Posts mit dem Label Gedanken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gedanken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. August 2019

New Kid on the Blog

 +++11.08.2018+++

Der rote Bahnbus schaukelt der Stadt entgegen. Neben mir liegen die Lederjacke und der Helm. Vor ein paar Wochen war ich schon mal Bus gefahren. Allerdings ohne Lederjacke. Ich hatte nur ein paar Erinnerungen und ein paar Teile, die ich behalten wollte beim letzten Mal dabei. Ich hatte mich getrennt. Getrennt von meinem alten Leben, getrennt von meinen alten Träumen und Hoffnungen, getrennt von meinem alten Beruf. Diese letzte Fahrt war ein echter Einschnitt gewesen. Sie war aber auch der Aufbruch zu etwas Neuem gewesen. Dieses Neue wartete nun in Dreieich, unterhalb von Frankfurt, auf mich.
Von der Bushaltestelle bis zu Tom sind es nur ein paar Meter, die sind mit der neuen Motorradjeans und den etwas leichteren Stiefeln gut zu bewältigen. Nur mit meiner dicken Lederjacke und dem Helm falle ich ewas auf. Dicke Jacke ist heute reichlich overdressed. Tom wartet schon mit Kaffee auf mich, viel Zeit haben wir nicht, denn es ist Sonnabend und da machen die interessanten Läden früh zu. Also gieße ich den heißen Balsam in mich hinein und bald schon rumpelt der Aufzug mit uns in den Keller, wo Toms Auto steht.
In rund einer Dreiviertelstunde Fahrt haben wir uns durch das halbe Rhein - Main - Gebiet katapultiert und stehen in Dreieich vor der BMW Niederlassung. Hier hatte ich meinen Firmenbus neulich abgegeben, hier werde ich heute etwas Neues in Empfang nehmen. Mit Herzklopfen betreten wir den Verkaufsraum. Ich blicke mich um. Mein forschender Blick geht über die Reihen an Motorrädern, die dort versammelt sind. Dort, am Fenster steht sie!
Ich nicke dem Verkäufer zu, der gerade noch anderweitig engagiert ist und wir pirschen uns an. Neu, unberührt, mit Nummernschild, kein Zweifel, das ist sie.
Wir werden noch auf einen Kaffee vertröstet und ziehen ein paar Runden durch den Raum. Die Minuten werden zu Stunden. Dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, kommt der Verkäufer zu uns. Er begrüßt uns, entschuldigt sich für die Verzögerung und bittet uns an die Maschine.
Die wesentlichen Dinge sind rasch erklärt, viel hat sie nicht, keinen großartigen elektronischen Klimbim, reduziert auf das, was man wirklich braucht. Ich bekomme noch eine Tasche mit Waschlotion für Mensch und Maschine mit und wird sie auch schon raus auf die Straße geschoben. Noch einen Hinweis zu den Reifen, und daß sich schon Mancher mit der funkelnagelneuen Maschine auf den ersten Metern auf den Appel gelegt hätte, dann werden Hände geschüttelt und ich stehe mit ihr da. Tom holt bereits das Auto, ich fummele mich in die Jacke hinein, setze den Helm auf und stopfe die Hände in die Handschuhe. Der Schlüssel steckt, also Bein über die Sitzbank, Schlüssel gedreht und Startknopf gedrückt: "Wrommm!" startet der Motor. Die Maschine schüttelt sich und brabbelt im Standgas. Ich schubse mich zurück, stelle die Spiegel ein, entdecke Tom hinter mir und lasse den ersten Gang einrasten. Klick. Langsam das Gas aufgedreht, die Kupplung kommen gelassen, wir fahren.
Ich bin eine solche Maschine schon gefahren, auch schon die Schwestern, aber mit der eigenen ist das doch noch was anderes. Ich biege an der Ampel rechts ab und wir fahren ein kurzes Stück Autobahn, bevor wir wieder auf die Landstrasse zurückkehren werden. Ich möchte eigentlich nicht gleich als erstes ein schnelleres Stück fahren, also belasse ich es bei 80 Km/h. Die nächste Ausfahrt, nach ein paar Kilometern, ist bereits wieder unsere. Danach geht es sehr behutsam durch den südlichen Speckgürtel von Frankfurt, bis wir bei Rüsselsheim wieder die Autobahn zu fassen bekommen. Durch Rüsselsheim durch, das möchte ich Tom nicht antun, also fahren wir gemütlich auf der Autobahn. In Mainz Hechtsheim, noch vor dem Tunnel fahren wir wieder ab und nehmen den Weg durch die Stadt. Bei Tom angelangt, lässt er mich in die Tiefgarage fahren und mich auf seinen Platz stellen. Er selbst parkt draußen irgendwo. Der Motor dröhnt in der Tiefgarage. Ich drehe den Schlüssel, Brapp, aus.
Den Nachmittag verbringen wir in der Mainzer Neustadt, ohne Motorrad, bei den Hofflohmärkten, gegen Abend, kurz bevor es dunkel wird, mache ich mich dann auf den Weg nach Hause. Unterwegs geht die Tankleuchte an, wie versprochen hält die Tankfüllung nicht allzulange.
Am nächsten Tag bin ich früh auf den Beinen und stehe drüben in der Garage. Gesa schaut etwas neidisch auf die Neue im Stall. Ich drehe eine Runde über Laubenheim und Rheinhessen und bin am frühen Nachmittag wieder da. Ein seltsames Gefühl. Die letzten Wochen waren voll von Wechselbädern der Gefühle, dies ist eines davon. Unter anderen Umständen würde ich mich vermutlich noch viel mehr freuen können. So ist es ein sehr seltsames Gefühl, das ich habe. Ich kann es schwer beschreiben. Es ist toll, aber auch traurig, ich bin etwas leer, aber dennoch stolz und auch ein wenig glücklich.
Am Sonntag drauf drehe ich auch wieder eine kleine Runde, diesmal mit einer "richtigen" Kamera ausgestattet. Ich suche mir eine schöne Location und platziere die Maschine. Das Fotografieren fällt mir schwer, ich kann auf der Mattscheibe der Kamera kaum sehen, ob die Bilder scharf sind, oder nicht. Auch auf dem Monitor kann ich es mehr ahnen, als daß ich es genau sehen kann.









Eigentlich ist es Wahnsinn, mit diesen Augen noch Motorrad zu fahren. Aber andere habe ich in diesem Moment nicht. Ich bin noch hin und hergeworfen in meinen Gefühlen. Da ist Angst, ja auch etwas Panik, da ist Ungewissheit und ein großes schwarzes Loch vor mir. Dennoch spule ich bis zum Winter knapp tausend Kilometer mit der Neuen, noch Namenlosen ab. Bis ich im späten Winter endgültig beschließe es zu lassen, bis sich durch die nun endlich anstehenden Operationen Klarheit über die Zukunft zeigen wird.
Über den Winter habe ich auch Zeit, mich an die Neue etwas anzunähern. Und ihr einen Namen zu geben.
Ladies and Gentlemen, darf ich vorstellen? Paula. Von ihrem Charakter ist sie so, wie man sich eine berliner Göre vorstellt. Und die muss eigentlich Paula heißen. Und sie kommt ja auch aus Berlin.
Ein paar Tage später klingelt des Sonnabends der Paketbote. Es ist Post von BMW.


Eine Broschüre...

...und ein Halstuch. Beim letzten Mal gab es einen USB Stick.

Freitag, 26. Januar 2018

Ich glaub es geht schon wieder los...

+++21.01.2018+++


Es ist kurz nach ein Uhr Mittags. Es ist Sonntag. Eigentlich sollten die Leute jetzt einen zünftigen Schweinebrateneinwurf zu Hause tätigen. Eigentlich. Was machen die also alle jetzt hier?

Ich bin auf dem Weg hinaus nach Nieder Olm, wie jedes Jahr gegen Ende Januar. Heute ist wieder die alljährliche Motorradausstellung des MC "The Bikers". Auch schon fast traditionell ist, daß ich mit dem Auto anreise. Und mich schon wieder darüber ärgere. Aber ich habe im Anschluss noch eine weitere Veranstaltung und kann nicht noch mal nach Hause fahren. Also suche ich nach einem Parkplatz und stelze danach am Straßenrand entlang in Richtung Halle.
Vor dem Eingang wieder eine recht lange Schlange. Allerdings geht es dennoch schnell vorwärts. Jeder zahlt drei Euro, das sind beste Vorkriegspreise, und bekommt einen Stempel auf den Handrücken dafür. Ich bin drin. Zunächst schwimme ich mit den anderen mit und komme so die Treppe hoch und in die Halle.
Überall Menschen. Es ist wirklich gut besucht. Von den Motorrädern sieht man dadurch fast nichts. Bei den ganzen Leuten ist es nicht verwunderlich, daß ich bald jemand bekanntes treffe. Er schwingt gerade sein Bein über die Sitzbank der neuen BMW G310GS. "Mehr Motorrad brauchst du doch eigentlich nicht. Mehr als 38 PS kann man eh nicht fahren!" Mit diesen Worten reicht er mir die Hand zur Begrüßung. Wir taxieren das Motorrad mit fachmännischem Blick, nicken mit unseren weisen Häuptern und loben die solide Bauart. Wie man das eben so macht.
Danach erzählt er mir von seinem letzten Frankreichabenteuer, wo er 40 Euro Strafe zu bezahlen hatte, weil er im Stau seine Handschuhe ausgeogen und den Motor laufen gelassen hatte.Er hätte gleich per App bezahlen können. Hm. Da fahren wir auch nicht mehr hin... Ich ziehe weiter und bleibe bei Triumph hängen. Die neue Street Scrambler habe ich im Original noch nicht wirklich gesehen.
Den Quatsch mit dem Öleinfüllstutzen haben sie wieder so gemacht, wie bei der alten Scrambler. Und der Auspuff gefällt mir nicht so gut, wie bei der alten.
Dafür ist er offenbar besser wärmeisoliert. Auch hier treffe ich wieder vertraute Gesichter. Achim, den ich schon vor zwei Jahren hier getroffen habe, ist diese Jahr mit Moni, seiner Frau hier. Wir schauen uns die Triumphs gemeinsam an und wenden uns dann anderem zu. Hinter uns steht die neue Royal Enfield Himalayan.





Wir sind erstaunt. Für das Geld bekommt man eine Menge Motorrad. Das ist zwar kein PS - Monster, aber macht keinen schlechten Eindruck. Es ist alles dran, sogar ein Hauptständer.
Nur der Schnabel und das darunterliegende Schutzblech irritieren mich ein wenig.
Bei Honda diskutieren wir noch kurz den X-ADV: Mit dem Gedanken, einen Roller zu fahren, können sich beide nicht anfreunden. Sollten sie aber. Das Ding ist wirklich spannend. Allerdings nicht ganz billig. Schließlich landen wir wieder bei BMW und besehen uns die Urban GS.
Wer auf die Idee kommt, eine "Enduro" mit verchromtem Krümmer zu ordern, ist uns allen schleierhaft. Aber, die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.
Ich schleiche im Anschluss noch um ein paar Moto Guzzis und bewundere den verchromten Tank einer VIII 50 Years Edition,

tauche noch mal ab in den Keller und bin dann auch schon wieder verschwunden. Obwohl ich nicht das Gefühl habe, sind gute zwei Stunden vergangen und ich muss mich sputen, wenn ich heute noch etwas anderes machen möchte.

Ich mag diese Motorradausstellung in Nieder Olm. Sie ist klein und familiär. Hier trifft man eigentlich immer Bekannte und kann mit ihnen fachsimpeln. Zum Jahresanfang gibt es ja in vielen Städten ähnliche Ausstellungen, wo die lokalen Händler sich präsentieren und zeigen, was es alles Neues gibt in diesem Jahr.


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Besuch bei alten Damen

*07.05.2017*
Der Blick aus dem Fenster lässt nichts Gutes ahnen. Es ist grau und die Straße sieht feucht aus. Um das zu erkennen, brauche ich keine Brille. Ich verschwinde im Bad und mache mich fertig. Ein Blick noch auf die Wetterapp, es wird heute auf jeden Fall noch mehr Regen geben, und danach gehe ich erst einmal hinunter zum Frühstück.
Unten sind schon einige im Aufbruch begriffen, andere dagegen offenbar noch gar nicht aufgestanden. Ich suche mir die Dinge her, die ich gerne mag und suche mir einen freien Platz. Die Gespräche drehen sich um Touren, die man schon gefahren ist, um Sitzhöhen und um blöde andere Motorradfahrer. Im Prinzip ist das wie eine Facebookgruppe. Nur in echt.

Nach dem Frühstück gehe ich, meine restlichen Sachen zu verpacken und trage die Koffer runter zu Gesa. Ich habe im Ganzen drei Gepäckstücke plus den Helm. Und mich. Als ich vor die Türe trete, ist es zwar trocken, aber der Regen hängt noch in der Luft. Ich wische das Wasser von Gesas "Tank" und schnalle den Tankrucksack auf ihr fest. Das Bremsscheibenschloss kommt in seinen Beutel und in den Tankrucksack und danach die beiden Koffer an ihre Halter. Hinter mir werden schon die ersten Motoren gestartet und es kommt langsam Bewegung in die Gruppe. Der Hund des Hauses tapert durch die Reihen der Motorräder und lässt sich von allen nacheinander den Rücken kratzen.
Ich laufe noch mal rasch in das Haus und bezahle mein Zimmer und danach bin ich im Prinzip reisefertig. Einen Plan, wie ich fahren möchte, habe ich auch schon. Mittlerweile setzt das große Aufbrechen ein.
Es wird sich gegenseitig gedrückt, gewinkt und gerufen und dann fahren einzelne, oder kleine Gruppen davon. Ich bin eine von den letzten, die losfahren.

Meine Strecke führt mich zunächst in Richtung Trier. Eine Weile folgt mir noch Claudia mit ihrer W800, aber dann biegt sie irgendwann ab und fährt in Richtung Mosel weiter. Ich habe keine Lust auf die Serpentinen bei dem Wetter und halte weiter auf Trier zu. Die Straße ist zum Teil schnurgerade und gut ausgebaut. Es gibt irgendwo ein altes Rasthaus und Gesa und ich kommen durch ein oder zwei langezogene Dörfer. Hier möchte ich nicht wohnen. Weder jetzt bei Regen, noch im Sommer, wenn alles heiß und staubig ist.
Trier kommt näher. Der Verkehr wird etwas dichter und es hat leicht angefangen zu regnen. Die Straße ist nass und es geht in langen Kurven in Richtung Moselbrücke hinab. Trier selbst werde ich auch dieses Mal links liegen lassen. Trier ist eigentlich eine ganz nette Stadt, hier kann man gut einkaufen, allerdings nicht an einem Sonntagvormittag und bei Regen schon gar nicht. Aber das Schicksal teilt sie mit vielen Städten. Triers größter Nachteil ist, daß es immer weit weg ist. Man fährt ewig, bis man dort ist. Früher, als die Straßen im Hunsrück noch nicht so gut ausgebaut waren. war das wirklich ein übler Ritt. Aber auch heute ist das, selbst wenn man forciert fährt, von Mainz eine Tour von gut zweieinhalb Stunden.
Ich möchte heute nicht auf der Autobahn die Stadt verlassen, sondern habe mir eine Straße herausgesucht, die etwas versteckt verläuft. Ich muss hinter dem Verteilerkreisel nur der Straße parallel der Autobahn folgen, so wie ich es im Herbst vor drei Jahren auch getan habe und dann abbiegen. So der Plan. Bald nach dem Kreisel werde ich zunächst einmal auf eine Umleitung geschickt. Diese führt um die zentrale Flüchtlingsaufnahmestelle herum und leitet mich ein paar hundert Meter weiter doch wieder auf die Straße, auf die ich eigentlich wollte.
Meine Stelle, an der ich abbiegen möchte, finde ich, wenn auch nicht gleich, und gelange in ein schmales Tal. Dieses Tal erweitert sich bald und ich fühle mich ein wenig wie im Allgäu.

Die Straße schlängelt sich noch durch einen Vorort und beginnt dann anzusteigen. Das wird vermutlich früher, bevor es die Autobahn gab, der Hauptverkehrsweg gewesen sein. Heute ist es eine unbedeutende Straße, die sich dem Verlauf der Landschaft folgend, den Berg hinaufwindet. Oben angekommen, brauche ich nur noch den Wegweisern nach Hermeskeil zu folgen. Ich habe die Autobahn gequert und fahre vorbei an Hinzert. Hier gibt es eine KZ - Gedenkstätte, eine von zweien in Rheinland - Pfalz. In Hinzert waren in der Mehrzahl luxemburgische Gefangene festgehalten und gequält worden. Es war, ähnlich wie Osthofen kein Vernichtungslager und hatte auch nicht die Ausmaße, wie etwa Bergen Belsen, Dachau, oder Buchenwald. Aber es war da und es hat Menschenleben gekostet. Menschenleben eigentlich völlig unbescholtener Bürger. Deren Fehler es häufig war, den verkehrten Geburtseintrag gehabt zu haben, oder eine von der vorgegebenen Meinung abweichende Haltung.
Diesen Gedanken hänge ich noch nach, als ich nach ein paar Kilometern Hermeskeil erreiche. Ich komme einen Hügel hinabgefahren, rechts an der ehemaligen Kaserne vorbei und biege in die Ortschaft ab. An der Unterführung unter der Eisenbahn sehe ich eine Hinweistafel auf das Dampflokmuseum. Hier bin ich mit meinen Vater irgendwann Ende der 80er, Anfang der 90er ein oder zwei Mal gewesen. Das war eine irre Ansammlung alter, verrosteter, teils verrotteter Lokomotiven. Manche waren damals schon kaum mehr als ein Torso.
Eigentlich mal wieder Zeit, bei den alten Damen vorbeizuschauen. Heute ist Sonntag, vielleicht ist ja geöffnet? Ich biege in Richtung Bahnhof ab. Hier gibt es einen kleinen Busbahnhof und ein altes Empfangsgebäude. Daß sich hier wirklich etwas abspielt, das kann man sich kaum vorstellen. Ich parke Gesa vor dem Bahnhofsgebäude und nehme meinen Tankrucksack und den Helm.
Es ist ein hoher, grüner Metallzaun um das Gelände gezogen, um es vor Piraten zu schützen. Es gibt eine Pforte, die allerdings verschlossen ist und eine Klingel. Bei der Klingel hängt ein Schild "geöffnet" und der Hinweis, man möge die Klingel betätigen, wenn man hinein wollte. Ich tue, wie mir geheißen wurde und warte. Nach einem kurzen Moment erscheint ein älterer, etwas vollschlanker Mann im Bild und kommt auf die Pforte zu. Vermutlich hat er auf eine Gruppe, oder mindestens Familie gehofft. Er öffnet mir, begrüßt mich und geht mit mir vor zum Lokomotivschuppen. Hier kassiert er meinen Eintritt und gibt mir ein kleines Faltblatt und danach darf ich alleine auf Erkundung gehen.
Vor dem Lokschuppen findet sich eine kleine Drehscheibe und dahinter erstreckt sich das Areal. Ich kann schon eine Menge alter Lokomotiven erkennen, manche sind zugedeckt, ein oder zwei sogar eingerüstet. Hier schient sich doch noch etwas zu tun. Ich betrete den Lokschuppen. Im Halbdunkel der Rotunde türmen sich stählerne Ungetüme vor mir auf. Unter den schwarzen findet sich auch ein rotes Ungetüm, eine Diesellok russischen Fabrikats.
Ich schlendere um die riesigen Lokomotiven. Der Geruch von altem Schmieröl und Staub liegt in der Luft. Es ist ein ganz eigentümlicher Geruch, der da hängt. Man findet ihn in vielen dieser alten Lokomotivschuppen. Neben der Ölnote ist da auch noch etwas anderes. Etwas, das an Kohle und Feuer erinnert.
Einen  Moment denke ich noch, vielleicht gesellt sich der Mann vom Eingang noch zu mir und erzählt etwas zu den Exponaten, aber außer daß jemand ein Licht anknipst und dann wieder verschwindet, passiert nichts. Ich schaue mir alles ganz alleine an, niemand hindert mich, in einen Führerstand zu steigen, oder Fotos zu machen.


Nach einer Weile trete ich wieder vor die Tür und sehe mich auf dem Gelände um. Hier sieht es wirklich eher wie ein Lokfriedhof aus. In langen Reihen sind sie abgestellt, Maschinen, hauptsächlich aus der ehemaligen DDR, in allen Erhaltungszuständen.
Manche sind offenbar schon als Schrott, oder als Torso, oder Dampfspender hier angekommen. Zwischen den Dampflokomitven finden sich auch ein paar alte grüne Elektrolok.
Auch hier ist alles dabei, von noch fast OK bis ziemlich verrottet. Ich schaue in den Sandkasten bei einer dieser Ellok. Da ist sogar noch Sand drinnen. Man hat sie einfach so wie sie waren hier hergebracht, ohne sie zu konservierern.
Weiter hinten wachsen ein paar sehr alt aussehende Maschinen in den Boden. Sie müssen aus Rumänien oder so gekommen sein.  An ihren Seiten tragen sie fremdländische Zeichen. Der Zustand ist allerdings auch hier mehr als erbärmlich.
Ich mache ein paar Bilder und gehe eine andere Reihe zwischen den Lokomotiven wieder zurück zum Lokschuppen. Hier stehen auch etliche alte Dampflokomotiven in bisweilen recht fragwürdigem Zustand.
Aber es ist dennoch hochinteressant so alleine dort zwischen den alten Dampfrössern umherzustöbern. An manchen sieht man noch alte Anschriften, manche waren mobile Dampfspender und wurden für diese Aufgabe auf das nötigste reduziert, andere tragen noch die letzte Beheimatung an ihren Führerhäusern.
Ich mache noch eine Runde um die Drehscheibe und finde mich dann wieder beim Lokschuppen ein um meinen Helm und den Tankrucksack abzuholen. 
Der Mann, der mich eingelassen hat, ist nicht mehr dort, statt seiner passt nun eine ältere Asiatin auf die Ausstellungsstücke auf. Sie spricht nur wenig Deutsch und so kommt kein wirklicher Dialog zustande. Ich nehme meine Sachen und verabeschiede mich. 
Gesa wartet immer noch artig vor dem Bahnhofsgebäude auf mich und nach ein paar Augenblicken habe ich mich fertig gemacht und lasse den Motor an. - Was ist das? "Lamp" steht da in der Anzeige. Ich halte die Hand vor den Scheinwerfer. Es ist klar, die Abblendlichtbirne ist kaputt. Hm. Sonst ist sie entweder bei Louis vor der Tür kaputt gegegangen, oder bei mir zu Hause. Wo soll ich denn hier so eine Lampe herbekommen? - Moment, da war doch diese Tankstelle vorhin, als ich in den Ort fuhr. Ich drehe mich um und kann ihre Rückseite sehen. Ich fahre also eine kleine Wende und schwenke auf den Hof der Tankstelle ein. Da Gesa ganz normale Lampen braucht, habe ich keine Probleme, im Laden eine zu finden. Das Auswechseln ist bei Gesa kindereinfach, ich muss nur mit der Hand unter das Anzeigeinstrument greifen und dort einen Deckel abdrehen. Dann komme ich ganz bequem und ohne Werkzeug an die Lampe. 
Nach wenigen Momenten ist das Missgeschick ausgebügelt und wir haben wieder volles Licht. Das ist auch gut, denn der Himmel ist nach wie vor düster und es liegt Regen in der Luft. 

Ich verlasse Hermeskeil in Richtung Nonnweiler. Es ist keine allzugroße Straße, die ich da fahre. Ich komme durch Nonnweiler, sehe den Autohändler, bei dem ich mal vor ein paar Jahren gestrandet bin und brumme weiter in Richtung Birkenfeld. Ein paar Dörfer später rolle ich auch hier durch eine sonntäglich ausgestorbene Stadt. Ich fahre auf die Bundeststraße nach Idar Oberstein. Der Himmel ist noch düsterer, als er es ohnehin schon gewesen ist. Bis Niederbrombach komme ich, dann bricht der Regen los. Ich kann mich auf einem Schulparkplatz eben noch unterstellen. Nach ein paar Minuten, als ich schon zu Gesa laufen und meine Regenkombi aus dem Koffer holen will, hört es eben so schlagartig wieder auf zu regnen, wie es angefangen hatte. Ein paar Tropfen noch und dann ist wieder tiefster Friede. Ich schaue mich ungläubig um. Ein Blick auf die Wetterapp, nö, das war's erst mal. Also weiter. Ich komme nach ein paar Kilometern nach Idar Oberstein hinein. Wie ich gerade in die Stadt heineinfahre, ruft mein alter Kollege Dieter an. Da ich aber eine Freisprechanlage im Helm habe, muss ich nicht anhalten.
Ich fahre auf der Nahe, die man hier einfach überbaut hat und durch einen Tunnel und bin auch schon wieder draußen. An diesem Sonntagmittag ist nicht viel los und ich komme gut vorwärts. Links ab geht es zu dem Dorf, in dem das unglückliche Mädchen gewohnt hatte, mit dem ich vor ein paar Jahren beruflich einmal zu tun gehabt hatte. Sie hatte sich zu einer dieser Reality - TV Shows angemeldet und ist dort ziemlich übel über den Tisch gezogen worden. Ihre Geschichte hat später sehr traurig geendet. Ein Glück hat sie nie gefunden. Im letzten Sommer füllten Meldungen die Tagespresse, daß sie von ihrem neuen Freund in Mecklenburg ermordet worden sei.
Mit diesen Gedanken rolle ich an der Nahe entlang. Das Wetter verschlechtert sich. Ich sehe die Regenwolken. Es besteht kein Zweifel, trocken komme ich nicht nach Hause. Kurz vor Monzingen fängt es richtig an zu regnen und es sieht diesmal nicht nach einem Schauer aus. Ich suche mir einen Platz, an dem ich meine Regenkombi anziehen  kann. Ich biege an der Ampel ab und fahre hinter einem Bahnübergang links. Dort ist ein kleines Haltestellenhäuschen. Hierhin flüchte ich mich. Wie ich mich wieder fertig mache, um weiterzufahren fällt mein Blick auf ein paar verwelkte Blumen und eine kleine Tafel. Hier ist ein Unfall gewesen, bei dem ein Zug das Auto von fünf jungen Männern erfasst hatte. Urg. Ich sehe zu, daß ich diese Stelle verlasse.
Der Regen hat zugenommen und es hat sich richtig eingeregnet. Ich spule einfach meine Kilometer herunter. Durch die Gischt der Autos ist mitunter kaum etwas zu sehen. Ich bin froh, wenn ich nachher zu Hause bin. Als ich an Bad Kreuznach vorbei bin, ist es nicht mehr weit.
Ein paar Kilometer noch über Land und dann tickt Gesa auch schon wieder in ihrer Garage. Die Regenkombi, die Koffer und Gesa sehen aus, als wäre ich sonstwo gewesen. Überall ist Sand und Dreck. Ich stelle erst einmal alles in den Flur und pelle mich aus der gelben Hülle. Jetzt erst einmal in normale, trockene Klamotten und danach einen Kaffee!



Das war ein wirklich tolles Wochenende! Es war anstrengend, aber auch sehr schön. Es hat riesigen Spaß gemacht, die ganzen Leute wiederzusehen und mit ihnen eine schöne Zeit zu haben.
Montag werde ich wieder in aller Herrgottsfrühe aufbrechen müssen, um in Frankfurt die Schulbank zu drücken. Aber nur noch für ein paar Wochen!