Dienstag, 5. Mai 2015

Keilriemenfahrt

+++26.04.2015+++

Als ich durch Oppenheim komme, ist die Strasse naß. Feuerwehrübung? Nein, die müssten viel geübt haben. Das Wasser auf der Strasse muss aus den Wolken über mir stammen. Keine Frage.

Ein paar Kilometer weiter sieht es schon wieder sehr viel besser aus. Es ist nun nur noch ein etwas lebhafter Wind, der ein wenig stört. Ich sause auf der B9 in Richtung Süden und komme Osthofen immer näher. Um 14:00 wollen die weiterfahren! Die Uhr steht auf kurz vor zwei. Das wird knapp. Ich hatte noch gemütlich mit Tom gefrühstückt und dabei die Zeit etwas vernachlässigt.
Ich komme nach Osthofen hinein. Im Netz habe ich schon geschaut gehabt, wo der Borntaler Hof liegt. Ich muss durch die ganze Ortschaft durch und dann links. In der Ferne kann ich jemanden mit einer gelben Weste sehen. Das müssen sie sein. Ich werde in die Strasse rechts eingewunken und parke Gesa unten an der Kreuzung. Da rangieren gerade zwei Harleyfahrer. Die wollen auch das sehen, was ich sehen möchte.
Ich habe noch nicht viel verpasst. Einige Starter sind schon auf der Strecke, aber ich bin ziemlich rechtzeitig noch da.
Auf der Strasse hinter mir höre ich ein schnaufendes, tuckerndes Geräusch. Da kommt einer! Ich bin hin und hergerissen! Sagenhaft!

Ich bin bei der Keilriemenfahrt 2015! Das ist eine Ausfahrt für Motorräder bis zum Baujahr 1914! Also für über hundertjährige! Die zweite Etappe ist eben gestartet und ich bin absolut erstaunt, wie viele es davon noch in vollkommen betriebstüchtigem Zustand gibt.
Das interessiert mich natürlich ganz besonders, denn ich bin nicht die erste in meiner Familie, die ein Motorrad besitzt. Mein Urgroßvater hat 1908 bereits eines, Marke "Magnet", angeschafft und ist damit etwas über ein Jahr unterwegs gewesen, bis es wohl vollkommen verschlissen war.
Wie an einer Perlenschnur

Sehr auffallend: Viele fröhliche Gesichter!
Mit einem der Einweiser unterhalte ich mich ein wenig. Er gibt mir einen Tip zum Streckenverlauf. Zusammen mit den beiden Harleyfahrern mache ich mich auf, zu einem Kreisel kurz hinter dem Ortsausgang von Osthofen. Dort werden die Starter den Berg von Bechtheim hinunterkommen und zurück zum Ausgangspunkt abbiegen.
Wir stehen in der mittlerweile schön scheinenden Sonne und warten auf das Feld. Das lässt auch nicht lange auf sich warten, denn schließlich sollen um 16:30 alle wieder zurück sein.
Der älteste teilnehmende Fahrer
Wohl mit die fröhlichsten teilnehmenden Fahrer
Der wohl eleganteste teilnehmende Fahrer. Er verabschiedete sich später von mir mit Kußhand. Gesa schaut interessiert zu
Als sie alle an mir vorbei sind, mache ich mich auch auf den Weg zum Borntaler Hof um mir die Maschinen mal aus der Nähe anzusehen. Als ich ankomme, ist die Preisverleihung schon im vollen Gange.
So habe ich Gelegenheit mich ungestört umzuschauen. Ich sehe viel Chrom, Messing und schönen Lack, aber auch vollkommen unrestaurierte Exemplare, die den Charme der Jahre tragen, die sie schon unterwegs sind.
Ein Stück Pappe unter dem Motor ist fast obligatorisch.
Triumph und Wanderer haben sich offenbar als besonders langlebig gezeigt. Denn von diesen Marken sind mehrere Motorräder vertreten. Das Miele Motorrad oben ist freilich schon ein wenig jünger als 1914. Sie gehört zu der Sonderwertung der Fahrzeuge bis Baujahr 1924.
Der Antrieb: Aus Leder
Es wird deutlich, warum die Veranstaltung "Keilriemenfahrt" heißt...
Am Cockpit auch hier nur wenig Überraschendes
Insgesamt sind aber zum Fahren einige Hebel mehr als heute von Nöten.
Ob der versprochene Inhalt auch tatsächlich mitgeführt wurde, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Ein Motorrad, wie mein Urgroßvater es gefahren hatte, konnte ich leider keines entdecken, aber ich habe jetzt viel mehr einen Eindruck, wie das damals ausgesehen haben mag, als mein Urgroßvater angerissen hat. Als man mit kaum einer Hand voll PS auf holprigen Wegen sich bereits nah am Geschwindigkeitsrausch wähnte.



Freitag, 1. Mai 2015

Langlauf <- Her

+++19.04.2015+++

Mühsam finde ich die richtige Seite im Bett und würge den Wecker im Händi ab. Was? Wie? Wo? Uuarrgh! Ich blicke auf die grün gestreiften Vorhänge, durch die fahles Licht scheint. Es hilft nichts, Aufstehen!

Gestern, die Geburtstagsfeier meines Onkels war sehr nett gewesen, wir waren in einem Lokal, nur zwei Kilometer von meinem Hotel und die nette Frau vom Hotel war so lieb, mich auf ihrem Weg in die Stadt das Stück mitzunehmen. Es war schön, den Cousin und die Cousine mal wieder zu sehen, das letzte Mal ist wirklich auch schon sehr lange her. Später waren wir noch bei meinem Onkel zu Hause und haben Kaffee getrunken und kurz nach acht hat er mich dann zurück zur Unterkunft gebracht. Ich bin noch ein wenig Spazieren gegangen um frische Luft zu schnappen und habe etwas Geo gecached in der nächsten Umgebung und bin reichlich früh im Bett verschwunden.

Als ich meine Sachen gepackt habe, mache ich mich auf zum Frühstück. Der Frühstücksraum ist nicht besonders groß, aber nett eingerichtet. Viele Gäste sind zur Zeit nicht da, ich sitze heute ganz alleine auf meinem Platz. Heute am Sonntag gibt es ein Frühstücksbuffet, es ist klein und fein und bietet eigentlich alles was man braucht.
Gestern hatte ich an meinem Platz einen liebevoll angerichteten Teller vorgefunden, sowie drei Brötchen und die nette Dame stellte mir noch ein hartgekochtes Ei in Aussicht. Fein!
Die beiden Pillen gehören natürlich nicht dazu, die sind meine Zugabe...

Impression vom Sonnabend Morgen: Blick aus dem Frühstücksraum
Nachdem ich mich gestärkt habe, bezahle ich und sehe zu, daß ich auf meinen Weg komme. Gesa ist rasch bepackt und so werfe ich den Motor an und rolle vom Hof. Zunächst muss ich noch tanken.
Hotel Hof Hoyerswege. Von der Aufschrift "Mongolei" darf man sich nicht täuschen lassen. Das Hotel befindet sich dahinter, links im Bild, der Flachbau. Geschlafen habe ich dort ausgezeichnet, ich bin sehr freundlich empfangen worden und für die Garage habe ich nichts bezahlen müssen.
Auf der Adelheider Strasse gibt es für Gesa Frühstück und danach fahre ich noch einmal zum Schauen in die Düsternortstrasse. Dort hatten meine Großeltern gelebt und ich bin lange nicht mehr dort gewesen. Viel hat sich nicht verändert, das Haus hat frische Farbe bekommen und den Rosenbogen über dem Torweg gibt es nicht mehr. Vorm Kiosk stehen zweifelhafte Gestalten und ich sehe zu, daß ich gewendet bekomme. Ich fahre durch die Stadt und dann in Richtung Wildeshausen.
Delmenhorsts Wahrzeichen. Der Wasserturm am Rathaus. Die Rathausanlage ist eine der bekanntesten Entwürfe Stoffregens
Es ist kühl an diesem Sonntagmorgen und nur wenige Autos sind unterwegs. Als ich Wildeshausen erreiche, ist es mittlerweile zehn Uhr und ich rolle ungehindert durch den Industriegürtel in Richtung Visbek. Die Beschilderung in Visbek ist denkbar unvollständig, bis nicht vorhanden und ich brauche zwei Anläufe, bis ich dann beim Dritten endlich in Richtung Vechta weiterfahren kann. Unterwegs kommen mir vereinzelt schon Motorräder entgegen, aber die meisten werden wohl noch vorm dampfenden Kaffee sitzen und auf ein Ansteigen der Temperaturen hoffen. Bis jetzt sind es mit Mühe sieben Grad.

Um Vechta werde ich weitäufig drumherum geleitet und ich komme danach wieder gut voran. Auf Höhe des Dümmer zieht eine Gruppe von Gespannfahrern aus Werl seine Bahnen, sehr gemütlich, und es dauert eine Weile bis ich sie überholen kann. Danach bin ich rasch schon in Ostercappeln. Ich komme von der Bundesstrasse herunter auf eine schöne kleine Landstrasse, die sich im Sonntagsmorgensonnenschein durch sanfte Erhebungen schlängelt. Kurz vor Nemmen kommt eine für mich etwas überraschende Kurve, aber es ist alles gut, ich fahre weiter ohne hängen zu bleiben.
In Wellingholzhausen stosse ich auf eine wegen Bauarbeiten gesperrte Strasse. Die Umleitung kennen nur Einheimische. Andere Leute werden anscheinend nicht erwartet. So kann ich nur raten, wo es entlang gehen soll. Ich schlängele mich durch Wohngebiete und kleinste Strassen, teils Einbahnstrassen und komme auf eine größere Strasse, die aus dem Ort wieder hinausführt. Ich versuche zunächst einmal das, merke aber, daß es verkehrt sein muss. Also wende ich. Ein Pärchen auf einem Motorrad kommt dort angefahren, wo ich eben raus kam und hängt sich an mich. Ich fahre jetzt in die Baustelle hinein und versuche dort durchzukommen. Beim Blick in den Rückspiegel sind die Beiden irgendwann verschwunden. Ich zuckele hinter einem blauen Auto auf einem schmalen Weg, der den Ort verlässt. Hoffentlich will der nicht nur zum Friedhof, sondern auf die Landstrasse weiter, denke ich. Und richtig, er biegt ab und wir kommen auf die eigentliche Strasse zurück. Das Pärchen mit dem Motorrad kommt auf dieser Strasse nun auf einmal entgegen. Das war wohl auch nicht deren Richtung.
Daß der Fahrer des blauen Autos anscheindend doch zum Friedhof wollte, in eigener Sache wohl, merke ich, als er auf die Landesstrasse auffährt. Ja, Himmel! Er schaut überhaupt nicht nach rechts oder links und fährt einem anderen Motorrad voll in die Parade. Der Motorradfahrer kann in letzter Sekunde klären und zieht beherzt vorbei. Mir sackt die Kinnlade runter. Ich beeile mich, diese Type in den Rückspiegel zu bekommen und biege bald darauf mit Vorsprung ab, in Richtung Halle. Es geht durch den Wald und eine Haarnadelkurve bergab. In Halle beschließe ich, daß mir a) etwas kalt ist und b) Mittag ist und somit die Einnahme eines Kaffees + x zu empfehlen ist. Als ich in die Stadt rolle, denke ich darüber nach, ob es eine direkte Verbindung zwischen dieser und der gleichnamigen in Sachsen Anhalt geben könnte. Hier ist auch an vielen Ecken lange nichts mehr geschehen. Ich biege tiefer in die Stadt ein und finde schließlich eine Bäckerei mit Café, die heute geöffnet hat. Auf der Terasse davor sitzen mutige Menschen. Ich stelle Gesa ab und schaue mir das Angebot an. Letztlich kaufe ich mich mit einer Mohnschnecke und einem Latte M. in die Benutzung der Keramikabteilung ein. Als ich, wie ich fertig mit allem bin, wieder nach draußen komme, ist es merklich wärmer geworden. Der Blick auf Gesas Thermometer bestätigt das kurz darauf. Bevor ich sie jedoch starte, frage ich noch eine Passantin nach dem besten Weg nach Gütersloh und sie meint, einfach nur geradeaus. Ich schiebe Gesa die zehn Meter durch die Einbahnstrasse zurück zur Hauptstrasse und verschwinde. Bald schon bin ich auf der Landstrasse in Richtung Gütersloh und singe aus vollem Hals in meinen Helm das Lied vom letzten Cowboy: "Einsam und immer unterwegs, knabbert er den letzten Keks, der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh...!!"
In der Stadt ist nicht viel los an diesem Sonntag, keine Pferde, nur Autos und ich biege an einer großen Kreuzung auf eine breite Bundesstrasse ab. Auf ihr werde ich um das eigentliche Stadtzentrum herumgeleitet und bin auch bald wieder darußen. Gütersloh hat nur wenig bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Auf der B 61 geht es weiter in Richtung Rheda Wiedenbrück. Dort kommt Stimmung in die Route, es geht auf die fast Autobahnähnlich ausgebaute B 64 / B 61 und erst nach ein paar Kilometern, hinter der Ems, wird es eine normalere Strasse. Drei schwarzlederne Motorradfahrer haben mich überholt und ich hänge mich ein Stück hinter sie, bis sie irgendwann abbiegen.

In Erwitte schließlich muss auch ich abbiegen und lande hinter einem älteren Herren, der mit persönlicher Bestleistung sein Mobil durch die Ortschaft chauffiert. Glücklicherweise will er nicht auch noch abbiegen, als ich abbiege und so kann ich fröhlich in die langsam hügeliger werdende Landschaft beschleunigen.

Hinter Rüthen finde ich den Ort, den ich suche, nicht auf den Wegweisern und so folge ich dem, was ich kenne. Das ist zwar nicht hundertprozentig die Route, die ich fahren wollte, aber ich komme doch an mein Ziel. Unterwegs mehren sich die Motorräder, ich komme so langsam in Richtung Sauerland. Die Strecke ist auch hübsch und schlängelt sich im Wald durch das Möhnetal. In Brilon fahre ich erst einmal auf eine Tankstelle und schaue mir in der Karte an, was ich verkehrt gemacht habe. Eigentlich nur wenig. Ich muss die Karte hier auch neu sortieren, damit ich den aktuellen Ausschnitt im Sichtfenster habe. Wie ich da so am werkeln bin, parkt neben mir ein weißer Käfer. Da ich das Gefühl habe, der Fahrer hat sich etwas in die Lücke quetschen müssen, weil ich so blöde da stehe, spreche ich ihn an und erzähle, daß ich auch noch einen Käfer habe. Wir unterhalten uns kurz über die Autos, er hat noch mehr Oldtimer in Gebrauch und nach einem kurzen Blick auf mein Kennzeichen steckt er mir beim Abschied noch ein Hustenbonbon zu.
Ich beschließe hier in Brilon auch zu tanken und danach beeilen Gesa und ich uns, diese von Motorrädern wie ein Bienenstock surrende Tankstelle zu verlassen. Die anderen fahren an den Auf - und Abfahrten der Tankstelle ziemlich Kreuz und Quer und ich muss sehr aufpassen. Ich fahre in Richtung Olsberg und hänge mit zwei anderen Motorradfahrern hinter einem Bus mit winkenden Schulkindern und einem Kübelwagen, der mit der Strecke wohl überfordert ist. Auf einem kleinen Parkplatz am Wegesrand lasse ich diese Ansammlung vor mir Abstand gewinnen.

Beim Weg durch Olsberg gerate ich in eine Gruppe BMW Fahrer und folge mit ihnen der Ruhr, bis wir kurz hinter dem Ort abbiegen. Sie schaffen es noch über den Bahnübergang, ich muss stehen bleiben. Auch gut. So warte ich ab, bis der Zug vorbeigefahren ist und beobachte schließlich wohlwollend noch einen Fahrradfahrer, der kunstvoll einen Sturz abwendet, als er beim Einbiegen in einen kleinen Weg auf die Leitplanke prallt. Das ist den BMW Leutchen nun entgangen. Durch das Tal der Neger (Flüsschen) komme ich nach Winterberg. Hier liegt auf manchen Skipisten noch ein Rest Schnee. Der taugt allerdings zu gar nichts mehr und wartet lediglich darauf, daß es wärmer wird.
Ich schlängele mich auf der Strasse auf dem Höhenzug entlang und winde mich dann hinab ins Tal. Unterwegs werde ich von einigen Motorrädern überholt, denen ich zu langsam fahre, aber ich kenne mich hier nicht aus, also spare ich mir unliebsame Überraschungen.
Schließlich erreiche ich Bad Berleburg und folge der Strasse weiter in Richtung Bad Laasphe. Wald und Felder begleiten mich, bis am Ortseingang von Bad Laasphe, es rechts nach Dillenburg abgeht. Ich fahre durch eine wunderschöne Landschaft, die mich zeitweilig beinahe an das Allgäu erinnert.
Landschaft mir Kirche :)

Die kleine Strasse bringt mich durch nette Wiesentäler, an Wald vorbei und durch kleine Ortschaften. So liebe ich es.

Als ich in Dillenburg ankomme, bin ich am Überlegen, ob ein Kaffee, oder etwas ähnliches, mir jetzt nicht gut zu Gesicht stehen würde. Leider finde ich hier nichts, das mich anspricht und ich fahre weiter nach Herborn. Dort finde ich zunächst, außer einer Eisdiele, auch nichts. Ich fahre suchend noch ein Stück weiter. Auf einem Parkplatz nutze ich die Gelegenheit, meine Karte erneut auszuwechseln und schaue anschließend auf dem Händi in Google Maps, ob es nicht irgendetwas geben könnte. Was ist das denn? Gleich nebenan findet sich eine Braurereischänke. Die Einfahrt kann ich gegenüber sehen. Da ist eben auch einer reingefahren. Also könnten die offen haben. Ich starte Gesa und fahre neugierig die Strasse rein. Am deren Ende findet sich eine Ansammlung älterer Gebäude, im Hof spielen Kinder und es befindet sich da ein Biergarten. Ich stelle Gesa ab und stapfe mit dem Tankrucksack hinüber. Auf der Karte finden sich auch Kleinigkeiten zu Essen und so bestelle ich eine Käsesuppe, mit selbstgebrautem Bier verfeinert. Nach dem sehr leckeren Essen, das ich in der Sonne sitzend einnehmen konnte, sehe ich aber zu, weiterzukommen, denn so langsam möchte ich nach Hause und es sind noch ein paar Kilometer bis dort.
Ich folge der Dill bis Ehringhausen und biege in Richtung Leun ab. Das ist eine Strasse, die ich unbedingt noch mal fahren möchte. Die tiefstehende Sonne scheint durch den Wald und legt sich auf die Felder, daß es eine Freude ist.

In Leun entscheide ich mich blöderweise dafür, in Richtung Weilburg zu fahren, statt nach Braunfels. Nur weil es nach Braunfels ein Stück zurück gehen würde. Ich bin nicht weit gekommen, da stehe ich schon im Stau. In meiner Richtung ist die Bundesstrasse zweispurig, aber ein besonders guter Autofahrer hindert die anderen daran, bis vorne, wo man sich einfädeln kann, vorzufahren. Auf der Gegenfahrbahn kommt ein Rettungswagen mit Blaulicht, aber ohne Martinshorn. Das lässt nichts Gutes ahnen. Und richtig, als wir um die Biegung irgendwann kommen, kann ich noch mehr Blaulicht sehen. "Lass es bitte keinen Motorradfahrer sein" schicke ich ein Stoßgebet an den Himmel. Als wir da sind, ist zu sehen, daß es glücklicherweise keiner war, sondern zwei Autos. Die sehen dafür aber um so schlimmer aus. An einer Aus - und Einmündung müssen sie sich übersehen haben. Trümmer sind weit verteilt, als wenn die beiden Kleinwagen explodiert wären. Ein Polizist winkt uns abwechselnd an der Unfallstelle vorbei. Nicht hingeschaut und bloss weg!
Danach brauche ich erst einmal ein paar Kilometer, bis ich wieder einigermaßen frei fahren kann. Ich erreiche Weilburg, halte mich aber nicht lange auf und fahre weiter in Richtung Frankfurt. Ich halte auf Weilmünster zu und finde mich in einer wunderbaren Landschaft wieder. Eine kleine Strasse windet sich durch Wiesentäler, unterhalb waldbestandener Hänge und es gibt niedliche kleine Dörfer. Als ich auf die Bundesstrasse in Richtung Idstein komme, behindert mich die tiefstehende Sonne ein wenig, aber ich bin bald schon wieder auf einem anderen Kurs und rolle auf Wiesbaden zu. Die Schiersteiner Brücke gebe ich mir heute abend nicht und ich beschließe über Biebrich direkt nach Mainz hinein zu fahren. Durch die Stadt geht es heute abend wirklich einfach und ich bin rasch wieder durch und dann sind es nur noch ein paar Kilometer bis ich vor meiner Haustür stehe. Ich zäume Gesa ab und bringe die Taschen nach drinnen, danach kommt Gesa dann in die Garage. Feierabend!

Hey, das habe ich kurz vorm Dunkelwerden noch geschafft! Der Rückweg ist ein paar Kilometer länger gewesen als der Hinweg. Wo ich die dazugenommen habe, ist nicht ganz klar, auf der Karte schaut die Strecke noch etwas gerader aus, als der Hinweg. Heute waren es also 505 Kilometer.
Was kann ich sagen? So als Fazit? Übermäßig hinüber bin ich nicht nach dieser Strecke. Ich bin nicht vom Motorrad gekippt und ich habe noch meine Tasche ausgepackt und ein paar Sachen gleich gewaschen und mir noch eine Kleinigkeit gekocht. Dieses Wochenende steckt mir aber am Montag und dem halben Dienstag noch ganz anständig in den Knochen. Was ich gelernt habe, solch eine Strecke ist durchaus machbar. Ich muss mich also nicht fürchten, wenn auf einer Reise eine Etappe etwas länger werden sollte. Nur, klar, so lang sollte sie nicht unbedingt werden. Das würde den schönen Urlaub zur Gewaltveranstaltung werden lassen.
Gesa hat das alles ebenfalls sehr gut weggesteckt und hat nicht gemuckt. Die neuen Reifen sind spitzenklasse und ich habe mich mit ihnen sicher gefühlt.


Samstag, 25. April 2015

Langlauf -> Hin

+++17.04.2015+++

Ein durchgestrichener 80er fliegt an mir vorbei. Ich drehe den Gasgriff zu mir. Gesa drückt es etwas mehr auf das Hinterrad. Den Wust des Rhein Main Gebietes habe ich nun hinter mir gelassen. Es ist kühl an diesem Freitag Morgen, als ich die Hühnerstrasse in Richtung Limburg entlangstrebe. Gerade einmal acht Grad zeigt Gesas Thermometer. Das ist besonders bitter, weil gestern noch waren es tagsüber deutlich über zwanzig gewesen.
Ich habe glücklicherweise nicht ganz so viel Zeit zwischen Mainz und Wiesbaden gelassen, wie ich gefürchtet hatte und war sogar über die halbwegs wiedereröffnete Schiersteiner Brücke gefahren.
Auf der Hühnerstrasse komme ich mäßig gut vorran. Es ist ein ewiger Wechsel zwischen 80 und 60Km/h Abschnitten. Dazu gibt es immer wieder Überholverbot und so klebe ich zwischen ein paar Autos und einem weißen Kleintransporter. Mein Tagesziel aber lautet: Delmenhorst.

Kurz vor Limburg habe ich mir eine Strasse herausgesucht, die quer durch führt, in Richtung Dillenburg. Dazu biege ich in Mensfelden ab. Bald merke ich, daß mit der Route so etwas nicht stimmen kann, denn ich komme in ein Dorf auf der linken Seite der Strasse. Ich halte kurz an um mich zu orientieren. Da hinten, hinter dem Dorf, da müsste es weitergehen. Ich hätte auf der Bundesstrasse weiterfahren sollen. Egal, ich gebe Gas und rolle durch das Dorf. Kurz vor dem Ortsausgang kommt mir der weiße Transporter entgegen, der eben noch hinter mir war. Ich gelange auf die Bundesstrasse zurück. Da geht es aber nicht in Richtung Runkel, wie ich gedacht hatte. Ich entscheide mich für links. Das ist auch goldrichtig, wie sich bald darauf herausstellt und ich kann in Richtung Runkel abbiegen, auf die Strasse, die ich haben wollte. Es ist eine wirklich kleine Strasse, die ich noch nie beachtet habe. Mit dem Boot hätte ich sie schon gut gebrauchen können. Da bin ich immer einen Umweg gefahren. Das muss ich mir merken.
Unterhalb von Dietkirchen halte ich kurz an.
Diese Kirche hatte ich schon gesehen gehabt, als ich im Herbst aus dem Sauerland zurückkam. Da hat es aber in Strömen geregnet und ich hatte absolut anderes zu tun, als anzuhalten. Ein paar Tage später und der Raps blüht schon. Das habe ich nun wiederum verpasst heute.
Durch Dehrn schlängele ich mich und gelange auf die Strasse in Richtung B49 / B54. Das hätte ich einfacher haben können, aber ich will nicht meckern. Ich bin schließlich auf der richtigen Strasse. Über Ellar und Fussingen erreiche ich Mengerskirchen. Ich überlege kurz, ob ich mit meiner signalgelben Jacke die Vernisage einer Janoschausstellung drucheinanderbringen soll, verwerfe den Plan aber und gebe weiter Gas. Die Temperatur ist bislang nicht wirklich angestiegen, es sind immer noch irgendwas zwischen sieben und neun Grad. Dafür kommt nun langsam die Sonne durch und es wird zumindest auf meiner sonnenbeschienenen Seite etwas wärmer. Von den vereinzelten Regentropfen kurz vor Limburg ist nun keine Spur mehr. So komme ich durch schönen Wald nach Herborn hinein. Ein kurzes Stück auf der vierspurigen Bundesstrasse und ich bin in Dillenburg. Dort biege ich ab in Richtung Frankenberg. Hier ist unerwartet viel Verkehr. Das kann heiter werden, denke ich, als wir durch die Ortschaften zuckeln. Erst nach einigen Kilometern habe ich Gelegenheit den Belgier vor mir abzuschütteln und davonzuziehen.
   Wo ist Frankenberg?
Die B253 schlängelt sich durch eine wunderschöne Landschaft, es geht durch ein wunderbar grünes Wiesental. Der Verkehr hat sich etwas aufgelockert und es lässt sich gut fahren. Ich nehme mir vor, in Frankenberg eine Pause einzulegen und mir irgendwo Kaffee zu suchen. Aber wo ist Frankenberg? Irgendwann ist es von den Schildern verschwunden. Ich bin schon dran vorbei. Ich hätte abfahren müssen um durch die Stadt zu kommen. Na, schön, also Korbach. Aber da ergeht es mir ähnlich. Nachdem ich hinter dem Edersee eine mörder Umleitung fahren musste, befinde ich mich schon auf der Umgehungsstrasse und werde vorbeigeleitet. Erst als ich in Arolsen angelange, habe ich genug Leidensdruck, daß ich den Blinker rechts setze und abfahre. Gesa könnte auch ein Tässchen Sprit vertragen und so fühle ich mich nicht ganz so pienzig mit meinem Wunsch nach Warm und Kaffee. In Arolsen empfängt mich eine ehemalige Kaserne. Die Stadt hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie - netter. Meine Tante und mein Onkel waren hier mit den Kindern einige Male auf Urlaub gewesen und hatten immer sehr geschwärmt. Vielleicht war es ein anderes Arolsen? Was aber viel wichtiger ist: Wo ist die Tanke? Ich biege ab und fahre auf ein Ortsende zu. Da ist aber nichts. Also wende ich und fahre zurück und biege in Richtung Bahnhof ab. Dort finde ich zunächst auch nicht wonach ich suche, aber dann sehe ich einen blauen Salmi in der Ferne. Rettung! Gesa saugt sich schon bald an der Zapfsäule mit dem guten Saft voll und für mich gibt es einen großen Pott Kaffee und eine warme Flammkuchenzunge. So etwas habe ich zwar zuvor so noch nicht gesehen, aber es schmeckt sehr passabel. Am Tisch in der Tankstelle wechsele ich auch meine Landkarte im Tankrucksack aus.
Als ich fertig bin, mache ich mich auf meinen weiteren Weg. Erst einmal zurück auf die Bundesstrasse und dann in Richtung Paderborn. Es ist wieder bedeckt und sieht nach Regen aus, aber der Himmel hat Erbarmen. Etwa die Distanz einer guten Tagesrunde habe ich mittlerweile hinter mich gebracht. Aber ich bin weiterhin guter Dinge und fahre fröhlich in die wellige Landschaft. Auf der Bundesstrasse ist nicht viel Verkehr und so komme ich rasch voran. Die B 252 wird irgendwann auf die B 68 geführt; ich aber fahre geradeaus und gebe Gas. Hätte ich da nicht eben abbiegen müssen? Hm. Ich fahre noch ein Stück weiter und bin mir dann fast sicher, daß es nicht richtig sein kann. Kurz vor einem Bahnübergang wende ich und fahre zurück zur Kreuzung und biege richtig ab. Die Strasse hält was ich mir von ihr versprochen habe. In weiten Bögen führt sie durch eine schöne Felder- und Waldlandschaft. In Altenbeken habe ich auch den Eindruck, daß die letzte Rechts eigentlich meine gewesen wäre. Ich suche mir eine Stelle zum Umdrehen und erblicke dabei eine Dampflokomotive. Sie steht da mitten in der Ortschaft. Ich fahre darauf zu und parke Gesa.
Zweizylinder trifft Dreizylinder

Es ist die Lok der Altenbekener Eisenbahnfreunde, 044 389-5, eine dreizylindrige Güterzuglok, wie ich später google. Ihr gegenüber befindet sich das Egge Museum. Dort stellt eine Frau gerade einen Aufsteller "Geöffnet" vor die Tür. Neugierig schlendere ich auf die Tür zu und lese "Freitags Waffeltag" - Das klingt nach mir! Ich trete ein in eine dunkle Diele, in der mehrere Tische sich befinden und am Ende der Diele eine Theke. Ich sehe mich um und höre jemanden aus der Küche kommen. Es ist der Wirt der Museumsstuben, der an zwei Krücken laufend aus der Küche kommt. Ich frage ihn, ob es denn heute auch Waffel gibt und er freut sich, mir welche zu machen. Während ich warte, darf ich mich umschauen.
Museumsstuben im Eggemuseum Altenbeken

Ausgestellt sind Exponate von der Eisenbahn und aus dem Bereich der Eisengießerei
Im Museum lerne ich, daß es eine ziemlich große Eisenbahnbrücke hier in Altenbeken gibt. Irgendsowas habe ich auch vorhin draußen in der Ferne gesehen. Aus der Küche höre ich wieder Geräusche und ich schaue, was meine Waffel macht. Der Wirt kommt damit zur Tür und ich beeile mich, sie ihm abzunehmen, denn von der Küche zum Gastraum gibt es eine Stufe. Die muss er ja mit den Krücken nicht mit dem Teller in der Hand nehmen. Die Waffel ist köstlich und viel zu schnell weg, als daß ich sie fotografieren könnte. Nachdem ich fertig bin, unterhalte ich mich noch kurz mit dem Wirt, der große Augen bekommt, als ich ihm mein Tagesziel nenne und sehe dann zu, daß ich weiter komme. Zuerst mache ich aber noch ein Bild von dem großen Eisenbahnviadukt.
Ein Bild mit Brücke für Svenja und Kirche für Funny und die G'schichtnerzählerin
Auf dem Bild ist nur ein Bruchteil davon zu sehen, aber um eine idealere Position zu suchen, fehlt mir die Zeit. Altenbeken verlasse ich durch eine Eisenbahnunterführung und komme auf eine wunderhübsche Strasse, die sich an einen Berghang geschmiegt durch Wald und Felder schlängelt. Es ist wunderbarer warmer Sonnenschein und ich bin höchst zufrieden. Wieder einmal fällt mir auf, wie wunderschön unser Land ist. Durch die kleinen Städtchen und Ortschaften komme ich, trotz Freitag Nachmittag, gut durch.
So schlängele ich mich friktionsfrei durch Ostwestfalen - Lippe (es gibt auch für diejenigen, die beim Begriff "Ostwestfalen" ins Stocken geraten, "Ostfalen". Das liegt aber zwischen Hildesheim und Halberstadt) durch Detmold und Lemgo und zuckele hinter einem weißen Auto hinterher. Der biegt irgendwann ab und ich gebe Gas. Mir kommt die Sache aber komisch vor. Nach ein paar hundert Metern halte ich an und vergleiche meine Karte mit der Wirklichkeit und stelle fest, ich hätte dort ebenfalls abbiegen müssen wie der weiße Wagen. Also zurück und auch abgebogen. Es ist eine schöne kleine Strasse, in Richtung Vlotho. Bald hinter der Ortschaft bietet sich die Gelegenheit anzuhalten und Fotos zu machen.
Danach schlängelt sich die Strasse herrlich durch den Wald hintunter zur Weser, die auf einmal blau glitzernd durch die Äste leuchtet. In Vlotho biege ich ab und überquere die Weser in Richtung Uffeln.
Hinter Uffeln ist meine ganze Aufmerksamkeit gefragt. Porta Westfalica und Minden sind nicht lustig. Zuerst verfahre ich mich in Porta und lande in einem Industriegebiet und gelange dann auf die richtige Seite der Weser und fahre durch einen ewig langen Tunnel. Trotz des hier starken Feierabendverkehrs habe ich aber Glück, immer genau die Strassenrichtung erwischt zu haben, die gerade nicht gefragt ist. An der Schachtschleuse in Minden biege ich ab in Richtung Norden. Die Strasse wird sofort angenehmer, es geht unter Bäumen durch die Vorortsiedlungen und bald wird es auch ländlicher. Ich habe den Eindruck, daß mit meiner Richtung etwas nicht stimmen könnte, ich drifte für mein Gefühl zu weit nach Osten ab und so mache ich in Petershagen auf einem Rewe Parkplatz kurz Halt. Die Karte muss auch rumgedreht werden und so erledige ich diese Dinge und stelle fest, daß ich mich auf dem absolut richtigen Wege befunden habe.
Die Strecke, die nun folgt, ist etwa so spannend wie das Testbild und wird nur aufgelockert durch ein paar LKW und lahme PKW. So geht es im sanften Bogen vorbei an Uchte in Richtung Sulingen. Kilometer um Kilometer surren unter Gesa und mir durch und langsam habe ich das Gefühl, ich könnte mal ankommen. In Sulingen gibt es eine interessante Verkehrsführung, die B 61 wird um die Stadt herum geführt. Dazu muss man auf die B 214, die an der Stelle ein kurzes Stück sich mit der B 61 vereint, überwechseln und ich hätte meinen letzten Heller auf eine Einfädelspur gewettet und sofort verloren. Denn da gibts keine. Ich habe Glück und es geht sich aus, weil in dem Moment keiner gekommen ist. Kurz drauf biegt man rechts ab und ist wieder auf der normalen Bundesstrasse nach Bassum. Hier verschönt mir ein LKW mit einer längeren Autoschlange das Dasein und es braucht eine Weile, bis ich den hinter mir lassen kann. Mir entgegen kommen jetzt auffallend viele Motorräder. Freitags Nachmittags, bei Sonnenschein, wird angegast. Dabei sind die Temperaturen nicht wirklich mollig, jetzt gegen Abend sinkt die Anzeige auch langsam wieder in Richtung 10, nachdem ich hinter Altenbeken durchaus schon mal über 13 Grad hatte.
 Kalt und Falsch in Bassum
In Bassum entscheide ich mich für die falsche Richtung und liege damit ausnahmsweise richtig. Das kann ich aber noch nicht wissen. Irgendwo muss doch die Strasse nach Harpstedt abgehen! Die Bundesstrasse macht mir einen zu weiten Bogen nach Osten. Da kann das nicht sein. Ich biege an der letzten Abfahrt von Bassum ab und halte an der Einfahrt zu einem Landhandel. Das Tor ist schon zu und ich vermute niemanden mehr dort. Aber damit liege ich nicht richtig. Angelockt durch das Motorengeräusch kommen zwei Männer hinter dem Gitter auf mich zu. Ob ich etwas suchen würde. Ja, Harpstedt. Sie überlegen kurz und schicken mich zurück auf die Bundesstrasse und dann nach links, weiter in die Richtung, die mir verkehrt schien und dann solle ich die nächste wieder links abfahren. Dann müsste Harpstedt auch schon wieder ausgeschildert sein. Ich bedanke mich und drehe um und folge ihren Anweisungen. Tatsächlich, ich gelange auf eine Strasse nach Harpstedt, wo sogar etwas von Umleitung steht. Ich wäre auf der anderen Strasse gar nicht durch gekommen. So bin ich froh, eine recht kurvige Strasse zwischen hübschen alten Bauerngehöften gefunden zu haben und bin bald darauf auch schon in Groß Ippener. Von dort ist es wirklich nicht mehr weit bis zu meinem Hotel. Noch einmal abbiegen und ich bin da.
Im Hotel "Hof Hoyerswege" empfängt mich die Dame von der Rezeption mit den Worten "Ach, meine Motorradfahrerin!". Ich hatte vorgestern noch eine Mail geschrieben, in der ich mich mit Motorrad angekündigt habe und nach einer Unterstellmöglichkeit für Gesa gefragt hatte. Wir gehen nach hinten auf den Hof und sie zeigt mir eine Garage, in der sie noch ein paar Kartons und Getränkekisten zur Seite räumt und mich fragt, ob das passen würde. Wunderbar, sage ich und hole Gesa nach hinten. Die Garage ist nicht weit vom Zimmer und ich muss meine Sachen nicht weit tragen.
Als ich im Zimmer bin, rufe ich meine Tante an, die kurz hinter Harpstedt mich schon mal versucht hatte zu erreichen und wir verabreden, daß sie mich gleich abholen werden zum Essen. Also beeile ich mich, daß ich mich in einen präsentablen Zustand versetze und gehe nach vorne. Als ich kurz mit Tom telefoniere, kommen sie auch schon und wir fahren nach Wildeshausen und verbringen einen wirklich netten Abend.

Meine Güte! Was für ein Ritt! 484 Kilometer stehen am Ende des Tages auf der Uhr. Als mein anderer Onkel mich zu seinem 80sten Geburtstag einlud, da hatte ich mir so überlegt, wäre doch schön, ich würde mit Gesa dort hinfahren. Aber wenn, dann alles Landstrasse. Habe ich mich damit übernommen? Bis jetzt noch nicht, aber noch bin ich nicht wieder zu Hause. Morgen geht es erst einmal zur Geburtstagsfeier und am Sonntag dann wieder nach Hause. Dann werden wir schlauer sein. Zunächst einmal weiß ich, wer heute Nacht gut schlafen wird...


Gerade durch, einmal halb durch Deutschland. Die Strecke - wunderbar!