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Dienstag, 23. September 2014

Hütchenspiele

"Einen schönen guten Tag!" rufe ich fröhlich, als ich kurz nach fünf in den karg ausgestatteten Verkaufsraum von ATU in Mainz Bretzenheim eintrete. Die rot gekleideten Mannen schauen mich groß an. Zielsicher steuere ich die Abteilung mit Zweiradartikeln und Sicherheitsausstattung aller Art an. Ich blicke mich kurz um - und da stehen sie! Hütchen! So kleine, orangene Gesellen, mit weißen Streifen, genau wie in der Fahrschule auch.
Ich nehme die beiden letzten dort stehenden Netze und gehe zur Kasse. "Vierachtunneuzig!" sagt der Mann hinter dem Tresen und ich frage verdutzt nach "für alle beide?" - "Ja?" - Schön, also wandern € 4,98 über die Budel und ich schnappe die Beute und den Kassenzettel und verschwinde nach draussen.

 
Büt mokt: Die Netze mit dem neuen Spielzeug stehen auf Gesas Sitzbank (die noch Spuren vom Wochenende zeigt...)

Mit dem Messer habe ich rasch die Netze aufgeschnitten und die acht Hütchen ineinandergeschoben und im Tankrucksack verpackt. Auf dem Kassenzettel sehe ich, wieso die Dinger so günstig waren. Auf Garten und Freizeitartikel gibt es 50%!
Los gehts zur "Natorampe". Dazu fahre ich auf die Autobahn, um um die Stadt zu dieser Uhrzeit herum zu kommen. Auf der Autobahn kommen mir nun die ganzen Leute, die in Frankfurt und Umgebung arbeiten und nach Hause strömen entgegen.
Ich biege nach ein paar Minuten auf die Zufahrt der "Natorampe" ein und bin erst mal enttäuscht. Da hat doch ein lokal bekannter Abfallentsorger seinen LKW Aufsatz genau dort hin gestellt, wo ich üben möchte. Ich bin aber ja Kummer gewöhnt und so parke ich Gesa ungerührt und baue die zipfelige Bande halt ein Stück weiter hin auf. Platz ist dann noch gerade ausreichend.

        Das Pflaster auf der "Natorampe" ist erstaunlich griffig und man braucht nicht bange zu sein.

Ich baue zunächst die Strecke für die Slalomfahrt mit Schrittgeschwindigkeit auf und nehme dann stückweise immer mehr Hütchen weg, bis ich am Ende der Übungseinheit nur noch zwei zu stehen habe. Davon wird eines versetzt aufgebaut, wie in der Fahrschulzeit auch, und ich übe daran das Ausweichen bei 50 Km/h.
Am Platz, wo man umdreht, stehen drei Jungspunde, mit Monster - Lederkombi und besehen fachmännisch eine Ninja und noch ein verkleidetes Bike und feixen sich eins, wenn ich zum Rumdrehen vorbei komme.
"Lot jem" denke ich mir und fahre unbeirrt meine Übungen. Ob die drei wohl noch alles beherrschen, was sie einst gelernt haben? Ich merke, daß dieses Ausweichen sich schon wieder ganz schön verschliffen hat, während die anderen Übungen, also der Slalom im Schrittempo und bei Tempo 30 erwartungsgemäß sehr gut laufen. Die Schrittempo Übung schaffe ich sogar so langsam, daß sich die Tachonadel nicht rührt. Auch die Bremsübung klappt gut. Das Ausweichen übe ich so lange, bis es wieder einigermaßen sitzt. Im Ganzen hat das gerade mal eine halbe Stunde gedauert.
Mit den Hütchen klappt das alles sehr viel besser als vorher, wo ich lediglich mich an den Punkten auf dem Pflaster orientieren konnte. Das wird nun ein regelmäßiger Programmpunkt werden. Vielleicht erweitere ich es noch um andere Übungen.


Wie sieht es bei Euch aus? Sitzt noch alles, was Ihr mal in der Fahrschule gelernt habt? Knapp zehn Euro für unbezahlbaren Spaß beim Üben und etwas mehr Sicherheit sollten nicht zu viel sein...


Montag, 28. Juli 2014

Vier auf drei

Am Mittwoch plöngte eine Whatsapp bei mir ein: Ob ich Lust hätte, am Sonntag eine kleine Tour zu machen. Tour? Lust? Ich? Klar!
Am Wochenende davor hatte Bernd, einer der Motorradfahrlehrer bei "meiner" Fahrschule mich schon einmal gefragt, ob ich gerne an Touren teilnehmen würde. Da hatte es allerdings bei mir nicht geklappt, da ich arbeiten musste. Doch dieses Mal sieht es besser aus.
Um sieben brummt mein Wecker. Ich schaue verschlafen in die großen Augen meines Stoffschafes in meinem Arm. "Du willst doch nicht etwa jetzt schon aufstehen?" lese ich aus Shaunas Blick. Doch, ich will. Um viertel vor neun starte ich Gesas Motor und schubse mich rückwärts auf den Hof. Mir fällt ein, daß ich ein Fenster offengelassen habe. Da kann zwar niemand einsteigen, aber wenn das Wetter so wird, wie es der Wetterbericht prophezeit, dann kann es reinregnen. Das muss ja nicht sein und ich mache einen kleinen Bogen zurück zum Haus und mache es lieber zu. Vom Motorrad abzusteigen ist nicht ganz einfach, denn ich habe die Regenkombi hinten drauf geschnallt. Nachdem ich am Freitag am Rande eines Gewitters in den Regen gekommen und dabei ziemlich durchgeweicht und ausgekühlt bin, bin ich vorsichtig.
Die Aktion hat schon wieder wertvolle Zeit gekostet, und ich möchte doch auch noch tanken. Also los. Ich fahre über Klein Winternheim über die leere Landstrasse und achte dabei darauf, daß ich Gesas Motor nicht zu sehr beanspruche. In Klein Winternheim fahre ich dann auf die Autobahn. Es geht bergab, so daß ich ziemlich rollen lassen kann und da nichts los ist auf der Strasse, komme ich flott in Mainz am Pariser Tor an die Aral Tankstelle und kann rasch den Tank ganz voll füllen. Bernd hatte eine Strecke von etwa 260 Kilometer angekündigt, da wollte ich nicht durch Treibstoffmangel blöd auffallen.
In der Weisenauer Strasse warten schon die anderen, als ich pünktlich fünf Minuten vor der Zeit am Treffpunkt einrolle. Viele sind es nicht, die da auf mich warten, im ganzen drei. Mit zwei Motorrädern. Wir werden also eine überschaubare Gruppe bilden.
Es wird noch einmal kurz das Ziel, die Gesellschaftsmühle in Laubach besprochen und dann geht es los. Bernd setzt sich an die Spitze, was sinnvoll ist, denn er hat die Tour ausgearbeitet. Ich folge in der Mitte und dann am Schluss folgt noch eine Varadero. Wir fahren in Richtung Laubenheim und dort dann auf die Autobahn in Richtung Bingen. In Lerchenberg wird abgefahren und es geht weiter in Richtung Essenheim. Den Berg hoch zum ZDF ist die rechte Spur vollkommen verstopft. Es ist Fernsehgarten. Den hatte ich schon völlig vergessen...
Vorbei an Essenheim geht es hinunter nach Elsheim und dann weiter in Richtung Jugenheim. Ich kann mir schon vorstellen, wo Bernd hin will. In Jugenheim ist eine Strasse gesperrt und wir müssen über Partenheim ausweichen. Am Kreisel am ehemaligen Rheinsender biegt Bernd in der ersten Abfahrt ab und wir hängen hinter einem Mähdrescher. Der wird aber bald von uns geschluckt, denn es ist eine schnurgerade Strecke. An der nächsten Abfahrt geht es links ab und wir fahren von hinten in Richtung Sprendlingen. Dort gibt es im Wäldchen eine kleine Serpentinenstrecke. Das ist nicht ohne, denn es geht dort auch für uns bergab.
Weiter geht es über Zotzenheim und Gensingen nach Langenlonsheim und dort biegen wir ab in Richtung Hunsrück. Wir folgen der alten Bahnlinie über Guldental bis Schweppenhausen und biegen dann ab, Richtung Spabrücken. Die Landschaft ist wunderbar und es ist recht friedlich so früh am Sonntagmorgen und gibt wenig Verkehr. Dann und wann begegnet uns ein Motorradfahrer oder auch mal ein Auto. Das ist alles kein Vergleich zu dem Gewusel im Rhein Main Gebiet.
Hinter Spabrücken kommen wir in den Wald und es wird kühler und feuchter. Die Strasse ist noch nicht überall abgetrocknet und es gibt ganz leichte Nebelschwaden. Daraus taucht dann die Gräfenbacherhütte auf und es ist ein wunderbarer Anblick. Wie aus einer anderen Zeit. Hier werde ich auf jeden Fall noch einmal her kommen.
Hinter Ellern unterqueren wir die B50 und es geht in flotter Fahrt in Richtung Pleizenhausen. Nun ist es nicht mehr weit. In Laubach biegen wir ab in Richtung Alterkülz und nach wenigen hundert Metern erscheint auf der rechten Seite ein langgestrecktes Gebäude. Bernd blinkt rechts und hält an. Hm. Das sieht irgendwie geschlossen aus. Am Haus ist ein Gerüst. Angelika geht zur Tür und verschwindet im Haus. Nach kurzer Zeit ist sie wieder da und verkündet daß sehr wohl geöffnet sei und wir Frühstück bekämen. Das klingt gut! Es gibt die Aussicht auf Kaffee!
Wir stellen die Motorräder ab und ich nehme nur den Tankrucksack mit hinein. Wir können uns auf die nette Terasse setzen und haben einen herrlichen Blick auf den verwunschenen Garten...


                                          ...und auf müde Katzen.

Die Wirtin hat uns ein kleines Buffet gezaubert und es fehlt uns an nichts. Der Kaffee ist klasse und so sitzen wir gemütlich auf der Terasse.
                                          Den Motorrädern geht es auch gut.

Die Gesellschaftsmühle ist schön ruhig gelegen, es gibt Wald und Landschaft und vor allem viel Grün. Was uns zumindest an diesem Sonntagmorgen auffällt, das sind die fehlenden Flugzeuge. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu unserer Gegend, wo alle Augenblicke etwas drüberschwirrt.

            Wer mag, der kann auch ein wenig wandern, zum Beispiel die Traumschleife Klingelfloss.

Nach dem guten Frühstück und ein wenig angeregter Unterhaltung machen wir uns auf den Rückweg. Es geht in Richtung Rheinböllen und von da weiter nach Stromberg. Vorbei kommen wir an im Wald liegenden Industrieanlagen und einem Steinbruch. In Stromberg geht es noch einmal eine Serpentinenstrecke nach oben und dann auf die Autobahn. Dort geraten wir in die sommersonntägliche Urlauberwelle, kommen jedoch gut durch und sind im Handumdrehen wieder in Mainz.

Das war eine wirklich schöne Tour, für mich das erste Mal zu mehreren. Ich hatte vorher ein wenig Bedenken gehabt, wie viele denn da mit dabei sein würden, und ob ich das Tempo halten können würde. Letzteres war unbegründet, denn es ist ja ein Fahrlehrer dabei und die Gruppe setzt sich aus ehemaligen Fahrschülern zusammen.
Ich freue mich also schon auf das nächste Mal!




Das Wetter hat sich übrigens dank Regenkombi gehalten. Bis zum Abend habe ich keinen Tropfen Regen gesehen.


Freitag, 27. Juni 2014

Aufregung im Hause Moto - Minya Teil 2

Oh du liebe Güte, lass das bloß heute gut gehen...! Ein Stoßgebet geht an den Himmel. Heute ist praktische Prüfung. In der Magengegend ist etwas hartes, das sich anfühlt wie eine Eisenkugel. Habe ich eigentlich schon mal gesagt, das ich Prüfungen hasse? Ach ja...?
Um 15:30 soll ich dran sein. In den vergangenen zwei Tagen sind wir gefahren, am Dienstag hatte ich die drei Nachtfahrstunden, alle an einem Stück und gestern sind wir auch noch mal alles durchgegangen. Eigentlich kann nichts schief gehen. Eigentlich. Mein Angstgegner sind die Grundfahrübungen. Dienstag abend war es ganz katastrophal. Als wir runter zur Natorampe kommen, steht alles voll mit LKW. Das dürfen die eigentlich nicht, Schilder verbieten das, aber sie nächtigen trotzdem dort und scheren sich nicht groß um irgendwelche Blechtafeln auf Stöcken. Gerfried baut indes unbeirrt den Parcours auf und lässt mich in der Zwischenzeit Stop & Go üben. Einer der LKW hat die Fahrertüre offen und der Fahrer turnt da auch rum und raucht. Er denkt gar nicht daran, die Tür zu zu machen. Fietje aus Leer hat nun Fierobend und da gehört die offene Tür halt dazu. Gönn ich ihm ja, doof nur, daß ich direkt daneben meine Zirkusnummern machen soll. Also Abbremsen aus fünfzig, Slalom, mal mit dreißig, mal mit Schrittgeschwindigkeit, Ausweichen bei fünfzig und dann mit abbremsen auf dreißig. Ich fühle mich nicht sicher und nicht wohl und mir gelingen die Übungen darufhin auch nicht. Dazu kommt noch, daß in der Kehre feixende Flaschenkinder Jugendliche stehen, die sich über jedes Mal, das ich da vorbeikomme, tierisch freuen. Und am anderen Ende der Strecke eiern welche unbeholfen mit BMX Fahrrädern rum. Dann kommt noch eine weitere Fahrschule dazu und der Platz wird noch enger. Gerfried muss mich mehrmals auffordern und schickt mich immer wieder an den Start. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, kann ich mich soweit zusammenreißen und mich und meinen Sicherheitsimpuls überwinden, daß mir die Übungen gelingen. Mit dem Rest der Nachtfahrt komme ich indes wieder sehr gut zurecht, das Fahren klappt ganz wunderbar, wir fahren etwas über Land und später, als es dann richtig dunkel wird, durch die Stadt. Es geht am Rhein entlang, durch die Neustadt, nach Gonsenheim (ich hatte mir Strassenbahnschienen gewünscht), durch Finthen und dann über den Lerchenberg zurück. Dabei geht es auch ein Stück durch den Wald und ich sehe, daß das Licht am Motorad nur unwesentlich mehr ist, als das Licht am Fahrrad.
Mittwoch läuft es dann schon besser mit den Grundübungen, auch wenn ich durch das Erlebnis vom Vorabend immer noch etwas verunsichert bin. Insbesondere mit Hinblick auf das was heute kommt.


Um 15:00 komme ich in die Fahrschule. Die Motorräder sind da, aber keine Autos. Sie sind also unterwegs. Als ich ins Büro komme, sitzt da noch ein weiterer Motorradprüfling und wartet auf seine A2 Prüfung. 15:30 wird also nicht so ohne weiteres zu halten sein... Ich habe Aprikosen mitgebracht von Manuela und stelle sie zur allgemeinen Verfügung auf den Tisch. Nun beginnt das Warten. Ich bin schon in Motorradklamotten zur Fahrschule gekommen und habe meine "normalen" Sachen für später im Auto. Ich muss also vorher nichts mehr machen. Um zwanzig vor vier kommen dann Gefried und der Prüfer rein. Nun geht es erst mal für den anderen Kandidaten los. Ich wünsche ihm viel Glück.
Claudias Mutter hat heute Dienst im Büro und sie bietet mir einen Kaffee an und ein Stückchen Kuchen, was ich beides gerne annehme. Der Kaffee tut sehr gut und das Essen verkürzt die Warterei. Schließlich ist es bald halb fünf und es geht endlich los. Hoffentlich fragt der Prüfer mich nicht nach meinem Namen...
Bei der Abfahrtkontrolle stehe ich da wie die Kuh vorm neuen Tor und versuche das Licht am Motorrad an zu bekommen. Sonnabend habe ich, als das Thema der Theorie war, praktisch den Unterricht gehalten, ich weiß also genau wie es geht. Irgendwann kommt mir der rettende Gedanke, mach doch einfach den Motor an, dann muss es leuchten. Und siehe da...
Danach geht es dann und ich rede keinen großen Blödsinn mehr zusammen, der Prüfer hilft mir sogar, indem er zum Prüfen des Bremslichtes auf das Fußbremspedal tritt. Er scheint zufrieden und wir können losfahren. Ich setze den Helm auf, ziehe die Handschuhe an und schwinge mich auf die Maschine. Als der Motor läuft wird mein Puls etwas ruhiger. Ich denke beim vom - Hof  - fahren an das was Gerfried mir gesagt hatte und es geht hinunter zur Hauptstrasse. Dort wartet an der Ampel noch eine andere Fahrschule mit Motorradfahrer. Ich stelle mich hinten an. Wie sich herausstellt, sind sie auch auf dem Weg zur Natorampe, das ist so eine Art Pilgerstätte für Fahrschulen, denn dort ist man vom normalen Verkehr weitgehend unbehelligt. (so ziemlich... siehe oben) Durch die vor mir fahrende Fahrschule werden von mir keine großen Kunststücke auf dem Weg dort hin erwartet, dazu kommt, daß vor der Autobahn eine Baustelle eingerichtet ist, mit Fahrbahnverengung und somit ich auch nicht überholen kann.
An der Natorampe halte ich also an, wie mir vorher geheißen wurde und warte auf die weiteren Komandos. Gerfried baut den Parcours auf und ich soll derweil Stop & Go machen, dabei ist es wichtig, daß man jeweils zwei mal mit dem rechten Fuß zuerst den Boden erreicht, und zwei Mal mit dem Linken zuerst. Das soll zeigen, daß man die nötige Koordination besitzt. Das klappt, daraufhin die Gefahrenbremsung aus fünfzig Km/h. Das verläuft auch zur Zufriedenheit, dann der Slalom - auch der geht ganz gut und auch mit Schrittgeschwindigkeit räume ich nichts ab. Jetzt das Ausweichen. Ich nehme mich noch mal ganz zusammen und es klappt. Beide Male. Der Prüfer schaut zufrieden und meint, wir wollten jetzt noch ein wenig fahren. Also geht es los, auf die B9, Richtung Oppenheim, dann in Bodenheim ab, durchs Industriegebiet (Gruß an meine Optikerin), unter der Bahn durch (heute steht da kein anderes Auto), dann links, dann rechts und durch Bodenheim durch. An einer Fußgängerampel, die in einer kleinen Steigung liegt, muss ich anhalten. Das wieder anfahren klappt und dann geht es weiter nach Gau Bischofsheim. Jetzt fällt der Stress von mir ab. Ich fahre gelöst über die Hügel und durch die Kurven und dann auch ganz locker durch Gau Bischofsheim. Dann geht es auf die Rheinhessenstrasse zurück nach Mainz. Uns entgegen kommen hunderte von Autos. Kommen ist zu viel gesagt, sie stehen uns entgegen. Die wollen alle um sechse zu Hause sein, wenn das Deutschlandspiel ist. Das wird aber nichts mehr werden... Wir biegen ab und fahren zum TÜV. Auch auf dem Weg dorthin stehen noch die Autos. Als man mich auf dem TÜV Gelände anhalten lässt, ist die Spannung groß. Ich klappe den Helm hoch und ziehe die Handschuhe aus.- Der Prüfer kommt auf mich zu, reicht mir fröhlich die Hand und sagt: Ich kann Ihnen gratulieren!
ICH HABE ES GESCHAFFT!!!!









Montag, 16. Juni 2014

Aufregung im Hause Moto - Minya

Es ist Montag Morgen in aller Herrgottsfrühe und ich hasse so etwas. Ich stehe im Bad vorm Spiegel und versuche mit flottem Schwung einen Lidstrich hin zu bekommen. Aber mit flott ist nicht viel und der Strich erinnert eher an ein Seismographenblatt aus Tokyo. 
Der Kalender zeigt den 16.06.2014 und heute ist Theorie Prüfung. Um 07.45 Uhr habe ich mich beim TÜV in Hechtsheim einzufinden. Angedenk der Uhrzeit und des Wochentages fahre ich unheimlich früh los. Zu früh, wie sich herausstellt. Ich kann dann schließlich noch eine gute halbe Stunde warten, bis sich etwas tut. Ich nutze die Zeit mit dem iPad und der Fahrschul - App und warte auf die anderen, die langsam auch eintröpfeln.
Bei den Übungen habe ich fast keine Fehler gemacht, und wenn, dann bin ich bei ganz blöden Sachen hängengeblieben. Alles in allem sind es in erster Linie Flüchtigkeitsfehler gewesen. Als ich bei Claudia in der Fahrschule dann zwei - drei Bögen probehalber ausgefüllt habe, habe ich nur einen einzigen Fehler gemacht und der geht auch auf das Konto Flüchtigkeit. Man muss die Formulierungen mehrmals lesen, denn sie sind zum Teil so blöde verfasst, daß man da etwas überlesen kann, oder dann Sachen, die man als ganz normal und selbstverständlich ansieht, nicht ankreuzt.

Man sieht auf dem Bild einen stehenden LKW an einer Kreuzung und soll ankreuzen "Der LKW wird anhalten".
                                                             Gut, machen wir...

Eigentlich brauche ich keine Angst zu haben, ich fahre seit ewigen Zeiten Auto und ich habe auch keine Punkte in Flensburg, aber ich hasse Prüfungen. Mit Prüfungen kann ich nicht.
Um kurz vor acht wird also das Gebäude aufgeschlossen und wir werden in den ersten Stock gebeten. Das Händi habe ich vorsorglich im Auto gelassen, schon damit es nicht irgendwann anfängt zu klingeln. Denn dann ist es mit der Konzentration Essig und das gilt es zu verhindern. Mit in den Prüfungsraum kann ich es ohnehin nicht nehmen, also was soll ich damit. Wir geben unseren Personalausweis ab und unterschreiben etwas und warten. In der Zwischenzeit fährt der Prüfer die Rechner hoch und kontrolliert sie. Claudia ist auch da und versucht uns bei Laune zu halten. Dann endlich ist es so weit. Ich werde aufgerufen, komme in den Raum und mir wird ein Platz zugewiesen. Auf dem Rechnerbildschirm steht mein Name und eine kurze Anleitung. Die verliest, als wir alle sitzen, der Prüfer noch mal und dann geht es los. Ich habe PUDDING im Kopf. Es gelingt mir, mich zusammenzureißen und ich fülle meinen Bogen aus. Es sind Fragen, die ich kenne (klar, ich habe in der App alle durchgemacht und auch alle schon mal richtig beantwortet...), nur bei einer komme ich ins Stocken. Kann ich mein Motorrad auch an eine Hausmauer oder einen Laternenpfahl lehnen? Huch... Öhm, wenn der Ständer kaputt ist? Why not? Soll ich mit dem Motorradl an der Hand die Nacht über draussen stehen, bis die Werkstatt aufsperrt? Ich mache mein Kreuz.
Klar. Ich habe zu lange überlegt. Natürlich darf ich das Motorrad nicht irgendwo anlehnen. (was im Falle des Defektes ist, hat man bis heute nicht geklärt. Vielleicht fahren echte Motorradfahrer dann so lange weiter bis der Tank leer ist, oder die Werkstatt aufmacht.) Das ist aber mein einziger Fehler. Ich bin als erste fertig, habe bestanden und darf gehen.  - Uff!-
Claudia freut sich mindestens so sehr wie ich und wir fallen uns vor der Tür um den Hals.
Jetzt fahre ich erst mal nach Hause und frühstücke vernünftig...


Sonntag, 1. Juni 2014

Das Abenteuer beginnt... Teil 2

Theorie habe ich nun schon ein paar Mal besucht, ( ich brauche insgesamt zehn Stunden, vier mit dem Stoff für Motorrad, also Klasse A und sechs mit dem Stoff von Klasse B. Da ich schon lange einen "normalen" Führerschein habe, brauche ich nur so wenige Stunden als Pflicht zu besuchen ) als ich endlich praktische Fahrstunden buche. Claudia gibt mir einen Zettel mit meinen ersten drei Terminen. Am Dienstag, dem 27.05. um 14:00 Uhr wird es also ernst werden.
Es ist kühl an dem Tag und trübe, als ich viel zu früh in die Fahrschule komme. Ich ziehe mich um und warte daß Gerfried, mein Fahrlehrer, kommt. Ich versuche meine Aufregung zu überspielen und lese noch etwas in den Magazinen, die auf dem Tisch liegen. Endlich kommt Gerfried, er war noch mit einem anderen Fahrschüler unterwegs gewesen und wir gehen hinaus zu den Maschinen. Für die erste Stunde nehmen wir allerdings noch nicht die "große", sondern die für den A2 Führerschein. Es ist eine Honda CB 500 X. Sie steht, klein und weiß, vor dem Schuppen und Gerfried erklärt mir erst mal die wichtigsten Dinge, die zu beachten sind. Dann geht es zur ersten praktischen Übung. Er fährt die Maschine an einen Bordstein und macht mir vor, was ich gleich nachmachen soll. Ich soll anfahren und dann, wenn die Maschine den Widerstand des Bordsteines überwunden hat und aufklettert, rasch umgreifen und sie mit der Vorderradbremse festhalten. Also schön... Daß das nicht auf Anhieb klappt, ist klar, aber es klappt nach ein paar Mal üben schon ganz gut und er meint, wir sollten nun runter zur "Natorampe" fahren. (Das ist ein gepflasterter Platz am Rhein, an dem im Ernstfall, wenn die Brücken nicht benutzbar sein sollten, eine Fähre oder eine Pontonverbindung gedacht ist. Das gleiche gibt es auf der gegenüberliegenden Rheinseite auch und es ist vermutlich ein Relikt aus den Tagen des kalten Krieges.) Ich schlucke. Wie soll ich denn da hinunterkommen? Die Lösung ist natürlich kindereinfach, ich soll mich hinten drauf setzen und er fährt die Maschine runter. - Puh! -
Auf der Fahrt versuche ich mir zu merken was nur geht, wie schaltet er, wie gibt er Gas, wie biegt er ab und so weiter, aber es geht alles so fix, daß ich nur große Augen mache. Zwischendrin schaue ich immer wieder auf den Tacho - oh, wir fahren fast hundert - und dann sind wir auch schon da. Ich soll nun also üben langsam anzufahren und dann wieder anzuhalten. Danach dann kann ich schon ein paar Meter alleine fahren und soll nun schalten und sowas alles. Wie ich das hinbekomme ist mir schleierhaft, aber es funktioniert. Die Doppelstunde ist viel zu schnell vorbei und wir fahren wieder hoch zur Fahrschule. Ich bin vollkommen naß geschwitzt und fahre fix und fertig nach Hause.
Am Freitag steht dann schon die zweite Stunde auf dem Plan. Ich erscheine wieder einiges zu früh und ziehe mich um. Als wir dann los zur Maschine laufen fragt mich Gerfried, ob ich heute schon alleine runter zur Natorampe fahre. - Bitte??- Ich schaue verblüfft (und bins auch) - wenn Du meinst? "Das schaffst Du!" meint er und ich bewundere sein Zutrauen. Also machen wir uns fertig und ich schwinge mich locker auf die Maschine. Anlassen - wo war das noch... Wir rollen vom Hof und langsam runter an die Hauptstrasse. Das habe ich schon mal geschafft. Wir biegen ab und beschleunigen. Oh mein Gott! Ich fahre fünfzig!! Was wird denn, wenn wir auf die B9 kommen? schießt es mir durch den Kopf. - da gibt es noch eine Abfahrt eher, da muss man durch Laubenheim fahren - kommt es mir in den Sinn. Ich bin beruhigt. Und tatsächlich, wir biegen dort ab und es geht in einer langen Kurve hinunter unter der Autobahn durch. Du lieeebe Güte!! Was ist diese Kurve eng! Mir wird ganz anders. (als wir ein paar Tage später wieder dort lang fahren, suche ich wo diese wahnsinnig enge, wahnsinnig abschüssige Kurve war und kann sie nicht finden. Die Enge hatte ich mir nur eingebildet...) Ich bin heils froh als wir durch Laubenheim gefahren sind und endlich an der Rampe sind. Ich atme auf. Heute baut Gerfried einen Parcours aus kleinen  Hütchen auf, ich soll üben Slalom zu fahren und zu bremsen und und und.
Der Rückweg zur Fahrschule später klappt schon viel besser und schaffe es auch besser mich zur Ruhe zu bringen. Ich versuche durch Beobachten herauszufinden wann Gerfried schaltet und wann er herunterschaltet. Aber ich kann es nicht erkennen. Sollte das so schnell gehen? Ich kann es gar nicht glauben. Später dämmert mir, er hat eine von den Hondas mit dem Doppelkupplungsgetriebe und schaltet gar nicht. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Da kann ich ja auch nichts sehen.

Am Tag drauf, dem Sonnabend ist es dann soweit, heute soll ich die "große" Maschine nehmen. Das ist die BMW F 650 GS, mit dem Zweizylindermotor und 71 Ps. Was ein Sound! Ich bin schwer beeindruckt. Ich komme mit der Maschine auf Anhieb prima zurecht und wir fahren runter. Diesmal fährt er mit dem Auto vorweg und dirigiert mich über das Funkgerät. Das Fahren der Grundfahrübungen ist mit dieser schwereren Maschine schon etwas anderes, aber es läuft ganz gut. In der zweiten Hälfte der Doppelstunde fahren wir dann über Land. Ich soll auch mal etwas Geschwindigkeit drauf bekommen und so fahren wir auf die B9 in Richtung Oppenheim. Die Strasse ist vierspurig ausgebaut und auf hundert begrenzt. Er sagt über Funk, ich solle nur so schnell fahren wie ich es mir zutraute, er würde seine Geschwindigkeit daran anpassen. Nach der Auffahrt gebe ich mutig Gas. Siebzig, achtzig, neunzig - viel weiter traue ich mich doch noch nicht. Meine Güte! Ich sitze auf einem einspurigen Fahrzeug, steuere es sogar, das mit neunzig Sachen dahinsaust! Mit dem Fahrrad bin ich bislang höchstens mal dreißig gefahren. Irr! Ich drehe das Gas weiter auf. Hundert!! Ich habe das Gefühl, der Fahrtwind pustet mich fast von der Maschine! Wir fahren in Bodenheim ab und über Funk bekomme ich Hinweise worauf ich achten muss und er gibt mir Tips, wie ich am besten fahren soll. Dann durch das Industriegebiet von Bodenheim und schließlich unter der Bahn durch. Ich kenne die Strecke, wir sind schon an meiner Optikerin vorbeigekommen. Ich weiß, daß es ziemlich eng ist in der Bahnunterführung und daß es am Ende ziemlich steil ist. Shocking!! Da stehen Autos am Ende der Steigung und warten darauf auf die Hauptstrasse zu kommen. Ich muss in der Steigung stehenbleiben. Was nun? Gerfried fährt los und biegt rechts ab. Habedehre! Nun steh ich da und hinter mir ein riesen BMW SUV. Also Fuß auf die Fußbremse. Gas geben, Kupplung kommen lassen - - aus - . Bremsen. Durchatmen-. Mir kommt das wie eine Ewigkeit vor. Maschine wieder an und noch mal. Ich beuge mich tief über den Lenker. Ich bin wild entschlossen da hoch zu kommen und ich bin genauso wild entschlossen nicht in Galeriestellung da aus der Unterführung auf die Hauptstrasse geschossen zu kommen. Es klappt!! Ich muss oben aufpassen, da ist ein Fahrradweg und dann die Strasse. Also anhalten, blinken nicht vergessen, da drüben steht das Fahrschulauto, umschauen und los. Ich schwitze. Und vor dem Kreisverkehr, der da gleich kommt, schalte ich mir erst mal sonstwas zusammen. Aber ich habe es geschafft alleine aus dieser Unterführung herauszukommen. In Laubenheim biegen wir ab in Richtung Hechtsheim, es geht über die Laubenheimer Höhe. WOW! Das ist es! SO habe ich mir das vorgestellt!! Ich fühle mich wie die Motorradqueen persönlich! Sagenhaft! Es ist zwar nur ein siebziger dort, aber es scheint die Sonne, es geht kommod über Land - ich bin tief zufrieden.



Vom Bass spielen habe ich einen "Gripmaster", also einen Expander. Der bewährt sich jetzt auch prima fürs Motorradfahren. Damit kann ich an der "Kupplungshand" üben, damit es dann beim Fahren leichter geht mit dem Kupplung ziehen.


Donnerstag, 24. April 2014

Das Abenteuer beginnt... Teil 1

Am Mittwoch, dem 23.04.2014 ist es so weit. Ich habe google genug Löcher in den Bauch gefragt, und habe Internetseiten von Fahrschulen gewälzt noch und nöcher. Übrig geblieben ist genau eine, nämlich die, deren Seite am besten und umfangreichsten aufgebaut ist. Auf der Seite habe ich auch gesehen, daß es für mich völliger Quatsch ist, den A2- Schein zu machen. Ich bin etwas über 25 und der A- Schein kostet genau das selbe und ich muss die selben Stunden nehmen. Und ich habe dann anschließend freie Auswahl das Motorrad betreffend. Morgen fahre ich mit Tom für ein paar Tage nach Hamburg und ich habe heute Nachmittag ein paar Stunden noch Zeit. Also mache ich mich auf den Weg zur Fahrschule um mir die mal anzusehen. Das gute an dieser Fahrschule ist nämlich auch, daß sie tagsüber Bürozeiten haben und der Unterricht zu humanen Zeiten stattfinden wird. Im Büro empfängt mich Claudia Baroli, die Chefin, fröhlich und freundlich und beantwortet mir alle Fragen. Wir gehen raus zu den Maschinen und ich darf mich auf "meine" zukünftige Fahrschulmaschine schon mal draufsetzen. Es ist klar, hier werde ich meine Motorradkarriere starten und nirgends anders!
Ich könnte gleich am Sonnabend mit der Theorie beginnen, aber da bin ich noch auf dem Rückweg von Hamburg und so werde ich also erst in der Woche drauf richtig loslegen.
Claudia gibt mir einen Umschlag mit, mit den Zugangsdaten für die Fahrschulbögen. Die sind nämlich mittlerweile papierlos und finden nur noch im Rechner statt. Es gibt auch eine App zum herunterladen für das iPad und die möchte ich nutzen.
Als ich vom Hof fahre ist es wieder mal so ein Moment, den ich kaum fassen kann. Ich habe mich zur Fahrstunde angemeldet! Das ist schon so ein bisschen wie ein "Point of no return". Ab jetzt gilt's. War es bislang noch mehr ein Gedankenspiel, was man alles machen könnte wenn und wohin man dann fahren könnte und mit was, so ist es jetzt konkret geworden.
Ich bin schon ganz schön aufgeregt. Aber auch stolz, daß ich es durchziehen werde!