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Donnerstag, 14. Januar 2016

Spessartrodeo

+++02.08.2015+++


Nach einer eher unruhigen Nacht schrillt um halb sieben der Wecker. Sonne scheint durch die Vorhänge. Was zum Teufel...? Wo bin ich? Ich reibe mir die Augen und komme langsam zu mir. Ich bin in einem Hotelzimmer in Mönchberg. Irgendwo im Bayerischen Spessart. Gestern waren Tom und ich in Miltenberg gewesen und hatten uns etwas umgesehen. Eine hübsche kleine Stadt. Mit meinen Eltern bin ich schon einmal hier gewesen. Aber das ist lange her. Keine Zeit jedoch für Sentimentalitäten, hoch!
Ich klopfe, ob Tom schon wach ist, er antwortet, also muss ich mir da keine Sorgen machen. Eine Stunde später sammeln wir uns zum Frühstücken. So zeitig hat man in der Gaststube mit uns noch nicht gerechnet. Verdutzt schaut uns die Dame an, die aus der Küche kommt, als sie im Gastraum Leute hört. Dann geht es aber sehr schnell. Das Frühstück ist sehr lecker, es gibt frische, warme Brötchen und frisches Rührei. Klasse. Zwanzig vor neun brechen wir auf.
Wir sind heute mit dem Auto unterwegs und es wird sich noch zeigen, daß das eine gute Idee war. Bis nach Großheubach ist es nicht weit. Nur wenige Kilometer über die Landstrasse. Der MSC Großheubach ist kurz vor dem Ort ausgeschildert. Wir fahren einen Berg hinauf, oben sind terassenartig mehrere Plätze angelegt, auf denen entweder geparkt wird, oder gezeltet, oder beides. Wie wir auf dem Weg an diesen Terassen vorbefahren, meint Tom:"das war er eben, der Typ aus dem Internet!". Wir rollen zurück und auf einen Parkplatz, schnappen uns unsere Sachen und laufen das kurze Stück. Die Trialschule Elmar Heuer wartet auf uns. Wir werden herzlich begrüßt, weitere Teilnehmer sitzen bereits unter zwei Sonnenschirmen vorm Küchenzelt. Das ist der vordere Teil eines Anhängers. Daneben steht ein Transporter und dahinter die Motorräder. Wir füllen unsere Anmeldung aus und bekommen artgerechte Klamotten. Die Stiefel, bei mir immer etwas sensibel, fühlen sich zunächst ok an.
Als wir ausgerüstet sind, bekommen wir eine kurze Einweisung an den Maschinen. Danach geht es los. Die Aufregung steigt. Tom ist noch nie selbst ein Motorrad gefahren und ich habe auch keine Ahnung, was uns hier erwartet. Wir laufen den Berg ein Stück hinunter und dann an der ersten Möglichkeit rechts. Es geht noch ein wenig durch den Wald. Das muss ein ehemliger Steinbruch sein, durch den wir da laufen. Es gibt große Sandsteinquader und Felsen, die verteilt im Wald liegen. Auf einer Lichtung sind schon andere unterwegs. Überall wuseln kleine Motorräder herum. Wir sammeln uns neben ein paar Steinblöcken und warten ab. Die Maschinen werden vorbereitet, Elmar reduziert die Möglichkeit Gas zu geben auf ein Mindestmaß.
Wir werden uns jeweils zu zweit ein Motorrad teilen. Tom, da er etwas kleiner als ich ist, mit einem anderen jungen Mann und ich mit dem Vater von Toms Gegenüber. Die beiden können schon einiges mit dem Motorrad im Gelände und ich habe das Gefühl, sie langweilen sich eher mit uns anderen.
Tom bekommt zunächst die ersten Grundschritte auf dem Motorrad beigebracht. Also wie wird die Kupplung eingesetzt, wo ist die Bremse und so weiter. Ich kann ja schon mit einem Motorrad fahren und so beschränkt sich bei mir die Einweisung auf das Wesentliche. Als Übung fahre ich im Kreis um ein paar Felsen und liegende Bäume herum.
Das Motorrad ist ganz anders als ich es gewohnt bin. Abgesehen davon, daß man im Stehen fährt, ist der Schalthebel nicht so leicht zu erreichen. Den brauchen wir zwar ohnehin zuerst nicht, wir fahren im ersten Gang, aber auch die Fußbremse ist ungewohnt. Das Pedal dafür ist winzig und zudem auch recht weit von der Raste entfernt. Ich lerne, weit außen auf den Rasten zu stehen und die Maschine hauptsächlich durch Gewichtsverlagerung auf den Rasten zu lenken. Damit sind auch sehr enge Kurven machbar. Unglaublich spannend!
250 Kubik, vier Takte, Kickstarter.
Relativ dicke Reifen mit relativ wenig Luft.
Keine hundert Kilo Lebendgewicht
Spartanisches Cockpit. Einen Zündschlüssel gibt es nicht, wir haben einen Magnetstecker mit einem Bändchen am Handgelenk, der den Kontakt herstellt, oder abgezogen wieder unterbricht.
Glasklar, ein Trialmotorrad.
Tom unterdessen kommt mit der Bedienung der Maschine sehr gut zurecht und fährt auch schon selbstständig um das Rund. Das macht einen sehr guten Eindruck wie er fährt, er hat Talent.
Wenn ich fahre, habe ich den Eindruck, es geht unheimlich stöckerig und der Motor schreit wie sonstwas. Von Außen betrachtet ist das wohl gar nicht so. Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, ich stelle mich unheimlich blöd an. Dazu kommt noch, daß für mich so eine Trialmaschine wirklich klein ist. Es schmerzt in den Beinen, in den Armen, den Handgelenken, im Rücken. Kurz: Fast überall.
Stück für Stück dürfen wir unseren Aktionsradius erweitern. Wir bekommen gezeigt, wie man bergauf und bergab fährt. Das habe ich ja schon mal gemacht, mit Triumph in Aufenau, aber da es ungewohnt ist, ist es doch etwas besonderes. Zudem wird hier sehr langsam gefahren, während in Aufenau es hieß "Gas! Gas! Gas!" Trial ist auch die Kunst der Langsamkeit. Das ist zwar ein atemberaubender, aber kein rasanter Sport. Ein Stück weiter entfernt sehen wir bei einigen Kiddies, wie es geht, wenn man es kann.
Schwerkraft scheint für sie ein Fremdwort zu sein. Sie hopsen Felsen rauf und aus dem Stand meterhohe Felsblöcke hoch.
Als wir die für diese Location von Elmar vorgesehenen Übungen absolviert haben, ziehen wir auf ein anderes Gelände um. Dort ist unsere Aufgabe, um Bäume herum, parallel zu einem schrägen Hang zu fahren, dann am Hang abzubiegen und schließlich einen Hügel runter. Unten rumdrehen und zurück zum Anfang. Das klingt zunächst einmal recht einfach. Für Anfänger wie uns ist das aber schon ganz anständig.
Wenn man so auf der Maschine steht, dann wirkt der Hang unheimlich steil, die Kurve unheimlich eng und der Abgrund gradezu gähnend. Wie ich das dann von außen betrachte, da ist der Hang total lächerlich und es gibt wirklich reichlich Platz zum abbiegen.
Als wir an dem Platz ankamen, trainierte dort noch eine andere Gruppe an einer Ansammlung eingegrabener alter Bagger, oder Traktorenreifen. Wir stellen fest, es sind lange nicht alle Teilnehmer am Trialcamp im Teenageralter. Im Gegenteil, der Altersdurchschnitt wird bei fünfzig liegen. Das macht Hoffnung. Ich schlage mich ganz gut so weit, Elmar ist recht zufrieden. 
Tom fährt noch ein wenig Runden und wagt sich dann auch an die Aufgabe. Das meistert er sehr gut! Hey, er fährt erst seit gut einer Stunde Motorrad!
Nach einigen Runden und noch ein paar Mal abwechseln ist schließlich Mittagspause. Wir kehren ins Camp zurück. Dort wartet heiße Suppe, Bananen, Joghurt, Wasser und Kaffee auf uns. Gestärkt und wieder fit geht es zur letzten Etappe. Doch zuerst bekomme ich neue Stiefel. Mit den anderen habe ich kaum noch gehen können vor Schmerzen, geschweige denn anständig auf dem Motorrad stehen können. Mit den neuen geht es nun deutlich besser.
Wir laufen wieder zu der Stelle, wo wir morgens angefangen haben, und werden dann weitergeleitet auf eine Rasenfläche, ein Stückchen weiter. Hier sollen wir um einen kleinen Hügel herumfahren und dann eine Steigung hoch und oben wenden. Dazu gibt eine etwas größere Fläche und ein Stück weiter eine kleinere Fläche. Wir sollen ausprobieren, wie wir damit zurecht kommen und was wir uns zutrauen. Eine zunächst unerwartete Schwierigkeit dabei ist, daß diese Wendefläche ein Knotenpunkt von mehreren Strecken ist. Dauernd kommen andere Fahrer aus dem Unterholz gebrochen. Ich steige ein paar Mal ab, weil mir das zu heikel ist. Tom traut sich das Wenden am Hang nicht, kein Wunder, ihm erscheint das heute noch als unheimlich steiler Berg. Das wird sich aber bald ändern, wenn wir so etwas noch mal machen werden.
Ich merke in den Knochen, daß der Tag anstrengend ist. Die Handgelenke tun mir weh und ich merke es in den Oberschenkeln. Ich kann jeweils nur ein paar Runden fahren, danach verlässt mich die Kraft. Noch dazu kommt, daß es ein außergewöhnlich heißer Tag ist. Hitze ist nicht so mein Ding. Mittlere Temperaturen, blauer Himmel, Sonne, dekorative Wölkchen. Das ist mein Wetter. Heute sind es gute 36 Grad und die Sonne brennt vom Himmel. Es ist noch mal ein gutes Stück wärmer, als es gestern war.
Als ich gerade eine kleine Pause mache, um etwas zu trinken, ereignet sich neben mir Spektakuläres. Der Mann, mit dem ich mich am Motorrad abwechsele, übertreibt es etwas in der Folge seiner größeren Kenntnisse und reißt einen filmreifen Salto über den Lenker. Durch diese Demonstration lernen wir, daß es auch hierbei ungesund ist, mit fest am Mopped montierten Teilen während der Fahrt den Boden zu berühren. Weder ihm, noch dem Motorrad ist etwas passiert, was ein Glück, beide sind wohl robust gebaut.
Die Hitze setzt uns allen mehr und mehr zu. Es wird langsam unerträglich. Ich habe kaum noch genug Saft in den Knochen um den Motor anzutreten. Ich bin etwas ausgelaugt. Doch auf einmal ist es bereits fünf Uhr. Wo ist der Tag hin? Elmar lässt uns zurück ins Camp fahren. Tom und ich dürfen fahren, die anderen müssen laufen.
Völlig durchgeschwitzt wechseln wir die Klamotten und nach einem kurzen Plausch verabschieden wir uns. Im Auto ziehe ich den Rest der Motorradklamotten aus und was trockenes, sauberes an. Wir sind beide ziemlich fix und alle, die Arme sind schlaff und der Weg wird lang, als wir nach Mainz zurückfahren. Mit dem Motorrad währe ich nie und nimmer wieder nach Hause gekommen. Aus dem Augenwinkel sehe ich, daß Tom neben mir die Augen während der Fahrt etwas zu macht. Schlafen wird er nicht, das kann er nicht während der Fahrt, es ist aber ein Zeichen, daß auch er hinüber ist. Zu Hause brauchen wir erst mal Kaffee. Dabei sichten wir die Bilder lassen das alles noch mal revue passieren. Wir sind völlig ausgelaugt, aber total happy und zufrieden.
Unser Fazit: Sehr geil! Wiederholung sehr wahrscheinlich!

Das Motominya Racing Team - bereit für neue Schandtaten!

Die Trialschule von Elmar Heuer führt Trialkurse und Trialferien in ganz Deutschland an verschiedenen Standorten durch. Man kann entweder, so man hat, mit dem eigenen Motorrad teilnehmen, oder aber auch - wie wir - Motorrad und Ausrüstung ausleihen. Beides ist im Preis für den Kurstag mit inbegriffen. Tom und ich haben pro Person 130,- Euro bezahlt, inklusive Mittagessen, Getränken, Motorrad, Klamotten, Betreuung und unfassbar viel Spaß.
Diese Kurse kann man übrigens auch als Firma buchen, für die Belegschaft.

Dienstag, 24. März 2015

Zwischenbericht - was sonst noch geschah bis jetzt...

Neben dem, was ich hier ausführlich schreibe, habe ich natürlich noch andere Abenteuer in der Zwischenzeit bestanden, oder habe einfach nur schöne Nachmittagstouren gemacht im letzten Herbst und Winter. Zum Beispiel hat sich in der Zwischenzeit der Feldberg im Taunus als eine Art "Hausberg" etabliert. Eines schönen Freitags Nachmittags bin ich einfach in die Richtung gefahren und den Schildern bis nach oben hin gefolgt. Hätte ich schon lange tun sollen... Ansonsten, also ohne Motorrad bin ich bislang höchst selten auf der höchsten Erhebung des Taunus gewesen.

Seit Ende August bin ich an einigen Freitagen bereits dort oben gewesen und habe nette Leute kennengelernt, Biker, klar, und habe Gefallen am Benzin reden gefunden. Das wird auf jeden Fall dieses Jahr auch wieder ein häufiges Ziel sein.
Im Rheinhessischen bin ich natürlich auch viel unterwegs gewesen, ich habe mich bereits im leichten Offroad versucht und festgestellt, daß nasser Rasen mir und dem Reifen so gar nicht taugt. Nur wirklich beherztes Eingreifen mit beiden Beinen hat mich im letzten Moment davor bewahrt, mich mit Gesa ins Grün zu bohren. Dabei sind wir langsamer als Schrittgeschwindigkeit gewesen. Wär echt blöd gewesen, denn dort wäre so rasch niemand als Hilfe zur Stelle gewesen.

Im berühmten Wispertal bin ich mittlerweile auch mehrmals gewesen, das war zunächst ein echter Angstgegner für mich, ich habe es dann unter der Woche unter die Räder genommen und da ging es. Hab mir echt zu sehr Gedanken gemacht über die ganzen Gebückten, die dort unterwegs sind. Übers Wispertal wird es auch dieses Jahr noch einen ausführlichen Bericht geben. Erst einmal seien zwei Bilder stellvertretend.

Mit den Leuten von der Fahrschule bin ich natürlich auch mal wieder unterwegs gewesen. Wir hatten eine Ausfahrt und dann noch zwei Treffen ohne Motorradl. Die Ausfahrt hatte es allerdings in sich. Ich wache morgens auf und schaue aus dem Fenster und sehe - nichts. Wirklich: nichts. Nebel! Und wie. Wenig damenhaft und an dieser Stelle nicht wiederholbar war mein Kommentar... Ich bin dann so schnell es ging in meine Klamotten gesprungen, denn die normale Fahrtzeit zum Treffpunkt in Nierstein konnte ich vergessen unter den Umständen, und habe zugesehen, daß ich aus dem Haus kam. Wir sind dann auch mit recht anständiger Zuversicht gestartet, mussten aber bald einsehen daß es keinen Sinn so hat. Der Nebel war nass und man hatte keine Sicht. Das Visier war sofort wieder voll Wassertröpfchen und man schwamm förmlich auf der Strasse dahin.
Wir haben dann beschlossen umzukehren, da einer ein Lokal in der Nähe kannte, in dem man - auf dem Lande ja eine Seltenheit - sonntags frühstücken konnte. Gegen Mittag war es noch nicht wirklich besser und einige sind umgekehrt und haben aufgesteckt. Mit ein paar anderen bin ich dann dennoch aufgebrochen und wir hatten dann wider Erwarten eine echt tolle Tour durch die Pfalz.


Das Stichwort Pfalz bringt uns schon zum nächsten Abenteuer. Dem Donnersberg. Von der Höhe nicht so spektakulär wie der Feldberg, aber die höchste Erhebung hier in der Gegend. Die Fahrt dort hin - ein Genuss! Durch kleine Dörfer schlängelt man sich bis Kirchheimbolanden und danach dann zum Aufstieg des Donnersberges.
Oben erwartet einen dann ein großer Parkplatz und ein Hochplateau. In keltischer Zeit ist er besiedelt gewesen und es gibt heute noch Spuren davon in Form von Erdwällen im Wald.
 Zwischen den Bäumen lugt etwas sonderbares hervor:
Es scheint neueren Datums zu sein und gibt - so wie ich das sehe - anatomisch nicht ganz korrekt - ein Pferd wieder...
Das ist mir nicht geheuer und ich sehe zu, daß ich weiter komme. Wieder unten finde ich eine Strasse, die der absolute Moto - Minya - Daumen - Hoch - Tip ist.

Sie führt nach Falkenstein, ein Ort, den ich, als ich die Geschichte später beim F800 GS - Stammtisch erzähle, gar nicht namentlich nennen muss. Man weiß sofort Bescheid und ahnt, was mir passiert ist.
Ich fahre also die echt steile Strasse runter und sehe eine tolle Burgruine. Ich denk mir so, da fährst du doch gleich noch mal hin und schaust dir das genauer an. Machst ein paar Bilder und verziehst dich wieder. Da oben war doch ein Parkplatz, der recht bequem aussah. Also drehe ich im Tal um, fahre die echt steile Strasse wieder rauf und biege auf den Parkplatz ein. Blöd ist, daß da gar kein Parkplatz ist, sondern eine normale Einfahrt zu einem Privatgrundstück. Das konnte ich aber, weil die Strasse echt ein bissel steil war, nicht sehen. Wie ich es aber dann sehe, bleibe ich unvermittelt stehen. Allerdings nicht lang. Denn dann lieg ich schon am Boden. Und Gesa auf mir. Das Bein kann ich ohne Weiteres unter ihr heraus ziehen und stehe auf. Der Motor läuft noch und ich mach ihn aus. Was nun? In einem Buch habe ich gesehen, wie man ein am Boden liegendes Motorrad aufhebt. Ich stelle mich also mit dem Hintern zu Gesa, gehe in die Hocke, greife sie am Lenker und am Bügel hinten und ziehe. Und ziehe. Und ziehe. Nix. Null Erregung. Monty Python kommt mir in den Sinn. Der "Dead Parrot Sketch".  The Blue Norwegian. "He's only resting!"
Wie ich da so stehe, kommt ein Engel des Weges. Zuerst schaut er gar nicht wie ein Engel aus. Er kommt mit einem kleinen grünen Geländewagen die Strasse entlang, fährt langsam, schaut her und bleibt stehen. Dann steigt er aus und kommt zu mir. Ich schildere ihm kurz was geschehen ist. Er kennt das, ist selbst Motorrad gefahren. "Ach je! Ä Meedsche!" ruft er aus. "Des kriegst Du doch nie uffgehobe!" Er stellt sich zu Gesa, geht in die Hocke und hebt sie einfach - wie ein Fahrrad - auf. Ich bin baff. Wir beschauen Gesa, es ist nichts passiert, der eine Handschutz ist etwas verkratzt und der Spiegel hat ein paar kleine Schrammen. Sonst nichts. Nur mein Ego hat gelitten. Er fragt mich, ob ich denn weiterfahren kann. Ich denke schon. Er hilft mir Gesa auf die Strasse zurückzuschieben und hält sie fest, bis ich draufsitze und sie angelassen habe. Dann fährt er noch ein Stück hinter mir her, um zu sehen, daß ich wirklich mit der Situation klar komme.
Wirklich ein dickes, dickes DANKE!
Ich brauche noch ein paar Kilometer bis der Puls wieder halbwegs normal geht und mache auch in Winnweiler erst mal eine Pause und veratme das ganze. Danach wird der Rest des Tages wieder sehr schön...
Das Handguard habe ich dann ein paar Tage später selbst und höchstpersönlich ausgetauscht. 

Der Rest des Jahres war dafür wieder sehr friedlich. Im Dezember habe ich die Koffer genutzt um vor Weihnachten in der Stadt noch ein paar Erledigungen zu machen und im Januar bin ich auch ein paar Tage unterwegs gewesen. Der Februar hatte nur wenige Fahrtage, an einem war ich in Laurenziberg und habe auf dem Weg dort hin festgestellt, daß die Falkenstein Affaire mir immer noch in den Knochen sitzt. Denn es ging wieder recht steil den Berg hinauf. Diesmal ist aber alles gut gegangen.

Zum Ausklang des Februars habe ich dann noch eine Runde durch den nördlichen Pfälzer Wald gedreht. Tolle kleine Strassen, Wald, Ruhe, Abgeschiedenheit. Super.
Eine absolute Premiumrunde, das Einzige, was ich notieren muss ist, nicht wieder bei der Güldenen Möwe einzukehren. Mag ja sein, daß in der Erinnerung die Dinge immer größer und toller erscheinen, aber meine Vorstellungen von "Big" können unmöglich so sehr sich verändert haben in den Jahren. Und mein Geschmack auch nicht. Hmpf.
Im allerbesten Abendsonnenschein rolle ich dann von Bad Dürkheim nach Worms und schließlich nach Hause und vergesse bei aller Glückseligkeit völlig noch mehr Bilder zu machen...
Auch das ist eine Aufgabe für dieses Jahr! Nicht immer nur fahren, sondern auch mal anhalten!




                     Bleiben Sie also dran! Die nächsten Abenteuer sind schon am Start!




Dienstag, 15. Juli 2014

Erste Male

"Duuu?" fragt mich Tom am Freitag Abend beim Essen bei Ikea langgezogen. "Duuu, wenn ich so einen Helm habe, dann kann ich doch auch mitfahren?" Mir fällt fast mein Stück Schnitzel von der Gabel. Da habe ich mich doch verhört eben? Hat er nicht im Vorfeld immer wieder betont, daß ihm das gar nicht so recht ist, die Sache mit dem Motorrad? Und nun fragt er mich, ob ich ihn mitnehmen kann? "Öhm, ja, dann könnte ich Dich mitnehmen..." Ich versuche lässig zu bleiben. "Wir können ja die Tage mal schauen, wo wir einen bekommen."
Sonnabend Mittag treffen wir uns in der Stadt. Ich bin mit Gesa wunderbar durch Rheinhessen geschaukelt, war in Biebelnheim beim Reifenhändler und habe mir das schon mal angesehen und bin dann weiter Richtung Rhein gefahren. Durch die ganzen kleinen Dörfer und über die schönen Hügel. Doof nur, daß nach dem Regen der letzten Tage auf den Strassen Lehm verteilt ist, von den Reifen der Traktoren. So muss ich ganz gut aufpassen, denn das Zeug ist jetzt am Vormittag noch feucht und glibschig. In Guntersblum führt mich der Strassenverlauf auf einmal auf die B9. Da will ich doch gar nicht hin. Nach Ludwigshöhe kam man doch anders. Aber egal, jetzt stehe ich hier. Umdrehen ist blöd. Weiterfahren auch. Die Kreuzung ist selten dämlich gemacht. Egal mit was man da unterwegs ist. Sie ist ein einer langen Kurve auf deren Innenseite angeordnet. Dazu geht es von meiner Einfahrt auch etwas bergauf um auf die Strasse zu kommen. Nach links schaue ich gegen ein Verkehrschild und kann ohne Verrenkungen nichts sehen und nach rechts verdeckt der Radius die Sicht. Man sticht also praktisch in den Nebel rein. Ich bin die Strecke von Worms kommend oft genug gefahren um zu wissen, daß hier recht forsch gefahren wird und die 70 auf den Schildern ringsum eigentlich nur zur Zierde dort hängen. Ich fasse Mut und fahre zu.
In Oppenheim schließlich mache ich einen Schlenker zur Burg Landskron hinauf und stelle fest, daß ich in meiner Vorstellung den Parkplatz dort oben völlig vergessen hatte. Aus dem Bild "Gesa vor der Landskron" wird somit erst mal nichts. Denn um jetzt den richtigen Weg zu suchen, fehlt etwas die Zeit. Das wird aber nachgeholt. In Oppenheim gibt es Kopfsteinpflaster und enge und engste Gassen. Das war ein Grund um hier her zu kommen. Das muss auch geübt werden. Es gelingt soweit ganz gut, ist aber verbesserungswürdig. Vor allem, wie ich dann auf die Strasse Richtung Marktplatz abbiege, das bedarf dringend der Überarbeitung. Aber schön, es ist der dritte Tag mit dem eigenen Motorrad, da erwartet man besser erst mal keine Wunder.
In Mainz parke ich Gesa an der Quintinskirche und mache mich auf den Weg zu unserem vereinbarten Treffpunkt. Als Tom dann eintrifft, bestaunt er erst mal meinen Helm. So eine Sonnenblende, das möchte er auch unbedingt haben, denn er ist recht blendempfindlich. Ich schlage vor, erst einmal zu Polo zu fahren. Tom kommt mit zum Motorrad und bestaunt Gesa erst einmal, die in der Sonne blitzt. Wir verabreden uns bei ihm und ich kann dann die Maschine in die Tiefgarage bei ihm stellen und wir fahren mit seinem Auto weiter.
"Womit kann ich Euch denn helfen?" fragt der nette Verkäufer bei Polo in Hechtsheim, als wir bei den Helmen stehen. "Der junge Mann hier braucht einen Helm..." gebe ich zurück.
Schließlich verlassen wir den Laden mit Helm, Handschuhen, einer Jacke und einem Nierengurt. Feste Schuhe hat er (da werde ich aber auch noch Überredungsarbeit leisten müssen) und eine Hose wird es das nächste Mal geben. Dazu habe ich ein Set an Reinigungsmitteln für Gesa mitgenommen und einen Rangierwagen.

                           Das Moto - Minya Racing Team ist angetreten. Wie lautet der Auftrag?

Wir rollen also langsam auf das Tiefgaragentor zu. Gesas Motor macht einen ordentlichen Lärm in der großen Garage. Das Tor öffnet sich und ich fahre langsam die Auffahrt hoch. Blinker links. Abstoppen, schauen und los. Mit Toms Gewicht hinten drauf wird das Fahrverhalten gleich ganz anders. Ich habe ganz gut zu tun, die Fuhre im Gewicht zu halten.
Wir haben den ersten Teil der Strecke besprochen, so daß er nicht vor unliebsame Überraschungen gestellt wird beim ersten Mal. Also fahren wir die Koblenzer Strasse in Richtung Lerchenberg, dort ist es auf sechzig begrenzt und so kann er sich schon mal etwas daran gewöhnen. Und ich auch. An der Auffahrt Lerchenberg fahren wir auf die Autobahn in Richtung Frankfurt auf. Daß dort jetzt eine Baustelle am Autobahnkreuz ist, kommt uns zu Gute. So muss ich nicht so sehr Gas geben und es geht erst mal gemütlich. In Laubenheim fahren wir wieder runter und dann durch Laubenheim durch. Die Abfahrt bin ich ja jetzt schon ein paar Mal mit der Fahrschulmaschine gefahren, aber mit der eigenen und dann noch mit jemandem hinten drauf - das ist eine andere Nummer. Ich fahre wie ein Megaeierbär. Erst als wir den Kreisverkehr hinter uns haben und in Richtung Bodenheim beschleunigen, bekomme ich meine Lockerheit zurück. Wir fahren dann durch Bodenheim nach Gau Bischofsheim (die Strecke kenne ich doch, woher kenne ich die denn...?), dort biege ich aber nicht nach Ebersheim ab, sondern wir fahren weiter nach Lörzweiler. Da von Tom keine Anzeichen kommen daß es ihm nicht gut gehen könnte, erweitere ich die Runde. So fahren wir schließlich weiter in einem schönen Bogen durch die Dörfer und zum Abschluss noch die Strecke von Saulheim nach Partenheim. Dort war ich am Morgen schon gefahren, aber da war noch viel Matsch auf der Strasse gewesen, der ist mittlerweile trocken und so können wir schön fahren. Etwas störend ist lediglich der Autofahrer, der die ganze Strecke von Saulheim an unserem Rücklicht schnuppern muss. Was die Leute von so etwas haben, das werde ich nie ergründen, ich habe aber festgestellt, daß es weit verbreitet ist.
Als wir bei mir zu Hause sind, bin ich erst einmal heilfroh, daß alles geklappt hat und wir gut angekommen sind. Zwar ging das Fahren wunderbar, aber trotzdem habe ich mich manchmal etwas unsicher gefühlt, weil ich zum einen das Fahren als Solches noch nicht so gewöhnt bin und ich zum anderen vorher noch nie mit jemand hinten drauf gefahren bin. Das ist nicht zu unterschätzen.
Tom hat die Fahrt gefallen und er hat auch gut sehen können und ist rundum zufrieden. Daß wir nicht zum Fotografieren angehalten haben, das stört ihn nicht weiter und so machen wir bei mir vor der Haustür ein paar Bilder.

                                                      Fast wie aus dem Katalog...
                                                        Danke an Tom!
Am Montag bin ich wieder alleine unterwegs. Zunächst einmal geht es langsam in Richtung Ingelheim. Ich fahre Gesa vorsichtig warm und bin somit froh, daß nicht so viel auf der Strasse los ist. Als wir gerade aus dem Dorf raus sind, geht die Tankanzeige an und im Display wird nun der seit dem Umschalten auf Reserve zurückgelegte Weg angezeigt. Bis Mombach schaffe ich es aber locker. An der Tankstelle ziehe ich das Futter aus der Jacke und verpacke es in meinem Rucksack. Das war wohl etwas voreilig, wie ich bei der Weiterfahrt feststelle, denn nun weht es reichlich kalt hinein. Ich bin schon geschwitzt und so wird das richtig unangenehm. Bei meinem BMW Händler mache ich Station um noch etwas zu besprechen und um mir einen Termin für die Einfahruntersuchung geben zu lassen und baue schleunigst das Futter wieder ein. Ich werde es einmal probieren ohne Futter, wenn es etwas wärmer ist und ich noch nicht geschwitzt bin.
Da ich den Nachmittag Zeit habe, fahre ich in Richtung Taunus. Es geht erst einmal nach Bad Schwalbach. Die Strecke von hier nach Idstein ist wegen Baustellen gesperrt, also biege ich in die andere Richtung ab, nach Limburg. Es folgt eine wunderbare Kurvenstrecke auf der ich praktisch alleine unterwegs bin. Nur hin und wieder kommt mal ein Auto, oder ein anderer Motorradfahrer mir entgegen, der natürlich freundlich gegrüßt wird. Gesa und ich gleiten höchst zufrieden durch den Wald. Kilometer um Kilometer windet sich die Strasse durch das Tal. In Aarbergen biege ich schließlich ab und mache mich auf den Rückweg. Hier hangele ich mich an der Beschilderung durch einige kleine Dörfer und komme schließlich in Taunusstein wieder heraus. Von hier ab kenne ich den Weg wieder und ich fahre in Richtung Wiesbaden. Es geht nur bergab, über die Eiserne Hand und an der Fasanerie biege ich dann ab und fahre nach Dotzheim. Über einen kleinen Schlenker am Rhein entlang komme ich schließlich nach Mainz. Dort lande ich erst mal im Stau auf der Theodor Heuss Brücke. Als ich das schließlich hinter mir gelassen habe, ist es nur noch ein kurzer Weg bis nach Hause.
Das war also meine erste richtige Kurvenstrecke gewesen. Toll! Ich habe mich heute schon wieder etwas mehr getraut, ich habe an Schräglage zugelegt und ich bin durch nur bedingt bekanntes Gebiet gefahren.






Freitag, 11. Juli 2014

Take off...!

Als ich gerade die Taste am Toaster drücke geht das Telefon. Der freundliche Tullius aus Schierstein ist am Rohr. "Deine Maschine ist jetzt da, die Jungs unten machen sie gerade fertig, die liegen in den letzten Zügen, zugelassen ist sie bereits, also kannst Du sie gegen drei abholen." HEEEYYY!!! Super! Gegen drei passt prima, da habe ich noch Gelegenheit etwas zu warten ob der Tag noch etwas anderes bringen könnte. Ich schaue auf mein Händi, da habe ich die DB App drauf - ein echtes Wunderding. Ich gebe das Ziel ein und die gewünschte Ankunftszeit und - schwups - zeigt mir das Ding an, welchen Bus ich wann nehmen muss. Wenn ich um viertel vor zwei aus dem Haus gehe, dann werde ich um eine Minute nach drei in Schierstein sein. Das passt doch.
Ich stehe zur rechten Zeit an der Bushaltestelle, der Bus kommt und los geht die Fahrt. Meine Motorradjacke, die Handschuhe und den Nierengurt habe ich im Rucksack, den Helm in seinem Beutel und ich selbst habe nur eine dünne Jacke drübergezogen, ich sehe eher aus, als würde ich ins Sportstudio fahren. An der Universität steige ich um und muss etwas rennen, denn da steht schon mein Anschlussbus an der Ampel. Das Rennen mit Motorradstiefeln sollte man lassen. Mir tut den Rest des Tages mein rechter Fuß weh, da habe ich ohnehin so ein Problem mit zwei Zehen... Der Stadtbus fährt eine Route, die vermutlich der eines flüchtenden Hasen nachempfunden worden ist. Es geht zickzack durch Mombach und dann auf sehr kreative Weise durch die Ausläufer von Biebrich und Schierstein. Als ich denke, nun sind wir aber gleich da, hat der Bus noch einen schönen Schlenker parat.
Von der Haltestelle ist es dann nicht weit, drei mal lang hinfallen und ich bin da.

Wie ich auf die Tür zugehe sehe ich sie schon:

WOW!! Einfach toll.... Zum niederknien. Ich kann es gar nicht mehr erwarten. Ich mache eine Runde um sie und streichele sie am Gepäckträger. (die mögen das...)
Mein Verkäufer kommt und wir regeln die Dinge, die mich noch von meinem Motorrad trennen.
Ich bekomme die Dinge erklärt, die ich wissen muss, zum Beispiel, wie gehe ich mit dem Hauptständer um - ich bin ja ein vollkommenes Greenhorn - und dann schiebt er sie mir vor die Tür.

                                       Voila! Moto - Minya und Gesa vor ihrer ersten Ausfahrt.

Ich tüddel mich an und setze mich auf die Maschine. Den Zündschlüssel rein, drehen und den Knopf gedrückt - Brooamm!! Wahnsinn! Seidenweich, aber doch kernig läuft der Motor. Wir fahren los. Klasse!
Erst mal geht es an die Shell Tankstelle in Schierstein und es gibt einen ordentlichen Schluck von dem guten. Zur Feier des Tages. Als ich bezahlt habe und aus dem Kassenhäuschen komme, kommt ein weiteres Motorrad auf die Tanke eingebogen. Eine alte Suzuki Gs wie sich herausstellt. Die Besitzerin ist die Präsidentin eines Frauenmotorradclubs "Die Töchter der Anarchie" , freut sich eine motorradfahrende Frau zu sehen und lädt mich ein morgen aufs Schiersteiner Hafenfest zu kommen, da hätten sie einen Stand. Danke für das Angebot, ich werde mal schauen, ob und wie ich das hinbekomme...

Danach geht es dann durch Biebrich, am Rhein entlang und über die Theodor Heuss Brücke nach Mainz. Dort hole ich noch vom Fachlabor einen Film ab. Ich parke dazu ganz lässig auf dem Fußweg. Die Motorradlqueen gibt sich die Ehre...
Gesa und ich wenden danach und fahren in Richtung Mombach, dann weiter über Heidesheim nach Ingelheim. Was als einziges etwas blöd ist, ist daß ich mitten im Berufsverkehr stecke. Also Autos wohin das Auge blickt. In Ingelheim habe ich an einer Ampel die Gelegenheit festzustellen, daß die automatische Blinkerabschaltung tatsächlich funktioniert.
Dann geht es durch Gau Algesheim und danach biege ich dann ab, in Richtung Ober Hilbersheim. Auf der Strecke habe ich dann tatsächlich etwas Ruhe und es ist eine herrliche Fahrt. Es geht durch die ganzen kleinen Dörfer und durch schönste Landschaft. Eigentlich hatte ich gedacht dann über Jugenheim nach Hause zu fahren, aber da ist ja die Baustelle, das hatte ich gestern gesehen. Also fahre ich weiter bis es nach Partenheim geht. Warum soll ich jetzt hier schon abfahren? Seh ich gar nicht ein! Wir sind jung und schön und das Wetter tut auch was es kann, also weiter! Gesa und ich huschen durch die schöne Allee und ich bin höchst zufrieden. Was für ein würdiger Moment!
Hinter Wörrstadt biege ich dann ab und fahre über Saulheim nach Nieder Olm. Jeutzt geht es doch nach Hause, im Rheingau sieht es nach Regen aus.

Wie ich dann zu Hause bin, scheint aber noch die schönste Sonne und ich flitze nur schnell hinein um eine vernünftige Kamera zu holen.

               Donner! Was für eine Farbe! In der Sonne glänzt sie fast wie Gold. Sagenhaft!


Es tut mir richtig leid, als ich sie letztlich doch in die Garage bringe. Aber keine Bange, es ist nicht für lange... :)