Posts mit dem Label Allgemeines werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Allgemeines werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 15. November 2016

Einladung zum 4x4 Challenge

Hmmm - Oh... Was soll ich da sagen... SonjaM hat eine Aufforderung zu einem kleinen Bloggerspiel gepostet. Und ich bin bei den vier Nominierten dabei, die nun auch etwas schreiben sollen. 
Es geht um die "4x4 Challenge", oder das "Game of 4s". Geht es um Offroadfahren? Mit dem SUV, oder dem Geländemotorrad? Nein, es ist etwas ganz ohne Gelände und Motorräder. Es sollen also vier Fragen beantwortet werden. Das kann doch nicht so schwer sein. Aber, da ist noch was. Bei diesen vier Fragen gibt es noch mal vier Unterfragen. Was soll ich denn dazu sagen? Am Schluss soll ich das Hölzchen weiterreichen. Also, schauen wir mal.



Zunächst die Fragen:

1. Was ist Dein Lieblingsessen?
2. Was ist Dein Lieblingsgetränk?
3. An welchen Orten bist Du gewesen?
4. Unter welchen Spitznamen kennt man Dich?

... Uff.

Ähm, beim Lieblingsessen schließe ich mich zunächst einmal Sonja an, sie hatte Grünkohl als Lieblingsessen Nr. 1 gekürt. Das geht mir genau so. Nur mag ich es lieber in der Bremer Variante, mit Kohlwurst und Pinkel, einer sehr fetten Angelegenheit aus Flomen und Grütze. Kasseler und gestreifter Speck gehören auch noch mit dazu.
Symbolbild...
Das war aber erst das erste Lieblingsessen von mir, es fehlen noch drei. 
Ich liebe gebratenes Rindfleisch. Es gibt Situationen, da braucht es eben frisches Rind. Kurz gebraten, nett gewürzt. Um Beilagen mache ich mir dabei keine großen Sorgen, da reicht mir manchmal einfach nur ein Brötchen. 
Dann esse ich liebend gerne Coq au Vin. Darüber brauche ich eigentlich keine großen Worte zu verlieren, es ist einfach lecker. Leider habe ich es lange schon nicht mehr gegessen, da ich alleine nie gegen die Menge, die ich kochen muss, damit es anständig wird, ankomme. 
Als viertes liebe ich thailändisches Essen. Aber auch portugisisches Essen. Also auch Fisch. 
Hach ja...

Beim liebsten Getränk wird es schon schwierig. Was trinke ich gerne? In den ersten vierzig Jahren meines Lebens habe ich unheimlich viel Tee getrunken, danach kaum noch. Das hängt damit zusammen, daß es das Getränk war, das ich mit meinen Eltern oft trank. Seit sie nicht mehr leben, hatte ich erst mal keine Lust mehr darauf. Dafür habe ich Kaffee für mich entdeckt. Den habe ich in den besagten ersten vierzig Jahren kaum zu mir genommen. Am liebsten mag ich ihn auf die altdeutsche Art, also einfach das Kaffeepulver in eine große Tasse und kochend Wasser drauf. Später noch etwas Milch rein und gut ist. Der Vorteil ist, dieser Kaffee ist nie bitter.
Als zweites Lieblingsgetränk kann ich Wasser nennen. Den ganzen Süßkram schätze ich nicht so sehr. Orangensaft darf ich nicht. Wasser schmeckt mir aber auch. Kann ich ein Glas Wasser haben, bin ich meist schon zufrieden.
Das dritte Lieblingsgetränk habe ich etwa vor einem Jahr für mich entdeckt. Es ist alkoholfreies Hefeweizen. Ich mag keinen Alkohol, schätze die Wirkung nicht und trinke im Großen und Ganzen nur zu Sylvester mal ein kleines Glas Sekt. Weil man das halt so macht. Das alkoholfreie Hefe ist aber toll. Zum einen ist kein Alkohol drin, es erfrischt und es kommt mit einer Reihe an Elektrolyten, Vitaminen und Mineralien. Dazu auch noch mit Bierhefe. Ich habe früher Bierhefetabletten geschluckt, für Haut und Haare, es gibt kaum etwas ekligeres als eine sich im Rachen auflösende Bierhefetablette, hiermit kann ich das ohne blöden Geschmack, einfach so. Und es kostet nicht viel. Und ich erreiche meine tägliche Flüssigkeitsmenge leichter.
Manchmal sehe ich auch Katzen in meinem Bier. Ganz ohne Alkohol...
Beim vierten Lieblingsgetränk wird es schon schwer.
Da fällt mir wirklich nicht viel mehr ein, als daß ich morgens ohne meinen Becher kalten Kakao nicht überleben kann. - Klar, kann ich schon, aber es ist nicht so schön und es fehlt was.

An was für Orten bin ich gewesen. Das sollen doch sicher auch Orte sein, an die man sich gerne erinnert? Oder gehen da auch Orte, an die ich nicht wieder möchte? Ich probier`s mal.
Als erstes und ganz oben steht: HAMBURG! Möglichst fett geschrieben. Das ist meine Heimat, da bin ich zu Hause, da weiß ich woran ich bin. Auch wenn ich dort nicht wohne, es gibt immer dieses unsichtbare Band, es ist meine Sehnsuchtsstadt, der Ort meiner Träume.
Ein anderer Ort, an dem ich gewesen bin, ist der Bodensee. Dort war ich als Schulkind mit meinen Eltern oft in den Sommerferien. Wie wunderbar war es dort. Ich hatte mir zunächst einen kleinen Teich vorgestellt, wie den Delmenhorster Dreieckssee. Aber nein, der Bodensee hörte gar nicht wieder auf, als wir ihn endlich erreichten. Da war ich schwer wieder von fort zu bekommen.
Der nächste Ort, an dem ich gewesen bin, der mich fasziniert hat, ist die Höhle von Lascaux gewesen. Und zwar die Originalhöhle. Vor vielen Jahren bin ich dienstlich mal dort gewesen. Es ist, auch wenn die Faksimile - Höhle ganz toll gemacht ist, etwas anderes, ob man das Original zu sehen bekommt, oder nur einen Nachbau. Dieser Ort hat eine besondere Ausstrahlung, eine Aura. Klingt blöd, es ist ja nur eine ganz normale Höhle mit ein paar Bildern an der Wand, das kannst Du doch auch an jeder S- Bahn Unterführung haben, Minya... Nö, das ist wirklich was anderes. Schade, daß dort nicht jeder hin kann.
Das ist zwar nicht die Höhle von Lascaux, aber es ist ganz in der Nähe. In der Höhle konnte ich nicht fotografieren.
Als vierten Ort nehme ich einen Ort, an den ich nicht wieder möchte. Das ist Sarajevo. Schon der Anflug war nicht lustig. Ich mag dieser arg gebeutelten Stadt damit sehr Unrecht tun, aber als ich dienstlich dort gewesen bin, war der Krieg noch nicht ganz aus und an jeder zweiten oder dritten Ecke wurden wir von schwer bewaffneten Männern angehalten, es wurde mit der Kalaschnikoff herumgefuchtelt, Anweisungen gegeben, rumkommandiert und kontrolliert. Man wusste nie, zu wem diese Leute tatsächlich gehörten. Und wenn ich die Dolmetscherin hinter mir auf dem Autositz nervös herumrutschen hörte, wurde mir auch nicht wohler. 
Ich werde auch nie den Anblick der endlosen Gräberfelder vergessen. Weiße Kreuze, soweit das Auge reicht.

Mit der vierten Frage nach den Spitznamen tu ich mich wirklich schwer. Welche Spitznamen habe ich? Oh je. Bestenfalls wurde und werde ich Minni genannt, oder Mini. Das passt auch von der Körpergröße her.
Die ganzen Fälle, wo der Name falsch geschrieben, oder falsch ausgesprochen wird, oder ich irgendwie anders genannt werde, kann man ja nicht als Spitznamen bezeichnen. Da war schon alles dabei, von Mia, über Mirnja, Mirna, Monja, Manja, Minka, Mina...
Eine gute, liebe, mittlerweile verstorbene Freundin hat mich "Meine Minga" genannt. Das kann ich durchgehen lassen. Bei Google Plus heiße ich "D'eau Venus". Hinter die Bedeutung müsst Ihr aber selbst kommen. 
Wenn ich jetzt zähle, dann komme ich bei diesem Punkt nicht auf vier. Hm, heißt das jetzt, ich bin durchgefallen? Ich hoffe nicht!

Nun muss ich nur noch vier neue Blogger benennen, die mal ein wenig über sich erzählen dürfen.
Da nehme ich 
1. HeikeK64
2. Die Gschichtenerzählerin
3. Den alten Griesgram
4. Marcus Berndt 

Ich bin mal gespannt, was wir zu lesen bekommen!

Donnerstag, 28. April 2016

Zurück in der Zeit. Historisches.

In meiner Familie bin ich nicht die erste, die ein Motorrad besitzt. Freilich bin ich die erste Frau in meiner Familie, die solch ein Fahrzeug ihr Eigen nennt. Mein Urgroßvater hat bereits im Jahre 1908 ein Motorrad besessen. Nicht nur das, er hat bald auch ein Automobil gehabt. Er schreibt darüber in seinen Erinnerungen:

„Um die Entfernung von Mellingstedt zu überbrücken, habe ich ein Motorrad angeschafft, Marke „Magnet“. Ich muß erst etwas darauf üben. Es muß der Motor erst angetreten werden, bis er warm ist. Dann setzt man das Rad von seinem Ständer auf den Boden, wobei er Motor wieder still steht und schiebt es an, bis er wieder anspringt. In dem Augenblick muß man, in der beginnenden Fahrt, sich auf das Rad schwingen. Ich muß mich auch mit dem Mechanismus erst genau vertraut machen, weil er täglich nachgesehen werden muß. Besonders müssen die außerhalb des Motors sich bewegenden Regulierungen der „Abreißzündung“ und der Ventile ständig kontrolliert werden, weil sie der Abnützung durch den Strassenstaub ausgesetzt sind. Ich kann das Rad aber doch bald mit Vorteil benutzen. Mein Unterricht dauert von 8 – 12 und ich kann nun zum Mittagessen zu Hause sein und den Nachmittag für meine Arbeit benutzen. (...)“
Mein Urgroßvater hat zwar viel fotografiert und ich habe eine Unmenge an Glasplatten und Films, aber seinen Fuhrpark hat er leider wohl nicht abgebildet.

Von Mellingstedt im Nordosten Hamburgs, bis nach der Gegend beim Hauptbahnhof, wo er täglich hinfahren muss, sind es etwa 15 – 20 Kilometer. Die Straßen seinerzeit werden für unsere Begriffe abenteuerlichen Charakter gehabt haben. Zumindest außerhalb der eigentlichen Stadt. Dafür war das Verkehrsaufkommen geringer.
Im Jahr darauf hat er dann ein Auto beschafft, da es schwierig ist mit der Schule für die Kinder. Helga, das älteste Kind (meine Großmutter), entwächst der Dorfschule und die Privatschule, die sie nun besucht, um sich auf die höhere Schule vorzubereiten, erweist sich nicht als Glücksgriff. So wird für sie in Hamburg eine Schule gesucht. Der Omnibus, der verkehrt – man darf ihn sich allerdings nicht als einen Bus vorstellen, wie wir heute ihn kennen, sondern es handelt sich um ein pferdebespanntes Etwas – erweist sich als äußerst unzuverlässig und die Alstertalbahn (die heutige S1 nach Poppenbüttel) ist noch nicht gebaut, man hat in der Zwischenzeit das fünfundzwanzigste Jubiläum der Vermessungsarbeiten für ihren Bahndamm gefeiert.
So schreibt er also:

„Ich denke dem Mangel an einer Verbindung dadurch abzuhelfen, daß ich ein Auto anschaffe. Eine Garage ist ja für diesen Fall schon vorhanden. Eine Gelegenheit dazu bietet sich, da mir ein gebrauchter Wagen angeboten wird. Es ist ein „Piccolo“ - Wagen, der allerdings ohne Verdeck ist. Er hat Platz für drei Erwachsene und hat außerdem noch einen Kindersitz. Der Motor besteht aus zwei schräg zur Achse gestellten Cylindern, die frei unter dem hohen Kutschbock liegen. Ich mache mit dem bisherigen Besitzer des Wagens eine Probefahrt und habe von da oben einen prachtvollen Blick in die Landschaft. Die Handhabung des Wagens ist in mancher Weise einfacher als bei meinem Motorrad, da die Einstellung der Gänge, der Benzinzufuhr und der Zündung alle am Steuerrad angebracht sind. Fußhebel sind für den Leerlauf und die Bremse da. Die Sache gefällt mir sehr gut und ich kaufe den Wagen.
Ich fahre einmal mit dem Wagen zu einem „Lotsenabend“ in Wietzels Hotel (an den Landungsbrücken). Als ich spät abends dann zurückfahren will und noch den Schriftsteller Albert Helms, dessen Vorlesung mir auf dem Abend bei (Gustav) Falke so gut gefallen hatte, mit nach seiner in Winterhude gelegenen Wohnung nehmen will, versagt der Motor und ich muß noch in der Nacht die Autowerkstatt von Dello in der Dammtorstraße herausklingeln. (aus den Verkaufsräumen von Dello in der Dammtorstrasse fand übrigens später in den 60er Jahren die Übertragung der NDR Sendung „Die aktuelleSchaubude“ statt) Es zeigt sich, daß die Ventile ausgeschliffen sind. Der Schaden soll allerdings bis zum Morgen behoben werden, aber ich muß mir die Nacht in Hamburg um die Ohren schlagen, wobei mir Helms getreulich Gesellschaft leistet.
Um die Weihnachtszeit fahre ich mit Georgie (meiner Stiefurgroßmutter) zur Stadt und wir machen Weihnachtseinkäufe. Der Wagen ist voll von Paketen. Da kommt ein heftiger Schneesturm. Wir sind bald ganz in eine Schneekruste gehüllt. Die Acetylenlampen gehen aus, weil sie mit Schneemassen bedeckt sind. Ein paar Mal werden wir von Polizisten angerufen, weil ich ohne Licht fahre, aber ich kann mich nicht darum kümmern, weil ich schon zu sehr erfroren bin und ich muß mich fast wundern, daß wir schließlich doch noch nach Mellingstedt hin gelangen.
Einmal fahren wir mit dem Wagen nach Poppenbüttel zum Bäcker, um da eine Torte zu holen. Helga und Kurt müssen bei diesem feierlichen Akt mit dabei sein. Auf dem Rückwege aber gibt es plötzlich einen Ruck. Ich sehe die beiden Vorderräder, das eine rechts, das andere links, abrollen, die Spitze des Wagens stürzt nach unten und schrammt auf dem Strassenpflaster entlang. Es sind beide Vorderachsen gebrochen. Ich muß aus dem nächsten Bauernhause ein Pferd holen und den Wagen, nachdem er auf zwei Tannenstämmen aufgebockt ist, nach Hause schleifen lassen. Ähnliche Pannen, bei denen ich den Wagen weite Strecken schieben muß, passieren noch mehr und es wird klar, daß er für einen täglichen Verkehr für die Schulzwecke, wegen seiner nicht genügenden Zuverlässigkeit, nicht verwendbar ist. Es wird immer deutlicher, daß wir, wenn die Kinder nicht nur in der Dorfschule aufwachsen sollen, in die Stadt ziehen müssen. Dazu kommt, daß mein Motorrad auch schon in allen Teilen so ausgeleiert ist, daß die Reparaturen kein Ende nehmen  (...)“

Das Haus an der Huuskoppel in Mellingstedt wird vermietet und er zieht im Jahre 1910 mit der Familie in die Horner Landstraße nach Hamburg Horn. Sein Motorrad und das Automobil verkauft er an einen Landwirt, der den Hof Treudelberg erworben hat, bzw. an einen Autoschlosser in Bargteheide. Er schließt das Kapitel Automobil damit, daß ihn, durch die beim Verkauf erzielte Summe, der Wagen mit seinem Benzinverbrauch und den vielen Reperaturen, nur 150 Mark gekostet habe. Er hat ihn also offenbar gut verkauft.
Wenn meine Großmutter von dem Motorrad meines Urgroßvaters erzählt hat, dann habe ich mir als Kind freilich nicht ein Motorrad vorgestellt, wie es in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts gefahren ist. Sondern so, wie ich Motorräder kannte, nur etwas älter halt, mit rundem Tank und so. Wie das tatsächlich ausgesehen haben mag, davon habe ich mir erst viel später eine Vorstellung gemacht. So habe ich im vergangenen Jahr dann tatsächlich live und in Farbe Motorräder aus der Zeit gesehen (klick).
Es gibt so Dinge, da wünschte man sich zuweilen eine Zeitmaschine...

Donnerstag, 7. April 2016

Bis es kratzt. Kein Ponyreiten beim ADAC.

Verdammte Axt!! Ich starre auf das rote Balkenkreuz auf dem gelben Schild vor mir. Dahinter rappen die Bauarbeiter. Es gibt wirklich kein Durchkommen. Dann also der Umleitung nach. Bis jetzt war ich sehr gut in der Zeit gewesen. Das ändert sich mit jedem Kilometer, den ich, hinter einer Reihe von nödelnden Autos, durch die Landschaft schaukele. Endlich erscheint das heiß ersehnte Autobahnschild. Die Ampelphase erscheint mir ewig zu dauern.
Am Morgen war ich zeitig aufgestanden, hatte gut gefrühstückt, mich mit einer weißen Katze unterhalten, die einen verdächtigen, dunkelgrauen Fleck am Rücken, hinter dem Kopf hatte und im Frühstücksraum um meine Beine scharwentzelte. "Die muss sich an irgendeinem Auto dreckig gemacht haben!" meinte die Frau, die lachend aus der Küche schaute. Das Grau kommt mir bekannt vor. Genauso sieht Gesas neue Kette jetzt auch gerade aus. Das wird Kettenfett sein. Nach dem Frühstück war ich gemütlich, mit einem guten Zeitpuffer aufgebrochen und hatte mir eine Tanke gesucht, denn heute abend habe ich mit Sicherheit keine Nerven mehr dafür. Und jetzt das. Es wird grün. Ich gebe Gas und fahre auf die A66 auf, in Richtung Fulda. Zwischen LKW und Audis jage ich auf Gelnhausen zu. Dort wieder von der Autobahn runter und ab ins Hinterland.

Es ist kurz nach halb zehn, als ich den Seminarraum im oberen Stockwerk des ADAC Fahrsicherheitszentrums in Gründau betrete. Es sind alle da, es wird nur noch auf mich gewartet. Ich winke kurz in die Runde und suche mir einen freien Platz. Um mich herum bekannte und unbekannte Gesichter. Nach einer kurzen Einleitung von Stefan Röhn, dem Leiter des Fahrsicherheitszentrums, wendet sich Frauke an uns. Sie erklärt kurz, warum wir heute hier sind. Wir werden heute sozuagen an einer Generalprobe teilnehmen. Gemeinsam mit dem ADAC in Gründau bietet sie ab diesem Jahr Motorradtrainings nur für Frauen an. Das erste seiner Art, nur für Fachpresse und Co, findet heute statt. Folglich sitzen um mich herum auch nur Frauen. Nur der Trainer und der Leiter des Zentrums sind Männer.

Kein Ponyreiten
Keine Bange, das wird kein Ponyreiten heute, sondern eine ernste Sache, wie die sonstigen Trainigs, die hier angeboten werden, es auch sind. Vermittelt werden genau die gleichen Inhalte, es ist lediglich die Zusammensetzung der Gruppe eine andere. Das bietet Vorteile. Frau kann sich nicht hinter Männern verstecken, oder muss Grund zur Annahme haben, gegen die Männer könne sie ohnehin nichts reißen. Hier sind wir unter uns heute. Keine blöden Sprüche, keine genervten Blicke. Kein Stress. Dazu kommt, Frauen lernen mitunter etwas anders als Männer das tun. Männer probieren lieber aus. Mit allen Konsequenzen. Frauen lassen es sich lieber vormachen und schauen dann, was daraus werden kann. Das kann aber auch dazu führen, daß frau zu verkopft an Dinge herangeht. Daran werden wir heute arbeiten!
Wer möchte, kann sich für das Training ein Motorrad vor Ort ausleihen. Dazu werden verschiedene Motorräder von Triumph zur Verfügung gestellt. Das Ausleihen kostet nichts, das ist prima, denn nicht jeder und jede hat ein eigenes Motorrad, oder ist mit dem Motorrad angereist. Oder möchte das eigene Gefährt hier in den Asphalt reiben.
Wir sammeln uns vor dem Haus und suchen uns entsprechend passende Maschinen raus. Ich nehme das, was übrigbleibt. Eine Triumph Thunderbird
1700Kubik. Über dreihundert Kilo lebendgewicht. Das ahne ich nur, als ich aufsteige und nach dem Zünschloss suche. Besser so. Ju52 - geht es mir sofort durch den Kopf, als ich den Motor starte. Der Starter macht ein heiseres Geräusch und dann wummert der Motor los. Die Maschine zittert am ganzen stählernen Leib. Ich sende einen Gasstoß durch die Zylinder. Das ist ein Flugzeugmotor. Zumindest klingt er so. Meine Füße suchen die Rasten. Die sind ziemlich weit vorne angebracht. Das kann heiter werden. Wirklich sicher fühle ich mich zunächst nicht. Wir fahren hinunter auf die Trainingsfläche.
Rainer, den ich schon vom Endurotraining im letzten Jahr kenne, hat uns mit Hütchen und kleinen bunten Knubbeln, verschiedene Parcours aufgebaut. Es wird als erstes darum gehen, auf kleinstem Raume zu wenden. Möglichst am Lenkanschlag. 
Zunächst aber Fahren im Schrittempo. Mahlzeit. Bei den anderen klappt das schon bald recht gut, aber mit diesem Dickschiff, wo ich noch keine Ahnung habe, wo ich die Füße lassen soll und zu viel Aufmerksamkeit darauf verwenden muss, ist das echt schwierig. Ich bin noch nie im Leben so ein Motorrad gefahren. Dicke Brems- und Kupplungshebel verlangen kräftige, große Hände.
Ich versuche um Rainers abgestecke Acht zu kommen. Das wird nichts. Der Wendekreis von meiner Maschine ist viel zu groß. Ähnlich geht es mir bei der nächsten Übungsstelle, wo wir auf engem Feld wenden sollen. Es gibt drei Spuren, jede wird enger werden. Ich bin froh, daß ich mit Müh und Not durch die weiteste komme. Rainer, der mich sofort zu sich winkt, meint, ich solle mir mal eine andere Maschine borgen. Da drüben steht eine neue Street Twin, die Fahrerin setzt gerade aus, also nehme ich die für diese Übung. Und siehe da! Es klappt auf Anhieb. Rainer klopft mir auf die Schulter, meine Mundwinkel steigen.
Gute Laune ist wichtig!

Als nächstes fahren wir Slalom. Dazu sind zwei verschiedene Strecken aufgebaut, eine mit versetzten Kegeln und eine gerade. Ich werfe die Maschine in die Kurven. Rechts! - Kccchh! - Huch! Links! - Kcccchh! - Huch! Ich setze auf den Fußrasten in den Kurven auf. Zuerst hat es mir fast den Stiefel von der Raste gezogen. Ich erschrecke mich. Das kenne ich noch nicht.
Wir sollen diesen Parcours in verschiedenen Stilen durchfahren. Legen, bzw. Drücken. Rainer macht es vor. Rainer macht tollerweise sehr viel vor. Wenn wir sehen, das es geht und wie es geht, dann fällt es uns gleich viel leichter. Als wir zur Mittagspause gehen, sind alle Reifen, die heute Morgen noch nagelneu waren, bis zum Laufflächenrand angefahren.
Es gab drei Optionen, Vegetarisch, Fisch, oder Schnitzel.
Nach dem Essen geht es ans Ausweichen und Bremsen. Rainer hat zwei Strecken aufgebaut, eine, auf der einfach "nur" gebremst werden soll und eine, auf der ausgewichen und gebremst wird. Auf der ersten geht es darum, auf der kürzesten Strecke zum Stillstand zu kommen. Mit dem Einsatz beider Bremsen. 
Dabei sollen wir darauf achten, nicht wie die wahnsinnigen einfach hineinzulangen, sondern trotzdem mit Gefühl zu bremsen. Überhaupt, Gefühl beim Fahren, das ist ihm sehr wichtig. Wie dem auch sei, mein Gefühl ist, dieses Riesentrumm will nicht anhalten. Ich ziehe, wie ich es von Gesa gewohnt bin. Und es ist niederschmetternd. Von ernster Verzögerung kann keine Rede sein. Ich muss mit der rechten Hand umgreifen und mit aller Kraft, die ich habe, an dem Hebel zerren. Dann tut sich was. Mit dumpf jaulenden Bremsen bleibe ich stehen. Nach ein paar Mal tut mir die Hand weh. Dagegen ist die Ausweichübung fast Erholung.
Wie wir die letzte Übung besprechen, zischt es hinter uns. Aus Metalluken in der Fahrbahn hinter uns wird Wasser auf den Asphalt gesprüht. Manch einer von uns rutscht das Herz ein Stück tiefer. Daß die Furcht unbegründet ist, merken wir, als wir es ausprobieren. Man kann genauso bremsen, wie auf trockener Strasse.
Wir ziehen um auf die Rundbahn. "Probiert hier bitte mal alle drei Fahrstile aus! Legen, drücken und auch "Hänging off"! Wir legen los. Ich drücke die Thunderbird in die Kurve. Kcccchh! Schon wieder setzt die Raste auf. Dabei hatte ich noch nicht mal irgendwie gerdrückt. Rainer sieht das auch und meint, ich solle mir bei dieser Übung besser wieder mit jemandem das Motorrad teilen. Ich gucke mir Nancy mit der Tiger 800 aus. Die Tiger entspricht am ehesten meiner Gesa. In zwei Gruppen jagen wir um das Rund. Wer mag, darf auch überholen. Phhff. Mit jeder Runde merke ich, wie es besser klappt. Irgendwann höre ich auch hier das Kccchh! Ich lasse es lieber gut sein. Eh noch mehr den Boden berührt. 
Unterschiedliche Maschinen am Start
Das Ganze auch in die andere Richtung
Mit Hänging off ist das bei mir so eine Sache. Dafür bin ich irgendwie zu ungelenk und vermutlich zu groß. Mehr als "Innenknie vor" wird das nicht. Egal. Ich komme mir auf jeden Fall sehr schnell und schnittig vor. Da brummt was an mir vorbei. Nadja mit ihrer Hypermotard- sie hängt daneben und braust davon. Ich pruste in meinen Helm. Unglaublich.
Zum guten Schluss führt Rainer uns noch zu einer anderen Stelle auf dem Gelände. Hier geht es bergab und dann in die Kurve. Zunächst sollen wir das ganz normal fahren und dann in der Kurve untern bremsen. Cool. Er hat dazu ein paar Hütchen aufgebaut, zwischen denen wir zum Stehen kommen sollen. Ich teile mir wieder mit Nancy das Motorrad. Wider Erwarten klappt die Übung sehr gut. Auch wenn es Überwindung kostet, das über Bord zu werfen, was man uns in der Fahrschule und in allen Büchern und so erzählt hat. In der Kurve, in Schräglage sogar, zu bremsen, das geht. Als Höhepunkt fragt er uns, wer von uns die letzte Übung des Tages fahren möchte. Der Aufbau ist wie eben, nur daß wir nun in der Kurve die Maschine aufrichten, geradeaus in die Gegenfahrbahn lenken und dann bremsen sollen. Er führt es uns vor. Mit einer viel höheren Geschwindigkeit, als wir das gleich fahren werden. 
Wir sind alle auf einen Abflug gefasst, oder daß er tief im imaginären Gegenverkehr steht. Nichts von alledem geschieht. Er steht sauber nach sehr kurzem Bremsweg noch vor der "Mittellinie". Ich melde mich freiwillig. Es klappt! Auch wenn es sehr gegen alle Instinkte geht.
Instinkte sind ohnehin ein schlechter Begleiter auf dem Motorrad, lernen wir. Denn wenn wir dem Instinkt folgen, dann fahren wir im Ernstfall mitten auf das Hinderniss zu. Nicht umsonst stehen häufig an Bäumen die Kreuze am Wegesrand. Das ist in unserer Ursuppe so festgelegt. Wir sind Fluchttiere. Und mit der Situation rasch überfordert. Darum ist es so wichtig, an einem solchen Training teilzunehmen, um Möglichkeiten und Fertigkeiten zu erlernen, diese Mauer im Kopf zu durchbrechen. 

Zum Abschluss des Tages haben wir uns nun eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen redlich verdient. Wir bekommen alle Teilnahmeurkunden und sitzen noch ein wenig zusammen. Man merkt, daß wir alle ein wenig groggy sind. Aber das tut der guten Laune keinen Abbruch.
Es geht langsam auf halb sieben, ich bin noch zu meinem Rentnerstammtisch verabredet, also sehe ich zu, daß ich los komme. Zu allem Überfluss hat uns der Mann, der hinter der Theke am Empfang heute morgen gestanden hatte, mit der Nachricht überrascht, daß die A66 in Richtung Hanau in beiden Richtungen voll gesperrt ist. Überall seien kilometerlange Staus und es gäbe kein Durchkommen. Ich suche mir rasch auf der Karte eine Strecke raus und verabschiede mich. Über Büdingen geht es nach Norden, in Richtung Friedberg, wo ich nach ein Paar Kilometern auf die A45 komme. Auf ihr fahre ich in Richtung Hanau und in Richtung Dunkelheit. An einem Gründonnerstagabend auf der A3 an Frankfurt vorbei zu fahren, ist alles andere als ein Spaß. Ich habe Augen überall und fahre so defensiv wie möglich. Gleichzeitig versuche ich immer möglichst rasch aus dem Getümmel zu entkommen. Zu meinem großen Erstaunen brauche ich für die Strecke von Gründau, trotz aller Unwägbarkeiten, zurück zum Lerchenberg nur eine knappe Stunde. Meine Leute kommen gerade vom Parkplatz, als ich Gesa festbinde und den Helm und den Tankrucksack schnappe um pünktlich zu sein.

Fazit
So ein Fahrsicherheitstraining ist unheimlich wichtig. Für jeden. Und auch egal, ob man auf zwei oder auf vier Rädern unterwegs ist. Es ist wichtig, das Fahrzeug in Grenzsituationen zu erleben. Diese Grenzsituationen sind in der Regel auch nur das Ende der Möglichkeiten des Fahrers, oder der Fahrerin. Die Fahrzeuge können normalerweise mehr. Aber man muss sie freilich dazu anleiten können. Um das zu erlernen, sollte man an solch einem Training teilnehmen. Das kostet nicht die Welt. In unserem Falle, also dem Intensivtraining, kostet es 140,-. Das sollte einem nicht zu teuer sein und der Spaß, den frau dabei hat, ist rasch aufgewogen. Zudem ist der Spaß, den man danach dann auf der Straße hat, mit nichts zu bezahlen.
In meinem Fall hat die Wirkung etwas gedauert. Als ich Karsamstag mit Gesa unterwegs war, da bin ich ziemlich holzig gefahren. Aber dann war das Eis gebrochen.

Die Fembike / ADAC Frauentrainings, es gibt zur Zeit entweder ein (Wieder-) Einsteigertraining, oder ein Intensivtraining, sind zu folgenden Terminen ausschließlich direkt über die Fembike Seite  buchbar:
  • 10.04.2016     (Wieder-) Einsteiger-Training
  • 22.04.2016     Motorradtraining Intensiv
  • 22.05.2016     Motorradtraining Intensiv
  • 05.06.2016     (Wieder-) Einsteiger-Training
  • 18.06.2016     (Wieder-) Einsteiger-Training
  • 08.07.2016     Motorradtraining Intensiv

Donnerstag, 18. Februar 2016

Winterzeit, Lesezeit! Heuer: Gustl Auinger - Vollgas

Auch in diesem Jahr ist es wieder so, die Motorradsaison lässt für manchen noch auf sich warten. Es mögen noch zwei Wochen hin sein, bis das Kennzeichen wieder den Start freigibt, aber oft, allzuoft, ist es dann noch Salz und Eis, das den hufscharrenden Motorradler im Stall hält. Was sollte man da besseres tun können, als zu lesen?
Heuer habe ich mir auch wieder ein Buch vom Zonko vorgenommen, den viele noch als den ehemaligen Chefredakteur des Reitwagens kennen werden, oder sie werden ihm bei PS oder - mehr geht immer - 1000PS schon einmal gelesen oder gesehen haben. War es im vergangenen Jahr eine wahrhaft phantastische Reise am Motorradl zum Mond hinauf, so ist es in diesem Jahr eine hoch konkrete Angelegenheit, die sich da zwischen Buchdeckeln wiederfindet. 
Wer in den ausgehenden Siebzigerjahren, oder in den Achtzigerjahren sich mit Motorradrennsport befasst hat, oder zumindest die Sportschau gesehen hat, dem wird neben Angel Nieto, Berry Sheene und Fausto Gresini auch noch der Name August Auinger zu Ohren gekommen sein. Aufgewachsen in Oberöstereich, hat er als Privatfahrer sehr manierlich im Rennzirkus mitgemischt. Fünf Grand Prix Siege in der Achtelliterklasse. Freilich war seinerzeit noch einiges anders als heute, aber bei einem Rennen ganz vorne mit dabei zu sein, war damals wie heute kein Lercherl. Und dann auch noch vor der versammelten Elite ankommen - ein Mörderhammer!
Das Buch hat den Namen "Vollgas" voll und ganz verdient. Es geht Vollgas von der ersten bis zur letzten Seite. Am Liebsten würde man es gar nicht mehr wieder aus der Hand legen, wenn man zu Lesen angefangen hat. Beinahe hat man das Gefühl, man sitzt beim Zonko und beim Gustl mit am Tisch und hört sich diese unpackbar spannenden Erlebnisse hautnah mit an. Bei den Schilderungen der Rennszenen geht man unweigerlich mit in die Kurve, es tut einem selbst weh, wenn es statt einem Sieg nur wieder ein Stern wird und man vergisst um alles und meint leibhaftig sehen zu können, wie der Gustl die Weltspitze paniert hat. Das Ganze wird unglaublich plastisch erzählt. Gewürzt wird das alles mit den ganzen Geschichten aus dem Drumherum. Ich habe Tränen gelacht über eine Reise im geborgten Transporter. Und bisweilen den Kopf geschüttelt über manche technischen Gegebenheiten. Ich weiß nun, was "GMB", neben "Gießerei Mandl & Berger", auch noch bedeuten kann und daß es Tandemmotoren gegeben hat. Der Gustl erinnert sich noch sehr plastisch und genau an die einzelnen Rennen und auch daran, wieso es mitunter nicht geklappt hat. Selten hat mich ein Buch so sehr gefesselt und gepackt. 
Wer auch wissen will, wie man mit den ausgemusterten Reifen der Anderen bis zur Spitze fahren kann, dem hilft nur der Weg zum Buchhändler oder am Besten direkt zum Autor .


Fritz Trindl; Gustl Auinger - Vollgas. Die Karriere des fünffachen GP-Siegers in einer unfassbar wilden Zeit. Auf 280 Seiten, um 18,90.- Euro.

Dienstag, 19. Januar 2016

Sonntagsmesse

+++17.01.2016+++


"Nee, wie blöd! Die Strasse ist knochentrocken! " entfährt es mir, als ich im Auto sitze und auf Nieder Olm zu steuere.
Bald eine halbe Stunde hatte ich mit mir gehadert, ob ich nun mit Gesa fahren sollte, oder mit dem Auto. Das Auto hatte gewonnen. Aber nur, ich betone, nur weil ich davon ausgegangen war, daß die Strassen nass sein würden und voller Salz. Denn in der Nacht hatte es tatsächlich geschneit. Nicht viel, aber immerhin so viel, daß in großen Mengen Salz gestreut worden war.
Ich nähere mich der "Ludwig Eckes Festhalle" in Nieder Olm. Die Parkplätze werden voller. Hätte ich Gesa dabei gehabt, dann hätte ich ganz frech vor der Tür parken können. Hätte. So finde ich schließlich einen freien Platz am Friedhof und habe ein Stück zu laufen. Es ist kalt, der Schnee bedeckt leicht pudrig die Grasflächen neben der Straße, der Himmel ist milchig bis wolkig. Vormittags hatte beste Sonne geschienen. Jetzt sieht es so aus, als könnte es durchaus wieder schneien.
Vor dem Eingang der Halle ein kleines Grüppchen Raucher und an der Kasse nur zwei Leutchen vor mir. Ich habe den Zeitpunkt anscheinend günstig gewählt. Es ist halb drei, die zum Kaffee zu Hause sein müssen, sind entweder noch in der Halle, oder hauen bald ab.
Ich bezahle drei Euro, bekomme einen Stempel auf die Hand gedrückt und bin drin. Der MC "The Bikers" Nieder Olm beehrt sich, Besucher auf der traditionellen Motorradausstellung Anfang des neuen Jahres Willkommen zu heißen.
Erinnert irgendwie an den Stempel für die Fleischbeschau
Die Halle ist nicht riesig, keine Messehalle, sondern lediglich eine kleinstädtische Veranstaltungshalle. Es gibt eine Bühne, einen Saal davor, mit Foyer und Garderobe im Keller und eine Empore. "Tanz der Vampire" habe ich hier schon mal vor Jahren gesehen.
Zum Saal muss ich ein paar Stufen nach oben. Hier stehen schon Aprilia und MV Agusta Motorräder. Aber das ist erst der Anfang. Die Halle ist recht voll, zwischen vielen Menschen stehen die Motorräder. Ich schaue mich um.

Die lokalen Händler aus einem Umkreis von rund fünfzig Kilometern sind mit jeweils einer Auswahl an Maschinen erschienen. Es ist eigentlich alles da, was Rang und Namen hat. Kawasaki, BMW, Suzuki, Honda, Yamaha, KTM, Royal Enfield, Aprilia, Moto Guzzi, MV Agusta, Triumph... Dazu noch ein Ausstatter für Klamotten und Helme, Bikerland aus Bad Kreuznach.
Bei den Weißblauen treffe ich auch gleich die ersten Bekannten. "Was machst Du denn hier?" fragt mich Achim, während sein Sohn auf der F800GS im 2016er Outfit zur Probe sitzt. "Fährst Du auch Motorrad?" - Ja, so eine. Ich zeige auf die 800er. Er ist beeindruckt. Was ich von der neuen Africa Twin halte, möchte er wissen. Die habe ich mir noch nicht angesehen, da standen zu viele Leute bislang drumherum, ich werde mich aber gleich um sie kümmern. Wir reden noch ein paar Takte, dann kommt auf einmal Michael aus der Menge auf mich zu. "Hallo! Dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen!" Wir begrüßen uns und Michael meint, Chris sei auch hier irgendwo. Ich werde schauen. Wir reden noch ein paar Takte und dann verabreden wir uns für später irgendwo in der Halle.
Aah! Da ist sie ja...!
Mitten in der Halle steht tatsächlich die neue Africa Twin. Achim meint die Front würde ihm besser gefallen, die sei etwas höher als bei den "neuen". Damit meint er die anderen, so wie Gesa. Bei der "Africa Twin" schwingt halt immer noch so etwas von Orignal mit. Auch wenn es das brandneue Modell nach wasweißichvieviel Jahren Pause ist. Ich weiß noch nicht ganz, was ich von dem Design halten soll. Sie wirkt modern, aber es ist etwas an ihr... ich weiß nicht recht wie ich es beschreiben soll. Irgendwas sieht nach 90er aus. Das meine ich gar nicht böse. Vielleicht eine andere Art von Retro? Egal, das Bein locker über die Sitzbank geschwungen und mit Schwung in die Senkrechte. - Das geht überraschend leicht. Sie muss einen enorm tiefen Schwerpunkt haben. Bei Gesa muss ich schon etwas mehr wuchten. Man sitzt nicht unangenehm, der Sitz ist nicht zu hoch, da werden auch Leute mit zurecht kommen, die kleiner als ich sind. Alles wirkt aufgeräumt und überschaubar. So soll es sein. Ich bin jetzt schon unheimlich gespannt darauf, sie mal im Betrieb zu erleben.
Achim macht sich indes auf die Suche nach seinem Sohn und ich schaue mich weiter um. Hinter den Hondas stehen ein paar Yamahas. Ich entdecke etwas grünes zwischen den Maschinen.
Die nagelneue XSR700 ABS. Eh ich es mich recht versehe, nehme ich auf der Sitzbank Platz. Klein, aber nicht winzig. Schade, daß man im Tacho ohne Schlüssel nichts sehen kann. Wenn das nun noch ein klassisches Rundinstrument wäre und nicht nur ein rundes Instrument... - die steht auf jeden Fall auch auf der Liste "fahren wollen"! Wenn man doch bloß so viel Platz und Geld hätte.. Möh.

Wie ich mich rumdrehe, stehe ich vor einer kleinen Hand voll KTM Maschinen. 1290er Adventure, 690er Enduro und die neue 690er Duke. Leider nicht die "R" Version. Auch auf jeden Fall eine von den Maschinen, die im neuen Jahr mal zu fahren sind.
Neben den KTMs stehen Triumphs. Kein Wunder, ist der selbe Händler aus Bad Kreuznach. Ich stehe vor der neuen Street Twin. Das ist das neue Einstiegsmodell der "Bonville" Baureihe. Äußerlich ähnlich wie die "alten", aber im Detail anders. Es gibt jetzt ABS, Ride by Wire, das Cockpit ist etwas aufgeräumter und der Motor hat eine Wasserkühlung. Die Leistung ist bei diesem Basismodell ziemlich gleich geblieben. Es heißt gespannt sein auf die kommende 1200er.

Kaum zu sehen: die Wasserkühlung
Nachdem ich auf einer Kawasaki Vulcan S Probe gesessen habe, komme ich mit einem Mann ins Gespräch. Er meint, so eine kleine Maschine sei doch gar nichts für so eine große Frau wie mich. Kann der Hellsehen? Wir unterhalten uns dennoch nett und irgendwann ziehe ich weiter.
Als ich Michael wiedertreffe, steht Chris auch bei ihm. Wir unterhalten uns eine Weile, dann schauen Chris und ich uns noch mal die Maschinen an. Sie fährt eine F700GS und ist erstaunt, wie gut sie auf der neuen Honda sitzt. Die schaut höher aus, als sie ist. Ein Foto von sich auf der Maschine appt sie sofort an eine Freundin. Ich bemerke Begeisterung...
Nach unserem Rundgang treffen wir Michael wieder und reden Benzin, bis schließlich die Händler anfangen, zusammen zu räumen. Aus meinem Vorhaben, hier mal ein Stündchen hin zu fahren, sind gleich ein paar Stunden mehr geworden.
Als wir aus der Halle kommen, ist es nicht nur lange schon dunkel, es ist auch unangenehm kalt geworden. Die Straßen sind feucht und ziehen etwas an. Ich bin froh, nun doch nicht mit Gesa gefahren zu sein.

Cool, die Motorradausstellung in Nieder Olm hat glaube ich bei mir einen festen Platz im Jahresterminplan gefunden...

Den Kollegen vom Gasgriff - Salat habe ich allerdings leider nicht getroffen. Vielleicht im nächsten Jahr...

Dienstag, 5. Mai 2015

Keilriemenfahrt

+++26.04.2015+++

Als ich durch Oppenheim komme, ist die Strasse naß. Feuerwehrübung? Nein, die müssten viel geübt haben. Das Wasser auf der Strasse muss aus den Wolken über mir stammen. Keine Frage.

Ein paar Kilometer weiter sieht es schon wieder sehr viel besser aus. Es ist nun nur noch ein etwas lebhafter Wind, der ein wenig stört. Ich sause auf der B9 in Richtung Süden und komme Osthofen immer näher. Um 14:00 wollen die weiterfahren! Die Uhr steht auf kurz vor zwei. Das wird knapp. Ich hatte noch gemütlich mit Tom gefrühstückt und dabei die Zeit etwas vernachlässigt.
Ich komme nach Osthofen hinein. Im Netz habe ich schon geschaut gehabt, wo der Borntaler Hof liegt. Ich muss durch die ganze Ortschaft durch und dann links. In der Ferne kann ich jemanden mit einer gelben Weste sehen. Das müssen sie sein. Ich werde in die Strasse rechts eingewunken und parke Gesa unten an der Kreuzung. Da rangieren gerade zwei Harleyfahrer. Die wollen auch das sehen, was ich sehen möchte.
Ich habe noch nicht viel verpasst. Einige Starter sind schon auf der Strecke, aber ich bin ziemlich rechtzeitig noch da.
Auf der Strasse hinter mir höre ich ein schnaufendes, tuckerndes Geräusch. Da kommt einer! Ich bin hin und hergerissen! Sagenhaft!

Ich bin bei der Keilriemenfahrt 2015! Das ist eine Ausfahrt für Motorräder bis zum Baujahr 1914! Also für über hundertjährige! Die zweite Etappe ist eben gestartet und ich bin absolut erstaunt, wie viele es davon noch in vollkommen betriebstüchtigem Zustand gibt.
Das interessiert mich natürlich ganz besonders, denn ich bin nicht die erste in meiner Familie, die ein Motorrad besitzt. Mein Urgroßvater hat 1908 bereits eines, Marke "Magnet", angeschafft und ist damit etwas über ein Jahr unterwegs gewesen, bis es wohl vollkommen verschlissen war.
Wie an einer Perlenschnur

Sehr auffallend: Viele fröhliche Gesichter!
Mit einem der Einweiser unterhalte ich mich ein wenig. Er gibt mir einen Tip zum Streckenverlauf. Zusammen mit den beiden Harleyfahrern mache ich mich auf, zu einem Kreisel kurz hinter dem Ortsausgang von Osthofen. Dort werden die Starter den Berg von Bechtheim hinunterkommen und zurück zum Ausgangspunkt abbiegen.
Wir stehen in der mittlerweile schön scheinenden Sonne und warten auf das Feld. Das lässt auch nicht lange auf sich warten, denn schließlich sollen um 16:30 alle wieder zurück sein.
Der älteste teilnehmende Fahrer
Wohl mit die fröhlichsten teilnehmenden Fahrer
Der wohl eleganteste teilnehmende Fahrer. Er verabschiedete sich später von mir mit Kußhand. Gesa schaut interessiert zu
Als sie alle an mir vorbei sind, mache ich mich auch auf den Weg zum Borntaler Hof um mir die Maschinen mal aus der Nähe anzusehen. Als ich ankomme, ist die Preisverleihung schon im vollen Gange.
So habe ich Gelegenheit mich ungestört umzuschauen. Ich sehe viel Chrom, Messing und schönen Lack, aber auch vollkommen unrestaurierte Exemplare, die den Charme der Jahre tragen, die sie schon unterwegs sind.
Ein Stück Pappe unter dem Motor ist fast obligatorisch.
Triumph und Wanderer haben sich offenbar als besonders langlebig gezeigt. Denn von diesen Marken sind mehrere Motorräder vertreten. Das Miele Motorrad oben ist freilich schon ein wenig jünger als 1914. Sie gehört zu der Sonderwertung der Fahrzeuge bis Baujahr 1924.
Der Antrieb: Aus Leder
Es wird deutlich, warum die Veranstaltung "Keilriemenfahrt" heißt...
Am Cockpit auch hier nur wenig Überraschendes
Insgesamt sind aber zum Fahren einige Hebel mehr als heute von Nöten.
Ob der versprochene Inhalt auch tatsächlich mitgeführt wurde, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Ein Motorrad, wie mein Urgroßvater es gefahren hatte, konnte ich leider keines entdecken, aber ich habe jetzt viel mehr einen Eindruck, wie das damals ausgesehen haben mag, als mein Urgroßvater angerissen hat. Als man mit kaum einer Hand voll PS auf holprigen Wegen sich bereits nah am Geschwindigkeitsrausch wähnte.