Freitag, 27. November 2015

Britain's Triumph Part one.

+++26.06.2015+++


06:15 - Ich muss einen an der Waffel haben. Mein Wecker hat mich gerade aus dem Traum katapultiert. Ich sortiere erst mal meine Gedanken. An erster Stelle: Wo bin ich. Das ist dieses Hotelzimmer in Roßbach vor der Höhe. Da bin ich gestern abend angekommen, als es schon dunkel geworden war. Das war gegen zehn. Ich hatte lange gearbeitet und war von der Garage nur, so rasch es ging, nach Hause gestürzt um dann umgezogen und mit Rucksack bepackt zwanzig Minuten später mich auf Gesa zu schwingen. Dann auf die Autobahn und über den Rhein und am Frankfurter Kreuz nach Norden. 140 hatte Gesas Geschwindigkeitsanzeige behauptet. In das Hotel hineinzugelangen war ein klein wenig tricky gewesen, aber ich hatte es geschafft und hatte danach noch mal Gesa angeworfen um irgendwo etwas zu Essen zu bekommen. Denn seit dem Frühstück gabs nichts mehr. Mittagspausen sind in meinem Metier ein Fremdwort. Aber die einzige Lokalität, die noch warmes Essen versprach, war der Gasthof zum Bürgerkönig. Also gut. Dann da hin. Um die Uhrzeit, mit dem Magen zwischen den Kniekehlen, ist frau nicht mehr wählerisch.
Jetzt ist Freitag Morgen und ich habe keine Zeit diesen komischen Fragen nachzuhängen. Ich muss los. Also springe ich aus dem Bett und taumele ins Badezimmer. "Wer ist das? Ich will, daß sie geht!" denke ich, als ich die verwohnte Frau im Spiegel sehe. Mir wird klar, daß ich selbst das bin. Wie soll ich denn daraus etwas präsentables zaubern? "Genau so, wie du es schon tausend mal getan hast!" flöte ich mir entgegen.
Um viertel nach sieben sitze ich tatsächlich beim Frühstück und sehe zwei Männern am Nebentisch zu, wie sie sich in morgendlicher Konservation üben.
Das Frühstücksbuffet ist zwar klein, aber bietet dennoch alles was ich brauche. Nachdem ich fertig bin, kehre ich noch einmal kurz in mein Zimmer zurück, danach gehts dann mit vollem Gepäck vor zum Bezahlen. Den Rucksack auf Gesa festgeschnallt und los.
Die Strecke heute morgen ist nicht weit. Es geht einfach nur über die Ampel und dann bei der nächsten Einfahrt wieder rein. Dann ums Gebäude rum und Halt. Den Weg hatte ich gestern Abend schon erkundet, denn das Wirtshaus wo ich war, liegt in der selben Einfahrt. Heute morgen ist das Tor in dem modernen Wellblechbau allerdings geöffnet und es stehen schon ein paar Autos auf dem Hof. Es ist kurz vor acht, ich bin pünktlich. Ulrich Bonsels, der Pressesprecher von Triumph Motorcycles Deutschland kommt aus dem Hallentor und begrüßt mich. Die Sonne ist in der Zwischenzeit herausgekommen und scheint noch etwas milchig zwischen Wolken hervor.
"Du hast Dir zwar ne Scrambler ausgesucht, Du kannst aber auch eine Tiger Sport haben, da hat ein Kollege abgesagt!" meint Uli. Ich bleibe bei der Scrambler. Auf die habe ich mich schon gefreut. Und außerdem ist heute mein Führerscheingeburtstag, da gönnt man sich doch was Besonderes.
Wir schieben die Scrambler auf den Hof und Uli fährt Gesa in die Halle. Dann bauen wir noch eine Tiger 800 XCx und eine Speed - Triple R auf und warten. Der dritte Mann fehlt noch. Er kommt zwar aus dem Nachbarort von mir, aber er reist heute morgen erst an. Und Freitags Morgens an Frankfurt vorbei, das kann lustig werden. Deshalb hatte ich ja hier übernachtet.
Mit gehöriger Verspätung trifft Gerhard dann schließlich ein, erzählt eine wilde Geschichte, die einfach wahr sein muss, sowas denkt sich keiner aus und ist somit entschuldigt. Er verzurrt sein Gepäck auf dem Motorrad und wir können starten. Noch kurz die Taktik und die Route besprochen. Es geht auf der Autobahn nach München, wir wollen zusammenbleiben, und wenn einer tanken muss, dann sagt er Bescheid. Abgemacht.
Ich schwinge mich in den Sattel, ziehe den Choke und lasse die kleine Scrambler an. Ein angenehmes Böllern ist vom Motor zu vernehmen. Rasch den Choke wieder reingedrückt und dann geht es auch schon los. Erst einmal auf die A5 in Richtung Süden und dann auf die A661. Es ist viel Verkehr, aber wir kommen gut durch. Ein oder zwei Mal stockt es leicht, aber es geht sofort weiter. Ich habe so etwas Zeit, mich auf die Maschine einzulassen. Gleich zu Anfang ist mir aufgefallen, daß für die Kupplung mehr Kraft von Nöten ist, als bei Gesa. Das ist ein Motorrad für Leute mit echten Händen. Dafür hängt sie gut am Gas, allerdings muss ich ziemlich am Hahn ziehen, um dran zu bleiben. Denn die anderen beiden Bikes haben mehr auf der Pfanne. Dazu hat die Scrambler keine Ganganzeige und nur fünf Gänge. Die Ganganzeige brauche ich nicht wirklich, aber die fünf Gänge sind etwas ungewohnt. Genau wie früher, als wir das erste Auto mit sechs Gängen in der Firma hatten und ich dem Kollegen sagte, er solle doch noch mal schalten, da sei noch einer übrig.
Am Offenbacher Kreuz geht es schließlich auf die A3. Ab Hanau wird die Gegend interessant, denn hier bin ich schon ewig nicht mehr gefahren.
In meiner bisher kurzen Karriere als Motorradfahrerin bin ich noch nicht allzuviel Autobahn gefahren. Das werden wir heute ändern. Tief gurrt die kleine schwarze Maschine unter mir, ich drehe den Gasgriff weiter auf. 120 steht auf der Uhr. Wir fahren an Aschaffenburg vorbei, die Autobahn ist großzügig ausgebaut worden. Es geht auf Würzburg zu. In der Zwischenzeit sind wir auch schon auf 140 hochgegangen mit dem Tempo. Es bläst mich fast von der Maschine. Die Arme werden länger. Ich muss mich ziemlich verkrampft festhalten. Die Arme tun weh. Zwischendurch klettert das Tempo auf 150, 160. Das ist dann kein großer Unterschied mehr. Orkan bleibt Orkan. Ich habe die Lüftungsklappe im Helm verschlossen, damit es nicht zu sehr zieht. Auch so kommt noch genug Luft durch. In der Zwischenzeit ist es warm geworden. Aber davon merke ich auf der Maschine nicht viel. Uli fährt voraus, Gerhard hinter mir. Ich kann ihn im Rückspiegel mehr ahnen denn sehen, denn die Spiegel sind, wenn ich mich etwas auf den Tankrucksack lege um den Windwiderstand zu veringern, kaum mehr zu sehen. Und auch sonst sind sie eher bessere Schminkspiegel. Wenn ich wirklich sehen will was hinten, oder neben mir los ist, muss ich mich rumdrehen.
In Erlangen signalisiere ich den anderen, daß ich tanken muss. Wir halten an den Zapfsäulen und lassen Sprit in die Tanks laufen. Danach schieben wir die Maschinen vor, bis kurz vor das Raststättenhaus und machen eine kurze Pause.
"Ist das Tempo o.k. für Dich?" will Uli wissen? Kein Problem, gebe ich zu verstehen. Dann geht es weiter. Weiter auf die Autobahn. Das Tempo liegt bald wieder bei 140 km/h und wir gleiten dahin. Ich sehe, daß Uli den Tempomat anmacht, er nimmt die Hände vom Lenker und schüttelt sie erst mal aus. So verrinnt die Zeit wie im Fluge. Wir kommen immer tiefer nach Bayern hinein. Saftige, grüne Wiesen rechts und links der Autobahn, mal bei Ingolstadt ein Zug, den wir überholen. Der Verkehr ist zwar recht dicht, aber nicht störend, es läuft flüssig, mit guter Geschwindigkeit. An meinem Schatten sehe ich, daß es langsam Mittag sein muss.
Der Verkehr wird zunehmend dichter und als wir kurz vor München sind, sehen wir auf der Gegenspur einen dicken Stau. Der Anfang davon war ein Unfall gewesen. Wir sind gerade daran vorbei, da geht bei meiner Scrambler die Tankwarnleuchte an. Keine Ahnung, wieviel jetzt noch drinnen ist! Ich versuche mich verständlich zu machen. Aber es guckt keiner. Es würde auch nichts nützen, denn es ist weit und breit keine Tankstelle zu sehen. Wir kommen an verschiedenen Abfahrten vorbei und die Kilometer spulen auf der Uhr sich weiter ab. "Wo soll ich landen, wenn der Tank leer ist..." geht mir durch den Kopf. Was mache ich dann? Ich lege zur Vorsicht schon mal die Finger auf die Kupplung. Dann, ein Schild, es gibt einen Rasthof mit Tanke in fünf Kilometern. Ich muss auf mich aufmerksam machen. Aber wenn ich Gas gebe, dann gibt Uli auch mehr Gas. Ich fange an, rechts zu blinken, nachdem Gestikulieren nichts geholfen hat. Das sieht er irgendwann und versteht es, gerade noch rechtzeitig. Ich wäre sonst ohne ihn abgefahren. Im Tank können nur noch Gase gewesen sein, als wir die Maschinen vor der Zapfsäule abstellen. Die Tankstelle ist viel befahren und sehr eng. Nach dem Tanken fahren wir die Maschinen längs zum Haus, aber wir stehen irgendwie immer im Weg. Also machen wir uns nach kurzem Aufenthalt auf die Etappe zur Mittagspause. Wieder auf die Autobahn, wieder rasch auf Tempo. Vor uns ein Schild mit dem Hinweis "Unterhaching". Wenn ich das richtig erinnere, dann müssen wir hier raus. Aber vielleicht liege ich auch falsch, denn Uli düst unverdrossen weiter. Als wir fast schon an der Ausfahrt vorbei sind, biegt er unvermittelt doch noch ab. Mir schießt der Schweiß auf die Stirn! Ich habe kein ABS! Es gelingt mir dennoch die Ausfahrt noch zu treffen. Im Rückspiegel sehe ich Gerhard, auch er ist noch mitgekommen. Wir fahren auf einer vierspurigen Straße Stadteinwärts. Als die Straße dann zweispurig wird, ist es nicht mehr weit. Uli kennt den Weg, biegt hier und da ab und dann auf den Hof einer Gastwirtschaft mit Biergarten. Wir parken die Motorräder und schauen uns um.
Von Rolf ist noch nichts zu sehen. Ihn wollen wir hier treffen und gemeinsam Mittag machen. Wir suchen uns einen schönen schattigen Platz und machen es uns gemütlich. Die Wirtschaft ist gut besucht, die Bedienung hat gut zu tun. Das macht uns aber nicht viel aus, denn wir warten ja eh noch. Irgendwann biegt dann ein weiß - rotes Motorrad auf den Parkplatz ein. Eine BMW R1200R. Da ist Rolf also. Er kommt von Stuttgart und hatte dichten Verkehr. Außerdem hatte sein Navi wohl einen schlechten Tag und hat ihn sonstwo rumgeführt. Wir sind nun also komplett für die weitere Tour.
Das Essen ist gut, wie nicht anders erwartet und nachdem wir noch einen Kaffee genommen haben, gehe ich noch mal mit meinem Helm in Richtung Toilette und wasche die ganzen Insekten vom Visier ab. Da hatte sich echt eine Menge bereits angesammelt.
Wir brechen alsbald auf und machen uns auf unseren weiteren Weg in Richtung Süden. Der wird jetzt allerdings auf der Landstraße weiterlaufen.
Nach ein paar Kilometern sorgt noch mal eine Baustelle für kurze Verwirrung, aber dann geben die drei Jungs Gas und verschwinden am Horizont. Hey! Und was ist mit mir? Ich drehe am Griff. Aber ich kenne die Strecke nicht, ich kenne das Motorrad bisher nur vom Geradeausfahren und außerdem fahre ich schon hundert... Ich versuche, so gut ich kann, dran zu bleiben, aber immer wieder reißt der Sichtkontakt ab. Insbesondere dann, wenn ich es nicht mehr geschafft habe, mit den anderen in einem Zug zu überholen. Ich muss da noch einiges lernen, stelle ich fest.
In Bad Tölz habe ich sie fast erreicht, da trennt mich eine vor mir rot werdende Ampel wieder von ihnen. Da ich in etwa weiß, wie ich fahren muss, mache ich mir keine Sorgen. Ich hoffe aber doch, daß sie irgendwo auf mich warten. Nach der Ampel geht es mehr als zäh weiter. Ich stehe im Stau. In mir schleicht ein Gefühl hoch, daß ich nie eine wirkliche Motorradfahrerin werde. Die fahren nämlich einfach am Stau vorbei. Das bringe ich aber noch nicht. Schon gar nicht auf der engen Straße hier. Hinter einem Kreisel stehen sie dann tatsächlich und warten auf mich. Ich kann mir in etwa vorstellen, wie die Kommentare gewesen sind, während sie auf mich gewartet haben.
Es geht weiter in hohem Tempo und irgendwann sind wir unvermittelt in Österreich. Erst steht da nur ein Schild und die Begrenzungspfosten werden anders, dann kommt irgendwann noch eine verwaiste Grenzstation. Wir sind in Österreich! Hey, klasse! Ich hoffe darauf, daß die Jungs jetzt etwas ihr Tempo zügeln, denn die Radarboxen hier schießen aus dem Hinterhalt. Noch dazu muss überall mit mobilen Laserwaffen gerechnet werden. Zwei Mal sehe ich sie auch am Straßenrand stehen, da haben sie aber bereits zu tun, die Kieberer, und haben kein Auge für unsereins. Gut so.
Nach einigen Kilometern ist der Achensee erreicht. Ich sehe in einer Ortschaft eine kleine Dampfbahn dahinschnaufen. Währenddessen sind meine Jungs schon wieder am Horizont entschwunden. Aber an einem kleinen Parkplatz mit Ausblick, da warten sie dann doch auf mich. Sie machen Pause zum Füße vertreten und zum Fachsimpeln.
Ich mache ein paar Bilder und frage sie ab, ob sie dies oder jenes gesehen haben, aber Kopfschütteln beim Gegenüber. Dann geht es weiter. Das Ziel ist noch ein Stück vor uns!
Wir winden uns hinab ins Zillertal. Dabei sehe ich noch mal den kleinen Zug fahren. Es muss eine Zahnradbahn sein, denn die Lok ist ungewöhnlich schräg gebaut. Leider habe ich keine Zeit, ein Foto zu machen.
Im Zillertal gibt es dann eine ganz abartige Baustelle. Wir müssen Kehrt machen und quer über die Straße auf die gegenüberliegende Abfahrt. Ob das wohl so gedacht ist?
War die Strecke bis jetzt noch harmlos wie der Taunus, so zeigt sich jetzt gleich, daß es nicht der Taunus ist, und daß die Berge hier nicht nur Kulisse sind. Es geht in Richtung Gerlospass. Das heißt, es kommen erst einmal steile Straßen und Serpentinen. Ich schalte runter bis in den ersten Gang. Mir schießen Gedanken durch den Kopf, wie war das noch, was du neulich als Vorbereitung gelesen hattest? Urgh, ich eiere um die enge Kurve. Es geht wieder steil nach oben, dann die nächste 180° Kurve. So geht das ein paar Mal. Wir haben innerhalb kurzer Strecke viele Höhenmeter auf diese Weise gemacht. Vor mir träumt ein Autofahrer vor sich hin, an ihm komme ich nicht vorbei, zu dicht ist der Gegenverkehr. Von den anderen ist schon wieder lange nichts mehr zu sehen. Gerhard hatte mich schon nach der ersten Kurve überholt und war mit markigem Dreikantklang verschwunden. Die Scrambler gurrt unter mir, wenn ich wieder beschleunige. Manchmal klingt sie fast wie ein Traktor. Auf dem Weg nach Gerlos ist etwa auf der Hälfte der Strecke eine Baustelle eingerichtet. Eine Ampel blinkt gelb und von der Straße ist nur noch Schotter übrig. Ich versuche im Stehen zu fahren. Aber bei meiner Körpergröße ist das schwierig. Dazu wird es aussehen, als führe ich ein Clownsmopped. Als wir nach Gerlos hineinkommen, kann ich den Automobilisten vor mir endlich überholen. Ich versuche mich an die Geschwindigkeit zu halten und zuckle durch den Ort. Danach gebe ich dann wieder Gas. Es kommen noch mal zwei Serpentinen und dann geht es erst einmal eben weiter.
Vor der Mautstelle schließlich kann ich die anderen drei am Straßenrand stehend erkennen. Sie rauchen und erzählen. Ich bin ein klein bissel erledigt. Außerdem tut es vom Sitzen ein wenig weh. Wegen meines Gepäckes kann ich mich kaum auf der Sitzbank bewegen und sitze ziemlich weit vorne. Man gönnt mir auch eine kurze Verschnaufpause und dann rollen wir auch schon im Pulk durch die Sperre. Uli bezahlt für uns und wir dürfen durch. Ich bin aufgeregt. Das ist mein allererster Pass, den ich fahre.
Von nun an geht es allerdings wieder bergab ins Tal, in Richtung Krimmel. Die Kehren, die vor mir liegen, sind nummeriert. Ich versuche es erst gar nicht, an den anderen dran zu bleiben, sondern fahre lieber gleich meine Geschwindigkeit. Das Ziel ist klar, das werde ich finden. Hinter einer unsichtigen Kurve eiert einer mit einem kleinen Choppermotorrad kreuz und quer auf der Fahrbahn herum. Ein Deutscher, wie kann es anders sein... Ich bin zwar nicht schnell, gegen ihn allerdings mit annähernd Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Was der da macht, ist echt gefährlich.
Ich komme nach Krimmel hinein. Ein kleiner Bahnhof neben der Straße, ansonsten viel Tourismus, der sich an den Wasserfällen orientiert. Neben der Straße taucht ein Schild mit dem Bild eines Mitgliedes der englischen Palastwache auf. Darunter eine Kilometeranzeige. Ich nähere mich dem Zielgebiet. Diese Schilder tauchen als Countdown immer wieder auf, und auf jedem der Bilder erhellt sich die Miene des Soldaten mit der großen schwarzen Mütze. Als ich da bin, lacht er. Neukirchen am Großvenediger. Newchurch für eine Woche im Jahr. Die letzten drei Tage, den Höhepunkt davon, werde ich in diesem Jahr also miterleben. Da vorne stehen auch schon meine drei Jungs und bedeuten mir anzuhalten. Wir müssen wenden. Dann rechts ab und bergauf, gerade durch den Wald. Als wir aus dem Wald kommen, sind wir an einer Siedlung, wir biegen links ab, überall Triumph - Flaggen und nach ein paar Biegungen erkennen wir das Schild von unserer Bleibe vor uns. Abelhof. Wir rollen auf den Hof und stellen die Motorräder unter. Erst mal strecken, dann das Gepäck losnesteln und reingehen. Wir sind rasch auf unsere Zimmer verteilt, haben alle einen Umschlag mit der Veranstaltungsplanung für die nächsten Tage bekommen und den Bändchen, die uns überall hinbringen werden und verabreden uns zum Bier in zehn Minuten auf der Terasse.
Willkommen bei den Tridays!
Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe, insbesondere andere Schuhe angezogen habe, mache ich mich auf den Weg nach unten. Die anderen tröpfeln auch gerade ein und es wird noch auf ein paar Kollegen gewartet. Wir genießen das Panorama.

Zuerst gibt es mal ein kühles Bier, das haben wir uns alle redlich verdient heute. Als wir komplett sind, wird noch eine Kleinigkeit gegessen, Schnitzel und so und danach machen wir uns auf den Weg ins Dorf. Es gibt einen Taxibus, der uns hinunter bringt.
Ich schaue besonders interessiert aus dem Fenster, denn hier bin ich schon mal gewesen. Das war aber 1987/88. Da war ich hier zum Skilaufen. Die einzigen beiden Male, daß ich diesen Sport betrieben habe. Unsere Gruppe war damals, beim ersten Mal ein Stück höher untergebracht, als wir es jetzt sind. Den Wegweiser zum Rechtegg habe ich vorhin schon gesehen. Als der Bus uns im Dorf an der Schranke zum Tridays Bereich ablädt, kann ich auf den ersten Blick nichts erkennen, das ich schon mal gesehen hätte. Von der Kirche abgesehen. Die muss es damals auch schon gegeben haben.
Den Begriff Tridays Bereich muss ich etwas erklären. Das betrifft das ganze innere Dorf. Also, wenn man auf die Dorfstraße will, sei es zum Trafikanten oder zum Wirten, dann muss man in diesen Bereich. Das geht aber nur mit Genehmigung. In Form eines Bändchens am Arm. Wir haben so ein Bändchen, also dürfen wir passieren.
Die ganze Dorfstraße ist voll von Motorrädern und Ständen mit Motorradzubehör, Teilen, Ausstattung, Ausrüstung, kurz allem was das Herz begehrt. Wir machen einen kleinen Rundgang und bestaunen die Fülle der Dinge, die sich uns dort präsentieren. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Marke aus Hinckley bei Allem im Vordergrund.
Rocco Recycle heizt schon mal vor
Beim Ossimoto immer was besonderes...
SCHAFEE!! Mamaaa! Ich will das auch!!
In der Nähe der Kirche ist eine zweite große Bühne aufgebaut, davor Menschenmassen. In der Mitte all der Leute ein Motorrad. Das ist sie. Die T15. Fritz Rebholz von Palatina aus Landau in der Pfalz hatte die Ehre, das diesjährige Festivalbike zu kreiern.
Wir nähern uns dem hellblauen, auf einem Podest aufgestelltem Motorrad. Es ist wirklich sehr gelungen. Der von einem Triumph - Dreieck eingerahmte Scheinwerfer zieht einen magisch an. Ansonsten wirkt die Maschine wunderbar aufgeräumt und keiner sieht ihr noch die Abstammung aus einer Triumph Legend TT an. Das ist wirklich ein Motor Rad! Der mächtige Dreizylinder beherrscht die aufgeräumte Optik.
Man beachte den Auspuff unter dem Rücklicht
Nachdem wir uns eine Weile mit Fritz Rebholz unterhalten haben, geht die Musik auf der Bühne los. Wir hören einem Moment zu und dann setzen wir unseren Rundgang fort, bleiben aber recht bald wieder hängen.
The Les Clöchards
Was mir auffällt ist, wie friedlich alles hier abläuft. Niemand pöbelt rum, oder fällt unangenehm auf. Es sind auch keine Betrunkenen zu sehen, auch wenn vermutlich jeder schon ein oder zwei Bier intus haben wird. Es ist eine durchweg freundliche, freundschaftliche, gemütliche Atmosphäre.
Eben haben wir kurz dem Stand von Rolfs Magazin "Fuel" einen Besuch abgestattet, aber jetzt versacken wir nebenan auf dem auf 70er Jahre gestylten Nolan Stand. Dort spendiert man uns noch ein Bier und wir vertiefen uns in Gespräche.
Als es bereits auf elf zugeht, gehen wir noch einmal ein paar Schritte zurück zum Platz vor der Kirche, den auf der Bühne gibt es Musik und wir schauen zu. Der letzte Bus ist ohnehin in der Zwischenzeit abgefahren.
Jimmy Cornett & the Deadmen
Als es auf Mitternacht geht, merke ich, daß ich langsam abbaue. Ich beschließe, mich auf den Rückweg zu machen. Die anderen wollen noch bleiben, und so laufe ich halt alleine durchs Dorf und dann auf geradem Wege bergan. Der Weg führt nach kurzer Zeit in den Wald und wird echt dunkel. Nun bewährt sich wieder einmal meine winzigkleine Quechua Lampe, die ich zur Vorsicht für genau solche Fälle in den Rucksack geworfen hatte. Ihr Licht reicht vollkommen aus um mir jetzt den Weg bergauf durch den stockdunklen Wald zu weisen. Ich komme irgendwann in die kleine Siedlung am Waldrand und bin bald drauf in unserer Unterkunft. Eine gute Stunde bin ich gelaufen. Bis ich gleich in meinem Zimmer das Licht ausmachen werde, nachdem ich meine Erlebnisse in mein kleines Notizbuch geschrieben habe, wird es bald zwei Uhr geworden sein. Ich stelle den Wecker, mache das Licht aus, drehe mich um und bin augenblicklich ins Reich der Träume verschwunden.

617 Km an einem Tag. Nicht ohne, Padrone

Ein ganz dickes Danke an Triumph Motorcycles Deutschland, insbesondere an Uli Bonsels, der dieses tolle Erlebnis für mich möglich gemacht hat!

Kommentare:

  1. Vielleicht bekommen wir wieder eine Einladung vom Uli, dann komme ich alle 2 Tage mit! Abholung hier direkt an der A9 Ingolstadt! Daumen drücken

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    1. Oh ja, das hoffe ich auch! Das war sooo toll! Da würde ich mich unheimlich drüber freuen!
      Ich drücke auch ganz feste die Daumen!

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  2. Na, ich denke, DIE müssen noch einiges lernen und nicht du ... tzäää!

    Meine Güte, welche ein Tag, den du trotz allem bravourös gemeistert hast. Respekt :-)

    Übrigens, die Sache damals mit dem LKW war auf der Autobahn bei Rodheim v. d. H. Meine Freundin wohnte da und ich habe sie gelegentlich von Marburg aus mit der XL 500 besucht.

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    1. Dankeschön! Ich bin da auch ganz offen ein klein bissel stolz auf mich. So Berge rauf und runter mit solchen Kurven, das bin ich von zu Hause nicht gewöhnt.

      Die A5 in der Gegend ist schon immer eine üble und unfallträchtige Ecke gewesen. Da habe ich auch schon mehr als seltsame Manöver gesehen. Da hast Du echt Glück gehabt!
      (und wir erst, daß wir heute von Dir lesen können!)

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  3. Um den Uli nicht aus den Augen zu verlieren bedarf es einer guten Portion Wahnsinn und PS. ;-)

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    1. :) An beidem hat es bei mir gemangelt. Obwohl, Wahnsinn...

      Als ich kürzlich in einer Zeitung von Ulis Erfolgen beim T- Cup las, da wurde mir schlagartig einiges klar.

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  4. Toll, Minya. Die Scrambler ist mein absolutes Lieblingsmotorrad. Wenn es da mal die ABS Version geben sollte, werde ich bestimmt nochmal schwach. Aber was soll denn die Hetzerei? Moppedfahren soll doch in erster Linie Spaß machen, und wenn man in Kolonne fährt, gibt es Regeln. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass langsamere FahrerInnen an zweiter/dritter Stelle hinter dem Road Captain fahren und die Geschwindigkeit an die (vermeintlich) "Schwächeren" angepasst wird. Da müssen die Jungs wohl noch was dazulernen ;-)

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    1. Die Scrambler ist wirklich ein sehr schönes Motorrad. Ich habe mich in den drei Tagen richtig mit ihr angefreundet. Sie hat ein paar Schrullen, aber die machen sie nur um so liebenswürdiger.
      Wenn ich die aktuellen Ankündigungen richtig verstanden habe, dann wird es keine dezidierte Scrambler mit ABS geben, sondern zur neuen Street Twin ein "Inspirationskit". Damit kann man dann das Grundmodell, das weiterhin 900 ccm haben wird, zu einer Art Scrambler machen (lassen). Ob es so etwas auch zu den neuen Bonneville Modellen geben wird, denen mit 1200 ccm, habe ich noch nicht gehört.

      Die Hetzerei hatte vermutlich in erster Linie damit zu tun, daß wir noch zu einer vernünftigen Tageszeit ankommen wollten. Wir waren gegen vier unten in Neukirchen, dann was gegessen und dann los auf die Piste.

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  5. Boah. Fast bei mir umme Ecke, und wieder nicht gewusst das du hier lang fährst. Sag doch mal Bescheid, wenn du nach Oberbayern kommst. :(

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    1. Richtig, wir sind bei Dir in der Gegend gewesen, aber auch nur auf der Durchreise. Wir hatten ja ein Tages und ein Abendprogramm, das es in sich hatte...

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  6. Ich schließe mich Funny an.
    Und ... das Überholen in der Gruppe ist ein gefährliches Unterfangen mit einer Maschine, die man nicht kennt.
    Deine Schilderung (erster Teil) hat mir mal wieder gezeigt, warum ICH nur mit dem Zettfahrer unterwegs bin.
    Im Pulk richtet man(n) sich nach dem langsamsten Fahrer. Nicht umgekehrt.
    *kopfschüttel*

    Wie Du die lange Anfahrt gemeistert hast, und dann noch die Baustellen, die fast verpaßte Abbiegung, die Anfahrten über die Serpentinen und dann das Event - ich setze mal vier Hüte auf, um sie vor Dir zu ziehen.
    Mädel, klasse gemacht!

    Btw: meine Quechua Lampe ist mein Liebling geworden. Fantastische Blendwirkung gegen entgegenkommende Jogger. Allesamt hielten sich die Hände vor die Äuglein, hähäää.

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    1. Oh, ich weiß auch, warum ich meine sonstigen Kilometer gerne alleine abspule... Wenngleich ich sagen muss, daß ich auf dieser Fahrt eine Menge gelernt habe. Auch durch das Beobachten der anderen. (solange sie jeweils zu sehen waren :) ) Ich bin da also etwas zwiegespalten. Denn, mit den Augen klauen ist auch beim Motorradfahren wichtig.
      Ich muss allerdings sagen, daß ich mich ein wenig geärgert habe, daß ich nicht habe mithalten können und so den Laden aufgehalten habe. Aber den zeitlichen Vorsprung an Jahren auf dem Motorrad, den die anderen drei haben, den werde ich nie wett machen können. Ich fahre halt nicht seit ich sechzehn bin mit dem Mopped.

      Diese Quechua Lampe ist der Hammer, ne? So klein das Ding ist, so eine tolle Lichtleistung hat sie. Und sie hält ewig. Ich habe sie in meinem Urlaub nicht einmal aufgeladen. Die eine von den beiden liegt immer in der Handtasche und hat schon gute Dienste unter anderem beim Spontan - Cachen geleistet. :)

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