnüberführung. Na, da wird ja für die Rückfahrt was gefällig sein. Endlich an der Ampel angekommen, biege ich in Richtung Amöneburg ab. Die Autoschlange, die mir entgegen kommt, reicht bald bis zum Bahnhof Wiesbaden Ost. Das wird also keine Möglichkeit sein für mich für den Heimweg.
Je näher ich Schierstein komme, desto ruhiger wird es auf der Strasse. Als ich an der Autobahnauffahrt bin, ist es nunmehr lediglich der normale Wahnsinn, wie sonst an einem normalen Tage. Nix mit Roushhour.
Bald drauf stelle ich Gesa beim Tullius vor die Werkstatt. Die Formalitäten sind schnell erledigt und es dauert nicht lange, bis ich wieder vom Hof rolle. Das Motorrad unter mir ist klein, schwarz und schaut unter mir aus wie eine 125er. Es ist eine G650GS.
   Mit dem kleinen Schwarzen im Stau
Ich biege ab in Richtung Innenstadt und schlängele mich dann über Gibb und den zweiten Ring nach Bierstadt. Hier schlage ich einen kleinen Haken bis Nordenstadt und winde mich an Hochheim heran. Wie ich in der Kurve der Autobahnauffahrt unter der Autobahn durchfahre, sehe ich schon was oben los ist. Hier geht gar nichts mehr. Mit viel Glück bekomme ich eine gute Position und kann bald an der Abfahrt nach Kostheim wieder abfahren. Diesmal denke ich mir, fährste mal nicht an der Papierfabrik vorbei, sondern geradeaus, so wie Detlef das neulich moniert hatte und stehe bald darauf wieder im Stau. Hier regt sich nun wirklich nichts mehr. Vorn hinten versucht sich ein Polizeiauto mit Blaulicht, hat damit aber keinen Erfolg. Die Autos vor ihm können nicht einfach auffliegen und es vorbeilassen. Ich habe abermals Glück und komme kurz vor einer Wendemöglichkeit zum Stehen. Mir gelingt es, mich durchzumogeln und ich drehe also um. Mit dem Manöver gelingt es mir dann bald einen weiteren schönen Stau zu finden. Da bin ich vorhin noch gut durchgekommen an der Stelle... Nun nicht mehr. Ich stehe mir die Räder in den Bauch. Der Einzylinder stampft unter mir. Ich schwitze, der Einzylinder startet die Kühlung. Ihm ist auch warm. Es braucht ewig, bis ich endlich am Hindernis auf der Theodor Heuss Brücke angelangt bin und mich dank obrigkeitlicher Aufsicht ohne Probleme im Reißverschluß einsortieren kann. Danach ist der Spuk vorbei. Ich fahre auf der Rheinstrasse in Richtung Weisenau und stehe zwanzig Minuten später in meiner Garage.
Was ein Ritt! Die bald 200 Kilometer vorher waren lange nicht so anstrengend, wie das Stau Gestehe. Das hat mich alles in allem über eine Stunde gekostet. Mit vorbei Fahren ist da nicht viel gewesen. Dazu sind die Strassen dort zu eng und ich habe zu wenig Übung mit so etwas. Außerdem hatte ich ein fremdes, nagelneues Motorrad dabei.

Sonntag, 29. März 2015

Leise durchs Lautertal

+++Montag, 09.03.2015+++
An einem Montag, einem sonnigen zudem, zu Hause sitzen? Nö. Die meisten anderen, die gestern die Strassen überbevölkert haben, sind heute auf Arbeit, wie sich das gehört, also verspricht das ein angenehmer Ritt zu werden. Kurz nach Mittag mache ich mich also fertig, für morgen habe ich meinen Auftrag schon, da brauche ich mir keine Sorgen zu machen, also los. Die drei Lagen Unterwäsche der vergangenen Tage müssen es dieses Mal wohl nicht sein, ich lasse also die Sporthose zu Hause.
Bester Laune bahne ich mir meinen Weg nach Sprendlingen und biege in Richtung Wöllstein ab. Ich fahre ein kleines Stück von meiner Tour im letzten Spätsommer, allerdings möchte ich heute auf der Bundesstrasse weiterfahren und dann ein wenig Landeinwärts steuern.
Das Wetter ist wunderbar, in der Sonne ist es richtig schön warm und ich kann jeden Meter genießen.
Als ich Fürfeld hinter mir lasse, bin ich noch ganz alleine auf der Strasse, aber im Gefälle nähert sich ein Auto von hinten. Nichts großes. Nicht gefährlich. Die Strasse ist auf 80 begrenzt, die fahre ich auch, wegen des Gefälles und der Kurven und der im Schatten noch feuchten Strasse. Bei einer Ortschaft wird auf 60 herabgesetzt. Ich bremse ab, der kleine, ockerfarbene Wagen hinter mir hängt bald am Rücklicht. Wie es dann wieder schneller gehen darf und ich beschleunige, sehe ich im Rückspiegel, daß der Wagen zum Überholen ansetzt. Normalerweise sollte man solche Manöver zügig absolvieren, insbesondere mit Hinblick auf eine proportional vergrößerte Überlebenswahrscheinlichkeit. Nicht so der. Der zuckelt gemütlich neben mir her, egal ob da Kurven sind, die nicht einzusehen sind, oder nicht. Ich werde langsamer, endlich schafft er es an mir vorbei. Ich schwitze, trotz Schatten und schattigen zehn Grad.
  Der Mayonaise - Tube über die Tischkante gleich, über die Leitplanke gedrückt zu werden? Alles keine Alternative.
Das wär sich nicht ausgegangen, aber mal so gar nicht, wenn da etwas von vorne gekommen wäre. Was wäre dann sein Plan gewesen? Rüberziehen und den Motorradfahrer über die Leitplanke schieben? Kein guter Plan! Für mich hätte es - egal wie es gekommen wäre - keinen Ausweg gegeben. Keinen. Den Entgegenkommer auf meiner Spur? Die Trümmer der beiden auf dem Schoß? Der Mayonaise - Tube über die Tischkante gleich, über die Leitplanke gedrückt zu werden? Alles keine Alternative. Als er endlich vorbei ist, lasse ich mich zurückfallen. Ich kann sehen, daß er sich gestikulierend mit seinem Beifahrer unterhält.
Als wir an der Alsenz entlangfahren, überholt er auch den Wagen vor mir. Nur wenig besser.
Er biegt auch ab in Richtung Obermoschel und ich habe ihn wieder vor mir. Allerdings nicht ewig, denn den BMW vor sich überholt er schließlich über die Sperrzone hinweg und verschwindet mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in der nächsten Ortschaft. Offenbar völlig verstrahlt.
Ab Obermoschel habe ich wieder die Strasse völlig für mich alleine, die Bundesstrasse, die einem schon so viel Stress bereitet hat, ist so leer eine wunderbar zu fahrende Strasse. Die Sonne lacht, ich auch wieder und es geht entspannt nach Meisenheim. Dort erscheint dann zwar ein LKW vor mir, den kann ich aber bald hinter mir lassen und ich bin wieder alleine. Der schwarze Porsche hinter mir kommt nicht näher, im Gegenteil, der Abstand wird größer und in einem der Dörfer ist er dann ganz verschwunden.
                            Die Furcht: Kanalisiert reiten bis Kaiserslautern?
In Lauterecken beschließe ich die B420 zu verlassen und auf die B270 zu wechseln. Zuerst denke ich, ich habe mich bei der Strecke verwählt, ich werde auf eine Brücke über die Stadt geleitet und fürchte schon, daß es also kanalisiertes Reiten geben wird bis kurz vor Kaiserslautern, aber ich habe glücklicherweise nicht Recht mit meinen Befürchtungen. Die Strasse verbessert sich, sobald wir aus der Stadt sind. Was jetzt ein bisserl stört, das ist ein etwas sportlich aufgemachtes Auto vor mir, das aber so gar nicht dementsprechend fährt. Ich halte das zunächst für eine Falle und denke mir, der wird darauf warten, daß ich ihn überhole, um mich dann zu jagen. Aber Jagdtrieb scheint der grad keinen zu haben und so brodelt er gemütlich vor mir her. Irgendwann überhole ich ihn und lasse ihn hinter mir verschwinden.
Hier im Lautertal war ich noch nie gewesen. Zumindest nicht in diesem Teil. Es ist ein zutiefst entspanntes Fahren und ich genieße Gesas Vibrationen unter mir und wir kurven gemächlich über Land. Die "Autodichte" ist auch wieder zurückgegangen und zum Teil bin ich wieder völlig alleine. Motorräder habe ich bislang nur zwei gesehen.
Immer entlang der Lauter und der Eisenbahn geht es schließlich nach Otterbach. Hier gibt es wieder mehr vierrädriges, das sich störend in den Weg stellt. Oder vor mir herfährt. Konkret ist es ein schwarzer, amerikanischer Pickup der unangenehm auffällt, der er bisweilen sehr verwegene Bremsmanöver hinlegt. Seine Bremslichter kann man nur schwer erkennen, da sie der Mode folgend, ebenfalls mit dunklen Gläsern verdeckt sind. Sowas mochte ich schon nicht, als Treser modern war.
Ein paar Autos vor mir entdecke ich einen NSU TT. Gerochen habe ich ihn schon lange. Ich rücke langsam auf, bis ich hinter ihm bin. Meine Güte ist der laut! Im Lautertal ist das wohl Programm. Wie wir nach Otterberg hineinkommen, schauen die Leute alle auf. Ich halte Abstand und hoffe, nicht im selben Topf zu landen. Von Gesa höre ich gar nichts. Als er am Kreisel abbiegt, bin ich richtig froh, denn es hat ordentlich in den Ohren gedröhnt.
Auf der schmalen Strasse nach Baalborn kommen mir mehrere Busse entgegen. Die Rush - Hour hat begonnen.
Vor der Kreuzung ist der Weg nach Mehlingen zwar als geradeaus geschildert, geradeaus ist aber nur die Böschung. Es geht nur rechts oder links. Ich rate "rechts" und liege richtig. Hinter der Fußgängerbrücke geht es bald links ab und ich kann meinem Weg weiter folgen. In Mehlingen sehe ich dann auch Motorradfahrer drei und vier. Bald schon eine Invasion.
Hinter Enkenbach - Alsenborn teilt sich die Strasse. Dem rechten Wege folgend gelange ich tiefer in den Wald hinein. Hier ist es teilweise noch naß auf der Strasse und so fahre ich besonders vorsichtig. Langsam windet sich die Strasse ins Tal und es geht links im Bogen unter einer großen Brücke hindurch. Dahinter ist ein Parkplatz. Ich halte an.

Die Brücke ist das Eistalviadukt, eine stillgelegte Eisenbahnbrücke. Unter ihr findet sich ein kleiner Bahnhof mit niedlichen kleinen Schienen und ebenso niedlichen Fahrzeugen. Es ist ein Bahnhof der Stumpfwaldbahn, lerne ich, einer Feldbahn, die als Touristenbahn den Eiswoogsee mit Ramsen verbindet. Leider bin ich zu früh im Jahr dort und zudem noch unter der Woche und so habe ich kein Glück, die Bahn fahren zu sehen. Das landet aber auf der To Do Liste.

Wie ich ein paar Schritte gegangen bin, höre ich Motorengeräusch und bald darauf biegen zwei Motorradfahrer auf den Parkplatz ein. Es ist Einer mit einer Harley Iron 883 und Einer mit einer BMW F800GS Trophy. Die Beiden bleiben in der Sonne stehen und ich schleiche mich an. Der BMW Fahrer will wissen, wie ich mit der Maschine zufrieden bin. Was für eine Frage... Der Harleymann grinst und meint zu seinem Kumpel: "Do sieehstes, Du host ä rischdisch Määdschemobbed!" Wir lachen alle und ich frage noch nach den Erfahrungen mit dem Heidenau K60.
Nachdem die beiden eine kleine Pause gemacht haben, setzen sie sich wieder in Bewegung und verschwinden mit viel Schwung und mit Staubwolke in Richtung Ramsen.
Ich schaue mich noch etwas um und suche mein Händi hervor. Ich habe doch diese Geocaching App, das wäre doch gelacht, wenn hier nichts wäre. Und siehe da: Natürlich gibt es Caches hier. Einer ist ganz in der Nähe und den hebe ich nun also zur Feier des Tages.

Nach getaner Arbeit tüddel ich mich auch wieder an und sehe zu, daß ich langsam nach Hause komme. Denn, die Sonne verschwindet hinter den Bergen und es wird kühl.
In Eisenberg biege ich zunächst auf die B47, aber verlasse sie recht bald wieder und fahre in Richtung Marnheim.

Den Donnersberg im Blick komme ich nach Marnheim und winde mich durch die Ortschaft, weiter in Richtung Kirchheimbolanden. Von dort ist es dann ein recht rascher Heimweg über Alzey und durch die Rheinhessischen Dörfer.
Was ein wunderbarer Tag! An so einem Montag Nachmittag war ich die meiste Zeit über ganz alleine auf der Strecke. Bis auf den seltsamen Kleinwagenfahrer an der Alsenz war alles o.k.. Fahrerisch empfand ich das Ganze als sehr rund und organisch, die Strecke war abwechslungsreich und die Ballungszentren habe ich so gut wie es ging gemieden. Eine durch und durch gelungene Tour!



Dienstag, 24. März 2015

Zwischenbericht - was sonst noch geschah bis jetzt...

Neben dem, was ich hier ausführlich schreibe, habe ich natürlich noch andere Abenteuer in der Zwischenzeit bestanden, oder habe einfach nur schöne Nachmittagstouren gemacht im letzten Herbst und Winter. Zum Beispiel hat sich in der Zwischenzeit der Feldberg im Taunus als eine Art "Hausberg" etabliert. Eines schönen Freitags Nachmittags bin ich einfach in die Richtung gefahren und den Schildern bis nach oben hin gefolgt. Hätte ich schon lange tun sollen... Ansonsten, also ohne Motorrad bin ich bislang höchst selten auf der höchsten Erhebung des Taunus gewesen.

Seit Ende August bin ich an einigen Freitagen bereits dort oben gewesen und habe nette Leute kennengelernt, Biker, klar, und habe Gefallen am Benzin reden gefunden. Das wird auf jeden Fall dieses Jahr auch wieder ein häufiges Ziel sein.
Im Rheinhessischen bin ich natürlich auch viel unterwegs gewesen, ich habe mich bereits im leichten Offroad versucht und festgestellt, daß nasser Rasen mir und dem Reifen so gar nicht taugt. Nur wirklich beherztes Eingreifen mit beiden Beinen hat mich im letzten Moment davor bewahrt, mich mit Gesa ins Grün zu bohren. Dabei sind wir langsamer als Schrittgeschwindigkeit gewesen. Wär echt blöd gewesen, denn dort wäre so rasch niemand als Hilfe zur Stelle gewesen.

Im berühmten Wispertal bin ich mittlerweile auch mehrmals gewesen, das war zunächst ein echter Angstgegner für mich, ich habe es dann unter der Woche unter die Räder genommen und da ging es. Hab mir echt zu sehr Gedanken gemacht über die ganzen Gebückten, die dort unterwegs sind. Übers Wispertal wird es auch dieses Jahr noch einen ausführlichen Bericht geben. Erst einmal seien zwei Bilder stellvertretend.

Mit den Leuten von der Fahrschule bin ich natürlich auch mal wieder unterwegs gewesen. Wir hatten eine Ausfahrt und dann noch zwei Treffen ohne Motorradl. Die Ausfahrt hatte es allerdings in sich. Ich wache morgens auf und schaue aus dem Fenster und sehe - nichts. Wirklich: nichts. Nebel! Und wie. Wenig damenhaft und an dieser Stelle nicht wiederholbar war mein Kommentar... Ich bin dann so schnell es ging in meine Klamotten gesprungen, denn die normale Fahrtzeit zum Treffpunkt in Nierstein konnte ich vergessen unter den Umständen, und habe zugesehen, daß ich aus dem Haus kam. Wir sind dann auch mit recht anständiger Zuversicht gestartet, mussten aber bald einsehen daß es keinen Sinn so hat. Der Nebel war nass und man hatte keine Sicht. Das Visier war sofort wieder voll Wassertröpfchen und man schwamm förmlich auf der Strasse dahin.
Wir haben dann beschlossen umzukehren, da einer ein Lokal in der Nähe kannte, in dem man - auf dem Lande ja eine Seltenheit - sonntags frühstücken konnte. Gegen Mittag war es noch nicht wirklich besser und einige sind umgekehrt und haben aufgesteckt. Mit ein paar anderen bin ich dann dennoch aufgebrochen und wir hatten dann wider Erwarten eine echt tolle Tour durch die Pfalz.


Das Stichwort Pfalz bringt uns schon zum nächsten Abenteuer. Dem Donnersberg. Von der Höhe nicht so spektakulär wie der Feldberg, aber die höchste Erhebung hier in der Gegend. Die Fahrt dort hin - ein Genuss! Durch kleine Dörfer schlängelt man sich bis Kirchheimbolanden und danach dann zum Aufstieg des Donnersberges.
Oben erwartet einen dann ein großer Parkplatz und ein Hochplateau. In keltischer Zeit ist er besiedelt gewesen und es gibt heute noch Spuren davon in Form von Erdwällen im Wald.
 Zwischen den Bäumen lugt etwas sonderbares hervor:
Es scheint neueren Datums zu sein und gibt - so wie ich das sehe - anatomisch nicht ganz korrekt - ein Pferd wieder...
Das ist mir nicht geheuer und ich sehe zu, daß ich weiter komme. Wieder unten finde ich eine Strasse, die der absolute Moto - Minya - Daumen - Hoch - Tip ist.

Sie führt nach Falkenstein, ein Ort, den ich, als ich die Geschichte später beim F800 GS - Stammtisch erzähle, gar nicht namentlich nennen muss. Man weiß sofort Bescheid und ahnt, was mir passiert ist.
Ich fahre also die echt steile Strasse runter und sehe eine tolle Burgruine. Ich denk mir so, da fährst du doch gleich noch mal hin und schaust dir das genauer an. Machst ein paar Bilder und verziehst dich wieder. Da oben war doch ein Parkplatz, der recht bequem aussah. Also drehe ich im Tal um, fahre die echt steile Strasse wieder rauf und biege auf den Parkplatz ein. Blöd ist, daß da gar kein Parkplatz ist, sondern eine normale Einfahrt zu einem Privatgrundstück. Das konnte ich aber, weil die Strasse echt ein bissel steil war, nicht sehen. Wie ich es aber dann sehe, bleibe ich unvermittelt stehen. Allerdings nicht lang. Denn dann lieg ich schon am Boden. Und Gesa auf mir. Das Bein kann ich ohne Weiteres unter ihr heraus ziehen und stehe auf. Der Motor läuft noch und ich mach ihn aus. Was nun? In einem Buch habe ich gesehen, wie man ein am Boden liegendes Motorrad aufhebt. Ich stelle mich also mit dem Hintern zu Gesa, gehe in die Hocke, greife sie am Lenker und am Bügel hinten und ziehe. Und ziehe. Und ziehe. Nix. Null Erregung. Monty Python kommt mir in den Sinn. Der "Dead Parrot Sketch".  The Blue Norwegian. "He's only resting!"
Wie ich da so stehe, kommt ein Engel des Weges. Zuerst schaut er gar nicht wie ein Engel aus. Er kommt mit einem kleinen grünen Geländewagen die Strasse entlang, fährt langsam, schaut her und bleibt stehen. Dann steigt er aus und kommt zu mir. Ich schildere ihm kurz was geschehen ist. Er kennt das, ist selbst Motorrad gefahren. "Ach je! Ä Meedsche!" ruft er aus. "Des kriegst Du doch nie uffgehobe!" Er stellt sich zu Gesa, geht in die Hocke und hebt sie einfach - wie ein Fahrrad - auf. Ich bin baff. Wir beschauen Gesa, es ist nichts passiert, der eine Handschutz ist etwas verkratzt und der Spiegel hat ein paar kleine Schrammen. Sonst nichts. Nur mein Ego hat gelitten. Er fragt mich, ob ich denn weiterfahren kann. Ich denke schon. Er hilft mir Gesa auf die Strasse zurückzuschieben und hält sie fest, bis ich draufsitze und sie angelassen habe. Dann fährt er noch ein Stück hinter mir her, um zu sehen, daß ich wirklich mit der Situation klar komme.
Wirklich ein dickes, dickes DANKE!
Ich brauche noch ein paar Kilometer bis der Puls wieder halbwegs normal geht und mache auch in Winnweiler erst mal eine Pause und veratme das ganze. Danach wird der Rest des Tages wieder sehr schön...
Das Handguard habe ich dann ein paar Tage später selbst und höchstpersönlich ausgetauscht. 

Der Rest des Jahres war dafür wieder sehr friedlich. Im Dezember habe ich die Koffer genutzt um vor Weihnachten in der Stadt noch ein paar Erledigungen zu machen und im Januar bin ich auch ein paar Tage unterwegs gewesen. Der Februar hatte nur wenige Fahrtage, an einem war ich in Laurenziberg und habe auf dem Weg dort hin festgestellt, daß die Falkenstein Affaire mir immer noch in den Knochen sitzt. Denn es ging wieder recht steil den Berg hinauf. Diesmal ist aber alles gut gegangen.

Zum Ausklang des Februars habe ich dann noch eine Runde durch den nördlichen Pfälzer Wald gedreht. Tolle kleine Strassen, Wald, Ruhe, Abgeschiedenheit. Super.
Eine absolute Premiumrunde, das Einzige, was ich notieren muss ist, nicht wieder bei der Güldenen Möwe einzukehren. Mag ja sein, daß in der Erinnerung die Dinge immer größer und toller erscheinen, aber meine Vorstellungen von "Big" können unmöglich so sehr sich verändert haben in den Jahren. Und mein Geschmack auch nicht. Hmpf.
Im allerbesten Abendsonnenschein rolle ich dann von Bad Dürkheim nach Worms und schließlich nach Hause und vergesse bei aller Glückseligkeit völlig noch mehr Bilder zu machen...
Auch das ist eine Aufgabe für dieses Jahr! Nicht immer nur fahren, sondern auch mal anhalten!




                     Bleiben Sie also dran! Die nächsten Abenteuer sind schon am Start!




Montag, 23. Februar 2015

Winterzeit, Lesezeit

Heute morgen habe ich kaum meinen Augen getraut, als ich den Rolladen hochgezogen habe: Alles weiß!
Na, schön, nicht alles, aber doch schon ganz anständig. Und dabei hatte ich auf Regen gehofft, der das ganze Salz mal von der Strasse spült. Wieder nichts. Nur neues Salz.
Wenn man nun aber im Schnee festsitzt, oder einen das Saisonkennzeichen zum Stillstand zwingt, dann kann einem wenigstens das Lesen über das geliebte Hobby etwas das Herz erwärmen.
Wer sich ein wenig in der Motorradzeitschriftenlandschaft schon mal umgeschaut hat, dem ist der Zonko, bürgerlich Mag. Fritz Triendl sicher kein Unbekannter. Jahrelang hat der Freund leinwander Motorradln, des edlen Tabaks und der Schwedenbomben für das schnellste Österreichische Motorradmagazin getestet und geschrieben und ist sozusagen zu einer Institution geworden. In der Zwischenzeit ist er auch anderenorts zu finden. Vor ein paar Jahren hat er mit "Zonko auf Monden" die Geschichte einer fantastischen Reise mit dem Harley Road King zwischen zwei Buchdeckel gebracht.

Da hockt er eben noch gemütlich mit seinem Wellensittich Luna Loop in der Wohnstube vorm Fernseher und lässt einen Shoppingkanal an sich vorbeiplätschern, als sich plötzlich die Technik gegen ihn zu wenden scheint und nur wenig später wird er sich Gedanken machen, wie "384.467 km?! Weit, sehr weit."
Was er am Mond, dem Ziel seiner Reise erlebt, ist schier sagenhaft und er trifft unterwegs die unglaublichsten Leute. Leute, deren Bekanntschaft man sich mitunter schon lange gewünscht hat. Aber auch Leute, von denen man noch gar nichts wusste. Er bekommt unter anderem Einblick in den Schatz der Krempelritter, der mit Gold und Silber nicht aufzuwiegen ist.
Die Beschreibungen sind gewürzt mit Humor und Sentimentalität in der rechten Mischung und es ist einem zu keinem Zeitpunkt je langweilig.
Eine Geschichte vom Motorradfahren und von Freiheit. Also, eigentlich doch dem, was wir alle suchen.
Ich habe beim Lesen Tränen gelacht, aber genauso auch dicke Tränen geweint, als die Dinge eine unerwartete Wendung nehmen. So hin und her gerissen hat mich schon lange kein Buch mehr.
"Zonko auf Monden" ist zu bekommen beim lokalen Buchhandel, oder im Netz zu bestellen.
Der lokale Buchhandel wird es hierzuland allerdings sicher nicht lagernd haben.

Freitag, 13. Februar 2015

Zusammengefasst

Die motorradfahrende Frau schlägt sich, üblicherweise, mit ein oder zwei Problemen herum. Das eine ist: Kann ich das anziehen? Und das andere ist: Wohin mit den Haaren? Das erste haben vermutlich alle gemeinsam und das zweite zumindest mal die, die lange Haare ihr Eigen nennen. So auch ich.
Zuerst, in der Fahrschule, habe ich sie noch mit zwei, drei Gummibändern zusammengenommen und dann unter die Jacke gestopft, aber das war keine wirkliche Lösung, im Sinne von ernstem Angehen dieses Problemes. Später habe ich es dann versucht mit zwei, drei Gummibändern und den Zopf draußen, aber das war noch katastrophaler und hat einige Tränen und zusammengebissene Zähne abends beim Kämmen und Bürsten gekostet. Versuche mit Dutt und dann unter den Helm, habe ich im Frühstadium abgebrochen. Das wurde bei mir nichts. Da die Schere als letzte Konsequenz nicht in Frage kam, war guter Rat teuer. - Ha! - Doch irgendwann spuckte das Internet eine höchst interessante Seite aus! Da gibt es in der Nähe von Gummersbach doch eine Frau, die hat genau dieses Problem erkannt und - sie hat eine Lösung dafür!
Manuela Lackmann, so heißt diese Frau, nennt es "Haarschoner", stellt es in Eigenregie her und hat es sogar patentieren lassen. Der "Haarschoner" besteht aus Leder und einigen Druckknöpfen. Sowie aus einer Öse mit einem Haargummi dran. Damit wird er an den zum Pferdeschwanz zusammengenommenen Haaren befestigt und dann werden einfach die Knöpfe geschlossen. Fertig. Das geht bald so rasch, wie ich es hier schreibe. Bestechend simpel.
Das gute Stück ist für mehrere Durchmesser zu haben und in verschiedenen Längen. Dazu kann man aus einer Vielzahl von Designs aussuchen. Oder man kann es individuell besticken lassen. Das alles noch in der Farbe der Wahl. Und das Leder kann man schließlich auch noch aussuchen. Ist das nichts?

Das Ganze ist zudem auch noch günstig in der Anschaffung und im Handumdrehen geliefert. Ich bin wirklich sehr begeistert!
Somit, liebe motorradfahrende Dame, ob am Lenkstangl oder hinten drauf, lieber langhaariger Zweiradfreund, dieses Problem sollte vom Tisch sein...

Für den geneigten Bartträger gibt es übrigens so etwas auch...