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Donnerstag, 2. Januar 2020

Neue Mütze. Neu gekauft: Arai Profile V

Ja ja, das Alter. Wir sind alle nicht davon verschont. So auch Motorradhelme. Meine bisherigen Helme kommen so langsam in die Jahre. Mittlerweile sind sie beide fünf Jahre alt und fangen, zumindest im Falle des weißen Schuberts, an, seltsam zu knarzen. Deswegen ist die Idee eines Ersatzes nicht so ohne Weiteres vom Tisch zu fegen.
"Alles Neu macht der Mai." sagt ja der Volksmund, der so oft ja schon seinen Senf dazu gegeben hat. Also stehe ich im Mai, kurz nach der letzten OP, nach meinem Augenarzttermin, bei einem Händler im Norden Frankfurts und schaue mir die Auslage an. Ich suche etwas ganz bestimmtes. Einen neuen Helm. Nun kann man Helme auch bei den einschlägigen anderen Adressen kaufen, aber Arai ist etwas dünn gestreut in der Verbreitung.
Warum denn unbedingt Arai? Ich hatte mich in der motorradlosen Zeit im Netz und in Katalogen umgesehen, war Anfang des Jahres in Wiesbaden auf einer Messe gewesen und hatte dort auch was aufprobiert, aber das war alles nicht das, was ich wollte. Ich wollte einerseits mal ausprobieren, wie die Welt ohne Klapphelm aussieht und ich wollte etwas haben, was gut aussieht und einigermaßen sicher ist. So landet man bei Arai. Dann sah ich, daß es mit dem Profile V einen neuen Helm von denen gibt, der sozusagen das Einstiegsmodell ist und daraufhin stand der auf der Liste. Als ich dann noch eines Sonntagnachmittags in der Gasgriffsalat - Redaktion die Chance bekam, einen aufzuprobieren, wurde er der Favorit.

Bei dem Händler in Frankfurt bin ich schon mal vor zwei Wochen gewesen und habe geschaut, aber da war er noch nicht lieferbar. Jetzt sieht die Situation anders aus. Er ist auch in der Farbe vorrätig, die ich mir vorstelle und so dauert es nicht allzulange, bis die EC - Karte über den Tresen gereicht wird.
Der Helm ist sehr bequem, sieht ur - fesch aus und er passt praktisch wie angegossen. Das ist bei mir nichtg selbstverständlich, wenn ich an frührere Versuche denke, mir einen anderen Helm anzusehen. Ich erinnere mich daran, daß ich bei Louis in Mainz einen Helm probiert hatte, und bei der größten verfügbaren Größe gab es noch Probleme, den Helm über den Kopf zu bekommen. Als er dann saß, meinte der Verkäufer, der müsste aber noch tiefer sitzen. Das ging aber nicht. Was auch nicht ging, war den Helm wieder abnehmen. Der Verkäufer zog und ich drückte. Ich dachte schon, der reißt mir gleich die Nase ab. Kurz bevor die Flex die letzte Lösung gewesen wäre, haben wir ihn dann noch vom Kopf bekommen. 
Zurück zum Provile V. Wenn ich mit Paula unterwegs bin, dann ist er sehr leise, leiser als alles, was ich bis dato gefahren bin. Das sieht auf Gesa anders aus. Da ist er einiges lauter als der Schubert, oder der BMW - Helm. 
Wenn man das Portemonnaie in der Tasche und noch eine Jacke darunter hat, trägt das freilich etwas auf...
Er liegt auf beiden Motorrädern perfekt im Wind, auch wenn ich den Kopf drehe, gibt es keinen unangenehmen Druck. Die Belüftung ist sehr gut. Ich hatte zunächst Bedenken gehabt, da im oberen Teil des Visiers zwei Lüftungsklappen eingelassen sind, daß es an den Augen ziehen könnte. Diese Sorge ist unbegründet, denn hinter diesen Öffnungen befinden sich Lüftungskanäle.
Lufteinlass an der Visieroberkante.

Es gibt im oberen Helmbereich noch mal zwei kleine Öffnungen,
und unten vorm Kinn eine Klappe.
Nein, das ist kein Münzeinwurf.
Allerdings, die meiste Luft saugt er von unter dem Kinnteil an. Das kann an einem kühlen Herbstmorgen schon mal sehr frisch werden, es ist allerdings im Sommer höchst angenehm.
Da der Helm keine eingebaute Sonnenblende hat, Arai verzichtet aus Stabilitätsgründen auf so etwas, kommt hier die Sonnenbrille häufig zum Einsatz. Es gibt allerdings noch ein interessantes System mit einer aussenliegenden Sonnenblende, das habe ich aber noch nicht ausprobiert.
Arai, ein japanisches Traditionsunternehmen, macht manche Dinge anders, als die anderen Hersteller. Das fängt mit der Sonnenblende an und geht mit der runden Schalenform weiter, die eine möglichst ideale Kugelform hat. Dies hat den Sinn, daß der Helm bei einem Unfall gut gleiten soll. Es soll möglichst keine Teile geben, die irgendwo hängenbleiben können. Die Abdeckung des Luftauslasses an der Helmrückseite ist nur draufgeklipst und schert ab, sobald etwas dagegen schlägt. Auch die Art des Öffnungsmechanismus für das Visier ist anders als bei anderen Herstellern. Arai hat sich hier an der Formel Eins orientiert.

Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, man muss sich insbesondere daran gewöhnen, daß man ihn nur mit der linken Hand öffnen kann. Am Rennsport hat man sich auch mit dem Verschluss gehalten, das ist nämlich ein Doppel - D - Verschluss.

Wie sich der Arai bei Nässe schlägt, das habe ich noch nicht ausprobieren können, ich hatte dieses Jahr nicht das Glück, oder Pech, bei Regen gefahren zu sein. Für die nächsten Jahre wird er aber mein bevorzugter Begleiter sein. Demnächst werde ich auch mal das Pro - Shade System ausprobieren, mal sehen, wie sich das macht. Denn die fehlende Sonnenblende ist das einzige Manko. Klar, ich könnte auch ein getöntes Visier nehmen, aber da habe ich dann halt immer nur die Sonnenscheinlösung. Ich werde am Ball bleiben.
Wenn man die Seitenklappen abnimmt, sie hängen unverlierbar am Helm, kommt man an den Visiermechanismus
Der Arai Profile V ist ein moderner Helm, der quasi die Einsteigerklasse bei Arai darstellt. Es gibt ihn in einer Reihe an Farben, nicht nur in Modern Grey, wie ich ihn habe, sowie in diversen bunten Dekors. Die Verarbeitung ist top, einziges Manko ist, daß sich bei jedem Absetzen das Kinnpad löst und ich es wieder reindrücken muss. Das ist mit dem Fingernagel aber rasch erledigt.
Damit kann ich aber leben. Nichts desto trotz gibt es von mir ein klares Daumen hoch für diesen Helm.

Donnerstag, 29. August 2019

New Kid on the Blog

 +++11.08.2018+++

Der rote Bahnbus schaukelt der Stadt entgegen. Neben mir liegen die Lederjacke und der Helm. Vor ein paar Wochen war ich schon mal Bus gefahren. Allerdings ohne Lederjacke. Ich hatte nur ein paar Erinnerungen und ein paar Teile, die ich behalten wollte beim letzten Mal dabei. Ich hatte mich getrennt. Getrennt von meinem alten Leben, getrennt von meinen alten Träumen und Hoffnungen, getrennt von meinem alten Beruf. Diese letzte Fahrt war ein echter Einschnitt gewesen. Sie war aber auch der Aufbruch zu etwas Neuem gewesen. Dieses Neue wartete nun in Dreieich, unterhalb von Frankfurt, auf mich.
Von der Bushaltestelle bis zu Tom sind es nur ein paar Meter, die sind mit der neuen Motorradjeans und den etwas leichteren Stiefeln gut zu bewältigen. Nur mit meiner dicken Lederjacke und dem Helm falle ich ewas auf. Dicke Jacke ist heute reichlich overdressed. Tom wartet schon mit Kaffee auf mich, viel Zeit haben wir nicht, denn es ist Sonnabend und da machen die interessanten Läden früh zu. Also gieße ich den heißen Balsam in mich hinein und bald schon rumpelt der Aufzug mit uns in den Keller, wo Toms Auto steht.
In rund einer Dreiviertelstunde Fahrt haben wir uns durch das halbe Rhein - Main - Gebiet katapultiert und stehen in Dreieich vor der BMW Niederlassung. Hier hatte ich meinen Firmenbus neulich abgegeben, hier werde ich heute etwas Neues in Empfang nehmen. Mit Herzklopfen betreten wir den Verkaufsraum. Ich blicke mich um. Mein forschender Blick geht über die Reihen an Motorrädern, die dort versammelt sind. Dort, am Fenster steht sie!
Ich nicke dem Verkäufer zu, der gerade noch anderweitig engagiert ist und wir pirschen uns an. Neu, unberührt, mit Nummernschild, kein Zweifel, das ist sie.
Wir werden noch auf einen Kaffee vertröstet und ziehen ein paar Runden durch den Raum. Die Minuten werden zu Stunden. Dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, kommt der Verkäufer zu uns. Er begrüßt uns, entschuldigt sich für die Verzögerung und bittet uns an die Maschine.
Die wesentlichen Dinge sind rasch erklärt, viel hat sie nicht, keinen großartigen elektronischen Klimbim, reduziert auf das, was man wirklich braucht. Ich bekomme noch eine Tasche mit Waschlotion für Mensch und Maschine mit und wird sie auch schon raus auf die Straße geschoben. Noch einen Hinweis zu den Reifen, und daß sich schon Mancher mit der funkelnagelneuen Maschine auf den ersten Metern auf den Appel gelegt hätte, dann werden Hände geschüttelt und ich stehe mit ihr da. Tom holt bereits das Auto, ich fummele mich in die Jacke hinein, setze den Helm auf und stopfe die Hände in die Handschuhe. Der Schlüssel steckt, also Bein über die Sitzbank, Schlüssel gedreht und Startknopf gedrückt: "Wrommm!" startet der Motor. Die Maschine schüttelt sich und brabbelt im Standgas. Ich schubse mich zurück, stelle die Spiegel ein, entdecke Tom hinter mir und lasse den ersten Gang einrasten. Klick. Langsam das Gas aufgedreht, die Kupplung kommen gelassen, wir fahren.
Ich bin eine solche Maschine schon gefahren, auch schon die Schwestern, aber mit der eigenen ist das doch noch was anderes. Ich biege an der Ampel rechts ab und wir fahren ein kurzes Stück Autobahn, bevor wir wieder auf die Landstrasse zurückkehren werden. Ich möchte eigentlich nicht gleich als erstes ein schnelleres Stück fahren, also belasse ich es bei 80 Km/h. Die nächste Ausfahrt, nach ein paar Kilometern, ist bereits wieder unsere. Danach geht es sehr behutsam durch den südlichen Speckgürtel von Frankfurt, bis wir bei Rüsselsheim wieder die Autobahn zu fassen bekommen. Durch Rüsselsheim durch, das möchte ich Tom nicht antun, also fahren wir gemütlich auf der Autobahn. In Mainz Hechtsheim, noch vor dem Tunnel fahren wir wieder ab und nehmen den Weg durch die Stadt. Bei Tom angelangt, lässt er mich in die Tiefgarage fahren und mich auf seinen Platz stellen. Er selbst parkt draußen irgendwo. Der Motor dröhnt in der Tiefgarage. Ich drehe den Schlüssel, Brapp, aus.
Den Nachmittag verbringen wir in der Mainzer Neustadt, ohne Motorrad, bei den Hofflohmärkten, gegen Abend, kurz bevor es dunkel wird, mache ich mich dann auf den Weg nach Hause. Unterwegs geht die Tankleuchte an, wie versprochen hält die Tankfüllung nicht allzulange.
Am nächsten Tag bin ich früh auf den Beinen und stehe drüben in der Garage. Gesa schaut etwas neidisch auf die Neue im Stall. Ich drehe eine Runde über Laubenheim und Rheinhessen und bin am frühen Nachmittag wieder da. Ein seltsames Gefühl. Die letzten Wochen waren voll von Wechselbädern der Gefühle, dies ist eines davon. Unter anderen Umständen würde ich mich vermutlich noch viel mehr freuen können. So ist es ein sehr seltsames Gefühl, das ich habe. Ich kann es schwer beschreiben. Es ist toll, aber auch traurig, ich bin etwas leer, aber dennoch stolz und auch ein wenig glücklich.
Am Sonntag drauf drehe ich auch wieder eine kleine Runde, diesmal mit einer "richtigen" Kamera ausgestattet. Ich suche mir eine schöne Location und platziere die Maschine. Das Fotografieren fällt mir schwer, ich kann auf der Mattscheibe der Kamera kaum sehen, ob die Bilder scharf sind, oder nicht. Auch auf dem Monitor kann ich es mehr ahnen, als daß ich es genau sehen kann.









Eigentlich ist es Wahnsinn, mit diesen Augen noch Motorrad zu fahren. Aber andere habe ich in diesem Moment nicht. Ich bin noch hin und hergeworfen in meinen Gefühlen. Da ist Angst, ja auch etwas Panik, da ist Ungewissheit und ein großes schwarzes Loch vor mir. Dennoch spule ich bis zum Winter knapp tausend Kilometer mit der Neuen, noch Namenlosen ab. Bis ich im späten Winter endgültig beschließe es zu lassen, bis sich durch die nun endlich anstehenden Operationen Klarheit über die Zukunft zeigen wird.
Über den Winter habe ich auch Zeit, mich an die Neue etwas anzunähern. Und ihr einen Namen zu geben.
Ladies and Gentlemen, darf ich vorstellen? Paula. Von ihrem Charakter ist sie so, wie man sich eine berliner Göre vorstellt. Und die muss eigentlich Paula heißen. Und sie kommt ja auch aus Berlin.
Ein paar Tage später klingelt des Sonnabends der Paketbote. Es ist Post von BMW.


Eine Broschüre...

...und ein Halstuch. Beim letzten Mal gab es einen USB Stick.