Mittwoch, 25. Juli 2018

Vom Rhein an die Tauber

 ***13.05.2017***

Sonnabend und schönes Wetter! Was wünscht man sich mehr? Ich habe die beiden Koffer und den Tankrucksack an Gesa befestigt und den Vormittag in der Fahrschule verbracht. Jetzt ist es kurz nach Mittag und wir schwingen durch die Rheinhessische Landschaft, in Richtung Kirchheimbolanden.
Hier ist beim lokalen BMW Händler mal wieder Dunlop zu Gast und es werden Ausfahrten mit den aktuellen Modellen angeboten. Da Claudia auch wieder da sein wird, lasse ich mir das natürlich nicht nehmen. Sie bewacht ihren Stand, als ich komme und wir unterhalten uns eine Weile. Dann aber gilt es doch ins Geschehen einzugreifen und sich eine Maschine zu schnappen. Diesmal ist es die R Nine T Scrambler. Die Original R Nine T habe ich ja im vergangenen Jahr (2016) schon einmal ausprobieren dürfen, nun ist die Familie gewachsen und es gibt für jeden Bedarf etwas. Die Scrambler ist etwas höher, was mir entgegenkommt und etwas günstiger in der Anschaffung, was auch nicht zu verachten ist. Wie auch seinerzeit wird es heute eine geführte Ausfahrt sein, das bedeutet, ich muss mich an den anderen orientieren und kann nicht machen was ich will.
Zunächst einmal sitze ich etwas entspannter als auf der normalen R Nine T. Das fällt mir gleich auf. Was auch auffällt, es gibt nur ein Anzeigeinstrument am Lenker. Es geht also etwas sporadischer an Bord zu. Die Maschine gehört zur "Heritage" Serie, daß bedeutet, daß sie mit viel "Erbe" entworfen wurde. Es wird einmal mehr Freiheit und ungestümes Leben zitiert, etwas, das die Kundschaft sicher so nicht hinlegen wird. Wer 13.100€ über die Budel reicht, ist kein junger Rebell mehr. Egal. Es geht los. Der Motor ist, wie man ihn sich vorstellt. Kernig im Ton, die Maschine schüttelt und rüttelt. Beim Gasgeben im Stand kippt sie charakteristisch leicht nach rechts. Die ersten Meter sind zunächst unauffällig, ich muss meine Gräten sortieren. Dennoch sitze ich angenehmer als im letzten Jahr. Und das liegt nicht nur daran, daß es nicht regnet.
Ei, wie heißt Du denn?


Die wesentlichen Dinge zeigt das Display an.

Beide Hebel sind einstellbar. Außer der Traktionskontrolle und dem abschaltbaren ABS keine Elektronik.

Mit Heizgriffen.
Der "Tour" - Guide zieht nicht ganz so erbarmungslos am Kabel, wie es seine Kollegen beim letzten Mal getan hatten. Es geht zunächst zum Kreisel und dann wieder in Richtung Orbis und weiter in den Wald. Die Maschine spurtet sehr engagiert und läuft gut. Der Motor ist wirklich eine Wucht. Wenn man am Gasgriff dreht, passiert sofort sehr ordentlich etwas. Das macht Spaß, so soll es sein. Was mir gleich auffällt, die Maschine ist etwas weicher gefedert und wirkt so etwas komfortabler als die originale Nine T.

Verbreiterte Rasten.

Hier mus mit zwei Schlüsseln rumgefingert werden
Im Hintergrund der neue Aktivkohlefilter.
.
Allerdings merke ich auch, daß der Lenkkopfwinkel - vermutlich durch das andere Vorderrad - etwas anders ist und ich mehr lenken muss, als beim letzten Mal. Aber das gefällt mir. Die Fahrt ist flott, aber sie überfordert niemanden. So stehen wir bald wieder auf dem Hof des Händlers.
Danke an Claudia Hentrich für den tollen Zieleinlauf!
Ich bin etwas erstaunt über den geringen maximalen Lenkereinschlag, aber egal. Das Grinsen ist wie festgenagelt.

Lenkungsdämpfer


Tubeless. Die Räder stammen aus der R1200GS. Die Tourence Next wohl auch.
Wie sieht also mein Fazit aus? Das ist wirklich sehr, sehr gut, was BMW da zusammengestellt hat. Es macht eine Menge Spaß und fährt erstklassig. Es fällt nicht negativ auf, daß hier andere Fahrwerkskomponenten verbaut wurden. Sie fährt sich sehr stimmig und man fühlt sich einfach sofort sauwohl. Da könnte noch was draus werden.

Wenn es denn sein muss. Gepäckbefestigung.


Die Sitzbank soll sich durch die Benutzung verfärben. Das sei keine Fehlfunktion


Bist deppert! Akrapovic serienmäßig!

Hinter dem Kat sitzt die Klappensteuerung. Alles Euro 4.
Allzulange kann ich heute nicht hierbleiben. Mein Tagesziel liegt noch ein paar dutzend Kilometer entfernt. Also verabschiede ich mich nach einem kurzen Plausch mit dem Tourguide (Wüisst des Motorradl nochbaua?) von Claudia und mache mich auf meinen Weg.
Zunächst geht es in Richtung Zellertal und weiter in Richtung Worms. Es ist ein Gewitter in der Luft und links neben mir kann ich es sehen. Es zieht, wie ich, auf Worms zu. Es bleibt also spannend, wer zuerst dort sein wird.
Als ich nach Worms hineinfahre, höre ich es hinter mir schon donnern. An der Ampel auf der Brücke über die Bahn, fallen die ersten Tropfen. Überflüssig zu erwähnen, daß ich Gesa vor unserer Ausfahrt auf Hochglanz gebracht hatte... Ich suche mir also einen Unterschlupf. Den finde ich hinter einer Tankstelle in der Box einer Selbstwaschanlage. Gesa aufgebockt und erst mal Motor aus. Warten. Draußen gießt, blitzt und donnert es. Ich hoffe, daß die Box nicht nur aus Plastik ist. Drinnen in der Tankstelle hocken sie, schauen mich an und feixen. Ich stelle also eine gelungene Abwechslung dar. Vermutlich nehmen sie noch Wetten an, ob ich als Grillhähnchen ende, oder nicht.
Irgendwann ist der Regen soweit vorbei und ich beschließe, meinen Weg fortzusetzen. Denn die Zeit ist ja nicht stehengeblieben und ich muss irgendwann ankommen. Also los. Ich bocke Gesa ab, starte den Motor und brumme los. Es ist noch viel Wasser auf der Straße und die Hosenbeine sind sofort nass. Einen Moment lang stelle ich mich noch unter eine Brücke, denn es hat noch einmal angefangen zu pieseln, aber dann hält mich nichts mehr. Ich fahre über den Rhein und nun somit dem Gewitter hinterher. Ich versuche noch einmal etwas auszuweichen, das hat aber keinen Sinn. Und so folge ich also stur der Straße nach Bensheim, die mich dann, in ihrem weiteren Verlauf in den Odenwald bringen wird. Im Odenwald, obwohl er so nahe ist, bin ich mit dem Motorrad noch nicht wirklich gewesen. Das wird also heute eine Erstbefahrung. Die Straße führt endlos lange durch Ortschaften. 50, 30, 50, Blitzer an jeder Ecke. Irgendwann kommt ein Hinweis auf das Felsenmeer, da bin ich auch noch nie gewesen, aber heute zieht mich mein Weg weiter.
Ich habe noch Kilometer vor mir. Irgendwann erreiche ich Reichelsheim und folge der Straße weiter nach Michelstadt. Michelstadt habe ich als eine sehr nette, niedliche kleine Fachwerkstadt in Erinnerung. Was mich empfängt ist nicht so nett und niedlich. Viel Beton und breite Straßen. Ich biege mit meiner Bundestrasse ab. Die Straße steigt an. Dort vorne ist eine Aral Tankstelle. Da halte ich erst mal an und lasse die Luft aus Gesas Tank.
Die Straße führt weiter bergauf und bald bin ich aus der Ortschaft auch schon wieder draußen. Die Straße schlängelt sich durch den Wald,

in der Zwischenzeit ist auch das Gewitter vor mir verschwunden und es ist alles ganz schön. An einer T - Kreuzung biege ich ab und bin bald drauf in Amorbach.
Hier bleibe ich aber auch nicht, sondern folge der Bundesstraße. Nun begleitet mich eine Eisenbahnstrecke links neben mir. Den Schleicher, der vor mir herumtaumelt, erscheint bald im Rückspiegel. Weiter geht die Fahrt ins Abendlicht. Dabei steigt die Strecke weiter kontinuierlich. In Walldürn gibt es eine kurze Unstimmigkeit über den weiteren Weg, aber ich finde rasch heraus, daß meine Straße tatsächlich diese kleine dort ist, die da geradeaus weitergeht.
Es ist eine wunderbare Fahrt zwischen Feldern und ich bin sehr begeistert über das wunderbare Licht. Die Straße windet sich fein und so geht die Strecke leicht von der Hand.
Kurz vor dem Ziel werde ich noch auf eine Umleitung geschickt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Umleitung führt was - weiß - ich - wo lang und spuckt mich am Ende in Lauda aus.
Von hier ist es nur noch ein kurzer Weg bis Bad Mergentheim. Hier war ich auch noch nicht gewesen. Die Suche nach meinem Hotel erweist sich als durchaus amüsant, ich befinde mich auf einer Straße, die vielversprechend aussieht, aber bald bin ich aus dem Ort draußen und habe kein Hotel gesehen.
Also anhalten, Händi rausfummeln und suchen, wo man ist. Hier bin ich auf jeden Fall verkehrt. Ich finde die Herberge auch bald und muss noch einmal zurück bis zum Bahnhof und dann abbiegen. Jetzt bin ich richig. Die Landschaft beginnt dem zu ähneln, was ich auf der Karte bei guugel Maps gesehen habe. Noch rasch über eine Brücke und dann ein Stück durch ein Kurgebiet. Hier ist Klinik an Klinik. Und Hotel an Hotel. Meines ist natürlich das ganz am Ende der Straße. Es führt ein steiler Weg empor und da ich sonst keinen Eingang sehe, fahre ich da erst einmal hoch. Da ist tatsächlich eine Tür und so stelle ich Gesa erst einmal ab und schaue, ob ich hier richtig bin.
Das Hotel versprüht einen sonderbaren Charme aus Hotel aus den 60er/ 70er Jahren, Jugendherberge und Modernisierungsversuchen in den späten 90ern. Immerhin, es gibt WLAN. Ich darf Gesa in die Fahrradgarage stellen und beziehe nun mit meinen beiden Koffern und dem Tankrucksack bepackt mein Zimmer. Die Tür zum Zimmer liegt hinter einer äußeren Zimmertür verborgen. Ich muss also mehrere Türen mit meinem ganzen Zeug in den Händen durchlaufen. Das Zimmer ist klein, aber dennoch gemütlich.
Das Bad ist geräumig und sauber. Ich breite mich in Windeseile aus und ziehe mich um. Denn ich bin zum Abendessen verabredet.
Leichtfüßig springe ich die Straße wieder hinunter. Hinter der Brücke kann ich eine Treppe hinunterlaufen und komme dann durch den Kurpark.
Sieht jetzt nicht so dolle aus, ist aber ganz nett. Die Tauber.
Der Park ist ganz hübsch, auch hier hat man allerdings seit den 70ern nicht mehr viel getan. Nicht daß es unordentlich und heruntergekommen wäre, nein, ganz und gar nicht. Es wurde nur einfach nichts mehr verändert.
Es gibt eine kleine Unterführung unter der Bundesstraße hindurch und dann muss ich nur noch eine Straße geradeaus laufen und dann bin ich da. Ich laufe um das Hotel drumherum. Hier stehen eine Reihe Motorräder, ich bin richtig. Eine Treppe rauf und dann umgesehen. Es gibt mehrere Säle und überall ist Veranstaltung. Ich frage das Personal nach meiner Reisegruppe und werde in einen Saal neben der Treppe geleitet. Hier sitzen sie alle an einem langen Tisch und es ist genau noch ein Platz frei. Das ist meiner. Ich entdecke den alten Griesgram und noch ein paar andere vertraute Gesichter.

Der Abend verläuft sehr kurzweilig, das Essen ist gut und ich unterhalte mich prima. Am Ende bricht die mittlerweile zum Grüppchen zusammengeschrumpfte Gesellschaft in die umliegenden Hotels auf. Ich begleite sie noch ein Stück und biege dann durch den Park wieder zurück zu meiner Unterkunft.
Als ich im Bett liege, braucht es nicht lange und ich bin bereits weit weg. 



Freitag, 26. Januar 2018

Ich glaub es geht schon wieder los...

+++21.01.2018+++


Es ist kurz nach ein Uhr Mittags. Es ist Sonntag. Eigentlich sollten die Leute jetzt einen zünftigen Schweinebrateneinwurf zu Hause tätigen. Eigentlich. Was machen die also alle jetzt hier?

Ich bin auf dem Weg hinaus nach Nieder Olm, wie jedes Jahr gegen Ende Januar. Heute ist wieder die alljährliche Motorradausstellung des MC "The Bikers". Auch schon fast traditionell ist, daß ich mit dem Auto anreise. Und mich schon wieder darüber ärgere. Aber ich habe im Anschluss noch eine weitere Veranstaltung und kann nicht noch mal nach Hause fahren. Also suche ich nach einem Parkplatz und stelze danach am Straßenrand entlang in Richtung Halle.
Vor dem Eingang wieder eine recht lange Schlange. Allerdings geht es dennoch schnell vorwärts. Jeder zahlt drei Euro, das sind beste Vorkriegspreise, und bekommt einen Stempel auf den Handrücken dafür. Ich bin drin. Zunächst schwimme ich mit den anderen mit und komme so die Treppe hoch und in die Halle.
Überall Menschen. Es ist wirklich gut besucht. Von den Motorrädern sieht man dadurch fast nichts. Bei den ganzen Leuten ist es nicht verwunderlich, daß ich bald jemand bekanntes treffe. Er schwingt gerade sein Bein über die Sitzbank der neuen BMW G310GS. "Mehr Motorrad brauchst du doch eigentlich nicht. Mehr als 38 PS kann man eh nicht fahren!" Mit diesen Worten reicht er mir die Hand zur Begrüßung. Wir taxieren das Motorrad mit fachmännischem Blick, nicken mit unseren weisen Häuptern und loben die solide Bauart. Wie man das eben so macht.
Danach erzählt er mir von seinem letzten Frankreichabenteuer, wo er 40 Euro Strafe zu bezahlen hatte, weil er im Stau seine Handschuhe ausgeogen und den Motor laufen gelassen hatte.Er hätte gleich per App bezahlen können. Hm. Da fahren wir auch nicht mehr hin... Ich ziehe weiter und bleibe bei Triumph hängen. Die neue Street Scrambler habe ich im Original noch nicht wirklich gesehen.
Den Quatsch mit dem Öleinfüllstutzen haben sie wieder so gemacht, wie bei der alten Scrambler. Und der Auspuff gefällt mir nicht so gut, wie bei der alten.
Dafür ist er offenbar besser wärmeisoliert. Auch hier treffe ich wieder vertraute Gesichter. Achim, den ich schon vor zwei Jahren hier getroffen habe, ist diese Jahr mit Moni, seiner Frau hier. Wir schauen uns die Triumphs gemeinsam an und wenden uns dann anderem zu. Hinter uns steht die neue Royal Enfield Himalayan.





Wir sind erstaunt. Für das Geld bekommt man eine Menge Motorrad. Das ist zwar kein PS - Monster, aber macht keinen schlechten Eindruck. Es ist alles dran, sogar ein Hauptständer.
Nur der Schnabel und das darunterliegende Schutzblech irritieren mich ein wenig.
Bei Honda diskutieren wir noch kurz den X-ADV: Mit dem Gedanken, einen Roller zu fahren, können sich beide nicht anfreunden. Sollten sie aber. Das Ding ist wirklich spannend. Allerdings nicht ganz billig. Schließlich landen wir wieder bei BMW und besehen uns die Urban GS.
Wer auf die Idee kommt, eine "Enduro" mit verchromtem Krümmer zu ordern, ist uns allen schleierhaft. Aber, die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
Ich schleiche im Anschluss noch um ein paar Moto Guzzis und bewundere den verchromten Tank einer VIII 50 Years Edition,

tauche noch mal ab in den Keller und bin dann auch schon wieder verschwunden. Obwohl ich nicht das Gefühl habe, sind gute zwei Stunden vergangen und ich muss mich sputen, wenn ich heute noch etwas anderes machen möchte.

Ich mag diese Motorradausstellung in Nieder Olm. Sie ist klein und familiär. Hier trifft man eigentlich immer Bekannte und kann mit ihnen fachsimpeln. Zum Jahresanfang gibt es ja in vielen Städten ähnliche Ausstellungen, wo die lokalen Händler sich präsentieren und zeigen, was es alles Neues gibt in diesem Jahr.


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Besuch bei alten Damen

*07.05.2017*
Der Blick aus dem Fenster lässt nichts Gutes ahnen. Es ist grau und die Straße sieht feucht aus. Um das zu erkennen, brauche ich keine Brille. Ich verschwinde im Bad und mache mich fertig. Ein Blick noch auf die Wetterapp, es wird heute auf jeden Fall noch mehr Regen geben, und danach gehe ich erst einmal hinunter zum Frühstück.
Unten sind schon einige im Aufbruch begriffen, andere dagegen offenbar noch gar nicht aufgestanden. Ich suche mir die Dinge her, die ich gerne mag und suche mir einen freien Platz. Die Gespräche drehen sich um Touren, die man schon gefahren ist, um Sitzhöhen und um blöde andere Motorradfahrer. Im Prinzip ist das wie eine Facebookgruppe. Nur in echt.

Nach dem Frühstück gehe ich, meine restlichen Sachen zu verpacken und trage die Koffer runter zu Gesa. Ich habe im Ganzen drei Gepäckstücke plus den Helm. Und mich. Als ich vor die Türe trete, ist es zwar trocken, aber der Regen hängt noch in der Luft. Ich wische das Wasser von Gesas "Tank" und schnalle den Tankrucksack auf ihr fest. Das Bremsscheibenschloss kommt in seinen Beutel und in den Tankrucksack und danach die beiden Koffer an ihre Halter. Hinter mir werden schon die ersten Motoren gestartet und es kommt langsam Bewegung in die Gruppe. Der Hund des Hauses tapert durch die Reihen der Motorräder und lässt sich von allen nacheinander den Rücken kratzen.
Ich laufe noch mal rasch in das Haus und bezahle mein Zimmer und danach bin ich im Prinzip reisefertig. Einen Plan, wie ich fahren möchte, habe ich auch schon. Mittlerweile setzt das große Aufbrechen ein.
Es wird sich gegenseitig gedrückt, gewinkt und gerufen und dann fahren einzelne, oder kleine Gruppen davon. Ich bin eine von den letzten, die losfahren.

Meine Strecke führt mich zunächst in Richtung Trier. Eine Weile folgt mir noch Claudia mit ihrer W800, aber dann biegt sie irgendwann ab und fährt in Richtung Mosel weiter. Ich habe keine Lust auf die Serpentinen bei dem Wetter und halte weiter auf Trier zu. Die Straße ist zum Teil schnurgerade und gut ausgebaut. Es gibt irgendwo ein altes Rasthaus und Gesa und ich kommen durch ein oder zwei langezogene Dörfer. Hier möchte ich nicht wohnen. Weder jetzt bei Regen, noch im Sommer, wenn alles heiß und staubig ist.
Trier kommt näher. Der Verkehr wird etwas dichter und es hat leicht angefangen zu regnen. Die Straße ist nass und es geht in langen Kurven in Richtung Moselbrücke hinab. Trier selbst werde ich auch dieses Mal links liegen lassen. Trier ist eigentlich eine ganz nette Stadt, hier kann man gut einkaufen, allerdings nicht an einem Sonntagvormittag und bei Regen schon gar nicht. Aber das Schicksal teilt sie mit vielen Städten. Triers größter Nachteil ist, daß es immer weit weg ist. Man fährt ewig, bis man dort ist. Früher, als die Straßen im Hunsrück noch nicht so gut ausgebaut waren. war das wirklich ein übler Ritt. Aber auch heute ist das, selbst wenn man forciert fährt, von Mainz eine Tour von gut zweieinhalb Stunden.
Ich möchte heute nicht auf der Autobahn die Stadt verlassen, sondern habe mir eine Straße herausgesucht, die etwas versteckt verläuft. Ich muss hinter dem Verteilerkreisel nur der Straße parallel der Autobahn folgen, so wie ich es im Herbst vor drei Jahren auch getan habe und dann abbiegen. So der Plan. Bald nach dem Kreisel werde ich zunächst einmal auf eine Umleitung geschickt. Diese führt um die zentrale Flüchtlingsaufnahmestelle herum und leitet mich ein paar hundert Meter weiter doch wieder auf die Straße, auf die ich eigentlich wollte.
Meine Stelle, an der ich abbiegen möchte, finde ich, wenn auch nicht gleich, und gelange in ein schmales Tal. Dieses Tal erweitert sich bald und ich fühle mich ein wenig wie im Allgäu.

Die Straße schlängelt sich noch durch einen Vorort und beginnt dann anzusteigen. Das wird vermutlich früher, bevor es die Autobahn gab, der Hauptverkehrsweg gewesen sein. Heute ist es eine unbedeutende Straße, die sich dem Verlauf der Landschaft folgend, den Berg hinaufwindet. Oben angekommen, brauche ich nur noch den Wegweisern nach Hermeskeil zu folgen. Ich habe die Autobahn gequert und fahre vorbei an Hinzert. Hier gibt es eine KZ - Gedenkstätte, eine von zweien in Rheinland - Pfalz. In Hinzert waren in der Mehrzahl luxemburgische Gefangene festgehalten und gequält worden. Es war, ähnlich wie Osthofen kein Vernichtungslager und hatte auch nicht die Ausmaße, wie etwa Bergen Belsen, Dachau, oder Buchenwald. Aber es war da und es hat Menschenleben gekostet. Menschenleben eigentlich völlig unbescholtener Bürger. Deren Fehler es häufig war, den verkehrten Geburtseintrag gehabt zu haben, oder eine von der vorgegebenen Meinung abweichende Haltung.
Diesen Gedanken hänge ich noch nach, als ich nach ein paar Kilometern Hermeskeil erreiche. Ich komme einen Hügel hinabgefahren, rechts an der ehemaligen Kaserne vorbei und biege in die Ortschaft ab. An der Unterführung unter der Eisenbahn sehe ich eine Hinweistafel auf das Dampflokmuseum. Hier bin ich mit meinen Vater irgendwann Ende der 80er, Anfang der 90er ein oder zwei Mal gewesen. Das war eine irre Ansammlung alter, verrosteter, teils verrotteter Lokomotiven. Manche waren damals schon kaum mehr als ein Torso.
Eigentlich mal wieder Zeit, bei den alten Damen vorbeizuschauen. Heute ist Sonntag, vielleicht ist ja geöffnet? Ich biege in Richtung Bahnhof ab. Hier gibt es einen kleinen Busbahnhof und ein altes Empfangsgebäude. Daß sich hier wirklich etwas abspielt, das kann man sich kaum vorstellen. Ich parke Gesa vor dem Bahnhofsgebäude und nehme meinen Tankrucksack und den Helm.
Es ist ein hoher, grüner Metallzaun um das Gelände gezogen, um es vor Piraten zu schützen. Es gibt eine Pforte, die allerdings verschlossen ist und eine Klingel. Bei der Klingel hängt ein Schild "geöffnet" und der Hinweis, man möge die Klingel betätigen, wenn man hinein wollte. Ich tue, wie mir geheißen wurde und warte. Nach einem kurzen Moment erscheint ein älterer, etwas vollschlanker Mann im Bild und kommt auf die Pforte zu. Vermutlich hat er auf eine Gruppe, oder mindestens Familie gehofft. Er öffnet mir, begrüßt mich und geht mit mir vor zum Lokomotivschuppen. Hier kassiert er meinen Eintritt und gibt mir ein kleines Faltblatt und danach darf ich alleine auf Erkundung gehen.
Vor dem Lokschuppen findet sich eine kleine Drehscheibe und dahinter erstreckt sich das Areal. Ich kann schon eine Menge alter Lokomotiven erkennen, manche sind zugedeckt, ein oder zwei sogar eingerüstet. Hier schient sich doch noch etwas zu tun. Ich betrete den Lokschuppen. Im Halbdunkel der Rotunde türmen sich stählerne Ungetüme vor mir auf. Unter den schwarzen findet sich auch ein rotes Ungetüm, eine Diesellok russischen Fabrikats.
Ich schlendere um die riesigen Lokomotiven. Der Geruch von altem Schmieröl und Staub liegt in der Luft. Es ist ein ganz eigentümlicher Geruch, der da hängt. Man findet ihn in vielen dieser alten Lokomotivschuppen. Neben der Ölnote ist da auch noch etwas anderes. Etwas, das an Kohle und Feuer erinnert.
Einen  Moment denke ich noch, vielleicht gesellt sich der Mann vom Eingang noch zu mir und erzählt etwas zu den Exponaten, aber außer daß jemand ein Licht anknipst und dann wieder verschwindet, passiert nichts. Ich schaue mir alles ganz alleine an, niemand hindert mich, in einen Führerstand zu steigen, oder Fotos zu machen.


Nach einer Weile trete ich wieder vor die Tür und sehe mich auf dem Gelände um. Hier sieht es wirklich eher wie ein Lokfriedhof aus. In langen Reihen sind sie abgestellt, Maschinen, hauptsächlich aus der ehemaligen DDR, in allen Erhaltungszuständen.
Manche sind offenbar schon als Schrott, oder als Torso, oder Dampfspender hier angekommen. Zwischen den Dampflokomitven finden sich auch ein paar alte grüne Elektrolok.
Auch hier ist alles dabei, von noch fast OK bis ziemlich verrottet. Ich schaue in den Sandkasten bei einer dieser Ellok. Da ist sogar noch Sand drinnen. Man hat sie einfach so wie sie waren hier hergebracht, ohne sie zu konservierern.
Weiter hinten wachsen ein paar sehr alt aussehende Maschinen in den Boden. Sie müssen aus Rumänien oder so gekommen sein.  An ihren Seiten tragen sie fremdländische Zeichen. Der Zustand ist allerdings auch hier mehr als erbärmlich.
Ich mache ein paar Bilder und gehe eine andere Reihe zwischen den Lokomotiven wieder zurück zum Lokschuppen. Hier stehen auch etliche alte Dampflokomotiven in bisweilen recht fragwürdigem Zustand.
Aber es ist dennoch hochinteressant so alleine dort zwischen den alten Dampfrössern umherzustöbern. An manchen sieht man noch alte Anschriften, manche waren mobile Dampfspender und wurden für diese Aufgabe auf das nötigste reduziert, andere tragen noch die letzte Beheimatung an ihren Führerhäusern.
Ich mache noch eine Runde um die Drehscheibe und finde mich dann wieder beim Lokschuppen ein um meinen Helm und den Tankrucksack abzuholen. 
Der Mann, der mich eingelassen hat, ist nicht mehr dort, statt seiner passt nun eine ältere Asiatin auf die Ausstellungsstücke auf. Sie spricht nur wenig Deutsch und so kommt kein wirklicher Dialog zustande. Ich nehme meine Sachen und verabeschiede mich. 
Gesa wartet immer noch artig vor dem Bahnhofsgebäude auf mich und nach ein paar Augenblicken habe ich mich fertig gemacht und lasse den Motor an. - Was ist das? "Lamp" steht da in der Anzeige. Ich halte die Hand vor den Scheinwerfer. Es ist klar, die Abblendlichtbirne ist kaputt. Hm. Sonst ist sie entweder bei Louis vor der Tür kaputt gegegangen, oder bei mir zu Hause. Wo soll ich denn hier so eine Lampe herbekommen? - Moment, da war doch diese Tankstelle vorhin, als ich in den Ort fuhr. Ich drehe mich um und kann ihre Rückseite sehen. Ich fahre also eine kleine Wende und schwenke auf den Hof der Tankstelle ein. Da Gesa ganz normale Lampen braucht, habe ich keine Probleme, im Laden eine zu finden. Das Auswechseln ist bei Gesa kindereinfach, ich muss nur mit der Hand unter das Anzeigeinstrument greifen und dort einen Deckel abdrehen. Dann komme ich ganz bequem und ohne Werkzeug an die Lampe. 
Nach wenigen Momenten ist das Missgeschick ausgebügelt und wir haben wieder volles Licht. Das ist auch gut, denn der Himmel ist nach wie vor düster und es liegt Regen in der Luft. 

Ich verlasse Hermeskeil in Richtung Nonnweiler. Es ist keine allzugroße Straße, die ich da fahre. Ich komme durch Nonnweiler, sehe den Autohändler, bei dem ich mal vor ein paar Jahren gestrandet bin und brumme weiter in Richtung Birkenfeld. Ein paar Dörfer später rolle ich auch hier durch eine sonntäglich ausgestorbene Stadt. Ich fahre auf die Bundeststraße nach Idar Oberstein. Der Himmel ist noch düsterer, als er es ohnehin schon gewesen ist. Bis Niederbrombach komme ich, dann bricht der Regen los. Ich kann mich auf einem Schulparkplatz eben noch unterstellen. Nach ein paar Minuten, als ich schon zu Gesa laufen und meine Regenkombi aus dem Koffer holen will, hört es eben so schlagartig wieder auf zu regnen, wie es angefangen hatte. Ein paar Tropfen noch und dann ist wieder tiefster Friede. Ich schaue mich ungläubig um. Ein Blick auf die Wetterapp, nö, das war's erst mal. Also weiter. Ich komme nach ein paar Kilometern nach Idar Oberstein hinein. Wie ich gerade in die Stadt heineinfahre, ruft mein alter Kollege Dieter an. Da ich aber eine Freisprechanlage im Helm habe, muss ich nicht anhalten.
Ich fahre auf der Nahe, die man hier einfach überbaut hat und durch einen Tunnel und bin auch schon wieder draußen. An diesem Sonntagmittag ist nicht viel los und ich komme gut vorwärts. Links ab geht es zu dem Dorf, in dem das unglückliche Mädchen gewohnt hatte, mit dem ich vor ein paar Jahren beruflich einmal zu tun gehabt hatte. Sie hatte sich zu einer dieser Reality - TV Shows angemeldet und ist dort ziemlich übel über den Tisch gezogen worden. Ihre Geschichte hat später sehr traurig geendet. Ein Glück hat sie nie gefunden. Im letzten Sommer füllten Meldungen die Tagespresse, daß sie von ihrem neuen Freund in Mecklenburg ermordet worden sei.
Mit diesen Gedanken rolle ich an der Nahe entlang. Das Wetter verschlechtert sich. Ich sehe die Regenwolken. Es besteht kein Zweifel, trocken komme ich nicht nach Hause. Kurz vor Monzingen fängt es richtig an zu regnen und es sieht diesmal nicht nach einem Schauer aus. Ich suche mir einen Platz, an dem ich meine Regenkombi anziehen  kann. Ich biege an der Ampel ab und fahre hinter einem Bahnübergang links. Dort ist ein kleines Haltestellenhäuschen. Hierhin flüchte ich mich. Wie ich mich wieder fertig mache, um weiterzufahren fällt mein Blick auf ein paar verwelkte Blumen und eine kleine Tafel. Hier ist ein Unfall gewesen, bei dem ein Zug das Auto von fünf jungen Männern erfasst hatte. Urg. Ich sehe zu, daß ich diese Stelle verlasse.
Der Regen hat zugenommen und es hat sich richtig eingeregnet. Ich spule einfach meine Kilometer herunter. Durch die Gischt der Autos ist mitunter kaum etwas zu sehen. Ich bin froh, wenn ich nachher zu Hause bin. Als ich an Bad Kreuznach vorbei bin, ist es nicht mehr weit.
Ein paar Kilometer noch über Land und dann tickt Gesa auch schon wieder in ihrer Garage. Die Regenkombi, die Koffer und Gesa sehen aus, als wäre ich sonstwo gewesen. Überall ist Sand und Dreck. Ich stelle erst einmal alles in den Flur und pelle mich aus der gelben Hülle. Jetzt erst einmal in normale, trockene Klamotten und danach einen Kaffee!



Das war ein wirklich tolles Wochenende! Es war anstrengend, aber auch sehr schön. Es hat riesigen Spaß gemacht, die ganzen Leute wiederzusehen und mit ihnen eine schöne Zeit zu haben.
Montag werde ich wieder in aller Herrgottsfrühe aufbrechen müssen, um in Frankfurt die Schulbank zu drücken. Aber nur noch für ein paar Wochen!